Auf die Bretter, fertig, los?

Ski Arlberg im Winter – und im Sommer

Titelfoto: Skiguide Paul hat nicht nur eine astreine Technik, sondern auch den besten Überblick: Wer unterhaltsam, schnell und koordiniert den Weißen Ring fahren möchte, tut dies am besten mit einem Führer.

So lange ist es gar nicht her: Vor zehn Jahren noch war Warth-Schröcken getrennt vom weltberühmten Wintersport-Mekka Ski Arlberg. Erst seit der Wintersaison 2013/14 verbindet der Auenfeldjet die beiden Skigebiete. Genaugenommen brachte sogar erst dieser Zusammenschluss den klingenden Namen Arlberg nach Warth-Schröcken. Das eigentliche Arlberg ist hier lediglich in weiter Ferne spürbar – doch das hat auch etwas für sich: Warth und Schröcken strahlen noch immer im einstigen Charme von damals. 

Geräuschlos schweben wir mit der nagelneuen Madlochbahn über den zugefrorenen Zürser See.

Après-Ski ist hier nirgends zu finden. Die kleinen Sträßchen zwischen den wenigen Häusern sind ruhig. Selbst im Winter. Ungefähr 170 Einwohner in Warth und 220 in Schröcken. Man kennt sich. Man hilft sich. Auch über den Hochtannbergpass hinweg. Die Pisten hier liegen allesamt nordseitig, was zwar einerseits für ein schattiges Vergnügen sorgt, andrerseits aber auch den Pulver besonders lange konserviert. So ist das eben im gemächlich gemütlichen Warth-Schröcken, das bis vor wenigen Jahren noch ganz ohne Gondel auskam. Erst seit der Saison 17/18 gibt es hier eine Kabinenbahn: Die Dorfbahn Warth bringt Skifahrer direkt aus dem Dorfzentrum ins Skigebiet. Dabei überbrückt das „kleine Helferlein“ lediglich 422 Strecken- und 76 Höhenmeter. Freunde der Sessellifte kamen und kommen hier aber noch immer auf ihre Kosten. Alle anderen Aufstiegsanalgen sind bis heute Sessellifte geblieben.

Angenehm ist die einzige Gondel der Region aber natürlich dennoch! Direkt vor der Hoteltür kann man nämlich in die Achterkabine steigen. Die kurze Busfahrt hinauf zum Pass gehört der Vergangenheit an. Bereits nach wenigen Schwüngen befindet man sich so schon auf dem berühmten Weißen Ring. 22 Kilometer Skiabfahrten und 5.500 Höhenmeter. Theoretisch aber könnte man noch viel weiter, bis hinaus nach St. Anton wedeln. 

Auf den Pisten vergeht die Zeit wie im Flug und auch das Panorama ändert sich im Minutentakt. Stand man anfangs noch am Fuße des Widdersteins, ist dieser schnell in weite Ferne gerückt. Stattdessen sind es jetzt Roggspitze, Valluga und Wildgrubenspitze, die das Bild beherrschen. 

Auch die einzelnen Örtchen, die man in Talnähe immer wieder durchkreuzt, üben einen ganz charakteristischen Eindruck aus. Das autofreie Oberlech, das mit hölzernen Bauten und dick eingeschneiten Dächern das Alpenklischee perfekt erfüllt. Oder Lech, wo die Champagnerflaschen in den Fenstern der Bars stehen und die Pelzkragendichte spürbar höher ist als noch am Hochtannbergpass. Eine Reise auf dem weißen Ring ist also nicht nur ein grandioses Skivergnügen, sondern auch eine Reise in einzelne Täler. Eine Reise in Ortschaften, die im Winter nur über den Weißen Ring miteinander verbunden sind. Alle jeweils mit ihrer ganz eigenen Art. 

