Achtung Suchtgefahr

Skitouren sind so beliebt wie noch nie und die Fangemeinde wächst jede Saison. Kein Wunder, denn: Wer einmal vom bittersüßen Geschmack des Aufstiegs genascht und eine Abfahrt im unverspurten Pulverhang voll ausgekostet hat wird schnell süchtig – skitourensüchtig.

Riechen Sie auch schon den ersten Schnee? Diese einmalige Duftnote, die nur von der Natur so harmonisch zusammengesetzt werden kann. Darin enthalten: Eine feinherbe Prise Laub, ein Hauch Röstaromen von Kastanien, die über offenem Feuer langsam garen und ein guter Spritzer kalte Luft, die vor Sauerstoff fast zu Platzen droht. Voilà, fertig ist der Schneeduft – eine Sehnsuchtsnote, die auf Skitourengeher eine betörende Wirkung ausübt. Wie in Trance werden jetzt überall Ski präpariert, das Touren-Outfit wieder in die erste Schrankreihe vorgezogen und die Notfallausrüstung auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Damit beim ersten Schneefall einem gelungenen Start in die Tourensaison nichts im Weg steht. 
Auf den kommenden Seiten haben wir für Sie die schönsten Skitouren für Einsteiger und Genießer sowie tolle Freeride-Spots zusammengestellt – gewürzt mit Tipps und Informationen zum richtigen Verhalten im freien Gelände.
Aber Achtung: Es besteht akute Suchtgefahr… 


Bild: BAUSE TOM

Nordkette Innsbruck
Morgens powdern, mittags shoppen
Eine der steilsten Rinnen Europas fahren

Tirols Hauptstadt genießt in der Freeride-Szene „Mekka-Status“. Im Winter gehören Freerider, die in voller Montur durch die Altstadtgassen schlendern, zum Straßenbild genau wie das legendäre Goldene Dachl. Die Nordkettenbahn startet entsprechend auch quasi in der Stadtmitte und katapultiert Powdersüchtige in wenigen Minuten und zwei Etappen über Hungerburg und Seegrube (1900 m) aufs Hafelekar (2250 m). 
Ein echter Gänsehaut-Moment: Der Drop-In von der Bergstation in die bis zu 70 % steile Hafelekarrinne – nicht nur wegen ihrer Steilheit (sie zählt zu den steilsten Rinnen Europas), sondern auch wegen dem atemberaubenden Blick auf die Dächer der Stadt. Es folgen lange Runs bis zur Seegrube. Nach einem Einkehrschwung geht es weiter bergab bis zur Station Hungerburg. Hier bringt einen die Bahn wieder zurück in die City, Downtown versteht sich. Die Nordkette bietet Freeride-Profis bis zu 70 Grad steile Rinnen und jede Menge fantastische Tree Rides mit langen Abfahrten von bis zu 1000 Höhenmetern. Und, das Ganze ohne ein einziges Mal die Felle aufziehen zu müssen. 

Infos: www.nordkette.com 
Guide: www.mc2alpin.at


Bilder: © Livigno | Roby Trab

Livigno, 1.800 m
Powdermekka in Little Tibet
Heli-Skiing ohne Jetlag, dafür mit eigenem Lawinenlagebericht

Little Tibet, den Zusatz hat sich Livigno durch seine Höhenlage, seinen Schneereichtum und seine Abgeschiedenheit redlich „verdient“. Bis in die 1950er-Jahre war das Hochtal eine reine Sommertourismusdestination – lediglich ein paar verrückte Deutsche wühlten sich durch die Schneemassen, erzählt man sich in der Region Lombardei. Mit Fertigstellung des Munt-la-Schera-Tunnels war dann eine ganzjährige Verbindung zur Schweiz hergestellt – der Wintertourismus nahm Fahrt auf. Als nächster Coup erreichte Livigno als erste Destination in Italien, dass das Freeriden in ausgewiesenen Arealen auch ohne Guide erlaubt wurde. Und das Heliskiing in den Alpen haben sie auch gleich noch salonfähig gemacht. On top wird von ALPsolut, einer Expertencrew mit Niederlassung in Livigno, ein örtlicher Lawinenlagebericht erstellt, der tagesaktuell über eine App abgerufen werden kann und an allen strategisch wichtigen Locations aushängt.  Und wer nachmittags genug von den vielen Powdervarianten zu beiden Talseiten hat, geht im Duty-Free-Paradies shoppen. 
Freeride-Fans können in Livigno meist schon ab November in fluffigem Champagner-Powder die breiten Hänge „surfen“. Insgesamt stehen sechs Bergrücken zwischen 1800 und 2900 Metern für Schneesüchtige zur Verfügung. Viele Runs sind direkt ab dem Lift fahrbar, steilere Hänge sind in kurzen Hikes erreichbar. Absolut lohnenswert: Ein Tag Heliskiing oder die „Fresh Track Experience“ – hier wird noch im Dunklen auf den Berg gefahren – den Sonnenaufgang erlebt man dann beim ersten Powder-Run. 

