Ein Winter in den Dolomiten

Un inverno nelle Dolomiti

Faszinierende Felsformationen, unendliche Pisten und die herzhafte ladinische Küche. Weltberühmte Skirennen, 300 Sonnentage im Jahr und – als wäre das alles nicht schon längst genug – vor zehn Jahren von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt: Die Dolomiten.
Was Gäste in der kalten Jahreszeit dort erwartet, haben wir uns genauer angeschaut. Fast zwei Wochen lang haben wir mitgenommen, was geboten wird: Action, Spaß, Genuss und Natur.

Und von all dem gibt es mehr als genug!


KAPITEL I
Obereggen Latemar

Gerade einmal eine halbe Stunde ist das Eggental von Bozen entfernt. Wild-romantisch durchzieht es den Westen der Dolomiten, schlängelt sich hinauf und bietet sieben kleinen Dörfern genug Platz für ein Tourismusangebot der Extraklasse. Im Sommer ist das Eggental ein Wander- und Bergsportparadies. Sogar Karl May soll sich hier für seine Bücher inspiriert haben lassen.

Jetzt im Winter lockt es die Ski-Sportler. Aber nicht nur wegen seiner grandiosen Schneesicherheit. Regelmäßig sahnen die dortigen Skigebiete begehrte Preise ab. Stolz darf sich das Ski Center Latemar zu den besten Skigebieten Europas zählen. Und sogar der Preis für die weltweit beste Pistenpräparierung ging an´s Eggental. Kein Wunder! Schließlich liegt die Region unangefochten an der Spitze, was technische Beschneiung angeht. Und so ist es auch eine Selbstverständlichkeit, dass sich alle Gemeinden des Eggentales der Nachaltigkeit verschrieben haben. Ganz natürlich kommt hier der Strom für Lift- und Beschneiungsanlagen ausschließlich aus erneuerbaren Energien. Wir checken ein im Hotel Cristal. Unterhalb des relativ einsamen Latemar-Gebirges liegt es auf 1600 Metern Höhe. Dass Südtirol ein Ort für Genießer ist, wird einem direkt am Wellnessangebot deutlich gemacht. Es mangelt an nichts. Auch die Bezeichnung »Gourmet-Hotel« trägt das Haus zurecht, wird doch bei jedem Gericht viel Wert auf Lokalität gelegt. Wir richten uns ein. Viel zu schnell ist der Nachmittag vorbei und so bleibt nichts als die Vorfreude auf die kommenden Tage.

Am Morgen wollen wir gleich raus, denn die Sonne strahlt und die Pisten sind leer. Direkt vom Hotel aus schweben wir mit dem Lift aufwärts. Und schon kann´s losgehen! Vor wenigen Minuten saßen wir noch unten am Frühstückstisch. Jetzt schwingen wir über erstklassige Pisten, die bis auf 2500 Meter hinauf ziehen. Der erste Eindruck, den uns Südtirol bietet: Ganz einfach grandios!

Daran ändert auch das Mittagessen im Mountain Riviera Baita Gardoné nichts. Ganz im Gegenteil! Auch hier kommen Genießer wieder auf ihre Kosten. Saftige Steaks und Südtiroler Wein schmecken mit dem Blick auf die ursprüngliche Lagorai-Kette besonders gut.

Nachdem wir so gut gegessen haben, wird es Zeit, sich den ultimativen Überblick zu verschaffen. Dazu steigen wir kurzerhand in einen Helikopter und heben ab. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, schießen unzählige Bilder, und fliegen eine ausgedehnte Runde über die Täler und Gipfel. Ein wenig erhaben fühlen wir uns dabei schon. Das Naturwunder der Dolomiten verspricht uns viel, kann man seine schiere Größe doch nur aus der Luft erahnen. Viel zu schnell erreichen wir wieder den Boden der Tatsachen. Warum man von Zeit spricht, die wie im Flug vergeht, fragen wir uns jetzt jedenfalls nicht mehr. Ohne Frage ein tolles Erlebnis!

