Mit dem E-Mountainbike über die Alpen in Südtirol

Plan B, die Eventagentur aus München, deren bekanntestes Pferd im Stall der Transalpine-Run ist, lud vergangenen Juni zur 2. Auflage der »Shimano E-Mountainbike Experience«. Statt in Laufschuhen die Alpen in ihrer extremsten Form zu überqueren, ging‘s in den Sattel eines E-Mountainbikes. Über 200 Kilometer und 6000 Höhenmeter in 4 Etappen und ohne Wettkampfcharakter wurde Südtirol von Naturns im Vinschgau bis nach Sexten in den Dolomiten auf den schönsten und spektakulärsten Trails des Landes durchquert. 

In vier Leistungsgruppen unter professioneller Führung der Bike-Guides erlebten die Teilnehmer nicht nur die Schönheiten und die Kultur Südtirols, spannende Down- und fordernde Uphills gepaart mit atemberaubenden Singletrails, sondern auch die technischen Vorzüge des E-MTB‘s. Neben Shimano als Hauptsponsor waren 8 renommierte Radmarken mit jeweils rund 30 E-MTB‘s zum Testen dabei. Die 109 Biker aus 8 Ländern, zwei Japaner waren sogar extra aus Osaka angereist, konnten entweder mit ihrem eigenen E-MTB fahren oder aber täglich ein neues E-MTB der aktuellen Modelle von Bulls, Centurion, Focus, Ghost, Haibike, Husqvarna, Merida und Scott testen. Experten kümmerten sich um eine fachgerechte Beratung, Betreuung und Pflege der Bikes. Die Hersteller konnten durch diesen Praxistest und das direkte Feedback der Teilnehmer Ideen sammeln, sich austauschen und quasi den Herzschlag des Marktes hören. 

Der Event war eine Symbiose der vier Komponenten Radsport, Alpenerlebnis, Genuss und Kultur. Für alle Alters- und Leistungsklassen, ideal für Einzelstarter, Paare, Familien. Selbst eine spezielle Kinderbetreuung für den Nachwuchs wurde angeboten. Nach der Streckenhälfte gab es jeweils eine traditionelle Brettljause in einer Berghütte, während die Akkus wieder aufgeladen wurden. Im Zielort ging es weiter mit dem Genuss von Südtiroler Spezialitäten beim Chill out in der Shimano Lounge, Erkundung des Etappenortes und einer gemeinsamen Abendveranstaltung mit Dinner. Das Konzept kombinierte Naturerlebnis in Südtirol, das Erlebnis E-Bike, sportlichen Anspruch und kulturelle Unterhaltung gepaart mit regionalen Gaumenfreuden zu einem touristischen Gesamtpaket, das in verschiedenen Unterkunftskategorien gebucht werden konnte.

Seit dem Siegeszug der stromunterstützten Fahrräder vor exakt 10 Jahren sorgen die E-Bikes für Aufreger bei den Ausdauersportlern. Aber nur so lange, bis man es selbst einmal ausprobiert hat, dann sind die meisten Vorurteile vom Tisch. Im zurück liegenden Jahr wurden in Europa mit knapp zwei Millionen Stück so viele Elektrovelos wie noch nie verkauft. Dabei sind E-Mountainbikes die derzeit am rasantesten wachsende Sparte der elektrischen Fahrradmobilität. Mit den E-MTB‘s fiel die letzte Bastion der Muskelbikes, oder soll man sagen »Bio-Bikes«? Die neueste Generation bietet mit einer immer raffinierteren Technik Fahrspaß pur. Was heutige E-MTB‘s und die Akkus leisten, war bis vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar. Auch Skeptiker zeigen sich nach einem elektronisch unterstützten Offroad-Selbsttest begeistert! Im Gegensatz zu den Straßen E-Bikes ist E-Mountainbike eine völlig neue, dynamische Disziplin mit ungeahnten Möglichkeiten. 

