Ein Zelt und sonst nichts…

… oder darfs ein bisschen mehr sein?

Camping ist die Rückbesinnung auf das Wesentliche. Im Einklang mit der Natur, ohne Lärm und Alltagsstress, spürt man dabei besonders gut, wie wenig man doch braucht, um glücklich zu sein. Wir Menschen suchen dieses Glück schon lange unter freiem Himmel: In den Fünfzigern kam der Bulli T1 auf den Markt. 1931 wurde der erste deutsche Wohnwagen gebaut – das sogenannte Wohnauto. Der erste Caravanclub entstand in Engalnd schon 1907, also kurz nach der Einführung des Automobils. Heute betreibt die Organisation mehr als 200 Campingplätze auf den britischen Inseln und zählt mehr als eine Million Mitglieder. (Titelfoto: © Tati y Adri | unsplash)

Noch früher, also bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, wurden nahezu überall in Europa Wandervereine gegründet. Und das einfache Zelt, mit Lagerfeuer und nur dem Allernötigsten? Das gibts fast schon so lange wie uns Menschen. Wahrscheinlich liegt auch darin der Grund, warum uns Camping so glücklich macht: Endlich ein Leben wie damals, als noch die wirklich wichtigen Dinge zählten.

Dabei kann Camping heute sehr viel mehr sein als lediglich ein Zelt auf einer Wiese. Der nun schon mehr als einhundert Jahre andauernde Campingtrend ist gewachsen und hat sich in völlig unterschiedliche Richtungen bewegt. Heute kann man also nie wissen, was der Nachbar genau vorhat, wenn er von Camping im Alpenraum spricht. Fährt er mit dem Wohnmobil die schönsten Passstraßen der Alpen ab? Bricht er aus seinem Alltagsleben aus und lebt zwei Wochen auf minimalistischste Art und Weise? Ist er ein Glamper, dem im Urlaub nichts fehlt, oder eher ein Aktivurlauber, der gemeinsam mit seiner Familie das Leben unter freiem Himmel genießt?

Glücklicherweise sind die Campingmöglichkeiten in den Alpen mittlerweile so vielfältig wie die Berge selbst. Jeder findet genau seine Möglichkeit – Camping ist heute nämlich viel mehr als nur ein Zelt irgendwo auf einer Wiese!

Autor: Benni Sauer 

Pop-Up Glamping hoch über Laax
2019 eröffnete der Touring Club Schweiz in Graubünden das erste Pop-Up Glamping. Die temporäre Zeltstadt, bestehend aus 20 komfortablen Zelteinheiten und zwei bezaubernden Mahal Zelt-Suiten, stehen auch 2022 wieder über die Sommermonate. Hier verbindet man Natur mit Komfort, exzellentem Service, hervorragendem Essen und erlesenen Weinen aus der Region. Es fehlt also an nichts. Nicht einmal an einem breitgefächerten Aktivitätenprogramm. Denn auf der mehr als 2000 Meter hoch gelegenen Alp Nagens liegt das Gute meist nur einen Steinwurf entfern: Wandern, Biken, Wassersport, Klettern und sogar einige Geheimtipps, über die der Veranstalter aber noch nicht zu viel verraten will. Fotos: © Nicholas Iliano Photography
www.tcs-glamping.ch

Ursprünglichkeit am Fuße der Lienzer Dolomiten
Zwischen der Stadt Lienz in Osttirol und den schroffen Gipfeln der Gailtaler Alpen, befindet sich der kleine Tristacher See. Er ist fast ausschließlich von dichtem Nadelwald umgeben. Nur im Osten, wo ein Hotel am Seeufer steht und im Westen, wo schöne Bademöglichkeiten locken, ist der See zugänglich. Der Campingplatz Seewiese nutzt die schönen Wiesen am westlichen Seeufer und wird so zum optimalen Ort für einen ausgedehnten Familienurlaub. Trotz seiner guten Erreichbarkeit, genießt man hier absolute Ruhe, plantscht im Wasser, erkundet die Wälder, oder steigt auf den 1910 Meter hohen Rauchkofel, der seine Felswände fast bis in den See hinein streckt. Fotos: © Bachmann Elias
www.campingtirol.com

Wilde Natur am südlichsten 4000er der Alpen
Im Sommer zieht es viele von uns in den Süden. Auf dem Weg zu den Mittelmeerküsten werden aber die letzten Ausläufer der Alpen nur zu gerne links liegen gelassen. Zum Glück! So konnte das Gebiet um den wohl wildesten 4000er der Alpen noch so naturbelassen und ursprünglich gehalten werden, wie kaum eine andere Alpenregion. Hier, inmitten des Nationalpark Ecrins, finden Berg- und Naturfreunde den Campingplatz Huttopia Vallouise auf ungefähr 1200 Metern. Dieser Ort ist geradezu prädestiniert für Aktivurlauber: Wer will, kann sogar hochalpine Gipfel besteigen, die allesamt in greifbarer Nähe zu finden sind. Der 4102 Meter hohe Barre des Écrins bleibt allerdings erfahrenen Seilschaften vorbehalten – örtliche Bergführer helfen hier aber gerne weiter. Fotos: © Coconutsports
www.huttopia.com

