DAS KRANZBACH

Tor zum Karwendel,
Tor zur Natur,
Tor zu dir selbst!

Die Anfahrt war lang. Aber als schließlich die ersten, noch immer verschneiten Berggipfel am Horizont aufblitzen, ist die Müdigkeit schnell verflogen. Neugier macht sich breit. So etwas wie eine sanfte Aufregung. Und die Vorfreude auf
das Erlebnis selbst. Unsere Sorgen, den Stress, den Alltag beschließen wir in diesem Moment weit hinter uns zu lassen. Dabei wissen wir, dass wir noch lange nicht angekommen sind. Erst, als wir unter der Zugspitze hindurchfahren, als die gigantischen Wände aus nächster Nähe auf uns wirken, beginnt der Zauber.

Wenig später türmt sich dann noch die Karwendel-Nordkette eindrucksvoll vor uns auf – für viele das schönste Gebirge der Nordalpen. Dann biegen wir ab. Es ist dieses eine Abbiegen, das einem deutlich macht, dass man nun ganz bald angekommen ist, dass die Reise fast zu Ende ist. Noch ist aber nichts zu sehen. Nichts als Wildnis, Natur, Bäume und Berge. Durch den dichten Wald kurven wir noch ein wenig das Sträßchen entlang, versuchen geduckt einen Blick zu erhaschen, bis sich die Fichten plötzlich lichten. Bis die Straße plötzlich endet. Auf etwas mehr als 1000 Metern stehen wir auf einer grünen Wiese. Direkt vor dem KRANZBACH. In diesem Moment ist uns zwar noch nicht ganz klar, was uns erwarten wird, wir wissen nur, dass wir angekommen sind. Und, dass es etwas Besonderes werden wird.

Hideaway zwischen Wetterstein und Karwendel
Der erste Abend im Karwendel verläuft ruhig. Ebenso wie die Nacht. Das KRANZBACH liegt abgeschieden, fast schon versteckt in einem geschützten Bergtal, durch das keine Durchfahrtstraße führt. Die Bergwiese, auf der die Häuser stehen, ist stolze 130.000 Quadratmeter groß. Hier zu sein, das fühlt sich fast an wie auf einer einsamen Insel, nur dass die Wellen und Wogen nicht blau, sondern grün sind. Wohin man auch blickt: Echte Natur! 

Am nächsten Vormittag treffen wir uns mit Susanne Erhart im Kräutergarten direkt neben dem Haupthaus. Die Tirolerin studierte Gesundheitsförderung, schloss darüber hinaus unzählige Aus- und Fortbildungen im Bereich der Heilkräuter und -pflanzen ab. Nun kümmert sie sich liebevoll um den Kräutergarten des KRANZBACH, weiß aber auch, dass die Höhenlage sowie die Standortbedingungen eine besondere Herausforderung sind. Sie pflegt sozusagen einen Versuchsgarten, der ständig in Entwicklung bleibt. Gerne führt sie Gäste durch ihren Garten, zeigt ihnen die mehr als einhundert verschiedenen Kräuter- und Heilpflanzen. Um die Mittagszeit, wenn die Inhaltsstoffkonzentration am höchsten ist, erntet sie dann die Kräuter, die essbaren Blüten, Pilze und vieles mehr. Diese werden im Haus getrocknet und finden Verwendung in Tees, im Spa, aber natürlich auch in der Küche. 

Wir sind beeindruckt über Susannes liebevolle Arbeitsweise, ihr immenses Fachwissen und die Liebe zum Detail. Zum Schluss gibt sie uns noch ein Zitat von Hermann Hesse mit auf den Weg. „Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen kann der Seele eine ähnliche Entlastung und Ruhe geben wie die Meditation.“ Wir spüren, was Susanne uns sagen will. Und wir beginnen zu spüren, welche Werte im KRANZBACH zählen. 

Kraftplatz KRANZBACH
Wir beschließen erstmal die Kirche im Dorf zu lassen und begeben uns mit Naturführer Franz Schropp auf eine Wanderung durch die umliegenden Wälder. Wieder schlendern wir durch die hüfthohen Gräser, über die Liegewiese, wo Hängematten dazu einladen, später die Wadenmuskeln zu entlasten. Zuerst aber tauchen wir in den tiefen, duftenden Wald ein. Draußen, auf der sonnenüberfluteten Wiese, da ist es ruhig. Hier, zwischen den imposanten, haushohen Baumriesen aber, ist es still. Wir passieren eine runde Holzplattform, die versteckt hinter den Bäumen liegt. Wir finden ein Gebäude, erbaut aus nichts als Glas und Holz, das, so modern es auch wirkt, sich so gut in den Wald einfügt, als stünde es schon immer an dieser Stelle. Was es wohl damit auf sich hat?

Die kühle Luft riecht nach Rinde, nach Harz, nach Leben und Franz, der immer wieder diese Stille gekonnt unterbricht, versorgt uns mit Wissenswertem über die Tier- und Pflanzenwelt der Alpenwälder. Kräftige Farben, zarte Moose, Licht und Schatten. Hier und da plätschern kleine Bächlein. Zwar ist das Ziel der Wanderung einer von Franz‘ magischen Kraftplätzen, doch schnell merke ich, dass hier auch der Weg das Ziel ist. Alle gemeinsam schalten wir ab, sind nur noch im Moment und haben es gefunden: das Wanderglück!