E-Mountainbiken ist ein körperlicher Sport und es ist ein Irrglaube, dass man sich dabei nicht anstrengen muss. Treten, steuern, bremsen, Gleichgewicht halten und koordinieren muss man immer noch, Fahrkönnen und Technik sind Voraussetzungen. Und das Hirn ist gefragt, denn die mehrstufige Motorleistung muss bei längeren Touren intelligent eingeteilt und ein cleveres Akku-Management betrieben werden. Ein über 20 kg schweres Bike mit leer gefahrenem Akku über den Berg zu wuchten ist eine brutale Maloche! Trage- und Schiebepassagen, die im steilen Gelände nicht ausbleiben, sind unter Krafttraining einzuordnen. Die allgemeinen Vorteile des E-Bikens sind vielfältig: Für körperlich eingeschränkte Menschen, Übergewichtige, Leute mit Knieproblemen ist das E-Biken eine enorme Motivation und Chance, ihre Mobilität wieder zu verbessern. Pendler können schweißfrei zur Arbeit fahren, junge Familien mit Anhänger von Veloferien träumen und einer Seniorin zum autofreien Einkauf verhelfen. Generell ist es ein entspannteres Fahren, bringt Menschen in Bewegung, die sich sonst überhaupt nicht mehr bewegen würden, die neu mit Radfahren beginnen oder mit Elektrounterstützung wieder einsteigen. Und dann kommt da noch der soziale Benefit ins Spiel: Gruppen, Pärchen, Trainingskollegen können homogener fahren und eventuell vorhandene Leistungsunterschiede ausgleichen. Mit der richtigen Motorleistung kommen alle gemeinsam ins Ziel. 

Das E-MTB ermöglicht es, Touren zu planen und Steigungen hochzufahren, die man ohne Motorunterstützung nicht schaffen würde. Auch im verblockten und steilen Gelände, wo man mit einem normalen Bike meist nicht weiterkommt, ist noch ein sehr gutes Fahren möglich. Technisch schwierige Abschnitte bergen eine geringere Sturzgefahr, da es durch die Motorleistung nicht so schnell zum Stillstand kommt. Bergab sind E-MTB‘s dank dickeren und stabileren Reifen, tieferem Schwerpunkt und üppigen Federwegen den konventionellen Bikes sogar überlegen, bieten mehr Fahrkomfort, hervorragende Traktion und Kontrolle. Last but not least, die Klamotten werden nicht mehr so stark verschwitzt, man fühlt sich wohler und muss weniger Ersatzkleidung mitnehmen. 

Mike Kluge, bekannt durch zahlreiche nationale und internationale Titel auf dem Querfeldein-Rennrad und dem Mountainbike, sowie Gründer der Fahrradmarke Focus, war mit seiner eloquenten Art und verschmitztem Temperament eine echte Bereicherung während der Shimano E-Mountainbike Experience. Der 56-jährige ist noch topfit, fuhr die täglichen Etappen in verschiedenen Gruppen mit und begeisterte die Teilnehmer mit seiner Kompetenz und Sachkenntnis. Als »Mike the Bike« rockte er in den 1980er und 1990er Jahren den deutschen Querfeldein-Radsport und die gleichzeitig aufkommende Mountainbikeszene, war einer der ersten Mountainbikeprofis in Deutschland. Heute ist er begeisterter E-Mountainbiker. Als Berater von Focus, das sich als High End Marke für E-Bikes im Gelände und auf der Straße spezialisiert hat, sieht er die Zukunft dieser Branche sehr positiv. Als äußerst spannend findet er die rasante Entwicklung im Bereich Antriebstechnik und Batterien. „E-Biken bringt mehr Gruppendynamik, mehr Spaß, mehr Sicherheit und die Leute aus dem Auto rauf auf‘s Bike“ ist Kluge überzeugt, der sich durchaus auch E-MTB-Wettbewerbe vorstellen kann.   Diese wären dynamischer und es könnten höhere Schwierigkeitsgrade bewältigt werden. Mike the Bike gibt offen zu, dass mit einem E-MTB Steigungen gefahren werden können, die er selbst als Profi nicht geschafft hätte. 

Die meisten Teilnehmer bei der Shimano E-MTB Experience waren erfahrene Mountainbiker mit und ohne E-MTB-Erfahrung. Lars Zobel aus Zürich zum Beispiel. Der gebürtige Heidelberger hatte vom normalen Biken die Nase voll. E-Biken eröffnete ihm neue Horizonte und eine größere Reichweite. Er fährt täglich 20 km mit 300 Höhenmetern zur Arbeit und zurück. Oder Andreas Gröger aus Kempten. Nachdem er bei der Leserumfrage eines E-MTB-Magazins ein Focus Bike gewonnen hatte, besitzt und benutzt er beide Systeme. José Antonio Hermida Ramos, spanischer Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 und zum zweiten mal als Markenbotschafter dabei, brachte es auf den Punkt: „Hier können wir den Herzschlag des Marktes hören. Bei der Shimano E-MTB Experience fahren Profis mit Amateuren und das alles ohne Wettkampfcharakter, es geht um Sport an sich und das gemeinsame Erleben dieser wunderschönen Landschaft. Der Antrieb gibt natürlich vielen die Chance, diese Überquerung in Angriff zu nehmen“. Einig waren sich alle Radpartner darin, dass dieses neuartige Format Zukunft hat, riesiges Potenzial besitzt, authentisches Kundenfeedback ermöglicht und das Miteinander und den Kontakt zwischen Teilnehmern und Herstellern intensiviert. 

