Auf geht’s zum Frühjahrsputz

Der Schnee schmilzt und die Kette rostet rotgold.

Mountainbike Profi Marion Fromberger gibt zehn Tipps, wie ihr eure Bikes am Besten aus dem Winterschlaf im Keller holt.

Sie ist Radprofi, gewann in Barcelona bereits einen Mountainbike Weltcup, hat zwei Mechaniker und sechs nagelneu getunte Räder in der Garage. Eigentlich sollte man denken, Marion Fromberger muss sich ihre Fingernägel nicht mit Kettenschmiere schmutzig machen. Aber trotzdem oder genau aus diesem Grund pflegt Marion Fromberger eine enge und gute Beziehung zu ihrem Bike. Sie weiß, was ihm gut tut und auch was ihm während den vergangenen vier Wintermonaten eher nicht so gut getan hat. Marion nimmt uns mit auf einen kurzen Bike-Frühjahrsputz und erklärt, mit welchen Tipps ihr sicher und mit viel Freude in die neue Bikesaison durchstarten könnt.

Marion Fromberger: „Ist es nicht schön, die Tage werden langsam aber sicher wieder länger, die Temperaturen steigen und man kann auch mal auf einem trockenen Trail fahren. Wenn sich dann die Sonnenstrahlen auf deinem Bikerahmen spiegeln, will man doch einfach nur Vollgas geben ohne von irgendwas gestört zu werden. Doch nach einem langen Winter ist das Szenario vielmehr ein ganz anderes – der Bikehelm klebt noch, die Kette bröselt leicht rostig über den Zahnkranz und im Sekundentakt ertönt von der Hinterradbremse immer wieder dieses Pfeifen „wip-wip-wip“. Wenn du dann nach drei Kilometern noch merkst, dass das Vorderrad Luft verliert, ist der schöne Tag – bei mir dann eher gleich die schöne Woche – dahin. Aus diesem Grund würde ich sagen – ab geht’s zum Bike-Frühjahrsputz – denn in 30 Minuten ist dein Rad nicht nur sicher, sondern auch stressfrei und ready, um mit einem Lächeln im Gesicht durchstarten zu können.“

#1 Runter mit dem Streusalz
Das Salz auf den Straßen hilft zwar in Sachen Glatteis, jedoch killt es auf Dauer auch dein gesamtes Bike. Also ab geht’s unter die Bikedusche, am besten natürlich mit dem Eimer und einem Schwamm, aber zumindest 3 Euro am Dampfstrahler der Autowaschanlage müssen drin sein.

#2 Helm prüfen
Natürlich wäre es sinnvoll gewesen, den Helm direkt nach der letzten Herbsttour zu putzen. Aber solltest du das vergessen haben, wird es jetzt allerhöchste Zeit. Nach dem Putzen heißt es Bruchstellen suchen. Wenn der Helm einmal zu hart runtergefallen ist und einen Riss hat, dann taugt er nichts mehr und ein Neuer muss her.

#3 Reifen checken
Ein Blick auf die Reifen schadet ebenfalls nicht. Gesucht sollte hier werden nach
a) Rissen im Mantel b) Abgebrochenen Stollen c) Dornen im Profil.
Ist alles ok, Reifendruck im Schlauch prüfen oder bei Tubeless ein bisschen Milch nachschütten. Ich selbst fahr mit so 1,5 -1,7 Bar Luftdruck, das hängt aber auch vom Fahrergewicht und der Felgenbreite ab.

#4 Federelemente ölen
Zumindest einmal die Luft komplett aus den Federelementen ablassen, von außen ölen und wieder neu und zum Gewicht passend aufpumpen, ist Pflicht. Wer seiner Gabel etwas Gutes tun will, zieht kurz die Tauchrohre ab und fettet diese, mit dem vom Hersteller empfohlenem Schmierstoff, auch von innen. Die Gabel wird es einem auf dem nächsten Trail danken.

#5 Kette prüfen
Mit Sicherheit braucht deine Kette Öl. Vermutlich ist es auch ein guter Tipp, direkt eine neue Kette drauf zu machen, denn nach 3.000 Mountainbike Kilometern sind die meisten Ketten länger, als es optimal wäre. Und eine Kette kostet im Vergleich zum gesamten Antrieb mit Kassette und Kettenblätter deutlich weniger und spart somit langfristig Kohle.

#6 Züge ölen, Akkus laden
Egal ob du noch klassisch mit Schaltzug unterwegs bist oder bereits auf einer elektronischen Variante. Nach dem Winter müssen die Züge mit Sprühöl wieder leichtgängig gemacht, beziehungsweise deine Akkus von Schaltung und Sattelstütze auf grün geladen werden.

#7 Tretlagerspiel prüfen
Ob dein Tretleger den Winter überstanden hat, testest du am besten so: Kette von den Blättern runterheben und dann die Kurbel nach seitlicher Belastung auf Spielfreiheit prüfen. Ist das Lager durch, läuft es schwerer und es dauert nicht mehr lange, dann nervt dich ein regelmäßiges, lautes Knacksen.

#8 Speichen abtasten
Ein kurzer Griff an jede Speiche und man merkt direkt, ob da eine davon richtig lose ist. Feintuning im Rundlauf kann dann im Zentrierständer oder mit Hilfe eines Kabelbinders an der Gabel / dem Hinterbau erfolgen.

#9 Bremsbeläge nachmessen
Matsch und Nässe fressen förmlich deine Bremsbeläge und auch deine Bremsscheiben. Hier hilft ein geschultes Auge oder auch eine Schieblehre, um sowohl Belag wie auch Scheibe auf die Mindestdicke des Herstellers zu überprüfen.

#10 Trinkblase ausspülen
Wer mit Camelback unterwegs ist, der sollte auf jeden Fall die Trinkblase nach dem Winter mit heißem Wasser ausspülen. Im Winter lag diese bestimmt auch mal ein paar Tage oder Wochen im Schrank und da schadet eine Reinigung sicherlich nie. Wer mit Trinkflaschen fährt, kann die alten ruhig entsorgen und darf sich für die neue Saison auch mal ein paar neue Flaschen gönnen.

# 11 – das ganze MTB Racingteam wünscht Dir viel Spaß auf dem Trail.

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