Hinter der Linse: Katja Seidel

Die dunkle Jahreszeit ist da. Kurze Tage laden zu Winteraktivitäten in der strahlend weißen Alpenwelt ein. Die langen Nächte dagegen verbringen wir alle am liebsten in kuschlig warmen Hütten. Am Kachelofen. Mit deftigen oder süßen Leckereien und geselligen Abenden. Aber tun wir das wirklich alle?

Winter ist nicht nur die Zeit für Skifahrerfahrer und Schneeschuhwanderer. Der Winter ist auch Hochsaison für Astrofotografen. Für Menschen, die Unsichtbares sichtbar werden lassen. Immer auf der Jagd nach besonderen Ereignissen, außergewöhnlichen Konstellationen oder anderen interstellaren Schauspielen. Menschen wie Katja Seidel. (Titelbild: Die Milchstraße oberhalb des Geroldsees. Canon EOS 6Da (astromodifiziert)   |   24 mm   |   f2   |   12 sek   |   ISO 6.400 gestackt aus 26 Einzelaufnahmen, Vordergrund: 133 sek   |   ISO 3.200)

Wir haben uns mit der Astrofotografin unterhalten. Über die Faszination des Universums, dem Spaß an der Fotografie und warum ihr der Sternehimmel nie langweilig wird. Das Ergebnis sind Einblicke in einen der spannendsten und interessantesten Teilbereich der Fotografie. Eine Disziplin, für die viel Fachwissen, Erfahrung und Geduld nötig ist.

Hallo Katja! Stell dich doch bitte erstmal unseren Lesern vor.
Ich bin Katja und wurde 1981 in der ehemaligen DDR geboren. Nach einigen Jahren in München lebe und arbeite ich heute in der Nähe von Braunschweig. Mein beruflicher Weg war recht gradlinig – ich bin Informatikerin und auch heute noch in dieser Branche tätig. Als IT-Beraterin im Vertrieb bin ich häufig unterwegs, was ich mittlerweile fast ausschließlich mit meinem Campingbus mache. Dieser ist nicht nur mein rollendes Hotel und Arbeitszimmer, sondern auch mein treuer Begleiter auf all meinen Fototouren. Die Fotografie spielt schon mehr als mein halbes Leben eine wichtige Rolle für mich. Vor sechs Jahren habe ich dann meine Leidenschaft für die Nacht- und Astrofotografie entdeckt, die mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. 

Ein mehrzeiliges Panorama nördlich von Tromsø, Nordnorwegen.
Canon EOS 6D   |   24 mm   |   f2   |   3 sek   |   ISO 6.400
12 Einzelaufnahmen

Du fotografierst fast ausschließlich den Himmel über unseren Köpfen. Nachts! Wird das nicht mit der Zeit langweilig?
Die Motive am Nachthimmel sind natürlich in gewisser Weise endlich. Bestimmte Phänomene wie Polarlichter, Leuchtende Nachtwolken, Meteore oder Kometen sind jedoch nicht alltäglich, so dass die „Jagd“ danach immer wieder spannend und abwechslungsreich ist. Außerdem ist es für jeden Astro-Landschaftsfotografen eine ständige Herausforderung, spektakuläre Vordergründe für beispielsweise Milchstraßenaufnahmen zu finden. Hierfür sind die Alpen prädestiniert. Es ist allerdings schwieriger als man denkt, hier eine gelungene Komposition zu finden. Da können dann diverse Planungsapps helfen, die es einem tagsüber vor Ort oder sogar zu Hause auf dem Sofa ermöglichen, den genauen Stand des Milchstraßenzentrums an einem bestimmten Ort und einer bestimmten Zeit anzuzeigen – sogar in einer 3D-Darstellung inklusive aller umliegenden Berge. Vor Ort muss dann nur noch das Wetter mitspielen, was man leider nur bedingt planen kann.

Nachts zu fotografieren empfinde ich grundsätzlich nie als langweilig, da es immer wieder neue Dinge zu entdecken und zu erleben gibt. Seien es Tiere, andere Menschen oder plötzliche Wetterumschwünge. 

