Hinter der Linse: Eren Karaman

Im Internet, auf Facebook und Instagram, gibt es sie zu Tausenden: Bergfotos!
Aufgenommen auf der letzten Tour, zeigen sie das Erlebte am Berg und
meistens auch ein klein wenig den Stolz der Gipfelstürmer.

Doch es gibt auch die anderen Bilder. Keine geknipsten Schnappschüsse, sondern ausgeklügelte Kunstwerke, die einen sofort in ihren Bann ziehen. Nicht selten stecken die Fotografen viele Stunden in nur ein einziges dieser Fotos. Wer nimmt so viel Mühe auf sich? Für das eine Foto, dass im Internet rasend schnell tausendfach geliked, geteilt und kopiert wird? Und warum?

Wir schauen hinter die Linse, sprechen mit der kleinen aber feinen Profiszene,
den gehypten Facebook-Fotografen, denen im Internet zehntausenden Fans folgen.
In dieser Ausgabe geben wir euch einen Einblick in die Welt »Hinter der Linse« von Eren Karaman.

Eren Karaman

Eren, eigentlich Industriemechaniker, ist 26 Jahre jung und wohnt in Sonthofen im Allgäu. Schon seit seiner Jugend von der Fotografie fasziniert, war es für ihn „eben einfach naheliegend“, seine schöne Heimat im perfekten Licht abzubilden. Wir Fragen nach Hintergründen, nach seinen Erfolgen, nach Inspiration und nach den Mühen, die man auf sich nehmen muss, um die Berge auf´s Bild zu bannen.

Hallo Eren! Wann war für dich der Moment gekommen, als du gemerkt hast: Du willst nicht nur knipsen sondern ernsthaft fotografieren?
Das war 2013 auf einer Islandreise. Die Natur ist umwerfend, ich kam mit Unmengen gefüllter Speicherkarten nach Hause.  Im Allgäu fand ich dann schnell viele Möglichkeiten, meinem neuen Hobby nachzugehen. Irgendwo zwischen den heimischen grünen Wiesen und schroffen Bergen ist für mich bis heute noch ein kleines Stück Island zu finden!

Was motiviert dich, wie bleibst du am Ball? Erfolgreichen Facebook-Fotografen wird öfters ein Hang zur Selbstdarstellung unterstellt.
Es ist schwer zu sagen, was genau mich motiviert. Ich denke, es ist die Möglichkeit immer wieder neue Ideen verwirklichen zu können. Viele Bilder entstehen, weil ich eine gewisse Herausforderung in deren Erstellung sehe.  Facebook-Likes sind mir nicht direkt wichtig, aber natürlich freue ich mich, wenn meine Arbeit gut ankommt.

Was war bisher dein größter Erfolg, Fortschritt oder Meilenstein?
Meine Zeitrafferfilme waren immer ein großer Erfolg! Da steckt sehr viel Zeit und Herzblut drin. Zusätzlich konnte ich mich über kleinere Erfolge freuen. Zum Beispiel der Oberstdorfer Fotogipfel, bei dem ich 2016 den ersten Platz belegen konnte.

Fotografie in den Bergen ist selten einfach. Welche Hürden nimmst du auf dich?
Die Fotografie in den Bergen ist wirklich sehr mühsam. Nicht selten ist der Rucksack bis zu 20 Kilo schwer. Oft ist es heiß oder saukalt. Man lebt bei der Fotografie im Gebirge weit abseits der Komfortzone. Da man als Landschaftsfotograf immer auf der Suche nach gutem Licht ist, ist man meistens sehr früh oder sogar die ganze Nacht unterwegs. Das zehrt am stärksten an der Substanz.

Stell uns doch bitte kurz deine Ausrüstung vor.
Ich benutze drei unterschiedliche Sony Kameras. Dazu zwei Weitwinkelobjektive, ein Teleobjektiv, ein paar Festbrennweiten und Stative.  Zwei Drohnen habe ich auch noch. Eine etwas größere, mit großem Sensor und eine kleine, leichte für lange Touren. Die Perspektive aus der Luft ist oft sehr spannend und bringt unbekannte Ansichten.

Was zeichnet für dich ein gutes Bild aus? Im Bezug auf Nachbearbeitung gehen die Meinungen oft weit auseinander!
Am liebsten fotografiere ich gegen die tiefstehende Sonne am Morgen oder abends. Ansonsten kommt es immer auf die Location an. Ich bin auf jeden Fall ein Fan von Weitwinkelaufnahmen. Je mehr Landschaft auf einem Bild ist, desto besser! Nachbearbeitung ist ein Muss. Allerdings versuche ich die Bilder so zu bearbeiten, wie ich die Stimmung in echt vorgefunden habe. Oft ist weniger mehr!


Wie findest du neue Bildideen? Ist alles durchgeplant oder hoffst du auf den Zufallstreffer?
Oft entwickelt sich durch Zufall eine Idee, wenn ich draußen bin. Dabei entstehen meine Bilder zuerst im Kopf und erst dann kann ich den Versuch der Umsetzung beginnen. Natürlich gibt es auch genügend Momente, wo es anders kommt als man geplant. Dann muss man eben improvisieren.

Hast du Pläne für die Zukunft? Vielleicht ein Traumprojekt, das noch in weiter Ferne liegt?
Große Pläne habe ich zur Zeit nicht. Ich versuche jede freie Minute draußen zu sein. Egal ob zum Fotografieren oder einfach, um die Natur zu genießen. Oft geh ich raus um die Berge zu erleben, ganz ohne dass die Kamera im Mittelpunkt steht!


Gibt es Foto-Tipps, die du unseren Lesern mit auf den Weg geben kannst?
Nehmt einfach immer eine Kamera mit! Man muss kein Profi sein, um die besonderen Momente festzuhalten. Oft macht der perfekte Moment aus einem Bild einen richtigen Hingucker. Ein bisschen Glück gehört da natürlich auch dazu!

Zehn kurze Fragen:

Bergsee oder Gipfelkreuz? Bergsee

Mountainbike oder Tourenski?Mountainbike

Hüttenübernachtung oder Zeltnacht?Biwak!

Frühaufsteher oder lieber den Sonnenuntergang fotografieren? Beides

Weitwinkel oder Tele? Weitwinkel

Steinbock oder Edelweiß? Steinbock

Improvisation oder alles durchgeplant?Eher alles geplant

Landkarte und GPS-Gerät oder frei Schnauze ins Gelände?Frei Schnauze

Weitwandern oder lieber hoch hinaus?Beides

Lieblingsberg / Lieblings-Fotospot?Guggersee

Mehr von Eren im Internet unter:
www.erenkaraman.de
www.facebook.com/erenkaramanphoto
www.instagram.com/karamanschi


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