BERGSTEIGER-EQUIPMENT-CHECK

Bergsport ist vielfältig. Immer spezieller werden seine Facetten und damit auch die benötigte Ausrüstung. Das kann in regelrechten Materialschlachten enden, doch ist heute noch immer für das klassische Bergsteigen eine Grundausstattung nötig, um Touren im alpinen Gelände sicher und verantwortungsvoll zu gestalten.

Unser Video zum Bergsteiger Equipment-Check.

Umso verblüffter darf man sein, wenn man sich klarmacht, mit welchem Equipment Bergsteiger früher Unmögliches möglich gemacht haben. Außer einem ausgewachsenen Pioniergeist war nämlich auch Erfindergeist gefragt. Ausrüstung wurde nicht mal eben im Onlineshop bestellt, sondern oft noch in Eigenregie hergestellt. Die Schuhe versah man mit Nägeln und Beschlägen. Wer zum Klettern Schlaghaken benötigte und keinen Schmid kannte, griff kurzerhand selbst zum Hammer. Mehr als einmal machte dabei auch die blanke Not erfinderisch! Klettergurte gab es nicht, also band man sich das Seil anfangs noch ganz simpel um die Hüfte. Angezogen wurde, was in greifbarer Nähe war. Meistens waren das dicke Wollpullover und -handschuhe, die, einmal nassgeworden, schwer und kaum wieder trocken zu kriegen waren. Hanfseile wurden lange genutzt – selbst als man schon im fünften Schwierigkeitsgrad kletterte. Seile, die im Falle eines Falles schlicht rissen. Seile, aus denen man sich in haarsträubenden Aktionen ausbinden musste, um sie durch einen metallenen Ring zu fädeln, den man zuvor in den Fels gedroschen hatte. Karabiner, die sich mit einem Handgriff öffnen und schließen lassen, die solch gefährliche Manöver vermieden hätten, gab es damals nicht.

Heute können viele dieser Reliquien in Museen bestaunt werden. Ein Hanfseil zum Beispiel, welches am 14.7.1865 zwischen Francis Douglas und Peter Taugwalder senior gespannt war. Es riss beim Versuch der Erstbesteigung des Matterhorns, als weitere Seilschaftsmitglieder ins Rutschen gerieten und Douglas das Gleichgewicht verlor. Seine Leiche wurde nie gefunden. 

Juli, 1953 in Pakistan. In einem unfassbaren, 41-stündigen Alleingang erreichte Hermann Buhl den Gipfel des 8125 Meter hohen Nanga Parbat. Niemand hielt damals dieses Vorhaben für möglich. Zum Beweis aber ließ Buhl seinen Pickel mit Holzschaft am Gipfel zurück. 1957 brach Buhl an der Chogolisa (7668m) mit einer Wechte in den Tod. Niemand sah seit seinem Gipfelerfolg am Nanga Parbat seinen Pickel je wieder. Bis 1999, als eine japanische Expedition den historischen Schatz vom Gipfel bergen und ihn seiner Witwe übergeben konnte. 

Die großen Probleme der Alpen sind schon lange gelöst. Echtes Bergsteigen aber ist auch heute noch der Aufbruch in eine wilde, weglose Natur, die keine Fehler verzeiht. Wo man selbst Entscheidungen trifft. Wo, wie Messner es ausdrückte, die Kunst es sei, nicht zu sterben. Deswegen wird das Equipment von Jahr zu Jahr verbessert. Mehr Sicherheit, größerer Komfort, geringeres Gewicht. Wir stellen in dieser Ausgabe eine Bergsteiger-Grundausstattung vor, ziehen dabei immer wieder einen Vergleich zwischen damals und heute. Aufgrund der Komplexität verzichten wir auf die Präsentation eines Erste-Hilfe-Sets, das, selbstverständlich an die jeweilige Bergtour angepasst, fundamentaler Bestandteil der Ausrüstung sein sollte.

