Hinter der Linse: Heinz Zak

1000 Meter senkrechter Granit. Das gibt’s nur im Yosemite-Nationalpark im US-Bundestaat Kalifornien. Die Kletter-Elite der Welt, die Besten der Besten, beißen sich hier die Zähne aus. Und immer wieder wird hier Geschichte geschrieben. Am El Capitan eröffneten 1958 amerikanische Pioniere die Route mit dem Namen „The Nose“. 47 Klettertage, verteilt auf 17 Monate, in technischer Kletterei. Das war nötig, um die Nose erstmals zu bezwingen. 2004 durchstiegen die Huberbuam, Thomas und Alexander Huber, die Wand des El Cap auf der Route Zodiac. In nur 1:51:34 Stunden. Zwischen 2014 und 2015 gelang Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson die Erstbegehung der Route Dawn Wall im freien Stil. Alex Honnold gelang 2017 die erste Free-Solo-Begehung am El Capitan überhaupt. Meilensteine über Meilensteine.

Titelbild: Adam Ondra in der 14. Seillänge der berühmten Dawn Wall,
Yosemite, Kalifornien. Die wohl schwerste Big-Wall der Welt.
FUJIFILM X-T2   |   XF10-24 mm F4 R OIS   |   13,2 mm   |   f6   |   1/250 sek   |   ISO 400

Diese Wand ist, wie viele weitere auch, der Arbeitsplatz von Heinz Zak. Die Kamera in der Hand, das Motiv im Blick, so hängt er in dieser gigantischen Felswand. Aber die Perspektive stimmt noch nicht! Zak schwingt sich vom Berg, stemmt sich mit langen Stelzen vom Fels weg und genießt fortan den besten Blick, die beste Perspektive. So entstehen einmalige Fotos von echten Pionierleistungen. Mit Mut. Ausdauer. Geduld. Feingefühl. Ach ja, und mit Stelzen Marke Eigenbau!

Hallo Heinz! Du stehst ja meist hinter der Kamera. Stell dich doch bitte unseren Lesern kurz vor.
Ich bin ein sehr glücklicher und freier Mensch. So fühle ich mich und das empfinde ich als großes Geschenk. Ich verdanke dies vor allem auch meiner Frau Angelika, die immer für mich da ist und immer das unterstützt, was ich mir vorstelle. Seit Ende der 1980er Jahre bin ich freiberuflicher Berg- und Kletterfotograf, ebenso Extremkletterer. Meine Berufe hat es damals ja nicht wirklich gegeben. Nach einigen Jahren als Lehrer hatte ich mich dazu entschlossen, meine Leidenschaften zum Beruf zu machen. Bis zum heutigen Tag bin ich mit voller Leidenschaft Fotograf und Kletterer. Ich will immer noch am letzten Griff nicht freiwillig loslassen. Und mir ist nach wie vor nichts zu hart, um ein Foto zu bekommen, das ich mir in den Kopf gesetzt habe. 

Das klingt nach einem motivierten Mann!
Im Alter von 50 Jahren bin ich noch zur Aufnahmeprüfung der Bergführer-Ausbildung angetreten! Jeder musste dabei einen Tourenbericht vorlegen, der im Gespräch überprüft wurde. Der Leiter der Ausbildung sagte zu mir: „Heinz, das Einzige, was mich interessiert: warum tust du dir das noch an?“ Seit 2010 bin ich nun auch staatlich geprüfter Bergführer. Diese Ausbildung ist mir bis heute sehr wichtig, wenn ich mit Teilnehmern meiner Fotokurse im Gelände unterwegs bin.

Fabian Buhl über dem Nebelmeer. Die Route Sueños de Invierno
am Naranjo de Bulnes in Nordspanien ist mit 8a bewertet.

