Faszination Klammen & Schluchten

Das Rauschen des Wassers ist schon von Weitem zu hören und meine Aufregung steigt sofort während ich meinem Ziel immer näherkomme: Die nächste Wanderung durch eine Klammen steht bevor! Klammen und Schluchten sind eine meiner fotografischen Lieblingsmotive. Und genau von denen haben wir in meinem Heimatland Österreich und im
angrenzenden Ausland mehr als genug! 

Eine der für mich schönsten Stellen in der Tscheppaschlucht.
Fuji X-H1   |   24 mm   |   f13   |   8 sek   |   ISO 200

Eine Klamm ist ein im Gebirge eingeschnittenes, schmales Tal, durch das meist ein kleinerer oder größerer Bach fließt. Die typischen Merkmale einer Klamm sind die nahezu senkrechten, teilweise sogar überhängenden Felswände. Hier liegt auch der Unterschied zu einer Schlucht, deren Wände meist weniger steil sind. 

Die Entstehung der meisten Klammen geht viele tausende Jahre zurück. Mit dem Abschmelzen der Gletscher fielen unvorstellbare Mengen an Schutt und Geröll an. Dieser Schutt wurde mit den Wasser ins Tal transportiert und verlieh so den Flüssen eine ungeheure schürfende Erosionskraft. Tief haben sich die (Schmelzwasser)Flüsse durch das Gestein eingeschnitten und so die heutigen Klammen geschaffen. In abgeschwächter Form wirkt die Erosionskraft des Wassers noch heute und tieft die Klammen weiter ein.

Direkt unter der Steiganlage befinden sich wunderschöne Auswaschungen und Gumpen.
Nikon D800   |   27 mm   |   f11   |   20 sek   |   ISO 200

Eigens angelegte Wanderwege, Steiganlagen, Leitern und Stufen helfen um die Klammen durchwandern zu können. Ich mag es sehr, geheimnisvolle Schluchten und Höhlen, durch die das Wasser rauscht, zu erkunden. In einer Klamm fühle ich mich wohl und ich kann viele Stunden darin verbringen und immer wieder neue Motive finden.

Als sehr naturverbundener Mensch, der auch immer wieder das Abenteuer sucht, haben Klammen für mich einen großen Anziehungspunkt. Hier kann ich die Natur mit den Elementen Wasser, Luft und Gestein ganz besonders erleben: die Gesteine, die durch das Wasser geformt wurden; das gischtende Wasser, das die Luft erfrischt und abkühlt; die meistens kühle Brise, die durch die Felsen streift und das luftige Blau des Himmels, das man manchmal nur durch einen kleinen Ausschnitt zwischen den hochragenden Felsen sieht. 

Totholz in einem Wasserfall.
Fuji X-T4   |   25 mm   |   f16   |   0,6 sek   |   ISO 160

Motive ohne Ende
Die fotografischen Möglichkeiten, die man in Klammen und Schluchten hat, sind fast unerschöpflich. Immer wieder bewundere ich die verschiedensten bunten Gesteinsarten und die vielen Auswaschungen und Gumpen, die das Wasser über Jahrhunderte hinweg geschaffen hat. 

Es ist abenteuerlich und spannend zugleich, wenn ich direkt in der Nähe des Wassers entlangwandern und mich auf die Suche nach neuen Motiven und Perspektiven machen kann. Dabei gehe ich immer gleich vor, zuerst erstelle ich Übersichtsaufnahmen mit einer Standardbrennweite oder sogar einer Weitwinkelbrennweite. Später wechsle ich dann auf ein Teleobjektiv und erst dann beginnt es für mich so richtig spannend zu werden! Denn wer genauer hinsieht und sich Zeit lässt, wird immer wieder Neues entdecken. Mit dem Teleobjektiv lassen sich bestimmte Details wie Gesteinsstrukturen und –formationen, die vom Wasser umspült werden, besonders gut herausarbeiten.  Kleine Wasserfälle und Bachläufe, spritzendes Wasser, das je nach Lichteinfall glitzert und dunkle, geheimnisvolle Ecken – die Möglichkeiten sind schier unendlich!