E-Bike Events sind kein Sammelbecken für konditionsschwache Bergtouristen. Allerdings werden wohl in Zukunft viele Wanderer aufs E-Bike umsteigen und die Berge auf den Almwegen neu erleben. Die Touristikbranche hat bereits reagiert, immer mehr Hotels und Tourismusregionen halten E-Bikes zum Verleih bereit und kreieren sogar spezielle Trails. In den E-MTB‘s liegt gewaltiges Innovationspotenzial. Fakt ist, dass die Entwicklungsabteilungen von E-Bikes bei vielen großen Firmen mittlerweile doppelt so groß sind wie die Abteilungen für „Bio-Bikes“. Selbst bei der Eurobike, die Fahrradmesse in Friedrichshafen, ist E-Biken das große Thema. Wer noch vor wenigen Jahren behauptet hätte, in jedem dritten verkauften Fahrrad stecke ein Akku, der galt nicht als Visionär, sondern als Spinner. Heute ist das anders. Geschätzt 3 ½ Millionen E-Räder surren aktuell durch Deutschland. 720.000 E-Bikes sollen nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) im Jahr 2017 in Deutschland verkauft worden sein. Gut jedes fünfte davon (21,5%) war ein E-MTB. Aber: Fast viereinhalb mal so viele normale Mountainbikes gingen über den Ladentisch. E-Biken soll ja das konventionelle Radfahren nicht ablösen, sondern ergänzen. Beides, klassisches Biken und E-Biken, wird dauerhaft nebeneinander existieren. 

Autor: Stefan Schlett | Bilder: Wisthaler


FAKTEN

Begriffserklärungen:

Pedelec (Pedal Electric Cycle)
Zu dieser Klasse gehören hierzulande nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) ca. 95-97% aller verkauften Elektroräder. Ihr Motor unterstützt nur, solange man in die Pedale tritt, und das bis maximal 25 km/h. Sie sind Fahrrädern rechtlich gleichgestellt und auch auf Radwegen erlaubt.

S-Pedelec (= schnelle Klasse bis 45 km/h)
Auch wenn die schnellen S-Pedelecs in Deutschland keinen hohen Marktanteil haben, erfreuen sie sich steigender Beliebtheit. Die maximal unterstützte Geschwindigkeit beträgt 45 km/h. Mindestalter 16 Jahre, Zulassung und Versicherung sind notwendig, es besteht Helmpflicht. Radwege dürfen nach aktueller Einschätzung/Rechtssprechung nicht befahren werden. 

Infos zur Shimano E-Mountainbike Experience
Durch die Veranstaltung werden die Teilnehmer an das spezielle Fahrgefühl und die Technik des E-Bikes herangeführt. Der Startort Naturns ist 528 Meter hoch, gleich um die Ecke liegt Schloss Juval, Museum und Sommerresidenz von Reinhold Messner und seiner Familie. Beim Prolog mit Fahrtechniktraining am Vortag wird sicher gestellt, dass jeder Fahrer die richtige Leistungsgruppe findet: Genuss, Einsteiger, Ambitioniert, Fortgeschrittene. Täglich kann ein anderes E-MTB mit unterschiedlichen Antrieben getestet werden. Dafür stellen die Radpartner neue und hochwertige E-MTB‘s in den Preislagen ab Euro 3500.- und aufwärts zur Verfügung.

Der Teilnahmepreis enthält Übernachtung, Vollpension, Gepäck- und Radtransport, Shuttle-Service zu den Hotels, technischen Service, umfangreiches Starterpaket mit Trikot und Rucksack, Streckenkarten, Kinderbetreuung und vieles mehr. Dazu gehören täglich exklusive Abendveranstaltungen, u. a. auch in Bergrestaurants, die per Seilbahn erreicht werden.

Die Shimano E-MTB Experience fungiert als Partnerevent des E-Bike Festivals in Dortmund, das seit 3 Jahren ebenfalls von Plan B erfolgreich inszeniert wird. Europas größtes E-Bike Event hat an die 150 Aussteller und mehr als 50.000 Besucher. Auf Teststrecken, Thementouren, Nachtrennen kann das E-Bike in und um die Reviermetropole Dortmund persönlich erlebt werden. 

Alle Infos dazu gibt‘s hier: 
www.emountainbike-experience.org
www.ebike-festival.org

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