FUJIFILM X-T2   |   XF10-24 mm F4 R OIS   |   10 mm   |   f7.1   |   1/250 sek   |   ISO 200

Damit finanzierst du deinen Lebensunterhalt?
Unter anderem. Seit 1982 halte ich Vorträge (aktuell: „Klangwelt Berge“ und „Träume sterben nie“), veröffentliche Bücher (High Life 1987, Karwendel 1990 und 2014, Rockstars 1995, Stubaier Alpen 2003 und 2016, Yosemite 2003, Slackline am Limit 2011, Seiltechnik – bereits 8. Auflage), publiziere in Printmedien und gebe liebend gerne Fotokurse.

Gab es, als du damit anfingst, im Vortragswesen schon viel Konkurrenz?
Nein, es gab ohnehin nur ganz wenige Vortragende wie etwa Reinhold Messner, der zu meinen Themen ohnehin keine Konkurrenz darstellte. Ich erinnere mich noch gerne an meinen allerersten Vortrag: Der Alpenverein hatte uns finanziell unterstützt und wollte als Gegenleistung einen Vortrag über „Klettern in den USA“. Wie auch heute noch, kann ich keinen Vortrag zuhause ohne Publikum, also quasi als Generalprobe halten. Bei mir geht das nur „live“. So staunte ich nicht schlecht, als ich plötzlich vor nahezu 600 Zuschauern im überfüllten Stadtsaal meinen ersten Vortrag hielt. 

Was ist für dich dann wichtiger: Klettern oder Fotografieren?
Beide Leidenschaften sind immer noch tief in mir drinnen und es ist überflüssig, eine Wertung für das ein oder andere abzugeben. Ich mache beides wirklich gerne und bin froh, dass ich beides habe. 

Wie bist du überhaupt in diese Nische „Kletterfotograf“ hinein gekommen?
1979 waren wir die ersten Österreicher, die in das damalige Mekka des Kletterns, das Yosemite Valley in Kalifornien, gefahren sind. Schon vor der Abreise wurden wir von verschiedensten Seiten angesprochen, unbedingt Fotos aus dem „Valley“ mitzubringen.

Wir hatten dann nur knapp 1000 Dollar für gut zwei Monate Aufenthalt in den USA. Schon bei der Einreise wollte man uns nicht gerne ins Land lassen, weil man uns die Frage stellte, wie wir mit diesen wenigen Traveller-Checks auskommen wollten. Gleich zu Beginn habe ich dann auch noch meine Kamera in einem Auto vergessen. Nach der Ankunft im Yosemite trampte ich also wieder raus in die Stadt Merced, um mir dort fast um die Hälfte meines gesamten Geldes eine neue Kameraausrüstung zu kaufen. 

Heinz Zak durchstieg 19 Jahre nach Wolfgang Güllich als zweiter
Mensch überhaupt die „Separate Reality“ seilfrei. Foto: Werner Strittl

NIKON D2X   |   12-24 mm f4   |   12 mm   |   f5   |   1/50 sek   |   ISO 100

Mit einer dir völlig neuen Kamera im steilen Fels? Wie waren die Ergebnisse?
Völlig unkontrolliert. Ich wusste sowieso nicht, was ich fotografisch überhaupt machte. Von Bildaufbau, Belichtungskorrektur oder manueller Belichtung hatte ich Null Ahnung. Die Fotos sind trotzdem zuhause gut angekommen. Ich hatte damals schon das Glück, in einem Metier unterwegs zu sein, wo es kaum Konkurrenz gab.

Willst du damit sagen, dass du auch mit weniger guten Bildern Erfolg hattest?
Das könnte man so sagen, ja. Ich bin so froh, dass ich mich damals schon nicht etwa mit den Tierfotografen der Welt messen musste, wo die fotografische Latte immer unglaublich hoch liegt. 

Apropos „Angemessenes Können“: Hast du später dann eine fotografische Ausbildung gemacht?
Nein, ich habe mir alles selbst beigebracht. Noch dazu bin ich auch heute immer noch sehr praxisorientiert. Ich habe mir damals eine 9×12 Linhof Plattenkamera gekauft. Anstatt mal zu testen, wie das alles funktioniert, bin ich im Winter sofort zum Sonnenuntergang auf einen Berg gegangen. Ganz ehrlich – aus heutiger Sicht hätte es mir unglaublich viel gebracht, bei einem guten Fotoworkshop dabei zu sein!

