Geht das nicht ohne Müll?

Ein Anfang
Der Nebel schwebt noch still über den weiten Wiesen, als wir in der Morgendämmerung mit dem guten alten roten Passat aufbrechen. Es ist wieder einer dieser Samstage im Allgäu. Es sind neun Sonnenstunden angesagt und die Vorfreude auf den nächsten gemeinsamen Gipfel ist nach einer strengen Woche wieder enorm. Auf dem Weg halten wir noch schnell beim Supermarkt und kaufen noch für die Gipfelbrotzeit ein. Jeder noch einen Kaffee, um dem leichten Kater von der Geburtstagsfeier am Vorabend entgegenzuwirken und los geht’s!

Es geht vorbei an ruhig grasenden Kühen, die uns neugierig beäugen, durch ein kurzes schattiges Waldstück, über sprudelnde kleine Wasserläufe bis wir schließlich über die Baumgrenze hinauskommen. Als wir nach knappen zwei Stunden am steilsten Anstieg sind, blitzen die ersten Sonnenstrahlen über die Gipfel. Nach einer halben Stunde kommen wir dem Kreuz über dem schmalen Grat näher. Diese Weite. Diese Ruhe. Die Natur. Der frische Wind. Die tiefe Zufriedenheit nach der Anstrengung. Deswegen kommen wir immer wieder hier her. Nach einem kurzen Gruß im Gipfelbuch kommt der Hunger und wir freuen uns auf die wohlverdiente Brotzeit. 

© Basti Heckl

Ein Moment
Zu viert machen wir es uns um den Gipfel herum gemütlich. Wir genießen den Moment und reichen einjährigen Bergkäse, deftige Landjäger, frische Tomaten, knackige Gurken und Brot in die Runde. Normalerweise sagt man nicht viel bei der Brotzeit und so war es auch an diesem Tag. Jeder von uns genießt die wohltuende Mahlzeit, schaut in die Ferne, lässt die Gedanken treiben oder spekuliert über die Namen der markanten Berge, die sich vor uns auftürmen. Als ein weiterer Neuankömmling es sich für die Brotzeit gemütlich macht, bricht einer von uns das zufriedene Schweigen: „Schau mal…“. Wir sehen zu wie nicht eine oder zwei, sondern ganze fünf Plastik Verpackungen aus einem Rucksack hervorkommen. Gerade noch so bekommt der Mann die Tüte zu fassen, die sich im Wind verselbstständigt und packt sie wieder ein. In diesem Moment tut sich was. Wir werden nachdenklich und fragen uns: Muss das sein? Geht das nicht ohne Müll? Wir schauen in unsere eigenen Rucksäcke. Die Gurke, der Käse, die Müsliriegel, alles ist einzeln verpackt. Beim Abstieg finden wir dann ca. 20 verschiedene Müllfetzen, die uns offenbar beim Aufstieg gar nicht ins Auge gefallen sind. Warum, wenn uns doch soviel an der Natur liegt? Im Auto nach Hause reden wir dann über nichts anderes mehr. Die zerknitterten Einwegbecher im Fußraum vom Kaffee To-Go am Morgen geben uns noch mehr Antrieb. An diesem schönen Tag beschließen wir, uns selbst in die Verantwortung zu nehmen und zu handeln. Unsere Mission heißt #plasticfreepeaks.

© Flo Geyer

ALLES ANDERS ALLES GLEICH
Zwei Sommer später war es dann so weit. Wieder einer dieser Samstage im Allgäu. Immer noch der gleiche treue, alte rote Passat, immer noch die gleichen guten Freunde, der gleiche Weg in die Berge, der gleiche Gipfel, die gleiche atemberaubende Aussicht. Nur eine Kleinigkeit hat sich geändert. 

Heute haben wir keine einzige Plastiktüte in unseren Rucksäcken. Stattdessen waren wir früh morgens auf dem Wochenmarkt und haben frisch eingekauft. Gurken, Tomaten, Radieschen, Käse, Landjäger und Brot. Statt die Plastiktüten entgegenzunehmen, haben wir unsere selbstgebastelte Schale zum Befüllen über die Theke gereicht. Auch für den Kaffee haben wir uns diesmal etwas länger Zeit genommen. 

Wir machen es uns gemütlich und einer von uns holt das erste Mal den „Patron“ aus dem Rucksack. Mit einem Handgriff wird die schlichte Box geöffnet. Der Deckel wird einmal umgedreht und mit einem weiteren einfachen Handgriff um den Oberschenkel geschnallt und festgezurrt. Glückliche Gesichter. Es funktioniert! Vor uns befindet sich nun ein kleines, gedecktes Tischlein aus edlem Nussbaum und einem schlichten, integrierten Holzmesser. Aus dem frischen Wochenmarkt-Buffet in der Schale holen wir den Bergkäse und Brot und servieren uns die erste plastikfreie Gipfelbrotzeit. Frisch geschnitten schmeckt’s am Besten, stellen wir mal wieder fest! Im gleichen Moment scheint etwas das Interesse des Familienvaters neben uns geweckt zu haben. Er kommt zu uns herüber. Es stellt sich heraus, dass es der Patron war, der seine Neugierde entfacht hat. Wir laden ihn ein, den würzigen Bergkäse zu probieren und schon versammelt sich seine Familie um den kleinen Tisch aus Nussholz. Wir erzählen von unserer Idee, tauschen uns aus und spekulieren natürlich wieder über die Namen der weit entfernten Gipfel. An diesem Tag haben wir unseren ersten Auftrag erhalten.

© Flo Geyer

Ein Zeichen
Der Weg vom ersten Gedanken auf dem Gipfel zu einem ausgereiften, funktionalen und langlebigen Produkt ist weit, und dennoch ist Alles möglich, wenn viele Menschen die gleiche Überzeugung teilen! Auf plasticfreepeaks.com gibt es laufend Informationen zum Verkaufsstart, zu unseren Events wie den ersten Allgäuer Alpen Cleanup Days, Einblicke hinter die Produktion der ersten Serie und natürlich die Menschen hinter #plasticfreepeaks.

Alles Infos & die Anmeldung zu den Allgäuer Alpen CleanUp-Days unter:
https://www.plasticfreepeaks.com

Text: Martin Säckl

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