Die Bahnen der Zugspitze

Viele Wege führen nach Rom

Ob von Grainau, Garmisch-Partenkirchen oder von Ehrwald aus: Wer Deutschlands höchsten Gipfel erreichen möchte, der muss zweitausend Höhenmeter bewältigen. Das kann zu Fuß, entlang von Stahlseilen, auf Kletterrouten oder über den Gletscher, den Höllentalferner erfolgen. Dabei sind unsicheres Wetter, hohe Schneelage oder mangelnde Kondition oft allein schon Grund genug, auf den langen Fußmarsch zu verzichten und eine der vielen Bahnen zu nutzen. Für alle, die kein Risiko auf sich nehmen möchten, oder aber sich nur zurücklehnen und genießen wollen, für die gibt es komfortable Alternativen: Mit der Schienenbahn rattern Eisenbahnromantiker bergauf, während im Winter Schneesportler die Infrastruktur der Zugspitz Region nutzen. Tagesausflügler schweben mit Seilbahnen in die Höhe, um ohne Mühen alpine Luft zu schnuppern und allein schon die Fahrt mit der Seilbahn Zugspitze, der Weltrekordbahn, bietet seit Dezember 2017 ein Erlebnis der besonderen Art.

Die Seilbahn Zugspitze
Meine Beine sind schwer und müde, als ich in die Seilbahnkabine einsteige. Der lange Aufstieg wird mir noch in den Knochen stecken. Vom höchsten Gipfel des Landes schwebe ich aber schon wenig später mühelos dem Eibsee entgegen. Unter meinen Füßen, durch den verglasten Boden der Gondel hindurch, kann ich erkennen, wie sich der Boden mit rasender Geschwindigkeit von mir entfernt. Dabei bin ich doch erst seit wenigen Sekunden unterwegs. 

Gleich drei Weltrekorde wurden mit der Fertigstellung dieser Bahn gebrochen. Mehr als eindrücklich kann ich mich während der Fahrt selbst davon überzeugen. Da sind die Tragseile über meinem Kopf, an denen die Kabine bergauf und bergab schwebt. Eines davon wiegt stolze 153 Tonnen. Es scheint sich schier endlos in die Ferne zu ziehen, hängt dabei weit durch, bis es nicht mehr zu erkennen ist. 3213 Meter bis zur Stütze. Es ist das längste freie Spannfeld der Welt!

Nur wenige Augenblicke später, ich bin derweil schon viele Meter abwärts gesunken, erkenne ich die mächtige Seilbahnstütze. Sie scheint anfangs nicht einmal sonderlich groß zu sein, doch mit jedem Meter, dem ich mich ihr nähere, wird sie gigantischer. Am Ende kann ich meine Augen kaum noch von ihr abwenden, bis wir mit leichtem Holpern über sie hinwegrauschen. In diesem Moment befinde ich mich 127 Meter über dem Grund. Für Pendelbahnen ist sie die höchste Seilbahnstütze der Welt!

Nach zehn Minuten Fahrtzeit erreiche ich die Talstation am Eibsee. Eindrucksvoll ist der Blick zurück, die Nordwand hinauf, wo nur noch klein der Gipfelbau der Zugspitze erkennbar ist. 1945 Meter über mir. Die Seilbahn Zugspitze überwindet diesen Höhenunterschied in nur einer Sektion. Weltrekord!

2 Kabinen: (je 120 + 1)
max. Bodenabstand: 250 m
Fahrgeschwindigkeit: max. 10,6 m/s
Fahrbahnlänge: 4.467 m


Die Zahnradbahn von Grainau bis zum Zugspitzblatt
Weniger modern, dafür aber nicht weniger interessant: Die zwischen 1928 und 1930 erbaute Zahnradbahn. Dieses Jahr feiert also nicht nur der Gipfel sein zweihundertjähriges Besteigungsjubiläum, sondern auch die Zahnradbahn ihr neunzigjähriges Bestehen. Vom Zugspitzdorf Grainau tuckert man wildromantisch den Berg hinauf. Durch Wälder, über und durch den Fels. Die damals erst gegründete Bayerische Zugspitzbahn verwirklichte eines der kühnsten Bahnprojekte der Alpen und markierte mit der Fertigstellung einen Wendepunkt in der regionalen Tourismusgeschichte. Die damals größte Herausforderung: Ein mehr als vier Kilometer langer Tunnel, der 1010 Höhenmeter überwindet. 

