Frühling: Was blüht denn da?

Was wir auch in der Natur unternehmen: Oft ist der Weg das Ziel! Und zu diesem Weg, da gehört selbstverständlich auch der Wegesrand dazu. Gerade im Frühling, wenn in den Tälern der Schnee zu schmelzen beginnt, versucht hier die Natur Stück für Stück den Raum zurückzuerobern. Und dann beginnen plötzlich kleine Schönheiten zu leuchten. Urzeitlich anmutende Triebe schieben sich aus dem Waldboden. Und lieblich duftende Farbtupfer zeigen uns deutlich an, dass sich der Winter verabschiedet. Die Natur erwacht aus der Starre und startet unermüdlich aufs Neue den Kreislauf des Lebens.

Mit unserer neuen Rubrik zeigen wir, wie vielfältig und schön die kleinen Dinge am Wegesrand sind. Wir schaffen ein Bewusstsein für die sensiblen Lebensräume und dafür wie schützenswert sie sind. Denn nur was man kennt, das schützt man. Und dann werden Unternehmungen in der Natur plötzlich noch spannender. Wenn man die Fragen der Kinder beantworten, oder den Partner mit fundiertem Fachwissen beeindrucken kann, haben diese Seiten ihr Ziel erreicht.

Aurikel (Primula auricula)

Diese immergrüne Pflanze hat ein äußerst großes Verbreitungsgebiet besetzt. Von den tiefsten Tallagen, bis fast auf 3000 Meter hinauf wächst das Primelgewächs. Der Gattungsname Primula ist die Verkleinerungsform vom lateinischen prima was so viel wie „die erste“ bedeutet. Damit ist zweifelsfrei die frühe Blütezeit gemeint, die schon im März beginnt. Am ehesten findet man die gelben Schönheiten in Felsspalten oder auf kalkhaltigen, alpinen Rasen. Sie ist geschützt und mittlerweile leider zu einer Seltenheit geworden. Trotzdem konnten sich durch die großräumige Verbreitung viele Varietäten bilden. So gibt es Unterschiede in der Blattform, der Blütenfarbe und sogar des Duftes. Am häufigsten wird die Aurikel aber mit den unterschiedlichen Arten der Schlüsselblume verwechselt. Auch wenn auf den ersten Blick eine Ähnlichkeit besteht, so sind vor allem die dicken, fleischigen Blätter der Aurikel ein zuverlässiges Erkennungsmerkmal. Schlüsselblumen haben dagegen unregelmäßig gezahnte und eingekerbte Blattränder und deutlich ausgeprägte Blattadern auf der Unterseite.

Schneerose (Helleborus niger)

Sobald der Schnee schmilzt, blühen auch schon die ersten Schneerosen. Die heimische Staude fand schon vor vielen hundert Jahren den Weg in unsere Ziergärten. Umso erstaunter sind die Blicke der Wanderer, die die Pflanzen wildwachsend in unseren Wäldern entdecken. Sie benötigt kalkhaltige Böden und fühlt sich vor allem in den Buchen- und Mischwäldern der Alpenländer wohl. Obwohl die Blüten schneeweiß leuchten, steht das lateinische niger für schwarz und bezieht sich auf die Rhizome. Diese unterirdischen Sprossachsensysteme, aus denen die 

Wurzeln sowie die Triebe sprießen, sind tiefschwarz gefärbt. Als Christrose wurde die Staude erst bezeichnet, als man begann sie so zu kultivieren, dass sie an Weihnachten blüht. Auch der Name schwarzer Nieswurz ist geläufig, was sich auf die Rhizome genauso bezieht, wie auf die Verwendung als Niespulver. Die stark giftige Pflanze hatte eine große Bedeutung in der früheren Medizin. Heute findet sie nur noch in homöopathischen Arzneimitteln Verwendung. Sie steht vielerorts unter besonderem Schutz und gilt als gefährdet. 