Die Huberbuam beim Speedrekord an der Nose im Yosemite.
NIKON D2X   |   35-70 mm f2.8   |   58 mm   |   f6.4   |   1/500 sek   |   ISO 100

Was meinst du genau damit?
Erst im direkten Vergleich mit den Teilnehmern oder einem guten Fotografen sieht man selbst, wo man fotografisch steht und welche Ausrüstung einem selbst vielleicht fehlt. Solange dir nur Leute auf die Schulter klopfen für Bilder, die du irgendwo gemacht hast, kommst du fotografisch nicht wirklich weiter! Ich würde im Nachhinein viel Geld bezahlen, um hier die Uhr zurück drehen zu können.

Bist du mit deinen Bildern denn nicht zufrieden? Mehrere deiner Bilder aus dem Kletterbereich gelten ja als „Iconic photos“, wie gerade neulich eines deiner Fotos der amerikanischen Kletterlegende Lynn Hill bezeichnet wurde?
Ich bin mit meinen Bildern sehr zufrieden. Ich bin auch nur selten kurz traurig, wenn ich mal ein Foto, das ich mir vorgenommen hatte, doch nicht so bekomme, wie ich es mir gewünscht habe. Der Vorteil ist doch: niemand anderer weiß davon, also fehlt es auch niemandem. Außer, man redet darüber, was man alles versäumt hat.

Ich selbst hatte dabei oft auch einfach nur Glück: seit Mitte der 1980 Jahre schenkten mir die besten Kletterer der Welt das Vertrauen, sie in ihren härtesten Routen fotografieren zu dürfen. So auch die damals beste Kletterin der Welt, Lynn Hill, die am El Capitan vielleicht die Jahrtausend-Bestleistung im Klettern vollbracht hatte: die bekannteste Kletterroute der Welt als erster Mensch überhaupt frei zu durchsteigen, das war eine Leistung, die im Klettersport bis heute nahezu unvergleichlich ist. 

Durch welche Bilder bist du überhaupt als Kletterfotograf bekannt geworden?
Der weltbeste Kletterer der 1980er Jahre – und wichtigster Wegbereiter des heutigen Klettersports – war der Deutsche Wolfgang Güllich. Wolfgang und ich lernten uns schon Anfang der 1980er Jahre kennen und wurden schnell gute Freunde. 1985 beschlossen wir, gemeinsam ein Buch über die besten Klettergebiete der Welt zu machen. Der „Bergverlag Rother“ gab uns mit dem Buchprojekt „High Life“ die wunderbare Chance dafür. Im Frühjahr 1986 weihte mich Wolfgang in seinen geheimen Plan ein, die damals legendärste Kletterroute des Yosemite Yalley, das große Rissdach mit dem treffenden Namen „Separate Reality“ seilfrei durchsteigen zu wollen. Für die damalige Zeit ein Traum weit jenseits des Horizonts! Dennoch Grund genug für mich, ein Jahr Auszeit von meinem Lehrberuf zu nehmen – natürlich ohne jegliche Garantie, ob Wolfgang das überhaupt realisieren kann.

Solo. Winter. 10 Seillängen. 8c. Fabian Buhls
Leistung in der Wetterbockwand am Hohen Göll.

FUJIFILM X-T2   |   XF 10-24 mm F4 R OIS   |   12 mm   |   f6.4   |   1/250 sek   |   ISO 400