Infos: www.livigno.eu/de | www.carosello3000.com/de
Guide: www.whitelineguides.com


© Elmar Müller

Obere Gottesackerwände, 2.033 m
Gottesackerplateau at its best
Drei Gipfel auf einen Streich

Schon allein die zerklüftete Karstlandschaft des mächtigen und weithin sichtbaren Gottesackerplateaus im Kleinwalsertal ist eine Augenweide. Legt sich dann im Winter auch noch eine dicke Schneehaube über den markanten Gipfel des „Hohe Ifen“ kribbelt es Back-Country-Experten in den Füßen. God is a snowman, not a DJ und um die weiße Pracht bestmöglich auskosten zu können gibt es für konditionsstarke Tourengeher und Freerider die Möglichkeit an einem Tag gleich drei Gipfel zu besteigen – und damit drei Abfahrten zu zelebrieren! Insgesamt werden 1300 Höhenmeter im Aufstieg absolviert – rund 5 Stunden sollten für die Tour einkalkuliert werden. Die Drei-Gipfeltour verläuft über das Mahdtal auf den Windecksattel. Von hier geht sie los, die Gipfelrallye: Vom Sattel steuern Tourengeher auf die Unteren Gottesackerwände (1858 m) zu, dann geht es auf die Oberen Gottesackerwände (2033 m) und zuletzt lockt noch das Toreck (2020 m). Hier heißt es dann Felle endgültig einpacken und eine extralange Abfahrt ins Tal genießen. 
Achtung: Das Gottesackerplateau selbst steht unter Naturschutz – bitte unbedingt an die Wintermarkierungen halten, oder gleich mit einem Bergführer aus dem Tal starten.

Infos: Skitourenführer Allgäu, www.panico.de 
Guide: www.bergschule.at 


© TVB Pitztal | Webhofer Mario

Wildspitze, 3.768 m
Tirols höchster Gipfel
Mit 670 Höhenmetern im Aufstieg,
2.000 Höhenmeter Abfahrt genießen

Ein echter Klassiker, der bei gutem Wetter und perfekten Bedingungen zahlreiche Skitourenfreunde und Freerider anlockt. Sprich: Die Fahrt mit der ersten Bahn Richtung Pitztaler Gletscher wird an solchen Tagen von Tourengehern dominiert, auf dem Weg zum Gipfel zieht sich dann aber alles gut auseinander, nicht weil die Tour technisch besonders anspruchsvoll, sondern eher weil die Luft recht dünn ist. Ganz auf die leichte Schulter sollte man den zweithöchsten Gipfel Österreichs aber dennoch nicht nehmen, immerhin führt der Anstieg über den Gletscher „Taschachferner“ – je nach Schneesituation können hier gegebenenfalls die Spalten nur mit einer Schneebrücke versehen sein. Eine hochalpine Ausrüstung samt Erfahrung ist hier unbedingt notwendig – ansonsten bucht man die Tour besser über eine Bergschule. Die letzten Meter auf den Gipfel geht es dann zu Fuß – der Blick von oben ist atemberaubend, genauso wie die lange Abfahrt ins Tal. Gute 2000 Höhenmeter geht es mit den Ski wieder hinunter, bei guten Verhältnissen durchwegs im freien Gelände über das Taschachhaus, ansonsten nach einem kurzen Gegenanstieg über das Skigebiet. 

