Felsvernügen

Endlich ist der Sommer da und die Freiluftkletter-Saison eröffnet. Es locken herrliche »Draußen-Tage« zum Klettern und Natur erleben. Für neue Herausforderungen und ganz viele Glücksmomente. Die Auswahl an Klettergärten ist mittlerweile riesig. Entsprechend haben wir 5 Gebiete in den Alpen herausgepickt, die sowohl für Fels-Aspiranten als auch alte Kletter-Füchse und Boulderer lohnende Ziele darstellen. 

Bye, bye Plastikgriffe, willkommen Fels! Wenn im Frühjahr die Temperaturen langsam ansteigen und der Schnee sich in hohe Lagen zurückzieht, dann kribbelt es bei vielen Kletterern in den Fingern und die Freiluftkletter-Saison wird eröffnet. Ein besonderer Moment, denn die Umstellung von den bunten Plastikgriffen zu echtem Felsen hat ihre Tücken. Aber nach einer gewissen Eingewöhnungsphase steht dem Felsvergnügen nichts mehr im Weg. So ein Klettertag in der freien Natur ähnelt einem Geschenk, an dem man sich erfreut, und an das man sich noch lange Zeit gerne zurückerinnert. Unsere 5 Klettergebiete haben alle das Potenzial einen Klettertag zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden zu lassen, sei es: weil das Panorama so beeindruckend ist, die Routenvielfalt so prächtig oder das Drumherum, wie Baden im Hochgebirgssee oder Nudeln mit Bergkräuterpesto, dem Klettererlebnis noch die Krone aufsetzen.



Steinseehütte Lechtaler Alpen, Tirol
Bouldern, Baden, Bergkräuterpesto 

Inmitten eines gewaltigen Gebirgskessels auf 2069 Metern Höhe liegt, wunderschön eingebettet, die Steinseehütte. Der Anstieg ist in 2 bis 2,5 Stunden geschafft, dann haben die Oberschenkel stramme 800 Höhenmeter absolviert. Da darf man sich oben angekommen erst einmal bei Getränk und Brotzeit auf der Hüttenterrasse stärken. Die Boulderblöcke sind dann in 20 Minuten etwas oberhalb der Hütte schnell erreicht. Zum Abkühlen am Nachmittag empfiehlt sich ein Sprung in den Steinsee für den die Hüttengäste quasi »Exklusiv-Baderechte« genießen. Wer möchte kann am nächsten Tag Crash Pad gegen Kletterhelm und –seil tauschen und mit den Tipps von Bergführer und Hüttenwirt Buggy Reich eine der zahlreichen Türme oder Klettergärten erobern.

Block-Talk: Hüttenwirtin Jutta führt das Küchenregiment auf der Hütte und verwöhnt ihre Gäste beispielsweise mit hausgemachtem Kräuterpesto, das sie aus selbst gesammelten Bergkräutern herstellt. Zum Trinken gibt es »Karabiner rot« einen selbstkreierten Wein aus der Zweigelttraube. 

Informationen und Topos unter:
www.steinseehuette.at 


© Günter Durner | www.am-berg-verlag.de

Rote Wand, Karres bei Imst, Tirol
Climbers Paradise im Herzen von Tirol

Imst, die Tiroler Gemeinde wird häufig nur auf den »Fernpass« reduziert, wenn man Richtung Pitztal oder Landeck unterwegs ist, dann huscht man vorbei und fertig. Und dabei bietet Imst und seine Umgebung einen Abenteuerspielplatz für Outdoorsportler par excellence! Da wäre zum Beispiel der Klettergarten bei Karres, einem kleinen hübschen Ort nur einen Steinwurf von Imst entfernt. Einmal durch die Ortschaft durchgeschlängelt steht für die Kletterer ein 1-A-Parkplatz parat. Der Zustieg über einen steilen Pfad ist in 10 Minuten erledigt, zumindest für den ersten Sektor mit dem hübschen Namen »Märchenwald«. Der Felsriegel ist mächtig und bietet insgesamt 7 Sektoren mit 134 Routen, hauptsächlich im Grad 6a/6b. Die südseitige Ausrichtung macht ihn zum 365-Tage-Ganzjahres-Klettervergnügen. Die Aussicht Richtung Pitztal und Inntal sollte unbedingt bei einer ausgiebigen Brotzeit unter einem der schattigen Bäume in vollen Zügen zelebriert werden.

Block-Talk:
Multisportler sollten mehrdimensional denken, die Region ist für ihre exzellenten Wildwassersport-Reviere weltweit, bekannt. Kajak, Kanu, Rafting. In der Area47 am Eingang des Ötztals, nicht weit von Karres entfernt befindet sich die größte Wakeboard-Anlage in Westösterreich.