Alpenglühen in den Dolomiten zur goldenen Stunde.
Sony A7III   |   20 mm   |   f2   |   1/640 sek   |   ISO 200
zweizeiliges Panorama aus 10 Einzelaufnahmen

Wie bist du denn zur Astrofotografie gekommen? Wie können wir uns einen Einstieg in ein so außergewöhnliches Thema vorstellen?
Ich bin Ende 2014 durch den „Fotoschnack“ von Gunther Wegner und Patrick Ludolph das erste Mal auf das Thema aufmerksam geworden. In zwei Nächten haben die beiden dabei zuerst den Mond und anschließend den Orionnebel mit einer normalen Spiegelreflexkamera und einem Teleobjektiv aufgenommen. Das hat mich völlig fasziniert. Danach ging alles ganz schnell und ich habe alles aufgesaugt, was in Büchern, YouTube-Videos und im Internet zum Thema Astrofotografie zu finden war. Gefühlt habe ich dabei jede Woche ein neues Motiv entdeckt, wovon ich vorher noch nicht einmal etwas gehört hatte – wie zum Beispiel Leuchtende Nachtwolken (Anm. d. Red.: seltenes Phänomen in etwa 80 Kilometern Höhe, auch NLC genannt). Nach anfänglichen Selbstversuchen mit Mond- und Sternenaufnahmen habe ich im Januar 2015 einen Astrofotoworkshop in der Schweiz gebucht, um mir ein wenig professionelle Anleitung zu holen. Hier hatte ich dann auch das große Glück, den Kometen Lovejoy in seiner vollen Pracht fotografieren und sogar mit dem Fernglas sehen zu können. Der Ehrgeiz nun möglichst alle Motive am Himmel kennenzulernen und sie mit einfachen Mitteln aufzunehmen, war nach dem Workshop nochmal größer. Und so habe ich seitdem all mein Herzblut in dieses Thema gesteckt. 

Die Perseiden (Sternschnuppenschauer im August) über einen Zeitraum von knapp drei Stunden, aufgenommen unterhalb des Pordoijochs in den Dolomiten.
Canon EOS 6D   |   24 mm   |   f2   |   10 sek   |   ISO 1.600 & 3.200
Collage aus 22 Einzelaufnahmen

Man braucht also keine hochtechnische Materialschlacht für dieses Hobby zu führen?
Grundsätzlich braucht man eigentlich nur drei „Grundzutaten“: eine Kamera (DSLR oder DSLM), ein möglichst lichtstarkes Objektiv und ein Stativ. Von allem habe ich mittlerweile mehrere, um für verschiedene Situationen und Motive gerüstet zu sein. Sehr hilfreich sind auch kleine Helferlein wie ein programmierbarer Fernauslöser, eine Stirnlampe oder eine Heizmanschette zur Verhinderung von Taubildung. Recht schnell nach meinem Start in die Astrofotografie habe ich auch in erweitertes Equipment investiert. So hilft mir ein sogenannter Nodalpunktadapter dabei, nächtliche Panoramen aufzunehmen. Dabei können auch schonmal mehrere Zeilen notwendig sein, um beispielsweise den Milchstraßenbogen und einen eindrucksvollen Vordergrund ins Bild zu setzen. Als weiteres Hilfsmittel bewegt eine Reisemontierung die Kamera während der Aufnahme entsprechend der Erdrotation und ermöglicht so die Langzeitbelichtung von Galaxien und Nebeln mit einem Teleobjektiv. Und schließlich habe ich meine Kamera einer Astromodifikation unterziehen lassen, um sie rotempfindlicher zu machen und somit bestimmte Nebel besser aufnehmen zu können. 

Möchte man aber richtig günstig in dieses Genre der Fotografie einsteigen, können viele Hobbyfotografen schon mit ihrem bestehenden Equipment weit kommen. Ohne vorherige Fotoausrüstung lohnt sich auch durchaus der Blick auf den Gebrauchtkameramarkt. Ich fotografiere beispielsweise seit Jahren mit der Canon 6D, welche gebraucht bereits für unter 500 € zu haben ist. Auch astrotaugliche, lichtstarke Weitwinkelobjektive gibt es für unter 500 €, so dass man inklusive eines stabilen Stativs bei etwa 1.000 € für den Neueinstieg in die Astrofotografie liegt. Für erweitertes Equipment wie zuvor genannt sollten nochmal etwa 500 bis 1.000 € einkalkuliert werden. 