Wie war das dann, bei dieser unglaublich gefährlichen Aktion als Fotograf dabei zu sein?
Es war in mehrerer Hinsicht furchtbar! Damals gab es ja noch kein Display, auf das man einfach schauen konnte, um Belichtung und Schärfe zu überprüfen. Man musste es schlicht und einfach können, noch dazu im einzig möglichen Augenblick – also ohne zweite Chance. Ich war unglaublich nervös, als ich direkt unter dem riesigen Dach hing und Wolfgang ohne Seilsicherung zu mir hoch kletterte. Erst dort oben, 200 Meter über dem Boden, wurde mir sehr eindringlich und wie eine Faust in die Magengegend bewusst: der geringste Fehler, und mein Freund stirbt vor meinen Augen. Das hat mich damals schwer getroffen. Wolfgang zitterte vor dem Dach vor Aufregung, und ich ehrlich gesagt vor Angst. Angst, vielleicht auf einmal alleine hier weg gehen zu müssen. Und aus voller Anspannung, das richtige Bild überhaupt machen zu können. Wolfgang wurde dann ruhiger, je weiter er in das sechs Meter ausladende Dach kletterte. Ich drückte auf den Auslöser. Die Bilder gingen rund um die Welt des Kletterns. Das Foto gilt auch heute noch für viele als etwas ganz Besonderes. „Der Inbegriff des Kletterns“, höre ich immer wieder.

Es ist schon etwas verrückt, aber du hast 19 Jahre später als weltweit Zweiter ebenfalls dieses große Dach seilfrei durchstiegen?
Jahrelang habe ich davon geträumt und mir immer wieder vorgestellt, das selbst zu machen. Es war mein größter Traum als Kletterer. Ich habe mir das auch tausende Male vorgestellt und jedes Mal, wenn ich in das Yosemite gekommen bin, habe ich die Route mit Seil geklettert. Immer besonders auch in Erinnerung an Wolfgang Güllich, der ja 1992 beim Autofahren eingeschlafen und tödlich verunglückt war. 

Woher nimmt man die mentale Stärke, um so etwas machen zu können?
Den Begriff „Mentale Stärke“ kann ich schwer bewerten, aber ich bin schon mit extrem gefährlichem Klettern aufgewachsen und habe immer wieder Routen geklettert, die psychisch als besonders anspruchsvoll galten.  Ich verlasse mich dann vor allem auf meine Erfahrungen, in denen ich gesehen habe, wie mein Kopf in extrem gefährlichen Situationen funktioniert – ich kann sehr fokussiert und konzentriert sein. Und, ich kann auch „Nein“ sagen …zumindest, solange es die Situation zulässt. Und, besonders bei der seilfreien Durchsteigung von „Separate Reality“, ging es vor allem darum, sich die geplante Aktion millimetergenau vorstellen zu können. Der Gedanke: „Wie fühle ich mich sechs Meter weit draußen im Dach vor der schwierigsten Kletterstelle?“ hat mich jahrelang begleitet, bis ich mir endlich sicher war, dass ich das auch mental schaffe und mir nicht die Nerven durchbrennen, weil ich plötzlich keine Lust habe, zweihundert Meter über dem Boden ohne Seil an einer Stelle zu hängen, von der es kein „Zurück“ gibt.

Wie war für dich dann diese Begehung?
Mein Freund Werner Strittl war 2005 dann mit mir im Yosemite. Werner schenkte mir seine Zeit und wollte mich bei meinem Traum unterstützen. Der gesamte Aufenthalt stand unter dem Zeichen: „Separate Reality“. Bis zum Tag meiner Begehung spürte ich immer noch ein Quäntchen Angst in mir und fragte mich, warum ich das überhaupt machen will, wo ich doch so gesund und glücklich war. Meine Frau Angelika hatte ich vorher schon gefragt, ob es für sie in Ordnung ist, wenn ich das mache – sie vertraute mir! Die Begehung selbst erlebte ich völlig angstfrei. Die Zeit schien still zu stehen und ich fühlte mich sicherer als mit jedem Seil.

Der tschechische Weltklasse-Kletterer
Adam Ondra in der Dunkelheit der Dawn Wall.
FUJIFILM X-T2   |   XF 16-55 mm f2.8 R LM WR   |   26 mm   |   f3.5   |   1/30 sek   |   ISO 3.200

Du hast neben Güllich auch mit vielen anderen „Ikonen“ des Kletterns, wie etwa den Huberbuam gearbeitet?
Ja. 1992 bekam ich einen Anruf. Alexander Huber war am Telefon und fragte, ob ich Lust hätte, ihn auch mal zu fotografieren. Bis heute sind wir gute Freunde und ich bin sehr froh – und auch stolz darauf – Alexander und auch Thomas immer noch bei vielen ihrer härtesten Unternehmungen begleiten zu dürfen. 