Die Karhorn-Klettersteige über Warth und Schröcken erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.
© Vorarlberg Tourismus | Sebastian Manhart

Am Abend unterhalte ich mich mit Jürgen Strolz. Mir stecken da die abgefahrenen Höhenmeter noch kräftig in den Knochen, doch auch der Skiführer war den ganzen Tag im Gelände. Für ihn ist das Berufsalltag. Jürgen ist aber noch mehr als nur Skiguide. Staatlich geprüfter Diplom Skilehrer, Telemark Instruktor, Mitglied im Pieps-Freerideteam und Winterwanderführer. Vor über 20 Jahren legte er sich zwei Huskys zu. Ihnen ist zu verdanken, dass man heute Hundeschlitten-Rundfahrten in der Tannbergregion genießen darf.

Doch ist die kalte Jahreszeit noch lange nicht alles für den outdoorbegeisterten Schröckener. Er war es, der das Canyoning nach Vorarlberg brachte. Und spätestens seit die Tannberger realisiert haben, dass sie ein grandioses Canyoning-Revier direkt vor der Nase haben, spielt der Sommertourismus auch eine immer größer werdende Rolle. 

Strolz hat mittlerweile nicht nur ein Restaurant sondern auch eine waschechte Outdoorschule aufgebaut. Hier finden selbst ganze Schulklassen einen einfachen und spielerischen Zugang zur Natur. Da wird ganz klar deutlich, wie vielfältig die Region doch ist. Vom Wandern, über mittlerweile gut erschlossene Canyons und Klettersteige, bis hin zu Felsklettergärten und E-Bike-Touren: Mit den Kids wird’s niemals langweilig. Selbst wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Dann weicht man nämlich auf den hauseigenen Hochseilgarten in der Scheune aus, oder führt schlicht und ergreifend Marc van Landeghems Huskys aus. Denn die wollen raus – ganz egal ob es regnet, oder nicht!

Der Kalbelesee ist fast direkt mit dem Auto zu erreichen. Das schützenswerte Biotop liegt auf 1653 Metern!
© Vorarlberg Tourismus | Thomas Stanglechner

Jürgen Strolz ist also der richtige Ansprechpartner, wenn es drum geht die Natur am Hochtannbergpass zu erleben. Er freut sich über den zunehmenden Andrang. Am Tannberg spiele der Sommer eine immer größere Rolle. Ein klein wenig habe ihm da sicher die Coronapandemie in die Karten gespielt, berichtet er. Der Urlaub vor der eigenen Haustür sei mittlerweile gefragter denn je. Der Outdoorpionier sieht aber auch eine grundlegende Veränderung im Verhalten und Bewusstsein der Gäste. Man konzentriere sich zunehmend auf entschleunigende Ruheurlaube in und mit der Natur. Was zählt ist der Ausstieg aus dem Trubel und der Hektik der Großstadt. Und so wird langsam aus der Winter- auch eine Sommerregion. Strolz führte beispielsweise schon Familien durch seine Naturregion, die eigentlich einen dreiwöchigen Schnorchelurlaub auf den Malediven gebucht hatten. Aber auch sie waren begeistert von den alpinen Eindrücken und Erlebnissen. Seitdem kommen sie immer wieder.

Die Rückkehr zur Ursprünglichkeit. Diese Entwicklung ist im Alpenraum immer häufiger zu beobachten, ganz einfach, weil tiefgelegenen Skigebiete nicht mehr genug Schnee für eine rentable Wintersaison bekommen. Am Hochtannbergpass ist das allerdings anders. Hier ist dank der geografischen Lage der Winter überaus niederschlagsreich. In einer Saison fallen im Gebiet Ski Arlberg gerne mal über zehn Meter Schnee! Einen strickten Wechsel von Winter- auf Sommertourismus wird es also am Tannberg wohl nie geben. Stattdessen fährt man in Zukunft sehr erfolgreich zweigleisig. Und ähnlich wie auch der Auenfeldjet verbindet, verknüpft man was zusammengehört: Den Sommer mit dem Winter. Die Natur mit uns Menschen. Und natürlich auch weiterhin Warth mit Schröcken.

Autor: Benni Sauer

www.warth-schroecken.at

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