Informationen und Topos unter:
www.climbers-paradise.com 


© Markus Stadler

Brauneck, Lenggries, Oberbayern
Sportklettern mit Panoramablick 

Brauneck, 1555 m, Hausberg von Lenggries und irgendwie auch Hausberg von München. Der sanfte Voralpen-Gipfel erfreut sich seit Jahrzehnten größter Beliebtheit: im Winter für Skifahrer und –tourengeher, im Sommer für Wanderer und Erholungssuchende. Seit ein paar Jahren ist das Brauneck auch zu einem beliebten Ziel für Sportkletterer avanciert. Eingebettet in die Gipfelwelt von Brauneck, Latschenkopf und Achselköpfen liegen verstreut viele kleine Felsriegel. Die meisten südseitig ausgerichtet, was die Freiluft-Klettersaison bis tief in den November ausdehnt. Während unter einem die Wanderer ihrer Wege ziehen, genießen die Kletterer eine Etage höher besten Kalk und einen traumhaften Weitblick der vom Mangfallgebirge über Rofan und Karwendel bis ins Wetterstein reicht. 

Block-Talk: Das Sportklettergebiet am Brauneck ist perfekt mit der Brauneckbahn erreichbar. Von der Bergstation sind die einzelnen Sektoren in 15 bis 30 Minuten zu Fuß über gute Wege erreichbar. Nach der Klettersause haben Kletterer die Qual der Hüttenwahl: Von Stie-Alm über Quenger-Alm, Tölzer Hütte, Panorama-Restaurant und Brauneck Gipfelhaus – leckeres Essen und Durstlöscher bieten alle. 

Informationen zum Gebiet unter:
www.stadler-markus.de 


Karlsbaderhütte Lienzer Dolomiten, Osttirol
Klettern mit Seeblick im 3. bis 7. Schwierigkeitsgrad

Die Karlsbaderhütte (2260 m) liegt direkt am Laserzsee umgeben von den imposanten Zacken und Spitzen der Lienzer Dolomiten. Eine der schönsten Szenerien, die man sich als Kletterer wünschen kann, denn das Gebiet rund um die Karlsbaderhütte ist ein Kletterer- und Klettersteigparadies! Allerdings muss man sich das Paradies verdienen, sprich, insgesamt gilt es 640 Höhenmeter, verteilt auf fünf Kilometer vom Parkplatz an der Dolomitenhütte (1620 m) bis zum Kletter-Basecamp zu überwinden. Oben angekommen warten dann tolle Klettergärten wie der Hüttenklettergarten (nur 10 Minuten entfernt) mit idealen Aufwärmrouten im 3.– 5. Grad, oder der »ÖTK-Klettergarten«, die »Vergessene Welt« und der noch recht neu erschlossene Klettergarten »Nirwana« mit schönen Routen vom 5.– 7. Grad. »Alte Kletterhasen« vergnügen sich derweil in einer der unzähligen Mehrseillängenrouten wie beispielsweise der »Cheoma« am Kantenköpfl (8-). 

Block-Talk:
Die Karlsbaderhütte bzw. die Hüttenwirte Edith und Rupert Tembler bieten kulinarische Köstlichkeiten zum Panoramaausblick wie beispielsweise den »Laserzsalat« mit frischem Ziegenkäse. 

Informationen und Topos unter:
www.karlsbaderhuette.at


© Andre Tappe

Ceraino Classica Rivoli/Veneto, Norditalien
Arco-Alternative für Ruhesuchende

Islandtief auf der Alpennordseite bedeutet die Kletter-Hochburg Arco platzt aus allen Nähten.  Wir empfehlen: Brennerautobahn weiterfahren bis Ausfahrt »Affi« und feinste Kletterfelsen und ganz viel Ruhe genießen. Die Auswahl ist groß, eines der Arco-Alternativen ist beispielsweise »Ceraino Classica«. Das Gebiet befindet sich ungefähr auf Höhe von Bardolino, aber auf der Rückseite des Monte Baldo Massiv’s. Ein malerisch gelegenes Klettergebiet inmitten von Weinbergen und direkt an der Etsch. Die Felsstruktur bietet, je nach Sektor, von Wasserrillen über Platten bis zu knackigen Überhängen alles was das Kletterherz begehrt. Ein toller Mix sowohl für Draußen-Einsteiger als auch ambitionierte Sportkletterer. 

Block-Talk:
Das Örtchen Rivoli ist Ausgangsort zum oben beschriebenen Klettergebiet und für alle, die in Ruhe einen Café oder Aperol Spritz trinken wollen, definitiv einen Abstecher wert. Wer für den Tag noch Verpflegung benötigt, schaut im Alimentari neben der Kirche vorbei und lässt sich den Parmaschinken hauchdünn aufschneiden. 
Zum Gebiet sind online keine Topos verfügbar. Dieses Gebiet sowie viele weitere lohnende Klettergärten südlich von Arco sind hier zusammengeführt: Monte Baldo Rock, Edizioni Versante Sud. Bestellbar über Amazon.

Text: Susa Schreiner


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