Von der Idee KRANZBACH zum hideaway der Alpen
Das tut es übrigens schon seit mehr als einhundert Jahren! Mary Isabel Portman, eine talentierte, englische Geigerin, studierte einst in Leipzig Musik. Sie war mit der Pferdekutsche auf der Suche nach dem Schachenhaus von König Ludwig II., als sie anhalten ließ. Die Kranzbach-Wiesen faszinierten sie. Beim Betrachten der ‚goldenen Runde‘ von Wetterstein, Karwendel und Zugspitze entschied sie: „hier werde ich mir mein hideaway bauen“. 

1913 unterzeichnete die für damalige Verhältnisse ausgesprochen eigensinnige junge Frau den Kaufvertrag. Seitdem ist viel passiert: Kriege brachten das Haus in die unterschiedlichsten Hände. Ein Brand zerstörte einen Teil des Haupthauses. Das Flair, der Grund warum Portman aber genau hier bauen ließ, es ist noch immer spürbar. Vielleicht sogar stärker als jemals zuvor.

Heute ist das Haus Teil eines durchdachten Konzeptes, welches die Wiesen, die Wälder und Berge genauso integriert wie Gesundheit, Genuss, Sport und Meditation. Und Letzteres ist am Ende auch die Lösung für die ungewöhnlichen Bauwerke, die wir im nahegelegenen Wald fanden. Sie wollen wir uns am Nachmittag genauer anschauen.

Yoga, Meditation und Nature Spa
Nach unserer Yoga-Einheit bleiben wir noch ein wenig auf der Plattform liegen. Es ist einfach zu schön hier, um einfach aufzustehen, um einfach fortzugehen. Warum auch? Wohin auch? Wir sind dort, wo wir am liebsten sind: Im Nirgendwo. Und wir tun das, was wir gerade am liebsten tun: Nichts. Heute lassen wir noch einmal die E-Bikes im Radkeller stehen. Wir lassen die Gipfel allein in der Abenddämmerung versinken. Und auch das Meditationshaus möchten wir uns erst morgen, dafür aber ganz genau und mit viel Zeit ansehen. 

Dafür lassen wir noch ein wenig den Wald auf uns wirken. Dr. med. Christine Müller, die ärztliche Leiterin des KRANZBACH, wird uns später noch einiges darüber erklären können. Sie freut sich vor allem darüber, dass das, was wir Menschen schon immer intuitiv gespürt haben, nun auch wissenschaftlich belegt wurde. Der Wald tut uns gut! Da geht es um eine Art Kommunikation zwischen uns und dem Wald. Da geht es um Terpene, um schlaffördernde Eigenschaften, Senkung des Pulses, protektive Wirkungen und, und, und. Wir müssen das alles nicht verstehen. Aber jeder von uns sollte es einmal gespürt haben – und das geht in den Wäldern ums KRANZBACH ganz besonders gut.

Die Mischung machts!
Es dauert nicht lange, da erreichen wir den märchenhaften Ferchensee. Kurz darauf den Lautersee. Und wenn man möchte, dann führt man die Radtour gerade so fort. Unzählige kleine Seen glitzern hinter den Bäumen um die Wette. Keiner gleicht dem anderen, aber alle strahlen sie uns an, laden dazu ein, die Füße hineinzuhängen, vielleicht kurz abzutauchen. Um einmal mehr zu realisieren, in welcher monumentalen Bergwelt wir uns eigentlich gerade befinden.

Die E-Bikes chauffieren uns diesmal aber nicht weiter in die Berge hinein, sondern pünktlich zum light lunch zurück ins KRANZBACH. Während wir morgens und abends gut und gerne die regionalen Produkte und Kreationen genießen, freuen wir uns von Tag zu Tag mehr auf die leichten Leckereien am Mittagstisch. Suppe, Salatbuffet und hausgemachtes Brot. Das genügt vollkommen und lässt uns gestärkt, aber nicht zu schwer in den Nachmittag starten. Denn das Meditationshaus wartet ja noch auf uns!

Ich und Meditation?
Als es in mein Blickfeld rückt, beginne ich langsamer, vorsichtiger zu laufen. Nicht etwa aus Angst, etwas beschädigen zu können. Vielmehr, um das Bauwerk genau zu inspizieren. Es auf mich wirken zu lassen. Und um es zu verstehen. Ein japanischer Architekt hat dieses Gebäude entworfen, ein Mann aus jenem Land, in dem die Meditation schon seit Jahrtausenden eine große Bedeutung hat. 

Was sich dann im Inneren des Hauses abspielt, ist nur schwer in Worte zu fassen. Greifbarer ist, dass Axel unter anderem in Zen-Tempeln und Klöstern in Südkorea und Japan lernte und praktizierte. Etwa 40 Jahre Erfahrung hat er nun auf diesem Gebiet. Mit Theorie und natürlich auch Praxis, gibt er uns einen Einblick in die Zen-Meditation – ein Erlebnis, das mich lange, vielleicht nie wieder loslassen wird. Im Anschluss wird Tee gereicht, was angesichts der mehrjährigen Ausbildung von Axel in japanischer Tee-Zeremonie einen abschließenden Höhepunkt der Meditations-Einheit bildet.

So endet unser Kurzurlaub in den Bergen zwischen Garmisch und Mittenwald. Intensiv, aber auch entschleunigend. Ruhig, aber durchaus auch sportlich. Lecker und gesund zugleich. Wir glauben, nun besser zu wissen, was uns wirklich gut tut. Was wir wirklich brauchen. Und auch, was wir wirklich wollen. Text: Benni Sauer

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