Autor: Benni Sauer


DIE SHELL-LAYER: BLACK YAK HARIANA JACKET

Diese äußerste Bekleidungsschicht. Synthetische Materialen lösten schnell Loden, Leder und Wolle ab. Sie schützt uns zuverlässig – vor allem aber vor Wind und Wasser. Das allein ist noch keine Kunst, denn erst in Kombination mit einer leistungsfähigen Atmungsaktivität, ist diese Bekleidungsschicht komfortabel zu tragen. BLACKYAK kombiniert in der Hariana Jacket und der Hariana Pants effizienten Wetterschutz mit hervorragenden Feuchtigkeitstransferraten. Der Schlüssel liegt hierbei im GORE-TEX® INFINIUM 3-Lagen-Laminat. BLACKYAK entwickelte eine Shell Layer, die selbst höchsten Ansprüchen genügt. Die Innenseiten der Hariana Pants sind außerdem mit KEVLAR® 3LAYERS verstärkt. Scharfe Skikanten oder spitzige Steigeisen können diesem Material nichts anhaben. Im Praxistest erwies sich die Hariana Serie als äußerst robust, sowohl bei kalten als auch warmen Temperaturen angenehm zu tragen und dank knalliger Farben auch noch als echter Hingucker! Kein Wunder also, dass die Hariana Jacket von BLACKYAK beim ISPO Award 2018 im Segment Snowsports, Kategorie Outer Layer 3L den ersten Platz belegte.


DER HELM: SALEWA VAYU 2.0

„Der wichtigste Muskel beim Klettern ist das Gehirn!“ Der deutsche Extrembergsteiger und Sportkletterer Wolfgang Güllich war es, der diese Worte sagte. Er durchstieg 1991 die erste Route im elften Schwierigkeitsgrad und kletterte sogar vor Hollywood-Kameras. Als Double von Silvester Stallone im Film Cliffhanger – Nur die Starken überleben, kletterte er in den Dolomiten und wurde so über die Kletterszene hinaus berühmt. Bergsteigen ist immer mit Risiken verbunden und gerade Kopfverletzungen bleiben dabei häufig nicht folgenlos. Der Wandel der Zeit ließ die schweren „Fieberglasschüsseln“aber schnell verschwinden. Leicht und schick ist man heute unterwegs. Und noch dazu auch noch sicherer! Den ersten reinen „Styroporhelm“ brachte übrigens Salewa auf den Markt. Der Südtiroler Bergsportspezialist entwickelt seitdem seine Modelle erfolgreich weiter. Auf unserem Equipment-Check schützte uns der Vayu 2.0.  Der leichter Hybridhelm verfügt über eine starke, karbonverstärkte Außenschale für einen erhöhten Schutz vor Steinschlag. Diese Schale aus keramisch-polymerischem CNT-Verbundstoff verteilt dabei auftretende Kräfte effizient. Die verschiedenen, kombinierten Kunststoffe der Innenschale ermöglichen einen optimalen Aufprallschutz. Einstellrad, gute Ventilation und Schnallen für die Stirnlampe sind obligatorisch. Besonders angenehm ist eine magnetische Schnalle, die einfach und schnell zu bedienen ist. Mit 280 Gramm Gewicht, einer guten Passform und einer großen Farbauswahl, hat der Vayu 2.0 sogar das Zeug ein echter Klassiker zu werden!


DER GURT: SALEWA ORTLES

Lothar Brandler wurde 1936 in Dresden geboren. 22 Jahre später gelang ihm mit Dietrich Hasse die Erstdurchsteigung der Direttissima in der Großen Zinne Nordwand. Ein Meilenstein, heute besser bekannt als Hasse-Brandler-Route. Brandler erlebte aber auch Rückschläge in seinem Leben als Bergsteiger und außerordentlich erfolgreichem Filmemacher. Um sich beim Bergsteigen weniger einem Glücksspiel aussetzen zu müssen, entwickelte er eine Sitzschlinge, wie sie im Elbsandstein verwendet wurde weiter und schuf so den ersten Klettergurt. Heute sind diese Gurte nicht mehr wegzudenken, ganz egal ob Gletscherüberquerung, Klettersteig oder Sportklettern: Der Klettergurt ist elementarer Bestandteil der Bergsteigerausrüstung. Unterschieden wird zwischen Hüftgurt, Brustgurt und Kombigurt. Auch wenn Brustgurte ein Maximum an Sicherheit bieten, besonders wenn man, wie beim Bergsteigen üblich mit schwerem Gepäck unterwegs ist, hat sich heute der Hüftgurt durchgesetzt. Mit ihm genießt man ein großes Maß an Bewegungsfreiheit und Komfort. Für Bergsteiger, die sich auf langen Touren meist nur selten oder an Schlüsselstellen sichern, hat Salewa eine optimale Lösung geschaffen. Der Ortles Gurt ist ein minimalistisches, ultraleichtes Modell und eignet sich hervorragend für Hochtouren, Skibergsteigen oder Bergtouren, auf denen nur mit einem geringen Sicherungsaufwand gerechnet wird. Kurz einen Gletscher queren? Statt heikel abzuklettern eine Steilstufe abseilen? Mal eben ins Stahlseil einklinken? Alles kein Problem, denn der Ortles lässt sich platzsparend in einem faustgroßen Packsack verstauen und wiegt dabei nur schlappe 165 Gramm! Im Equipment-Check war der Gurt selbst bei längeren Gehpassagen kaum zu spüren. Die Beinschlaufen können außerdem vollständig geöffnet werden. Das erleichtert das Anlegen des Gurtes mit Steigeisen oder Ski. Das Öffnen von Hüft- und Beinschlaufen ist darüber hinaus unabhängig voneinander möglich. So kann die Bekleidung gewechselt werden, ohne sich ausbinden zu müssen. Ein wahres Raum- und Gewichtswunder, das wirklich in jedem Bergsteigerrucksack einen festen Platz finden sollte.