Was machst du, um solche Fotos zu bekommen wie etwa von Alexander Huber bei der ersten freien Begehung der legendären Route „Salathe“ am El Capitan?
Alexander und ich sind 1995 gemeinsam ins Yosemite gefahren. Damals war für ihn noch nicht klar, ob er sich für den Weg als Kletterprofi entscheiden würde. Bei seiner freien Begehung der Route sicherte ich ihn zwei Tage lang, kletterte an Steigklemmen jede Seillänge mit dem schweren Rucksack hinterher. Schon im Vorfeld hatten wir im Sinn, den Begriff „Kletterfoto“ in dieser 1000 Meter hohen, senkrechten Wand neu zu definieren. Wir waren das richtige Team dafür! Alexander war kein noch so aufwändiger Einsatz zu groß – und mir auch nicht! Ich wollte ihn so eindrucksvoll wie nur möglich fotografieren. 

Wie war das dann beim Fotografieren in einer 1000 Meter hohen, senkrechten und überhängenden Wand?
Zunächst muss man erst Mal Lust und vor allem keine Angst davor haben, sich von oben in diese unglaubliche Ausgesetztheit hinein zu seilen. Das braucht Mut und einen klaren Kopf. Für mich gilt hier, strukturiert und mit Bedacht auf Sicherheit vorzugehen. Nicht aus Schlampigkeit oder Zeitdruck fahrlässig Fehler riskieren – das habe ich mir schon früh zum Leitsatz gemacht und ich halte mich eisern daran. Wir wollten die „besten Bilder der Welt“ vom bedeutendsten Kletterfelsen der Welt schaffen – das war wirklich unser Anspruch. 

Kurt Albert, der Begründer des Rotpunkt-Kletterns, am
Devil’s Crack in der Fränkischen Schweiz (diesmal ohne Bierkrug).

Pentax 6×7   |   ISO 50

Hast du denn das Resultat der Bilder vor Ort überprüfen können?
Nein, natürlich nicht. Ich hatte auch nicht das Vertrauen, meine kostbaren – unter ultimativen Bedingungen entstandenen Bilder – vor Ort entwickeln zu lassen. Alexander fragte mich, als wir am Tag nach dem ersten Shooting wieder in der Cafeteria saßen: „Und, Heinz, glaubst du, du hast die richtigen Bilder?“

Ich sagte, ich wäre mir nicht 100 Prozent sicher. Alexander meinte dann trocken: „Dann gehen wir halt noch einmal in die Wand“. 

Wie war die Resonanz auf eure Bilder?
Wir bekamen 14 Cover-Geschichten in allen bedeutenden Klettermagazinen der Welt. Für Alexander war es vielleicht der bedeutendste Schritt zum Kletterprofi.

Was macht dann ein gutes Kletterfoto für dich aus? Welche Richtlinien siehst du dafür?
Einfach gut muss das Foto sein! Wie eben in jedem anderen fotografischen Metier auch. Für gute Bilder gibt es keine Vorgaben! Natürlich helfen Grundrezepte wie Bildaufbau oder das „Richtige Licht“ – aber, was heißt das schon? Die Idee und der Augenblick zählt – und dass man ihn festhält. Auch die bestmögliche Ausrüstung dafür ist eine Basis, die ich als selbstverständlich annehme.

Lynn Hill. Dem US-Amerikanische Ausnahmetalent gelang 1993 die
erste freie Durchsteigung der Nose. Ein Jahr später übertraf sie
diese Leistung und bewältigte die Route in nur einem Tag.

Nikon FE 2   |   Nikkor 80-200 mm   |   f2.8   |   ISO 50

Mit welcher Kamera fotografierst du heute?
Ich habe vollstes Vertrauen in die Kameras von Fujifilm, ebenso in deren Objektive. Die Fujifilm XT-4 ist die Kamera, von der ich schon immer geträumt habe. So unglaublich verlässlich, blitzschnell bedienbar, die technische Qualität für mich perfekt – vor allem auch in Bezug darauf, was ich an Equipment tragen kann!