Die orangefarbenen „Beeren“ der Eberesche stachen mir hier ins Auge.
Fuji X-T4   |   48 mm   |   f18   |   1/3 sek   |   ISO 160

Herausforderungen in Klammen
So spannend eine Klammenbegehung auch ist, es gibt doch immer wieder auch einige Herausforderungen! Die eigene körperliche Fitness kann mitunter ziemlich gefordert werden, denn während manche Klammen nur kurz sind, legt man in anderen einige Kilometer zu Fuß zurück und muss oft auch einige Höhenmeter überwinden! Deshalb sollte man sich vorab genau über die Beschaffenheit der jeweiligen Klamm informieren. 

Etwas Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind ebenfalls notwendig. Immer wieder sind die Treppen und Steiganlagen nass und somit ziemlich rutschig. Außerdem befinden sich manche Stege in schwindelerregenden Höhen inmitten der Klamm. 

Kleine Wasserfälle und Gumpen gibt es überall zu entdecken.
Fuji X-H1   |   48 mm   |   f8   |   4 sek   |   ISO 400

Das Wetter spielt natürlich ebenfalls eine große Rolle! Während das Fotografieren in Klammen aufgrund des starken Kontrastumfangs bei strahlendem Sonnenschein am besten ganz vermieden werden sollte, ist es auch nicht ratsam bei starkem Regen in eine Klamm zu gehen. Aufgrund ihrer Form sind bei Unwettern schnelle und gleichzeitig starke Wasserpegelanstiege zum Teil auf ein Vielfaches des normalen Pegels möglich. Daraus kann schnell eine lebensgefährliche Situation entstehen! Das schönste und gleichmäßigste Licht hat man, wenn der Himmel bedeckt ist. Dann gibt es keine zu harten Kontraste, die einem das Fotografenleben unnötig erschweren. 

Besuche an den Wochenenden versuche ich zu vermeiden. Ein großer Besucherandrang macht ein vernünftiges Fotografieren in Klammen und Schluchten so gut wie unmöglich. Unter der Woche kann man Klammen meistens ganz für sich alleine genießen!

Mit einer Wathose kann man sich problemlos fortbewegen.
Nikon D800   |   26 mm   |   f14   |   1 sek   |   ISO 100

Meine persönlichen Tipps
Die technisch wichtigsten Hilfsmittel für mich sind beim Fotografieren in Klammen ein Polfilter, ein Kabel-/Fernauslöser und natürlich ein stabiles Stativ. Der Polfilter hilft störende Reflexionen zu entfernen und mit dem Kabel-/Fernauslöser und einem stabilen Stativ kann man  Langzeitbelichtungen problemlos realisieren. 

Es macht meiner Meinung nach immer Sinn verschiedene Brennweiten auszuprobieren. Als Standardbrennweite verwende ich ein 24-70 mm Objektiv oder manchmal auch ein 16-35 mm Objektiv, für die Detailaufnahmen liebe ich mein 70-200 mm Objektiv (alle Objektive verwende ich an einer Vollformatkamera). Zwischen Quer- und Hochformat zu wechseln, lohnt sich ebenfalls!

Je nach Gegebenheiten vor Ort bewege ich mich auch manchmal direkt am oder sogar im Wasser. Gummistiefel oder eine Wathose sind hier natürlich von Vorteil. Sehr oft tropft es von den Wänden oder das Wasser spritzt einem entgegen, eine Regenjacke sollte daher zur Standardausrüstung gehören. Auch würde ich immer empfehlen ein Mikrofasertuch eingesteckt zu haben, damit man störende Wassertropfen auf der Frontlinse der Kamera sofort wegwischen kann. 

Ich habe in den letzten Jahren bereits viele verschiedene Klammen besucht. Je nach Wetter und Wasserstand sehen sie immer anders aus und so manche versteckte Ecken werden erst sichtbar, wenn sich der Wasserstand ändert. Deshalb lohnen sich mehrere Besuche bei unterschiedlichen Bedingungen.

Klammen und Schluchten zu durchwandern und sich dabei fotografisch auszutoben, ist faszinierend und macht großen Spaß. Es zeigt aber auch wie kraftvoll und gewaltig unsere Natur sein kann. Die schroffen Felsen zwischen dem tosenden Wasser beeindrucken immer wieder aufs Neue.

Text: Sonja Jordan

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