DIE BASE-LAYER: JACK WOLFSKIN NARROWS

Und was trägt man drunter? Die Base Layer hat vorwiegend die Aufgabe, Feuchtigkeit weg vom Körper zu transportieren. Synthetische Stoffe haben auch hier das Rennen gemacht. Dass ein solches Material aber auch nachhaltig sein kann, beweist Jack Wolfskin mit dem Narrows T M Shirt. Aus recyceltem Material hergestellt, ist es mit dem bluesign® PRODUCT Logo versehen. Dieses Label steht für sichere Textilien, eine umweltfreundliche Produktion und den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Darüber hinaus sind die Materialen des Shirts mit Titan- und Silberchlorid behandelt, was auch bei längeren Touren eine Vermehrung von geruchsbildenden Bakterien hemmt. Die Fasertechnologie schützt zuverlässig vor UV-Strahlung und sorgt für ein aktives Feuchtigkeitsmanagement. Das Hydropore-Doppelstrickmaterial ermöglicht gute Isolationseigenschaften, ist außerdem abriebfest, atmungsaktiv und dabei so elastisch, dass es jede Bewegung mitmacht. 105 Gramm High-Tech, die auf jeder Tour für ein angenehmes Tragegefühl sorgen.


DER RUCKSACK: DEUTER GRAVITY EXPEDITION 45+

Sicherlich ist der Rucksack keine eigene Erfindung des Alpinismus. Doch trieb das Bergsteigen seine Entwicklung stetig weiter voran, perfektionierte Funktion und Komfort, bis heute, wo High-End-Modelle viel Platz und geringes Gewicht bieten. Hans Deuter war es, der 1898 die „mechanische Segeltuch- und Leinenweberei“ in Augsburg-Oberhausen gründete. Die damaligen Zelte auf dem Oktoberfest: Von Deuter! Erst später wurden hier Rucksäcke und Satteltaschen produziert. Schon früh setzte Deuter aber auf Praxiserfahrung und so wurde die Expedition des Hochgebirgsforschers Willi Rickmer in den Pamir mit Rucksäcken der Firma Deuter ausgestattet. Auch am Naga Parbat konnte Deuter beweisen, dass sie den Anforderungen an Qualität und Funktion im Gebirge gewachsen sind. Und als 1938 die ersten Menschen die Eiger Nordwand durchstiegen, da war es ein Deuter-Rucksack auf Heckmairs Rücken. Heute sind es lediglich 870 Gramm, die der Gravity Expedition 45+ auf die Waage bringt. Und das obwohl er ein Fassungsvermögen von insgesamt 53 Litern bietet. Das ist genug, selbst für längere Hochtouren, für Wanderungen mit Schlafsack und Zelt, oder anspruchsvolle Klettereien mit hohem Materialaufwand. Mehrere Befestigungsschlaufen ermöglichen das Festzurren von Pickel, Wanderstöcken, Steigeisen oder anderem Equipment. Das Leichtgewicht-Textil 100D PA High Tenacity ermöglicht dieses federleichte Modell, das trotzdem ausgesprochen robust, abriebs- und reißfest ist.