Infos: www.pitztaler-gletscher.at
Guide: www.bergfuehrervereinigung-pitztal.com

SICHER IM GELÄNDE

1. Notfallausrüstung beherrschen:
Wie funktioniert das LVS-Gerät, wie löse ich den Lawinenairbag richtig aus. Am besten lernt man die korrekte Handhabung bei einem Kurs.
Tipp: Am Anfang jeder Wintersaison einen Auffrischungskurs bei einer Bergschule oder beim Alpenverein buchen. Auch viele Ausrüster wie beispielsweise Ortovox bieten Infotage im Gelände an. www.ortovox.com/de
Kostenlose Workshops können über SAAC gebucht werden (www.saac.at

2. Notfallausrüstung vor dem ersten Einsatz auf seine Funktionalität prüfen. Batterien checken.

3. Touren im freien Gelände immer planen, Lawinenlagebericht vorab schon beobachten und tagesaktuell einholen. 

4. Immer LVS-Gerät, Schaufel, Sonde und falls vorhanden zusätzlich einen Lawinenairbag nutzen. Niemals „nur“ mit Lawinenairbag ins Gelände gehen! 

5. LVS-Gerät in der Gruppe oder an einem Checkpoint prüfen.

6. Abfahrten und Aufstiege dem Gelände und der Lawinenlage anpassen und ggf. mit Abstand unterwegs sein.

7. Wer das Tourengelände nicht kennt: Bergführer buchen und als geführte Tour gehen. 

8. Gruppen homogen zusammenstellen – neue Gruppenkonstellationen auf leichten Touren auf ihre „Kompatibilität“ prüfen. 

9. Niemals alleine ins freie Gelände.

10. Powerbank fürs Smartphone mitnehmen. Kälte setzt den Akkuleistungen zu, nicht das im Notfall kein Notruf mehr abgesetzt werden kann. 

© Gerald Aichner

Glungezer Hütte, 2.610 m
Skitour auf Tirols höchstgelegene ÖAV-Hütte
Kulinarisch wie skitechnisch ein Genuss auf höchstem Niveau

Der Aufstieg zur Glungezer Hütte (2610 m) lässt sich ganz nach Lust, Laune und Kondition gestalten: Wer etwas für seine Fitness tun möchte, steigt, vorausgesetzt es liegt genügend Schnee, an der Karlskirche bei Volders ein und läuft dann satte 2050 Meter (!) und 16 Kilometer bergauf. Wer es gemütlicher mag, nutzt die Lifte im gleichnamigen Mikro-Skigebiet und lässt sich ein Stück nach oben fahren. Wer bis zur Bergstation auf die Liftunterstützung baut, reduziert den Aufstieg mit Ski auf 300 Höhenmeter, was vor allem Familien und Tourenneulingen entgegenkommt. 
Der Aufstieg verläuft am Pistenrand. Ab der Bergstation geht es die letzten Höhenmeter über freies Gelände. Aber: keine Sorge, der Weg ist mit Schneestangen gut markiert. Oben erwartet die hungrigen Tourengeher echte Hüttenköstlichkeiten: Selbstgebackenes Brot, Glungezer Spaghetti à la Kathmandu, Apfelstrudel und Buchweizen-Monkuchen mit Rahm – das kulinarische Angebot ist genauso vielfältig wie die Aufstiegsvarianten. 

Infos: www.glungezer.at/g-l-u-n-g-e-z-e-r-hütte-reservierung/winter-skitour/ 
Skigebiet/Bahn: www.glungezerbahn.at


© schultz-ski.at

wedelhütte, 2.350 m
Ski und Genuss perfekt vereint
Aspen-Feeling im Herzen Tirols