Das Milchstraßenzentrum über der Marmolata in den Dolomiten als Panorama aufgenommen.
Canon EOS 6Da (astromodifiziert)   |   50 mm   |   f2   |   12 sek   |   ISO 6.400
nachgeführtes Panorama aus vier Einzelaufnahmen

Ist das Hobby eigentlich sozialverträglich? Menschen mit Job und Familie stehen sich doch höchstselten die ganze eiskalte Nacht die Beine in den Bauch, oder?
In der Tat ist es nicht immer einfach, dieses Hobby auszuüben, zumal das Wetter – und somit eine der wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Astrofotografie – nur schwer planbar ist. Viele verbinden die nächtlichen Fotoausflüge aber mit einem Familienurlaub, da hier meist die schönen Fotospots direkt „vor der Haustür“ liegen. Nicht selten müssen solche Urlaube dann nach der Mondphase geplant werden, was für die restlichen Familienmitglieder durchaus befremdlich wirken kann. Nicht unwichtig ist zudem die Jahreszeit, in der man sich diesem Hobby widmen möchte. Im Herbst und Winter wird es bereits recht früh dunkel und viele Motive können schon am Abend fotografiert werden. Ich kenne einige Astrofotografen mit Familie, die ihr Hobby oftmals einfach aus dem Garten heraus oder in näherer Umgebung ihrer Wohnung betreiben.

Die 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Andromedagalaxie.
Canon 700D   |   200 mm   |   f3.5   |   120 sek   |   ISO 1.600
Stacking aus 29 nachgeführten Einzelaufnahmen

Heute bist du eine bekannte Astrofotografin und sogar Buchautorin! Wie hat sich das entwickelt und was planst du als nächstes?
Als ich Ende 2014 mit der Astrofotografie begonnen habe, war ich überrascht und gleichzeitig etwas frustriert, dass es so wenig Literatur für Hobbyfotografen wie mich gab, die erst einmal einen seichten Einstieg suchen. Schon ein gutes Jahr später keimte in mir die spinnerte Idee auf, ich könnte doch selbst ein solches Buch schreiben. Dass ich dann Anfang 2016 einen Verlag fand, der sofort an diese Idee glaubte und sie in den darauffolgenden knapp 12 Monaten in einer tollen Zusammenarbeit mit mir umsetzte, war ein großer Glücksgriff. Viel Glück hatte ich auch während der Buchentstehung, als dank eines gnädigen Petrus‘ sehr viele Bilder für die Fotoprojekte im Buch entstanden sind. 

Mit Erscheinen des Buches Ende Februar 2017 hatte ich natürlich gehofft, viele Menschen damit inspirieren zu können. Offenbar hat diese Nische der Fotografie dann aber doch sehr viel mehr Menschen interessiert, als der Verlag und ich angenommen hatten! Das war natürlich toll – und bestätigte mich in meiner anfänglichen Einschätzung über diese „Marktlücke“. Seit einigen Jahren gebe ich mein Wissen daher nicht nur in Form meines Buches weiter, sondern auch in diversen Workshops und Seminaren. Es macht mir einfach unheimlich Spaß, die Begeisterung in den Augen der Teilnehmer zu sehen und sie bei ihren ersten Schritten zu begleiten. Solange das Interesse an solchen Workshops weiter so groß ist, möchte ich diese auch zukünftig anbieten und thematisch erweitern. So kamen in diesem Jahr ein Workshop zu erweiterten Techniken der Astrofotografie mit einfachen Mitteln oder ein spezielles Deep-Sky-Seminar hinzu. Als Idee für die Zukunft schwebt mir ein Astrofoto-Workshop auf La Palma vor, der unter früheren Workshop-Teilnehmern schon auf großes Interesse gestoßen ist. Neben diesen persönlichen Veranstaltungen – die in der aktuellen Zeit ja ohnehin etwas schwierig sind – reizt es mich aber definitiv auch, diese Themen in weitere Bücher o.ä. zu gießen und somit eine größere Zielgruppe erreichen zu können. Ich werde aber weiterhin meinem Motto „einfache Mittel“ treu bleiben.  

Die Region um Rho Ophiuchi bzw. Antares im Sternbild Skorpion.
Canon EOS 6Da (astromodifiziert)   |   200 mm   |   f3.5   |   60 sek   |   ISO 3.200
Stacking aus 106 nachgeführten Einzelaufnahmen

Gibt es ein Lieblingsfoto, oder ein Lieblingserlebnis, an dem du unsere Leser teilhaben lassen möchtest?
Puh, das ist keine so leichte Frage, bei all den Erlebnissen der letzten sechs Jahre! Unabhängig von tollen Orten, die ich in dieser Zeit besuchen durfte, blieb mir aber ein Ereignis in diesem Jahr am tiefsten im Gedächtnis: der Komet Neowise zusammen mit Leuchtenden Nachtwolken. Am Abend des 10.07.2020 wollte das Wetter und mein Equipment zunächst nicht so richtig mitspielen. Frustriert fuhr ich zu einem anderen Spot und wollte mich auf Grund dichter Wolken kurz im Bett meines Campers schlafen legen. Beim letzten prüfenden Blick aus dem Dachfenster traf mich dann aber fast der Schlag, denn mit einem Mal waren die Wolken abgezogen und gaben den Blick auf die Leuchtenden Nachtwolken und den Kometen frei. Ein unglaublicher Anblick! Einen Kometen mit bloßem Auge so deutlich zu sehen, war mir bisher noch nicht vergönnt gewesen. Und so entstand schließlich ein für mich sehr emotionale Foto dieser zwei für sich genommen schon seltenen Himmelsereignisse und meinem geliebten Camper, der mich nun schon auf so vielen tollen Touren begleitet hat.