An unserem letzten Tag im Eggental stehen wir wieder früh auf den sonnigen Pisten. Später erwartet uns noch ein Frühstück in der einmaligen Berghütte Oberholz. Drei riesige Panoramafenster bieten eine umwerfende Aussicht aus der gestreckten Hütte, die in drei einzelnen Giebelbauten endet. Die moderne Architektur ist ein echter Hingucker in der rauen Bergwelt. Ein Restaurant, eine Bar und eine Lounge finden Platz darin. Raffiniert bodenständige Spezialitäten werden hier von einer gut sortierten Weinkarte abgerundet. Und wieder wird der Regionalität große Bedeutung zugesprochen.

Eine spaßige Rodelfahrt, eine Weinprobe, Schlittschuhlaufen, Schneeschuhwandern oder Skitourengehen. Das Eggental im Winter bietet unzählige Möglichkeiten für jedermann! Wir aber ziehen weiter, Richtung Osten.

Nähere Infos gibt´s unter
www.obereggen.com/de
www.eggental.com/de


KAPITEL II
Sella Ronda

© Simone Mondino

Auf verschlungenen Sträßchen schieben wir uns durch sanfte, schneefreie Hügel. Leicht bergauf geht es, alles in allem nicht sonderlich sehenswert. Aber dann, ganz unerwartet, steht vor uns ein riesiges Bollwerk. Eisig und steil wirkt sie wie von Menschenhand gemauert. Die Nordwand der Sellagruppe. Im Schatten, anderthalbtausend Meter unter ihr, liegt das Örtchen mit dem unwirklichen Namen Wolkenstein. Hier checken wir ein. In´s Hotel Freina, das so perfekt gelegen ist, wie man es sich nur wünschen kann. Im Sommer direkt neben schönsten Wanderwegen, landet man im Winter mit dem letzten Schwung von der Piste direkt im Skikeller. Wir essen zu Abend, sind wieder voller Vorfreude. Das Wenige, was wir heute schon sehen konnten, hat uns gefesselt und beflügelt. Wir wollen raus!

Es dämmert. Die schwarze Nacht wird langsam blau. Wir sind hellwach und warten, bis das Licht die Welt um uns herum zum Glühen bringt. Weit hinten im Norden beginnen die Geislerspitzen langsam dunkelrot zu leuchten. Dort, hinter den schroffen Zähnen, erblickte Reinhold Messner das Licht der Welt. Dort, an den steilen Wänden, lernte er schon als Kind das Klettern und im zauberhaften Villnößtal die Berge lieben. „Kein Wunder“, murmle ich in die kalte Morgenluft und trinke den letzten Schluck Kaffee aus meiner Tasse. Aufregung überkommt uns, als wir die Skiausrüstung anlegen. Gleich geht’s endlich los. Raus in den Schnee, auf die Pisten und hinein in die endlose Schönheit Südtirols.


An der Liftstation der Ciampinoi-Seilbahn treffen wir Mirko Perathoner. Er ist Skilehrer bei der berühmten Skischool Selva, der ersten und größten Skischule im Grödnertal. Seit 1937 halten die Lehrer nicht nur traditionellen Ski- und Snowboardunterricht, sondern geben zum Beispiel auch Kurse im Freeriden. Erfahrung und Know-How wird groß geschrieben, was auch im Gespräch mit Mirko gut erkennbar ist.
Wenig später schweben wir mit der Bahn hinauf in eine andere Welt. Die Welt des Dolomiti Super-Ski. Was genau das bedeutet, werden wir jedoch erst in den nächsten Tagen wirklich begreifen können. Wir haben uns für heute die Sellaronda vorgenommen. Eine spektakuläre Skirunde, über die vier großen Dolomitenpässe, einmal rundherum um das gigantische Sellamassiv.


Wir sind tief im Herzen des Dolomiti Super-Ski. Wer hierfür ein Ticket hat, kann Tage lang Skifahren, ohne auch nur eine Piste zwei Mal zu sehen.
Ein Ticket für 12 Skigebiete, mit insgesamt unglaublichen 1200 Pistenkilometern. In der Nebensaison kostet ein Tag im Skiparadies nicht einmal 50 Euro. Aber auch während der Stoßzeiten sind die Skipässe mehr als preiswert. So kostet eine Woche Skifahren im Januar 290 Euro. Wer möchte darf sich den Preis pro Pistenkilometer ausrechnen und wird feststellen, dass hier für wenig Geld richtig viel geboten wird!
Mittlerweile sind wir schon weit gekommen, auf unserem Weg um die Sella. Von jeder Seite bietet das Massiv ein neues Gesicht. Aber immer eindrucksvoll und abweisend. Zur wohlverdienten Mittagspause rasten wir am Sellajoch. Hier lassen wir uns in der Comicihütte verwöhnen. Ein ganz besonderer Ort, an den wir in einigen Tagen noch einmal zurückkehren werden. Unser erster Tag in Gröden, er könnte nicht besser sein. Tiefer in die Bergwelt kann man im Winter nur schwer eintauchen. Die enorme Strecke um die Sella ist fast unglaublich, das Auf und Ab berauschend.