Zugegeben, die Wedelhütte liegt inmitten des Skigebietes „Ski-Optimal Hochzillertal“, also auf den ersten Blick kein Skitourenziel. Warum es dennoch hier aufgeführt ist? Weil man sich mit der Zimmerbuchung am Berg (die Wedelhütte verfügt über fantastische Zimmer) am besten gleich einen Bergführer wie beispielsweise den Zillertaler Stefan Wierer dazu bucht und dann von dem wohl herrlichsten Ort der Alpen zu den Zillertaler Gipfeln startet: den Hausberg mit Ski erklimmt oder eines der zahlreichen Freeride-Areale erkundet, um in nicht enden wollenden Abfahrten die Glückshormone zum Tanzen zu bringen. Und wenn die Hormone langsam wieder die Tanzfläche verlassen, dann ist es Zeit für neue Genussmomente, dann auf der Wedelhütte. Bei schönem Wetter lässt man sich eine Flasche prickelnden Champagner auf der Terrasse servieren, dazu ein frischer Salat oder Moule frites. Wenn es stürmt und schneit wärmt der Kachelofen mit seinem knackenden Holz die Herzen, dazu ein gutes Stück Steak, Dry-Aged, aus dem Fleisch-Reifeschrank – und die Glückshormone schwofen schon wieder, diesmal im Walzertakt… 

Infos: www.wedelhuette.at
www.hochzillertal.com 
Guide: www.zillertaler-bergfuehrer.at 


© TVB Tannheimer Tal | Achim Meurer

Rohnenspitze, 1.992 m
Tannheimer Tal
So rassig die Skitour, so köstlich
das Slow-Food-Menü im „Morent“

Egal, welche Skitour Sie im Tannheimer Tal unternehmen, achten Sie darauf, dass Sie A) immer Wechselkleidung im Auto haben, mit der Sie B) auch in einem Restaurant mit sehr guter Küche Platz nehmen können und C) reservieren Sie einen Tisch im „Morent“. Denn: Gerade mal fünf (!) Tische stehen für die Feinschmecker in der winzigen Bauernstube des „Morent“ parat. Serviert wird „Slow-Food“ auf höchstem Niveau. Das kleine Lokal liegt in einer Seitenstraße von Zöblen, die Köchin, eine gebürtige Ungarin betreibt mit ihrem Mann das Restaurant, das sich in einem über 350 Jahre alten Bauernhäuschen befindet. Wer mag kann hier auch gleich übernachten. Vor den kulinarischen Höhenflügen wird auf Skitour Platz geschaffen für derlei Köstlichkeiten. Von leicht bis schwer stehen hier die Gipfel wie Soldaten Spalier, in Erwartung mit den Ski erobert zu werden. Ein Klassiker unter den Skitouren führt beispielsweise auf den Zöblener Hausberg, die Rohnenspitze, 1992 m. Mit gut 900 Höhenmetern im Aufstieg und bei guten Verhältnissen einer rassigen Abfahrt über steile Hänge eine perfekte Tagestour, die ihren krönenden Abschluss bei kulinarischen Leckereien findet. 

Infos: www.tourentipp.de
Guide:  www.tannheim-guides.at
Restaurant: www.morent.at


© Alpsee-Grünten Tourismus GmbH | Dominik Luschtenetz

 Grüntenhütte, 1.477 m
Zu Gast beim Wächter des Allgäus
Allgäuer Soulfood nach Feierabend zelebrieren

Jeden Mittwoch und Freitag geht Hüttenwirt Norbert Zeberle im Winter in die „Verlängerung“, denn an diesen beiden Wochentagen ist jeweils Tourengeherabend in der Region Alpsee-Grünten. Da lassen sich die Allgäuer nicht zweimal bitten und folgen mit Wonne dem Lockruf des Hüttenwirts samt seiner regionalen und durchweg selbstgemachten Köstlichkeiten. Der Aufstieg von 520 Höhenmetern startet bei den ehemaligen Kammereg-Liften, die mittlerweile eine kleine Brauerei beherbergen. Übrigens: „Die Skitour bis zur Hütte ist absolut Lawinenfrei “, erklärt Hüttenwirt Norbert Zeberle. Nach der Hütte gilt das nicht mehr! Aber wer will schon weiter, wenn es aus der Küche verführerisch nach überbackenem Bergkäse duftet? Eben. Niemand! Denn, an den Tourengeherabenden gibt es eine spezielle Seelenkarte – Soulfood auf die Allgäuer Art. Beispielsweise wärmt die Älplerseele unsere Herzen: Selbstgemachte Kräuterbutter, Rindfleisch-Patties, Röstzwiebel und gebratener Speck kommt auf die Seele, und dann wird das ganze mit Bergkäse im Ofen überbacken.  Zur Seelenkarte macht der Hüttenwirt immer noch ein heimisches Gericht wie beispielsweise Krautkrapfen, Kässpatzen oder ein gebackenes Metzgerkotelett. Was es abends gibt verkündet Norbert vorab auf der Facebook-Seite (www.facebook.com/search/top/?q=grüntenhütte) Fan werden lohnt sich, oder man lässt sich einfach überraschen was der Hüttenwirt mit seinem Team an den Allgäuer Soulfood-Abenden neben den Seelen noch auf den Tisch zaubert.  