Echter Wurmfarn (Dryopteris filix-mas)

Farne gehören zu den ältesten Pflanzen auf unserem Planeten. Im Karbon, vor über 300 Millionen Jahren, wuchsen riesige Baumfarnwälder, denen wir die heutigen Steinkohlelager verdanken. Heute spielen die Sporenpflanzen eine eher untergeordnete Rolle. Die größte heute heimische Art, der Adlerfarn, erreicht aber noch immer stolze zwei Meter. Wesentlich häufiger findet man in den Wäldern der Alpen jedoch den Wurmfarn. Im Frühjahr fällt er durch seine außergewöhnlichen Triebe auf. Wie kleine Bischofsstäbe stehen dann die jungen Pflanzen über dem schattigen Waldboden. Im Allgäu wächst er auf 2000 Metern Höhe und sogar noch darüber hinaus. Seinen Namen verdankt er seiner Giftigkeit. Extrakte, besonders aus jungen Pflanzen, wurden gerne als Wurmkurmittel genutzt, was überdosiert aber schnell gefährlich werden kann.

Sumpfdotterblume (Caltha palustris)

Von März bis Juni leuchten in sumpfigen Waldgebieten manchmal noch die Sumpfdotterblumen. Nicht höher als 40cm wachsen die hohlen Stängel, um den runde oder herzförmige Blätter angelegt sind. Die Pflanzenbestände gehen zwar vielerorts durch die voranschreitende Trockenheit zurück, aber dennoch ist die Sumpfdotterblume ein Überlebenskünstler. Die Blüten schließen sich bei Regen nicht. So kann das Wasser die Samen auch über weitere Strecken transportieren, wieso man die Pflanze zu den Regenschwemmlingen zählt. Und sogar Überflutungen steckt sie unbeschadet weg.  Das Hahnenfußgewächs bevorzugt Lehm- und Torfböden und kann dabei Höhen bis zu 2200 Metern erreichen. Regional wird die gelbe Blütenpflanze auch gerne als Butterblume bezeichnet. Dieser unspezifische Ausdruck, den viele gelb blühende Pflanzen tragen, verweist auf die Verwendung zur Färbung von Butter hin. Aber auch viele abergläubische Bräuche spielten sich um die Pflanze ab. So soll sie an Walpurgis gesammelt Dämonen abwehren oder Gelbsucht heilen. 

Frühlings-Krokus (Crocus albiflorus)

In den Gebirgen Mittel- und Südeuropas können diese geschützten Knollenpflanzen prächtige Blütenteppiche bilden. Auf Bergwiesen und Weiden, bis auf 2800 Metern über dem Meer, leuchten die zarten Kelche lila oder weiß. Als Geophyt übersteht der Krokus die kalte Jahreszeit, indem er verborgen im Erdreich schlummert. Im Frühjahr durchstoßen die geschlossenen, lanzenförmigen Blüten dann oft noch die Schneedecke. Dafür sind sie mit einer regelrechten Pfeilspitze aus verdickten Zellen ausgestattet. Schon im März bilden sich dann die ersten Blütenkelche, die sich bei Sonnenschein weit öffnen. Im Gegenzug schließen sie sich bei Regen, teilweise sogar schon bei vorüberziehenden Wolken. Die Pflanze gehört zur Familie der Schwertliliengewächse und trägt eine unglaubliche Vielzahl an Namen. Von Frühlings-Safran, über Schneeblümel, bis hin zu Kälberschissen oder Vater und Mutter. Der als Gewürz bekannte Safran, ist allerdings eine eigene Art und wird hauptsächlich im Iran und Afghanistan kultiviert. Der lateinische Name Crocus bedeutet so viel wie Faden, womit die Blütennarben gemeint sind. Aus ihnen wird das Gewürz gewonnen, das zu den teuersten der Welt zählt. Ein Gramm kann bis zu 30 Euro kosten.

Text und Fotos: Benni Sauer

Kommentar verfassen