Es kommt uns vor wie eine Ewigkeit, als wir vom Grödner Joch hinab Richtung Wolkenstein schwingen. Fast 40 Kilometer bestens präparierter Pisten liegen hinter uns. Nie besonders schwierig, aber konditionell doch fordernd. Mit grandiosen Aussichten und einem im Ganzen einzigartigen Ski-Erlebnis.


KAPITEL III
Alta Badia | Heiligkreuzkofel

Den Nachmittag lassen wir gemütlich ausklingen. Wir schauen der Sonne dabei zu, wie sie das Mauerwerk der Sella in tiefes Orangerot taucht. Dabei versuchen wir, die vielen Eindrücke zu sortieren und schlendern durch die verträumt wirkende Ortschaft. Ein wunderschöner Tag geht zu Ende.

Wieder starren wir auf die Geislerspitzen. Wieder lodern die Felstürme im Morgen, wie Flammen auf riesigen Kerzen. Wir können uns einfach nicht sattsehen. Wir starten heute gemütlich in den Tag, gönnen uns ein ausgiebiges Frühstück. Die Skier aus dem Keller geholt geht es hinauf auf das zweitausend Meter hohe Grödner Joch. Vor uns strahlt der berühmte Langkofel hell in der Morgensonne, daneben der Zackengrat der Cirspitzen. Wie der gespickte Rücken eines gigantischen Drachens ragt er aus dem sanften Umland. Mit der großen Cirspitze erreicht der beeindruckende Bergkamm seinen Höhepunkt. Spätestens jetzt erwachen meine alpinen Ambitionen. Ob ich da im Winter wohl hochkommen würde?
Wir fahren weiter, hinab ins Skigebiet Alta Badia.

Der mächtige Heiligkreuzkofel ist von hier aus nicht zu übersehen. Über eintausend Meter fallen die Westwände steil hinab. Direkt darunter finden wir ein kleines, so früh im Jahr noch menschenleeres, Skigebiet. Wie überall in der Gegend, wird hier viel Wert auf Skifahren mit Genuss gelegt. Es fehlt wie immer an nichts. Wo man auch ist, man kann sich einfach fallen lassen. Den Vormittag verbringen wir auf den tollen Pisten, genießen die warmen Sonnenstrahlen.

Das eigentliche Highlight besuchen wir aber erst mittags: Die Heilig-Kreuz-Kirche. Sie liegt direkt am Fuße des Heiligkreuzkofels, keine zehn Minuten von der Piste entfernt. Früher als Wallfahrtskirche genutzt, ist sie heute ein Restaurant und eine Berghütte mit Übernachtungsmöglichkeit. Schon seit fünf Generationen im Familienbetrieb, findet man hier einen weiteren Ort mit einer ganz eigenen, zauberhaften Aura. Und einen legendären Kaiserschmarrn, dessen Ruf ihm bis über den Brenner vorauseilt.

Langsam wird es voll in den Tälern um das Grödner Joch, denn es wartet eines der größten Skispektakel der Welt. Straßen werden gesperrt, Pisten präpariert. Und dann steigt die Party schon bei der Startnummernverlosung. Die Fans jubeln, die Stimmung ist großartig.


KAPITEL IV
Die Saslong

Am Mittag des nächsten Tages starten die Männer im Super G. Über die legendäre Saslong jagen die Profis dem Hundertstel einer Sekunde hinterher. Wenige Stunden vorher durften wir uns ausnahmsweise selbst ein Bild der Abfahrt machen. Dabei wurde mir eindrucksvoll klar, welche Ausdauer, welche Kräfte hier von Nöten sein müssen. Die Schlüsselstelle, die berühmten Kamelbuckel, wirken geradezu schauderhaft steil auf mich. Die Profis überspringen hier auf einer Distanz von über 70 Metern die Piste. Der Schnee ist bretthart. Vorsichtig rutsche ich auf den Kanten die Piste hinab. Skisport bekommt für mich in diesem Moment eine ganz neue Bedeutung.