DIE STIRNLAMPE: LEDLENSER MH11

Im Dunklen sehen zu können, ist wirklich ein unschätzbarer Vorteil. Kein Wunder also, dass die ersten Stirnlampen schon früh erfunden wurden. LEDs und Batterien? Fehlanzeige! Man band sich einen kleinen Behälter an den Gürtel. Darin befanden sich, getrennt in zwei Kammern, Wasser und Karbid. Das Wasser tröpfelt auf die Chemikalie, wobei Acetylengas entsteht. Dieses Gas wird, da es sich ausdehnt, durch einen Schlauch geleitet, an dessen Ende man es vor einem Parabolspiegel entzündet. Es klingt verrückt, sich eine solche Flamme auf den Kopf zu binden, doch Grubenarbeiter arbeiteten über Jahrzehnte mit diesen zuverlässigen Helfern. Auch heute noch schwören viele Speläologen auf das Prinzip. Gängiger sind mittlerweile natürlich die kleinen, elektrischen und leistungsstarken Kopfleuchten. Mit der MH11 warf der deutsche Hersteller Ledlenser ein echtes Flaggschiff auf den Markt. 320 Meter Reichweite, 100 Stunden Betriebszeit und ein Boostmodus mit 1000 Lumen brachten uns im Praxistest sicher durch die Nacht und vom Berg hinunter. Der Fokusring bündelt mit einem Handgriff das Licht, oder streut es weit, wie es gerade im Gelände am praktischsten ist. Die Optisense Technologie dimmt darüber hinaus das Licht automatisch, zum Beispiel beim Blick in die Karte. So werden unangenehme Blendeffekte vermieden. Die unterschiedlichsten Leuchtmodi lassen sich sogar mithilfe der Ledlenser Connect App personalisieren. Ein Kühlkörper aus Aluminium, die Batteriestatusanzeige und Transportation Lock, das eine versehentliche Aktivierung der Lampe verhindert, machen die MH11 zum ultimativen Begleiter, der ohne Probleme selbst weglose Touren im Hochgebirge ausleuchten kann.


DAS SEIL: MAMMUT SERENITY DRY

Nichts verkörpert den Geist und die Mentalität des Bergsteigens so gut wie das Seil. Es verbindet, verknüpft uns. Gemeinsam lässt es uns zum Team werden, stärker werden. Und sicherer, denn wir werden zur Seilschaft. Mit den alten Hanfseilen haben unsere heutigen Seile nicht mehr viel gemeinsam. Zum Glück: Das Naturprodukt faulte schnell, häufig von innen beginnend, war im nassen Zustand irrsinnig schwer. Bei Minusgraden wurde es dann schnell hart wie Stein. Die ineinander verdrehten Hanfstränge waren oft nicht mehr als eine psychische Stütze. Und trotzdem hätten eben diese Umstände, die frühere Art der Seilherstellung, beinahe das Leben eines ganz großen Alpinisten gerettet: Toni Kurz, der 1936 nach einem Lawinen- und Steinschlagabgang als einziger Überlebender in der Eiger- Nordwand hing. Weil sein Seil nicht lang genug war, um sich zu den Rettern abzuseilen, begann er mit letzter Kraft die Seillitzen aufzuzwirbeln. So gewann er die doppelte Länge, knotetet die getrennten Stränge zusammen und war fast gerettet. Halb erfroren und völlig entkräftet scheiterte sein Plan nach der halben Abseilfahrt. Der Verbindungsknoten der beiden Litzen stellte ein für ihn unüberwindbares Hindernis dar. Kurz starb nach fünf Tagen in der Nordwand, im Seil hängend, nur wenige Meter über den Köpfen der Retter. 

Vier Jahre später erobern die ersten, gedrehten Nylonseile aus Amerika den Markt. Der wirkliche Durchbruch gelang aber der deutschen Firma Edelrid im Jahre 1953. Sie produzierten das weltweit erste Kernmantelseil – bis heute Standard im Bergsport! Die Entwicklung ging schnell voran. Heute gibt es die verschiedensten Typen. Zwillingsseile, Halbseile, Doppelseile, statische und dynamische Seile. Für klassische Bergtouren eignen sich allerdings bis heute die dynamischen Einfachseile am besten, ganz egal ob steiler Vorstieg, Abseiler oder Gletscherquerung. Uns sicherte beim Equipment-Check das Serenity Dry von Mammut. Mit einem Durchmesser von nur 8,7mm und einem Metergewicht von lediglich 51g ist es eines der leichtesten Einfachseile der Welt. Dank einer speziellen Imprägnierung nimmt das Seil nahezu kein Wasser auf. Ein großer Vorteil auf Gletscher- oder Wintertouren, wo das Seil oft stundenlang durch den Schnee gezogen wird. Ebenfalls mit Dreifachzertifizierung, also als Einfach-, Halb- & Zwillingsseil nutzbar ist das Swift Protect Pro Dry von Edelrid. Dank im Mantel eingeflochtener Aramidfasern, wird eine nie dagewesene Schnittfestigkeit erreicht. Ein weiterer Schritt weg vom Hanfstrang und hin zum High-End-Seil.


