Hinter der Linse: Gergö Kazsimer

Es klingt fast wie ein Märchen. Ein kleiner Traum, der wahr geworden ist – zumindest für jeden Hobbyfotografen. Denn wenn mal ein selbst geschossenes Foto durch die Decke geht und von unzähligen Menschen gesehen wird, dann hat man ganz offensichtlich alles richtig gemacht.
Aber was genau ist richtig? Und was falsch? Schritt für Schritt zum Profi werden, das klingt für viele sehr verlockend. Die Stationen die erfolgreiche Fotografen durchgemacht haben sind häufig die selben. Oft sind diese Schritte zwar klein, aber gut geplant. Manchmal fehlt aber auch nur das Glück und der nächste Schritt kommt etwas später.
Das sind Fragen, über die sich Gergö Kazsimer keine Gedanken mehr macht. Fotografieren ist für ihn wie das Wandern fester Bestandteil seines Alltages. Und so gibt es nun mal eine gewisse Wahrscheinlichkeit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und dann hat auch noch das Glück mitgespielt…

Gergö Kazsimer ist gebürtiger Ungar. 35 Jahre ist er alt und lebt schon seit über zehn Jahren nicht mehr in Ungarn. Nach Österreich, Irland und momentan München hat es ihn gezogen. Orte an denen man wandern, die Natur erleben und genießen kann! 

Der Naturfreund arbeitet bei der Betrugspräventionsabteilung einer Bank. Ein wunderbarer Kontrast dazu bietet ihm das Fotografieren. So kann er die Natur einfangen und gespeichert auf einem Kärtchen mit nach Hause nehmen. Mit der Zeit hat er weite Teile der Alpen erwandert und das natürlich nie ohne seine Kamera.

So kombiniert er seine zwei größten Hobbys und erschafft wundervolle Landschaftsaufnahmen. Wir haben mit ihm über seine Leidenschaft gesprochen, über seine Vorgehensweise, seine Ausrüstung und Zukunftspläne.

Auf die Titelseite der Frühlingsausgabe hat es dieses Bild aus den Dolomiten geschafft.

Hallo Gergö! In deinen Bildern fängst du tolle Stimmungen ein. Wann hast du gemerkt, dass aus dir mehr als nur ein Hobbyfotograf werden könnte?
Ich glaube das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal für ein Foto bezahlt wurde. Ich erinnere mich leider nicht mehr genau, aber es war ein Stockfoto das eine Landschaft zeigte. Ich habe mich natürlich riesig gefreut als ich realisierte, dass ich Fotos mache, an denen die Menschen Interesse zeigen.

Eines deiner Fotos verhalf dir ja regelrecht zum Durchbruch. Wie genau kam es dazu?
Es ist schon einige Jahre her als ich zum Wandern in Österreich unterwegs war. Dort schoss ich ein winterliches Foto einer Tiroler Berggruppe. Einige Tage später rief mich eine Fotoagentur an. Man sagte mir, dass ein wichtiger Kunde an genau diesem Foto interessiert war. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, wer genau dieser Kunde war. Um so mehr war ich überrascht, als mein iPad nach einem Update mein Foto als offiziellen Hintergrund zeigte. Es war zwar ein wenig bearbeitet, aber da wurde mir klar, wer der wichtige Kunde war!

Das ist eine tolle Story! Was kannst du uns noch über deine besten Bilder erzählen?
Für mich ist jedes Foto mit einer Geschichte verbunden. Deswegen glaube ich, dass Fotos für unterschiedliche Personen ganz unterschiedliche Eindrücke erwecken können. Ich kann nicht sagen, welches mein bestes Foto ist. 

Technisch gesehen ist das natürlich komplizierter. Wenn ich mir meine Fotos ansehe, weiß ich sofort, was ich nächstes Mal besser machen muss. Es gibt immer viel Raum für Verbesserungen.

Du fotografierst oft Wildtiere. Füchse, Rehe und sogar Luchse. Wie schaffst du das?
Ich möchte niemanden irreführen! Solche Aufnahmen entstehen meistens in Wildparks. Trotzdem braucht man für solche Bilder viel Geduld. Mehrere Tage Zeit kann man da schon einplanen. 

Ich habe großen Respekt vor den Profis, die tagelang in der Wildnis unterwegs sind und einen wahnsinnigen Aufwand betreiben. Doch die Schönheit der Tiere steht für mich im Vordergrund und die finde ich glücklicherweise auch in Wildparks.