Infos: www.outdooractive.com/de/skitour/oberallgaeu/pistentour-zur-gruentenhuette-500-hm-d-rettenberg/15448058
Hütte: www.gruentenhuette.de 

NATURVERTRÄGLICH AUF TOUR GEHEN

1. Routenempfehlungen, Markierungen und Hinweise der DAV-Kampagne „Natürlich auf Tour“ beachten.

2. Schutz- und Schongebiete für Pflanzen und Tiere respektieren, Lärm vermeiden.

3. Wildtieren möglichst ausweichen, nur aus der Distanz beobachten, Futterstellen umgehen, Hunde anleinen.

4. Im Hochwinter Gipfel, Rücken und Grate vor 10 Uhr und nach 16 Uhr meiden.

5. In Waldgebieten und an der Waldgrenze auf üblichen Skirouten, Forst- und Wanderwegen bleiben, Abstand zu Baum- und Strauchgruppen halten.

6. Aufforstungen und Jungwald schonen.

7. Umweltschonend anreisen: öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften nutzen; ausgewiesene Parkplätze anfahren, keine Zufahrten blockieren.

8. Eher mehrtägige Aufenthalte statt vieler Tagestouren planen, das gastronomische Angebot vor Ort nutzen.

9. Touren mit Führern und Karten planen, die das DAV-Gütesiegel „Natürlich auf Tour“ tragen.

10. Die Regeln für Skitouren auf Pisten beachten.

(Quelle: DAV, Broschüre „Natürlich auf Tour“)

© Brauneck Bergbahn | Hubert Walther

Brauneck, 1.555 m
Tourenklassiker im Tölzer Land
Für Einsteiger, die auf präparierten Pisten abfahren wollen

Nein, ein Geheimtipp ist die Skitour auf den Brauneck-Gipfel (1555 m) nicht, aber dennoch gibt es eine recht große Fangemeinde, die der Tour treu ergeben ist, um nicht zu sagen „verfallen“. Der Anstieg ist mäßig steil, technisch einfach. Mit 830 Höhenmetern ist die Brauneck-Tour vor allem für Skitouren-Neulinge eine „gstandene Skitour“ auf die man zu recht stolz sein kann. Eingefleischte Lenggrieser Tourengeher nutzen ihren Hausberg gerne als Trainingsstrecke – manche steigen bis zu dreimal am Tag dem Brauneck auf’s Dach, was dann über 2500 Höhenmetern entspricht…!
All anderen, die mit einem Aufstieg hoch zufrieden sind, haben, oben angekommen, die Qual der Einkehrwahl: Entweder das Brauneck-Gipfelhaus oder das Panoramarestaurant (Bergstation der Brauneck-Bahn). Im Zweifel beiden einen Besuch abstatten … Die Skitour selbst führt durch einen herrlichen Bergwald und hat, bis auf wenige Ausnahmen, keine Pistenberührung, was dieser Einsteigertour einen Hauch von echter Skitour verleiht.  Zur Wegfindung bitte unbedingt den Aufstiegstafeln des DAV folgen. Abgefahren wird über die Piste. Achtung: nach Betriebsschluss sind die Pisten gesperrt, da die Präparierung mit Seilwindenmaschinen erfolgt. 

