Auf Eisenwegen

Sicher ahnte vor 150 Jahren niemand, dass Klettersteiggehen einmal eine boomende Bergsport-Disziplin wird. Wollte man, als man 1843 in der Steiermark Ringe, Seile und Metallstifte in den Fels des Dachsteins trieb, Macht demonstrieren? Das Unmögliche möglich machen? Oder wollte man vielleicht einfach nur den Gipfel erreichen?  

Was auch immer die Menschen dazu veranlasste, heute sprießen Klettersteige fast schon wie Pilze aus dem Boden. Am Dachsteinmassiv finden sich heute allein auf steierischer Seite mehr als 20 Klettersteige. Alpenweit findet man vom einfachen Übungsklettersteigen, über familienfreundliche Touren, bis hin zu spektakulären, extrem schwierigen Sportklettersteigen, kaum noch ein Bergtal ohne Via Ferrata. So nennen die Italiener die Klettersteige: Eisenwege. Für diese Art des Bergsportes, wurde eine eigene Schwierigkeitsskala geschaffen, die von A (leicht) bis F (extrem schwierig) reicht. Unabgesicherte Kletterpassagen werden dagegen mit der üblichen UIAA-Skala klassifiziert. (I, II, III, usw.)

Klettersteige stellen eine schöne Einstiegmöglichkeit in alpines Gelände dar. Doch auch wenn man glaubt den Schwierigkeiten gewachsen zu sein, herrschen dort oben oft die Bedingungen des Hochgebirges. Plötzliche Wetterumschwünge, Schnee bis in den Sommer hinein und teils lange Zu- und Abstiege, fordern auch am Stahlseil den ganzen Alpinisten. Oft gibt es auch ausgesetzte Streckenabschnitte, die nicht abgesichert sind. Darüber hinaus ist die Gefahr von Blitzschlag an einem hunderte Meter langen Stahlseil natürlich nicht zu vernachlässigen. Wir stellen vier lohnende Klettersteigtouren vor. Für Anfänger, aber auch für Fortgeschrittene.

Text: Benni Sauer


Karhorn
Österreich, Vorarlberg, Lechquellgebirge

Gipfel: Karhorn, 2416 m
Schwierigkeitsgrad: B/C, I-
Zustieg: 1 Stunde
Klettersteig: 2-3 Stunden
Abstieg: 1,5 Stunden

Südlich des Hochtannbergpasses liegt das markante Karhorn. Vom Talort Warth, kann der Zustieg mit dem Steffisalp-Express angenehm verkürzt werden, von dessen Bergstation auf ca. 1900 Metern man lediglich noch 300 Höhenmeter zum Einstieg zurücklegen muss. Am Warther Sattel angekommen, legt man nun Gurt, Klettersteigset und Helm an, und steigt rechterhand auf den Grat. Der einfache Klettersteig hält sich fast bis zum Gipfel an der Felskante und erreicht nur einmal kurz den Schwierigkeitsgrad B/C. Nach ungefähr 600 Klettermetern hat man den Gipfel erreicht, der eine schöne Rundumsicht bietet. Wer nun möchte, kann den Panorama-Klettersteig gleich mit anhängen. Nur unwesentlich schwieriger führt dieser über zwei kleine Seilbrücken hinab in südwestliche Richtung, wo man schon bald wieder auf den Normalweg trifft. Dieser stellt die einfachste Abstiegsvariante dar und ist mit A/B und 1- als einfach einzustufen. Fazit: Aussichtsreicher Klettersteig auf einen formschönen Gipfel. Aufgrund der geringen Schwierigkeiten und des kurzen Anstieges sehr gut für Einsteiger geeignet.