Was spornt dich an? Fotografieren auf deinem Niveau ist zeitaufwändig und sicherlich auch hin und wieder mit herben Niederschlägen gespickt.
Das stimmt, aber im Prinzip ist es sehr einfach. Die Natur motiviert mich. Ich kann mir sicher sein, dass ich, jedes Mal wenn ich raus gehe, etwas besonderes sehen werde. Man braucht schon ein wenig Übung, aber dann klappt das einwandfrei. 

Wandern und fotografieren ist ja das Hobby Vieler.
Wie kombinierst du das für dich?
Ich denke, es gibt mehrere Herausforderungen, wenn man in den Bergen fotografieren möchte. Beim Wandern ist oftmals schon die Grundausrüstung sehr schwer. Noch dazu muss man sich auf mehrere Dinge konzentrieren. Die Aussicht, das Licht und natürlich auf den Weg und die eigenen Schritte.

An meine Grenzen gestoßen bin ich dabei noch nicht. Ich möchte einfach immer höher steigen und noch viele Orte entdecken, an denen ich noch nie war!

Stell uns doch bitte kurz deine Ausrüstung vor.
Neulich habe ich zu einer Full-Frame-Kamera gewechselt. So habe ich eine wesentlich bessere Qualität als früher. Sie ist zwar schwerer, aber dieses Opfer nehme ich gerne in Kauf. Ich habe eine ganze Reihe von Objektiven. Von 14mm bis 200mm ist alles abgedeckt, wobei ich besonders gerne mit Teleobjektiven fotografiere. Filter benutze ich kaum noch. Höchstens einen Polfilter, wenn Wasser mit im Bild ist. Für Luftaufnahmen habe ich eine kleine faltbare Drohne.

Worauf achtest du beim fotografieren am meisten?
Eine gute Komposition ist sehr wichtig, aber ohne das richtige Licht geht überhaupt nichts. Diese zwei Punkte sind entscheidend für die Nachbearbeitung der Bilder. Ich habe einen eigenen Stil, meine eigene Methode, der ich zu Hause am Computer immer nachgehe. 

Viele Leute kopieren den Stil anderer. Mir ist es aber sehr wichtig, einen eigenen Stil zu haben, sonst verliert man sich in der Menge.

Ich habe schon oft gehört, dass die Leute mein Foto bereits erkennen, ohne den Namen des Fotografen zu lesen. Darüber freue ich mich sehr!

Hast du Zukunfstpläne? Gibt es ein Wunschprojekt?
Momentan arbeite ich an einem Projekt mit einem großen Unternehmen. Leider darf ich darüber nichts sagen, aber ich freue mich schon sehr. Ansonsten versuche ich einfach immer noch professioneller zu werden.

Möchtest du unseren Lesern und Hobbyfotografen etwas mit auf den Weg geben?
Ich glaube das wichtigste ist, so viele Fotos zu machen wie möglich. Es ist immer leicht, eine Ausrede zu finden und zu Hause zu bleiben. Ich bin aber noch nie von einem Fototrip zurück gekommen und habe mir gewünscht: „Wäre ich doch nur zu Hause geblieben.“

Geht raus und erkundet die Welt! Achtet auf gutes Licht und vermeidet langweilige Sonnentage. Die besten Fotos entstehen vor oder nach dem Sturm. Geht das Risiko ein, verlasst die Komfortzone. Es lohnt sich!

Zehn kurze Fragen. 

Island oder Alpen?  Beides! Hauptsache Abenteuer!

Fotografierst du lieber vom Tal oder vom Gipfel? Gipfel

Ultralight-Equipment oder altbewährt und schwer? Ganz klassisch.

Berghütte oder Biwak? Biwak.

Weitwinkel oder Tele? Ich nutze mein Tele öfter, also Tele!

Lang geplante Fotoreise oder spontan geknipst? Spontanität ist beim Fotografieren sehr wichtig!

Sonnenauf- oder untergang? Sonnenaufgang.

Dein Lieblingsfotospot? Ich liebe Südtirol im Herbst.

Steinbock oder Edelweiß? Edelweis.

Hast du einen Lieblingsberg? Ich habe keinen, ich mag alle!

Mehr von Gergö im Internet unter:
www.instagram.com/gergok
www.facebook.com/gergokphoto

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