DIE HANDSCHUHE: SALEWA TIROLWOOL® CELLIANT®

Trockene und warme Hände sind nicht nur bloßer Komfort, sondern im Gebirge schlicht und ergreifend überlebenswichtig. Wer nicht mehr zupacken kann, kein Gefühl mehr hat, Knoten nicht mehr knoten kann, der steht schlecht da. Handschuhe müssen dabei ganz unterschiedliche Kriterien erfüllen. Vom reinen Kälteschutz, über Wasserdichtigkeit, bis hin zu Strapazierfähigkeit, die bei winterlichen Klettereien oft hohe Ansprüche an das Außenmaterial stellt. Ein weiteres Mal überzeugt uns hier der italienische Ausrüstungsprofi Salewa. Die Leder TirolWool® Celliant® Handschuhe halten angenehm warm, während robustes Ziegenleder selbst scharfkantigem Fels standhält, ohne dabei das Feingefühl zu minimieren. Im Inneren isoliert regionale, hochalpine und fair bezahlte Wolle, die mit eingearbeiteten, thermoreaktiven Mineralien die Körperwärme effizient reflektiert. Wolle ist also nicht nur ein Rohstoff längst vergangener Alpinzeiten, sondern auch noch heute ein ökologisches, nachhaltiges High-Tech-Produkt, mit unschlagbaren Eigenschaften.


DIE UHR: GARMIN INSTINCT

Hier lässt sich beim besten Willen kein historischer Vergleich mehr ziehen, denn die heutigen Uhren sind kleine Minicomputer am Handgelenk. Im Equipment-Test entschieden wir uns aber nicht für die klobigen Flaggschiffe der Hersteller, sondern für ein kleineres, handliches Outdoormodell der Firma Garmin. Die Uhr punktet durch ein kompaktes Gehäuse, ein angenehm weiches Armband, das groß genug ist, um es auch über der Jacke zu tragen und allen nötigen Funktionen. Robust und wasserdicht hält der Smartwatch-Akku bis zu zwei Wochen! GPS, Höhenmesser, Barometer, Kompass. Eine Anzeige der Herzfrequenz, Kopplung mit dem Smartphone und nützliche Funktionen wie TRACBACK®. Mit letzterer findet man zuverlässig den Rückweg – versteigen wird quasi unmöglich. Die Instinct überzeugt durch schlichte Funktion, ohne Schickschnack, aber trotzdem mit allen nötigen Funktionen.