Infos: www.brauneck-bergbahn.de
Hütte: www.brauneckgipfelhaus.de 


© Heckmair

Taubensteinhaus, 1.567 m
Pistentour, ganz ohne Piste
Aben(d)teuer auf aufgelassenem Skigebiet

Mit ca. 500 Höhenmetern genau die richtige Tour für Skitouren-Aspiranten, Wiedereinsteiger und Nachtskitourenfreunde. Seit der Saison 2015/16 bleibt im Winter die Taubensteinbahn geschlossen und die Pisten unpräpariert. Der „Taubenstein“ gehört seitdem wieder ganz den Skitourengehern. An schönen Tag mit Neuschnee wird es auf dem Parkplatz zuweilen eng, aber spätestens beim ersten steilen Abschnitt zieht sich die Tourenschar auseinander. Oben treffen sich dann alle wieder zu einer deftigen Suppe oder einem Kaiserschmarren im Taubensteinhaus. Netter Abstecher auf dem Weg nach oben oder unten (tagsüber): Die Maxlrainer Alm. Nachtschwärmer können sich freuen, denn das Taubensteinhaus hat Dienstag bis Donnerstag jeweils bis 22 Uhr geöffnet. Ein besonderes Erlebnis beispielsweise bei Vollmond, oder einfach so, als After-Work-Skitour. Stirnlampe nicht vergessen! 

Infos: www.nachtskitouren.de/touren/taubenstein.php
Hütte: www.taubensteinhaus.de


Sudelfeldkopf, 1.439 m
A Bavarian Classic
Ideal für die ersten Aufstiegsmeter mit Ski

Mit 380 Höhenmetern und moderaten Anstiegen definitiv die ideale Spielwiese für alle Skitouren-Einsteiger. Denn: Der Aufstieg verläuft bequem am Pistenrand und die Abfahrt dann auf der präparierten Piste, sprich hier sind erst einmal keine Kenntnisse erforderlich, wie man mit dem LVS-Gerät richtig umgeht, oder im Ernstfall einen Lawinenairbag auslöst. Auch Tiefschneeerfahrungen sind hier vernachlässigbar. Wer also einfach mal ausprobieren möchte, ob das mit dem Aufsteigen mit Ski Spaß macht, der ist hier perfekt aufgehoben. Bitte unbedingt der grün-beschilderten Aufstiegsroute folgen, denn nur hier sind Pistentourengeher willkommen. Die schöne Route führt von den Oswaldliften am Pistenrand zum Sudelfeldkopf mit Speckalm und Walleralm. Und wer nach knapp 400 Höhenmetern „Blut geleckt“ hat, kann noch bis zum Vogelsanggipfel gehen und von dort oben den fantastischen Ausblick genießen. 

Infos: www.sudelfeld.de
Touren-Ausrüstung im Verleih:sportalm-bayrischzell.de/tourenski-verleih


Stuibenhütte, 1.640 m
Kombitour mit uriger Hütte
Gipfelglück und Hüttenromantik

Die ersten Skitourenerfahrungen sind schon gesammelt, es stehen neue Herausforderungen auf der persönlichen „To-do-Liste“? Wie wäre es mit einer Skitour mit Gipfel und Hüttenübernachtung! Und damit die Nerven ruhig bleiben, wählen wir als Gebiet Garmisch-Partenkirchen mit der urigen Stuibenhütte. Der Aufstieg mit schwerem Gepäck wird dank Liftunterstützung mit der Osterfelderbahn schon mal um einige Höhenmeter erleichtert. Und überhaupt geht die Skitour mit einer rasanten Abfahrt auf den Skipisten der „Garmisch Classic“ an. Ein Warm-up der Extraklasse. Ein gutes Stück tiefer verschwinden dann die Skitourengeher im Wald – auffellen ist angesagt, und dann zieht sich der Weg zunächst durch einen herrlichen Bergwald und später über freies Almgelände zur Stuibenhütte. Das Tagwerk ist getan, wer mag kann noch ein wenig mit dem LVS-Gerät üben, oder sich einfach dem süßen Nichtstun hingeben. Der Hüttenwart bereitet für den Abend die mitgebrachten Lebensmittel zu – am besten Nudeln und eine Packung Soße mitbringen, und auch ans Frühstück denken! Am nächsten Tag geht es dann noch auf den nahen Mauerschartenkopf, 1924 m, der von der Hütte aus ein „Klacks“ ist – danach locken traumhafte breite Hänge zum Pulvern. Die Tour endet wieder in dem kleinen lichten Wald, wo am Vortag das erste Mal die Felle aufgezogen wurden. Ins Tal geht es bequem über das Skigebiet Garmisch-Classic. Achtung: Auf dem Rückweg muss der Bernadeienlift genutzt werden, entsprechend beim Kartenkauf einen Hinweis über die Vorhaben geben. 