Ein Biwak unter Sternen
In Kärnten, am wunderschönen Millstätter See, lässt es sich ganz besonders luxuriös campen: In insgesamt sieben kleinen Chalets, den Rifugios sotto le stelle, also den sieben Biwaks unter den Sternen. Hier lassen sich ganz besonders intensive Naturmomente erleben. Ganz egal on man nun auf einer Waldlichtung aufwachen möchte, direkt am See, oder hoch oben auf einem Berg – es wird einem in den 15 Quadratmeter großen Fichten- oder Zirbenholzhütten an nichts fehlen. Trotzdem gelingt es dabei, sich ganz wunderbar auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Hütten sind deswegen bewusst minimalistisch gehalten. Und selbst das störende Handy findet seinen Platz in der extra dafür vorgesehenen Schublade. Durch ein großes Panoramafenster hat man derweil immer im Blick, was einen vor der Biwaktür erwartet: Der smaragdgrün schillernde See, sanfte Bergwiesen, wunderschöne Wanderungen, oder das Funkeln zahlloser Sterne. Fotos: © Gert Perauer
www.biwaks.millstaettersee.com

Camping im Blauen Land
Südlich von Ammersee und Starnberger See liegt der kleine Staffelsee. Von Nordwesten zieht eine etwa einen Kilometer lange Landzunge in das Seeinnere – an ihrem Ende liegt der idyllische Campingplatz Aichalehof. Das Besondere an diesem Platz: Der Staffelsee ist einer der wärmsten Badeseen Bayerns und noch dazu fällt das Ufer sehr sanft ab. So können selbst kleine Kinder wunderbar im See planschen. Dazu gehört natürlich ein Kiosk, Spielplatz, neu errichtete Sanitäranlagen, ein Bistro und die schlichte Schönheit der umliegenden Natur. Ganz besonders gut lässt sich von hier aus die Region, das gesamte Seeufer und das Murnauer Moos mit dem Rad erkunden. Das Alpenvorland meint es hier nämlich noch gut mit den Radlern und weist nur sanfte Auf- und Abstiege auf. Drohnenfoto: © Das Blaue Land | Wolfgang Ehn
www.aichalehof.de

Ein Zelt und eine Wiese
In der schönen Steiermark liegt der Nationalpark Gesäuse. Im Zentrum des Parks, in der Nähe der kleinen Ortschaft Gstatterboden, findet man hier den Campingplatz Forstgarten. Ein 10.000 Quadratmeter großes Areal, eine traumhafte Zeltwiese und zugleich auch optimale Möglichkeiten für Camper und Wohnwägen. Sehr viel mehr braucht es nicht, um im „Gseis“ das Campingglück zu finden. Wassersportler toben sich an der nahegelegenen Enns aus. Biker umrunden das Buchensteinmassiv. Wanderer erleben die Naturwunder des Nationalparks gemeinsam mit einem Ranger. Und Bergsteiger oder Sportkletterer finden eine Vielzahl lohnender Routen auf den alpinen Gipfeln der Umgebung. Für entspannte Momente auf dem Platz, gibt es einen Beachvolleyballplatz, den Kinderspielplatz, zwei Lagerfeuerstellen mit Grillmöglichkeit samt Holz zur freien Entnahme sowie einen Badeplatz direkt an der Enns. Fotos: © http://www.stefanleitner.com
www.landesforste.at/tourismus/campingplatz

Camping auf dem Bauernhof
Einen Naturcampingplatz mit insgesamt 130 Stellplätzen finden Freunde der Campingtradition bei St. Johann in Tirol. Auf dem Michelnhof gibt es sogar echte Landwirtschaft zum Anfassen. Mutterkühe genießen hier noch gemeinsam mit ihren Kälbern die klare Bergluft und saftigen Wiesenkräuter. Tierwohl und Regionalität spielen dabei selbstverständlich eine ganz besonders große Rolle. Wer es aber auch auf die umliegende Bergwelt abgesehen hat, wird nicht enttäuscht. Schon vom Hof aus genießt man einen fantastischen Blick auf den Wilden Kaiser, der schon allein mehr als genug Ziele für einen Urlaub bietet. Die weltberühmte Alpenregion lässt keine Wünsche offen – ganz egal welcher Bergsportart man auch nachgehen möchte. Fotos: © Albin Niederstrasser
www.camping-michelnhof.at

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