DER SCHUH: SCARPA RIBELLE HD

Kaum ein Ausrüstungsgegenstand, der vielfältiger ist: Breit oder schmal, mit niedrigem oder hohem Schaft. Vom leichten Zustiegsschuh, bis hin zum steigeisenfesten Stiefel bestimmt aber nicht nur das Einsatzgebiet, welches Modell getragen wird. Persönliche Vorlieben lassen hier einen großen Spielraum. Wer zum Beispiel trittsicher ist, kommt auch mit Trailrunningschuhen selbst in alpinem Gelände zuverlässig und schnell vorwärts. Wer sich jedoch nicht sicher ist, greift lieber zum festeren, schwereren Modell. Je nach dem welche Steigeisen später einmal montiert werden sollen, wird zwischen drei unterschiedlichen Varianten unterschieden. Nicht steigeisenfeste Schuhe haben meist eine zu weiche Sohle, um den Eisen festen Halt zu garantieren. Bedingt steigeisenfeste Modelle ermöglichen dagegen das Tragen von Steigeisen, die mittels Riemen und „Körbchen“ am Schuh befestigt werden. Voll steigeisenfest ist ein Schuh in der Regel erst dann, wenn er eine Kippehebelaufnahme an der Ferse besitzt. Eine Weiterentwicklung ist eine ähnliche Aufnahme an der Vorderseite des Schuhs, wo eine Einkerbung eine schnelle Aufnahme und bestmöglichen Halt garantiert. Heute haben wir die Qual der Wahl. Doch die gibt es erst, seit die Menschen ihre Freizeit in den Bergen verbringen. Und das war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem in Norditalien der Fall. Bis dahin improvisierten selbst Profis, zum Beispiel mit Teilen von Autoreifen! Mehr dazu gibt es in unserer Rubrik „Outdoor History“ zu lesen. Beim Equipment-Check überzeugte uns der Ribelle HD vom norditalienischen Schuhprofi Scarpa. Ausgesprochen robust, mit hohem Geröll-Schutzrand, wiegt er nicht einmal 700 Gramm. Echtes Perwanger Leder bildet dabei die langlebige und atmungsaktive Außenhaut des Schuhs. Das AUTOFIT COLLAR System ermöglicht eine optimale Anpassungsfähigkeit des Materials. Eine, durch Hitzeprägung, aufgetragene Verstärkung verspricht einen verstärkten Seitenhalt. Eine echte Sensation sorgt für trockene Füße: HDry® ist das effektivste System, um Schuhe wasserdicht zu machen, denn es ist komplett in die Schuhkonstruktion integriert. Es ist gleichmäßig mit dem Obermaterial verbunden und vom Futter bedeckt: diskret und absolut unsichtbar. Zu guter Letzt sorgt eine steigeisenfeste Vibram® Pentax Precision III Profilsohle für festen Halt, selbst auf kleinsten Tritten. Ein optimaler Schuh für klassisches Bergsteigen, Klettersteige und leichte Hochtouren.


EISPICKEL (STUBAI LEVEL) UND STEIGEISEN (PETZL SARKEN)

Spätestens, wenn man im Hochgebirge auf Eis und Schnee trifft, sind sie nicht mehr wegzudenken: Pickel und Steigeisen beißen sich darin fest, geben uns Halt und Sicherheit. Auf Hochtouren sind die Helfer aus Stahl oder Aluminium obligatorisch, aber auch auf Bergtouren im Frühsommer können mit ihrer Hilfe Altschneefelder oder nordseitige Rinnen erstiegen werden. Früher half man sich noch mit Steigeisen aus, welche für Bergbauern, für Arbeiten in steilem Gelände geschmiedet wurden. Erst 1910 wurde ein zweiteiliges Steigeisen entwickelt – Vorder- und Hinterteil waren durch ein Gelenk verkuppelt. Bis heute sind solche Steigeisen gängig. Unterschieden wird nur an der Anzahl der Zacken und dem Material. Aluminium ist leichter. Stahl hält aber auch längeren Kraxeleien über Geröll und Fels stand und ist daher erste Wahl für die meisten Berg- und Hochtouren. Die zwölf Zacken des Petzl Sarken lassen sich dank der Kipphebelbindung schnell und zuverlässig am Schuh befestigen. Große Frontzacken mit T-Profil machen die Eisen zum perfekten Allrounder, von der Gletschertour bis zu leichterem Mixedklettern. Trotz der steifen Rahmenkonstruktion aus Eisen gelang dem französischen Bergsportausrüster ein Gewicht von nur 870 Gramm. Das Antisnow-Snow-System verhindert zuverlässig das Anstollen, selbst von feuchtem Schnee. 

Wirkliche Schmiedekunst aus dem deutschsprachigen Raum war schon früh im Stubaital zu finden. Schon im 14. Jahrhundert begann man dort für Bergbau und Militär zu schmieden. Bis heute hält sich dieses traditionsreiche Handwerk, aus dessen langer Geschichte 1960 die Firma Stubai entsprang. Karabiner, Eispickel und Felshaken – sprich alles, was das der Alpinist benötigt, wird in den Tiroler Schmieden hergestellt. Der LEVEL Eispickel überzeugte im Gelände mit einer komfortablen Schaftform. Sie ist so gebogen, dass die Schaftspitze beim Gehen direkt unter der Hand liegt. In steilerem Gelände, wenn der Pickel direkt unter der Haue gegriffen wird, schafft diese Form einen Abstand zum Eis. Die Hände bleiben so warm und trocken. 475 Gramm bei einer komfortablen Länge von 59 Zentimetern, machen den Pickel zum Alleskönner, der zu guter Letzt noch mit einer ästhetisch geschmiedeten Schaufel punktet.

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