Der Jubel ist ohrenbetäubend. Musik bringt uns in Stimmung. Der erste Skifahrer rauscht die Saslong hinunter. Wir beobachten ihn auf den großen Leinwänden, bevor wir ihn im Zielhang entdecken. Einer nach dem anderen brettert abwärts, während ich staunend auf der Tribüne stehe. Einmal selbst dabei zu sein, das war noch nicht einmal mein größter Traum. Doch jetzt wo ich hier stehe, lasse ich mich voll mitreißen. Dicht über uns schweben Helikopter. Ich habe sie zuerst gar nicht wahrgenommen, so tief bin ich im Geschehen, so laut ist es hier unten.

Aber plötzlich ändert sich alles. Es ist schlagartig still geworden. Die Bilder auf der Leinwand sind beängstigend. Doch das Drumherum nimmt mich noch mehr mit. Fassungslosigkeit steht in Gesichtern, die vor Sekunden noch singend und jubelnd nach oben schauten. Der Schweizer Marc Gisin ist kurz vor den Kamelbuckeln gestürzt. Er überschlägt sich, knallt bei 120km/h mit dem Kopf auf die Piste, rutscht eine gefühlte Ewigkeit bewusstlos über das Eis und bleibt schließlich regungslos liegen. Wir sind alle völlig geschockt. Der schmale Grat zwischen Sieg und Niederlage, zwischen Risiko und Zeitverlust. Der wahnsinnige Druck, dem die Skifahrer immer wieder entgegen treten, macht mich nachdenklich.

Sofort startet ein Rettungshubschrauber. Die Einsatzkräfte sind gut vorbereitet, transportieren den Profi ins Krankenhaus nach Bozen. Erst viel später wird sich zeigen, dass Gisin großes Glück hatte. Die Rücken- und Kopfverletzungen sind harmlos. Künstliches Koma, ausgeschlagene Zähne, ein Schädel-Hirn-Trauma und mehrere Rippenbrüche, die die Lunge in Mitleidenschaft gezogen haben. Scheinbar nichts, was einen Profi-Skifahrer sonderlich tangiert, witzelt er doch schon wenige Tage später mit der Presse und seinen Fans. Das Rennen wird zu Ende gefahren. Die Norweger sind heute besonders stark und holen den Sieg. Was für ein eindrucksvolles Event, samt Höhen und Tiefen!

Später in der Dunkelheit bringt uns eine Schneekatze hinauf auf die Comicihütte. Es ist eisig kalt. Wie auf einer Polarexpedition fühlen wir uns, als uns die Maschine ratternd an der Hütte ausspuckt. Wir genießen hier oben fantastischen Fisch und Meeresfrüchte. Das ist Gang und Gebe und hat der Hütte Kultstatus auf 2150 Metern verschafft. Wir feiern in der ausgelassenen Atmosphäre bis weit in die Nacht hinein. Ich selbst bin fertig mit den Nerven. Seit Tagen lade ich unfassbar viele wunderbare Momente auf, erlebe, sehe, spüre und schmecke Neues. Der Trubel am Zieleinlauf und die Schrecksekunde an der Saslong. Ich brauche Ruhe. Abstand und Stille.  Die Cirspitze blitzt in meinem Gedächtnis auf. Der Drachenrücken, oben am Grödner Joch. Ich gehe etwas früher ins Hotel, ruhe mich in der Sauna aus. Meinen Wecker stelle ich auf 5.00 Uhr in der Früh.


