Eagle Wings: Protecting the Alps

Klar, atemberaubende Luftaufnahmen gibt es im Zeitalter von ferngesteuerten Drohnen wie Sand am Meer. Die sanften Kameraflüge und weichen Schwenks wirken in den schroffen Alpen oft besonders gut.

Diesmal fesselt mich aber etwas anderes. Das leicht wackelige Bild zeigt eine vergletscherte Bergflanke aus der Vogelperspektive. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Kamera wird von einem Adler getragen. In der Bildmitte ist der Kopf des riesigen Vogels zu sehen. Links und rechts sind seine Schwingen zu erkennen. Im Gleitflug segelt er über die Grate und Gipfel des Wettersteinmassives. Unsere Bergwelt ist so wunderschön!

© Christian Pfanzelt

„Nur was man kennt, das schützt man!“ sagt Nomi Baumgartl. Die renommierte Fotografin will mit ihrem neuesten Projekt wachrütteln. „Wir brauchen ein Bewusstsein für das fragile Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur und müssen begreifen, dass alles mit allem zusammenhängt!“ Schon mehrmals hat sie über die Verbindung von Natur, Tier und Mensch erzählt. Meistens durch Fotografien, wie beim letzten Projekt namens Stella Polaris. In den Fotos kann man dem arktischen Eis praktisch beim Schmelzen zusehen.

Heute ist Nomis wichtigster Projektpartner Victor. Fast schon eine Berühmtheit. Bilder aus aller Welt, aus Paris und London, sogar vom höchsten Gebäude der Welt in Dubai, hat er uns geliefert. Jetzt kommen die Bilder Nomis Projekt zugute, das in Zusammenarbeit mit der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus und dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt auf die Beine gestellt wurde. Auf drei Ebenen ist es angelegt. Für die emotionale Ebene ist Nomi mit ihrem analogen Fotoapparat zuständig. Die Wissenschaftler vom Schneefernerhaus liefern dafür Daten und Fakten, das Hintergrundwissen. Victor, der Seeadler unterstreicht diese beiden Ebenen mit seinen Aufnahmen. In allen Alpenländern, bis hinauf auf die höchsten Gipfel, wird an diesem Projekt gearbeitet. Eine Mammutaufgabe.

Nomi Baumgartl lebt heute in ihrer Wahlheimat in Murnau am Staffelsee. Früher, vor dem Unfall, als sie noch in New York lebte, hatte sie Berühmtheiten vor der Linse. Topmodels und sogar Papst Johannes Paul II. Doch dann wurde es dunkel. Der Autounfall nahm Baumgartl das Langzeitgedächtnis, nur die vergangenen zehn Jahre konnte sie noch rekonstruieren. Was dahinter lag, blieb dunkel. Seit diesem Moment steht vor Nomis Kamera keine Prominenz mehr. Und es sind auch nur auf den ersten Blick Tiere und Landschaften. Denn wer genau hinsieht, findet Gefüge. Die Seele der Natur. Und die Verbindung all dessen, was unseren Planeten am Leben hält.

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