Für die Landschaftsfotografie, wo ich die Ausrüstung oft gut tragen kann, liebe ich heute die Fujifilm GFX 50, eine digitale Mittelformatkamera. Die technische Qualität dieser Aufnahmen ist absolut eindrucksvoll!

Bis heute bist du mit den besten Kletterern der Welt als Fotograf unterwegs. 2016 warst du dabei, wie der tschechische Kletterer Adam Ondra, der heute zu den weltbesten Kletterern zählt, die zweite Begehung der schwierigsten Mehrseillängenroute der Welt, die „Dawn Wall“ am El Capitan schaffte.

Die gesamte Aktion war eine riesige Herausforderung. Wir hatten insgesamt sieben Wochen Zeit für ein Projekt, für das der Erstbegeher Tommy Caldwell nahezu sieben Jahre investiert hatte. Eine Kletterstrecke von 1200 Metern gesamt mit Seilen zu versichern, damit ich aus jeder Position immer fotografieren und filmen konnte, war ein riesiger logistischer Aufwand. Adam war noch nie zuvor in einer derart großen Wand geklettert und musste erst das Aufsteigen an Steigklemmen lernen. Die Amerikaner lachten, als Adam frech sagte, er wolle gleich die härteste Route versuchen. Adam kletterte teilweise bis nach Mitternacht und brauchte oft nach jedem Sturz wieder eine Stunde Pause. Ich hing oft Stunden lang am gleichen Platz, fotografierte und filmte. Sich nach so vielen Stunden noch voll konzentrieren und dabei sein zu wollen, war eine harte Herausforderung. Die Temperaturen in der Wand lagen nur knapp über Null Grad, und oft blies dazu ein kalter Wind. Dann biwakierten wir einfach frei hängend im aufgehängten „Portaledge“ und am nächsten Tag ging es weiter. Die Begehung selbst dauerte acht Tage, während Adam von Pavel gesichert wurde. Unterstützung bekam ich von Christian Wild.

Alexander Huber in der Salathé. Die erste Rotpunkt-Begehung
der Bigwall-Route überhaupt gelang ihm 1995.

Mit welchen Kletterern hast du in den letzten Jahren noch gearbeitet?
Vor allem auch mit dem jungen Deutschen Fabian Buhl, der gerade unglaubliche Meilensteine im Soloklettern setzt.

In die härteste Route der Eiger Nordwand, ganz alleine auf sich gestellt einzusteigen und psychisch anspruchsvolle Seillängen bis zum unteren 10. Grad alleine zu meistern – das ist eine unvorstellbare Leistung. Noch dazu ist Fabi ein so angenehmer Mensch und guter Typ. Er zeigt auch, dass Klettern immer weiter gehen wird. Es ist wie mit dem Fotografieren: auf die richtige Idee kommt es an!

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft. Zum Abschluss noch einige kurze Fragen:

Gibt es ein Foto, auf das du besonders stolz bist?
Glücklicherweise habe ich einige Fotos, auf die ich sehr stolz bin. Und glücklicherweise habe ich nicht das Gefühl, unbedingt irgendein Foto machen zu müssen. Ich fotografiere mit Leidenschaft das, wo es mich hin zieht.

Gibt es ein Lebensmotto, das du weiter geben möchtest?
Lebe deine Träume!

Noch eines?
Entweder man macht‘s, oder man macht‘s nicht!

Drei Tipps für unsere Leser, um besser zu fotografieren:
1 Besuche einen Fotokurs bei einem Fotografen, dessen Bilder dir gefallen!
2 Drück nur auf den Auslöser, wenn du wirklich Lust darauf hast.
3 Geh Bäume fotografieren – Bildaufbau lässt sich hier am besten üben.

Mehr von Heinz im Internet unter:
www.heinzzak.com  |  www.instagram.com/heinz.zak

Interview: Benni Sauer

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