KAPITEL V
Gruppo del Cir

-19C°. Außergewöhnlich kalt für diese Jahreszeit. Meinem Zeitplan folgend parke ich meinen Wagen genau um 6.00 Uhr am Grödner Joch. Es ist noch stockfinster, aber ich möchte pünktlich zum Sonnenaufgang um 8.04 Uhr auf dem Gipfel stehen. Es gilt also keine Zeit zu verlieren. Mit den ersten Schritten ist in meinem Kopf plötzlich wieder viel Platz. Ich sortiere meine Erlebnisse, denke nach. Hauptsächlich aber über die Route, die Verhältnisse, die Zeit. Die vereiste Skipiste unterhalb der Cirgruppe lässt mich schnell aufsteigen. Direkt hinauf zur größten Scharte im Drachenrücken. Sie ist die einzige Schwachstelle, die die Wand zu bieten hat und liegt direkt westlich der großen Cirspitze. In der dunklen Nacht ist aber selbst sie kaum zu finden und so verlasse ich mich auf das Wenige, was ich im Schein meiner Stirnlampe erkenne.

Es wird steiler und felsiger. Die Piste liegt schon weit unten in der Dunkelheit, als mir der Hall auffällt, den meine Schritte erzeugen. Ich muss eingekesselt zwischen zwei riesigen Wänden stehen. Die Scharte! Es ist eiskalt hier drin, aber unfassbar beeindruckend. Lockerer Pulverschnee verdeckt ab jetzt die Markierungen. Ein guter Orientierungssinn ist in diesem alpinen Gelände unbedingt von Nöten. Ich lege meine Steigeisen an und packe meinen Pickel aus. Das Kratzen des Metalls auf den Felsen gibt der Klangkulisse eine noch mystischere Stimmung. Ich bin beeindruckt und tauche mit jedem Schritt tiefer in die Einsamkeit.

Langsam schiebe ich mich über die Platten, wische den staubigen Pulver von den Griffen und Tritten, bis ich das erste Fixseil erreiche. Ich bin erleichtert, doch das Südtiroler Wetter scheint mir an meinem letzten Tag einen Strich durch die Rechnung zu machen. Ein tiefschwarzes Wolkenband bedeckt den Horizont im Osten, hüllt die Gipfel in düsteren Nebel. Auch wenn es langsam heller wird, Hoffnungen auf einen Sonnenaufgang oder sogar wärmende Sonnenstrahlen schminke ich mir ab.

Entlang des Fixseiles gewinne ich schnell an Höhe. Danach wechseln wieder Kraxelpassagen und anspruchsvolles Wandergelände. Alles in allem eine Tour, die alleine und im Winter all mein Können fordert, aber trotzdem immer im Genussbereich bleibt. Das Spuren im tiefen Schnee spornt mich an, gibt der Route einen noch extremeren Charakter.
Am zweiten Stahlseil angekommen, trennen mich nur noch wenige Meter vom Gipfel. Der Wind hat zugenommen, es wird kälter und kälter. Aber der Wind hat auch das Wolkenband ein wenig zu mir her, in Richtung Westen geschoben. Unter ihm erkenne ich jetzt die kolossale Nordwand des Monte Pelmo. Nicht mehr lange, vielleicht habe ich Glück! Schneller!
Über gutmütiges Blockgelände schlängelt sich der eingeschneite Weg hinauf. Ich steige so schnell, wie die kalte Luft mich atmen lässt.

Die Wolken färben sich. Erst lila, dann rot und als ich meinen Fuß auf den Gipfel setze, verzaubern die ersten Sonnenstrahlen den Himmel in ein orange-goldenes Meer. Mein Atem friert mir im Bart, so wie meine Hand fast an das Metall des Gipfelkreuzes. Aber trotzdem erwärmt mich dieser Anblick in meinem tiefsten Inneren. Was für ein Schauspiel! Was für ein Glück hier oben stehen zu dürfen! Der Drachenrücken wirft einen unendlich langen Schatten gen Westen. Dort drüben beginnt der Langkofel hellgelb im eiskalten, blauen Morgenhimmel zu glühen.

Ich bin sprachlos, schlicht überwältigt. Von den Erlebnissen der vergangenen Tage. Von so vielen verschiedenen Eindrücken und Emotionen. Vom wild zerfurchten Drachenrücken, der mich im Winter so gutmütig auf ihn steigen hat lassen und dem Schauspiel, das sich vor mir abspielt.

Nähere Infos gibt´s unter
www.altabadia.org/de
www.dolomitisuperski.com 
www.valgardena.it/de

Text/Fotos: Benni Sauer | Thomas Sonnenmoser

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