Fahrgäste steigen heute oft schon in Garmisch-Partenkirchen in die Wagons, doch erst ab Grainau befindet sich mittig zwischen den Gleisen die Zahnschiene. Von Grainau geht die Fahrt, vorbei am Eibsee und der Talstation der Seilbahn Zugspitze, immer steiler bergauf, bis zur Station Riffelriss. Hier, wo die letzten knorrigen Bäume wachsen, wo der blanke Fels der Nordwand kaum noch Grün zulässt, da verschwinden die Gleise plötzlich im Berg. Über mehrere Schleifen und vorbei an Felsenfenstern bahnt sich die Zahnradbahn den Weg hinauf bis aufs Zugspitzplatt. Besonders Nostalgiker werden ihre helle Freude an einer Fahrt hinauf zum Gletscherrestaurant Sonnalpin haben, wo man hoch über dem Reintal wieder aus dem Berg gespuckt wird. Neben der hochmodernen Seilbahn Zugspitze ist die Zahnradbahn ein zuverlässiges Transportmittel und bietet eine der aufregendsten Bahnstrecken Deutschlands.

Größte Steigung: Eibsee zum Zugspitzplatt, 250%
Höchster Punkt: Zugspitzplatt 2588 m
Gesamtstrecke: 11 km

Weitere Seilbahnen
Auch von der österreichischen Seite führt eine Seilbahn bis zum Gipfel hinauf. Bereits 1926 konnte man mit ihr von Obermoos die Gipfelregion der Zugspitze erreichen. Mit dieser Bahn gewann Österreich das Rennen um die technische Erschließung der Zugspitze, auch wenn der Gipfel damals von der Bergstation noch immer in unerreichbarer Ferne lag. Denn die Seilbahn endete nicht auf dem höchsten Punkt, sondern mehr als 100 Meter unter ihm. Dennoch: Von der Bergstation war das Zugspitzblatt durch einen Stollen erreichbar, Skifahrer konnten sogar im sogenannten Kammhotel nächtigen, bevor ein Brand es 1962 komplett zerstörte. Auch diese Bahn bietet viele, historisch äußerst interessante Details und Spuren, die bis heute sichtbar sind. 1991 eröffnete schließlich der Neubau, nach dreijähriger Bauphase und aufwändigen Arbeiten im brüchigen Wettersteinkalk.

Fahrtzeit damals | heute: min. 16 Minuten | 7,2 Minuten
Förderleistung damals | heute: 80 Personen/Std. | 730 Personen/Std.
Höchster Punkt damals | heute: 2805 m | 2950 m 

Neben der Tiroler Zugspitzbahn und der Seilbahn Zugspitze führt „nur“ noch die relativ kurze Gletscherbahn zum Gipfel. Vom Zugspitzplatt – also bestens geeignet für Touristen, die mit der Zahnradbahn ankommen – überwindet man mit ihr die letzten Höhenmeter. Auch müde Bergsteiger, die den langen Anstieg durchs Reintal unterschätzt haben, fahren hier gerne mit. Vorbei an der Umweltforschungsstation schwebt man so mühelos dem Gipfel entgegen. 

Fahrbahnlänge: 1.000 m
Höhenunterschied: 360 m
Max. Bodenabstand: 140 m   

Auch wenn sie nicht den höchsten Gipfel erreichen, so sind die vielen weiteren Seilbahnen südlich von Garmisch-Partenkirchen nicht weniger erwähnenswert. Sommers wie winters sind die Bahnen unterhalb der Alpspitze äußerst gern genommene Transportmittel, die zu beliebten Ausflugszielen führen. An der Gipfelstation der Alpspitzbahn wartet beispielsweise das spektakuläre AlpspiX. Eine Aussichtsplattform, mit 25 Meter langen Stahlkonstruktionen. Sie ragen weit über die Geländekante hinaus und bieten eindrückliche Blicke ins Höllental mit einem Talgrund, der fast einen Kilometer tiefer liegt.  

Auch aufs etwa 400 Meter tiefergelegene Kreuzeckhaus, sowie auf den 1300 Meter hohen Garmischer Hausberg führen Seilbahnen. Diese Region zeichnet sich durch eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmungsmöglichkeiten aus. Biker finden schöne Trails, Wanderer Ruhe und Erholung, Kletterer die unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrade in festem Fels und Klettersteiggeher toben sich an der Alpspitze sowie am Bernadeinkopf aus. 

Förderleistung Kreuzeckbahn:
max. 1.700 Personen pro Stunde & Richtung

Größte Fahrbahnneigung:
Alpspitzbahn, 39°

Anzahl Leichtmetallkabinen Hausbergbahn:
66 für jeweils 8 Personen

Autor: Benni Sauer

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