20 in 20

Yannick Bohnert über seinen Versuch aus eigener Kraft die 20 höchsten Gipfel Österreichs in nur 20 Tagen zu erklimmen.

Eine Sportskanone, geboren im Schwarzwald, mittlerweile aber wohnhaft in Omes bei Innsbruck: Nach der Ausbildung zog Yannick Bohnert mit seinem Van in die Berge, arbeitet seitdem dort als selbstständiger Industriekletterer und als Canyoningguide in der Area 47. Wenn er nicht arbeitet, musiziert er in den Livemusikbars Innsbrucks – oder setzt sich ehrgeizige Ziele. 

Hallo Yannick! Wir haben dich letztes Jahr zufällig auf der Similaunhütte getroffen. Damals hattest du ungefähr die Hälfte deines Plans umgesetzt. Wie verliefen die weiteren Tage?

Ungefähr ab diesem Zeitpunkt begannen meine Fressattacken. Auf der Similaunhütte aß ich drei Portionen Spaghetti und vier Desserts. Körperlich ging es mir da eigentlich ganz gut, nur das Wetter spielte nicht mit, weswegen ich am Ende eben nur 18in18 realisieren konnte. Die Watzespitze war an diesem Tag stark vereist und ich verlor dort meinen Pickel. Nach so vielen Tagen am Berg war ich aber total im Rausch und habe erst viel zu spät bemerkt, in welche Gefahr ich mich dort eigentlich brachte.

Wie kam dir denn überhaupt die kühne Idee zu 20in20?

Wir waren im Winter zuvor viel im Ötztal unterwegs und da träumte ich schon davon, einmal für all die großen Berge am Stück Zeit zu haben. Alles sollte minimalistisch sein, leicht und mit wenig Gepäck. Und natürlich war auch der Plan die Distanzen zwischen den Bergen aus eigener Kraft mit dem Radl zu überwinden. Am Anfang war das eher ein Scherz, aber ich habe nun mal nur 20 Tage Jahresurlaub…

Warst du dir überhaupt sicher, einen solch ehrgeizigen Plan umsetzen zu können?

Nein, eigentlich nicht! (lacht) Viele Wege und Gipfel kannte ich ja nur vom Winter mit Skiern – im Sommer spielen die Abstiege aber ja eine ganz andere Rolle. Um ehrlich zu sein war ich unsicher, dafür aber super motiviert. Vor allem, weil mir viele sagten: „Das wird schwer, das ist nicht möglich, das ist zu ambitioniert!“ Das nutzte ich als Antrieb.

Wie hast du dich vorbereitet?

Ich habe in diesem Sommer in der Area47 als Canyoningguide gearbeitet und meine beiden freien Tag fürs Industrieklettern genutzt. Somit war meine ganze Woche schon verplant. Deshalb entschied ich mich, die 52 Kilometer zur Arbeit und zurück vier Mal die Woche mit dem Rad zu bewältigen. Hatte ich doch mal einen Tag frei, bin ich auf einen Dreitausender gestiegen. Zur Akklimatisierung kurz vor dem Start bin ich nach der Arbeit nach Vent gefahren, um 20 Uhr auf die Wildspitze gestartet, habe oben zwei Stunden im Biwak geschlafen, bin abgestiegen und wieder direkt zur Arbeit gefahren. 

Gab es für dich von Anfang an nur eine einzige mögliche Route oder hättest du auch andere Möglichkeiten gehabt?

Es gab schon verschiedene Möglichkeiten. Ich wollte aber zuerst die langen Strecken mit dem Radl machen und danach nur noch von Hütte zu Hütte zu gehen. Somit war klar, dass das Ötztal ans Ende kommt und die Berge in Salzburg und Kärnten zu Beginn. Mir war außerdem wichtig in Innsbruck zu starten und das Projekt auch wieder dort zu beenden. Also plante ich noch zwei Tage für schlechtes Wetter oder schlechte körperliche Verhältnisse ein und rüttelte seitdem nicht einmal an diesem Plan. Es gefiel mir die Strecke im Kopf zu haben und ich fühlte mich damit einfach gut.

Irgendwann ging es dann los. Wie verliefen die Tage im Überblick? 

Ich startete frisch und motiviert in Innsbruck – alles lief nach Plan, bis auf meine Geldtasche, die ich natürlich vergessen hatte. Ich war also gleich auf die Hilfe meines kleinen Teams angewiesen. So wurde mir mein Portemonnaie nachgeliefert, zwischendrin das Rad transportiert und gereinigt und natürlich waren auch immer wieder meine Freunde mit mir am Berg und auf dem Rad. Das war eine enorme psychische Unterstützung. Außerdem war noch Tanja Medakovic mit an Bord, die beste Physiotherapeutin, die ich kenne. 

Sicher gab es trotzdem auch Tiefpunkte, oder?

Ja, sicher. Nach einem harten Tag setzte mein Körper auf dem Lucknerhaus aus. Ich bekam Schüttelfrost – quasi das Aus für die Glocknerwand und das Aus für 20in20. Das war ein Schlag ins Gesicht. Gott sei Dank konnte ich mich nach einem Pausentag schnell erholen. Es gab aber auch einige eiskalte Passagen auf dem Radl und natürlich das schlechte Wetter an der Watzespitze.

Wo waren demnach deine Höhepunkte während der 18 Tage?

Da gab es so viele, dass sie hier nicht Platz finden. Eigentlich immer, wenn ich so weit oben war, dass ich keine Zivilisation mehr sehen oder hören konnte, nur noch den Atem meiner Amigos, den Wind und das Stapfen über das Eis. Das ist für mich das Wohltuendste.

Wird es also einen zweiten Versuch geben?

Nein! (lacht) Nie mehr wieder! Es war wunderbar, jedoch kommen die nächsten großen Projekte. Ich bin dankbar um alles was war und ich glaube auch nicht, dass ich nochmal 18 Tage am Stück so gutes Wetter haben werde. Zu wissen, was da alles auf einen zukommt macht es außerdem ziemlich unattraktiv! 😀

Danke und viel Erfolg bei den kommenden Touren!

Interview: Benni Sauer 

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