Innsbrucker Klettersteig
Österreich, Tirol, Karwendel

Gipfel: Kemacher, 2480 m
Schwierigkeitsgrad: C/D
Zustieg: 10 Minuten
Klettersteig: 4-6 Stunden
Abstieg: 1,5-2 Stunden

Die Nordkette oberhalb Innsbruck dominiert diese Region des Inntales. Fast 2000 Meter liegen die Bergspitzen über den Hausdächern. Umso angenehmer ist es, den Zustieg mit der Nordkettenbahn auf schlappe 10 Minuten zu verkürzen. Von der Karstube auf 2269 Metern, ist der erste Gipfel, die Seegrubenspitze schnell über steiles Gelände erreicht. Weiter führt die Steiganlage auf der gegenüberliegenden Seite der Seekarspitze wieder hinab, wo man auf einfaches Gehgelände trifft. Jetzt zeigt der Grat seine Zähne, die allesamt überklettert werden wollen. Nach der Kaminspitze und dem Kemacher, dem höchsten Gipfel der Tour, erreicht man den langen Sattel. Hier kann die Tour beendet werden. Wer aber sogar noch die Sattelspitzen überschreiten will, kratzt ganz am Ende noch am Schwierigkeitsgrad C/D. Dann aber kann unschwierig, wie schon auch vom Langen Sattel aus, die Seilbahnstation Seegrube erreicht werden. Fazit: Eindrucksvolle Grattour, die trotz der wenigen Höhenmeter eine lange Unternehmung darstellt. Der letzte steile Abstieg bei der Frau Hitt (C/D) ermöglicht ein grandioses Klettersteig-Foto, weit über Innsbruck. Da auch schwierige Passagen abgeklettert werden müssen, ist der Steig für Einsteiger eher ungeeignet. (Diese finden am Häfelekar aber die Übungsklettersteige auf den kleinen Gipfel der Geierwally Spitze, A/B oder B/C).


Tajakante
Österreich, Tirol, Mieminger Gebirge

Gipfel: v. Tajakopf, 2450 m
Schwierigkeitsgrad: D/E, I-
Zustieg: 2 Stunden
Klettersteig: 3-4 Stunden
Abstieg: 2,5 Stunden

Schon der Zustieg zur Tajakante ist eindrücklich. Über die sogenannten Hohen Gänge (A/B) erreicht man von Ehrwald den Seebensee und den dahintergelegenen Einstieg in etwa zwei Stunden. Wer Kraft und Ausdauer mitbringt, der kann sogar hier unten schon kräftig zupacken und wählt den weiter östlich gelegenen Seebenklettersteig (D/E), der direkt am Wasserfall steil bergauf führt und etwa in der gleichen Zeit einen Zugang zum See ermöglicht. Der Klettersteig an der Tajakante führt nun mehr als 500 wunderschöne Höhenmeter hinauf und bietet dabei ein grandioses Panorama auf die gegenüberliegende Sonnenspitze und den Seebensee. Ein kleiner Überhang stellt etwa in der Mitte der Tour die Schlüsselstelle dar. Hat man den Gipfel erreicht, steigt man Richtung Süden zum Drachensee und der Coburger Hütte ab. Auch hier sind nicht nur Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, sondern auch noch Kraftreserven für den steilen, langen Abstieg. Fazit: Für Konditionsstarke, fortgeschrittene Klettersteiggeher sicherlich einer der schönsten Steige Tirols. In Verbindung mit dem Seebenklettersteig aber eine ausgesprochen lange und anstrengende Tour. (Wer selbst dann noch nicht genug hat, hängt den hinteren Tajakopf dran. (ca. 100 Höhenmeter, D/E)


Galitzenklamm
Österreich, Tirol, Lienzer Dolomiten

Gipfel: keiner
Schwierigkeitsgrad: C/D
Zustieg: vernachlässigbar
Klettersteig: max. 1 Stunde
Abstieg: 10 Minuten

Sonne und Schatten. Wasser und Fels. Der Kontrastreiche Steig durch die Galitzen-klamm, gehört auch ohne Gipfelerlebnis zu den lohenden Klettersteigen Osttirols. Vorbei an Wasserfällen und über Seilbrücken hinweg, schlängelt sich die Route geschickt durch die Schlucht, mal mehr, mal weniger ausgesetzt. Eine Begehung empfiehlt sich besonders an heißen Tagen, da man oft sehr nahe am Wasser klettert. Wer möchte, kann sich vom Holzsteg oberhalb des Steiges erst einmal einen Überblick verschaffen. Fazit: Kurze Spritztour, mit großem Spaßfaktor. Die kurzen Zustiegs- und Kletterzeiten erlauben auch eine Begehung in kurzen Wetterfenstern. Achtung: Bei Hochwasser darf der Klettersteig nicht begangen werden!

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