Infos: www.alpenvereinaktiv.com/de/
selbstversorgerhuette/stuibenhuette/7242138

Hütte: www.alpenverein.de/DAV-Services/Huettensuche/
Stuibenhuette/7242138

Guide: www.die-bergfuehrer.de

10 REGELN FÜR PISTENTOUREN

Pistentouren boomen, nicht nur Einsteiger nehmen gerne den Aufstieg am Pistenrand wahr, sondern auch viele eingefleischte Tourengeher nutzen Skigebiete für schnelle Work-Outs. Die Anzahl der Tourengeher steigt, und damit auch das Gefährdungspotenzial. Der DAV bemüht sich schon seit 2003 um einvernehmliche Lösungen in allen bayerischen Skigebieten, indem mit allen Beteiligten eng zusammengearbeitet wird: dem Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS), dem Bayerischen Innen- und Umweltministerium, dem Landesamt für Umwelt, dem Deutschen Skiverband, dem Lawinenwarndienst sowie den Lift- und Bahnbetreibern, Gemeinden und zuständigen DAV-Sektionen. 

1. Aufstieg und Abfahrt erfolgen auf eigenes Risiko und eigene Verantwortung.

2. Nur am Pistenrand aufsteigen (FIS-Regel Nr. 7). Dabei hintereinander, nicht nebeneinander gehen. Auf den Skibetrieb achten.

3. Besondere Vorsicht an Kuppen, in Engpassagen, Steilhängen und bei Vereisung der Piste. Bei Pistenquerung möglichst einzeln gehen bzw. Abstände zueinander halten. Keine Querung in unübersichtlichen Bereichen.

4. Pistensperrungen, Warnhinweise und lokale Regelungen immer beachten.

5. Bei Pistenarbeiten sind die Pisten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Insbesondere bei Einsatz von Seilwinden besteht Lebensgefahr.

6. Frisch präparierte Skipisten nur in den Randbereichen befahren. Bei Dunkelheit stets mit eingeschalteter Stirnlampe gehen, reflektierende Kleidung tragen.

7. Auf alpine Gefahren, insbesondere Lawinengefahr, achten. Keine Skitouren durchführen, wenn Lawinensprengungen zu erwarten sind. Nur geöffnete Pisten sind vor Lawinen gesichert.

8. Skitouren nur bei genügend Schnee unternehmen. Schäden an der Pflanzen- und Bodendecke vermeiden.

9. Rücksicht auf Wildtiere nehmen. Bei Dämmerung und Dunkelheit werden Tiere empfindlich gestört. Hunde nicht auf Skipisten mitnehmen.

10. Regelungen an den Parkplätzen beachten, Parkgebühren bezahlen, umweltfreundlich anreisen.

(Quelle: Deutscher Alpenverein, www.alpenverein.de/Bergsport/aktiv-sein/Skitouren-auf-Pisten)


Lust bekommen auf Freeriden? 
Die Bergschule Kleinwalsertal bietet ab der Wintersaison 2018/19 erstmalig Free-
ridecamps für Einsteiger an. An zwei Tagen wird in kleinen Gruppen mit maximal 4 Personen die Fahrtechnik für Tiefschneeabfahrten vermittelt. Grundvoraussetzung für diesen 2-Tage-Kurs ist sicheres Skifahren auf schwarzen Pisten im Parallelschwung. Kursziel ist ein sicheres und freies Fahren im Gelände.  
Preis: 255,- pro Person 
Infos und Buchung: www.bergschule.at


Autorin: Susa Schreiner

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