Dieser Orionnebel war mein erstes Deep Sky Foto. Das Objekt eignet sich sehr gut für Einsteiger in die nachgeführte Astrofotografie.
Canon EOS 70D   |   300 mm   |   f4.5   |   35 sek   |   ISO 800
Stacking aus 94 nachgeführten Einzelaufnahmen

Ganz bestimmt ein unvergessliches Erlebnis! Offensichtlich muss man für die Astrofotografie viel Wissen und Erfahrung sammeln, oder? Was sind die typischen Stolpersteine und Hürden, denen Einsteiger gegenüberstehen? Hast du auch selbst Rückschläge erlebt?
Ja, ich kenne keinen Astrofotografen, der nicht schon einmal frustrierende Erlebnisse hatte, bei denen er am liebsten alles in die Ecke geworfen hätte. Das häufigste Problem für Einsteiger ist aus meiner Sicht eine zu hohe Erwartungshaltung. Diese wird sicherlich von zahlreichen tollen Bildern im Internet geweckt, deren genaue Entstehung häufig nicht klar ist. Leider gibt es auch immer mehr Fake-Bilder, die mit der Wirklichkeit nicht mehr viel zu tun haben. Eine Milchstraße aus Namibia passt nunmal schlecht über die Schweizer Alpen. Als Einsteiger kann man dies jedoch nicht sofort erkennen, so dass sich schnell Frust über die eigenen Ergebnisse breitmachen kann. Hinzu kommt dann noch die Herausforderung, das eigene Equipment auch richtig bedienen zu können. Ganz typisches Frustpotential bieten hierbei das genaue Fokussieren bei Nacht oder das sogenannte „Einnorden“ der Reisemontierung. Und hat man dann mal vermeintlich gute Bilder im Kasten, steht man vor der nächsten Hürde: der Nachbearbeitung. Für ein gelungenes Astrofoto müssen also eine Menge Dinge berücksichtigt werden, angefangen von der Planung, über die Aufnahme, bis hin zur Bearbeitung. Genau diese drei Dinge beschreibe ich daher Schritt-für-Schritt in den 16 Fotoprojekten in meinem Buch. Eines kann eine genaue Erklärung jedoch nicht ersetzen: die eigene Routine! Daher gilt in der Astrofotografie aus meiner Sicht noch stärker als in anderen Genres der Fotografie: Übung macht den Meister! 

Natürlich habe auch ich diverse Rückschläge erlebt, aus denen ich aber schlussendlich gelernt habe und die ich auch offen in meinen Workshops weitergebe. Unbrauchbare Bilder durch Tau auf der Linse oder einem versehentlich noch aktiven Bildstabilisator sind nur zwei Bespiele dafür.  

Als hellstes Objekt am Nachthimmel ist der Mond ein beliebtes Einsteigermotiv – hier mit dem sogenannten
„goldenen Henkel“, der einmal im Monat zu sehen ist.

Canon EOS 70D   |   420 mm (300 m + 1,4x Extender)   |   f6.7   |   1/125 sek   |   ISO 100

Folgefrage: Wie gelingt ein einfacher Einstieg, mit relativ einfachen Mitteln? Welche Objekte sind gute Anfängerprojekte?
Viele möchten direkt mit einem der schönsten Motive des Nachthimmels einsteigen – der Milchstraße, bzw. ihrem fotogenen galaktischen Zentrum. Da es hierfür jedoch sehr dunkel sein muss und der Standort eine wichtige Rolle spielt, empfehle ich dieses Motiv nicht unbedingt als Einstiegsprojekt. Wichtig ist es erst einmal, die grundlegenden Aufnahmetechniken zu beherrschen und erste Erfahrungen in der Nachtfotografie zu sammeln. Dazu eignen sich Motive in der Blauen Stunden oder bei Mondlicht aus meiner Sicht besser. Auch der Mond selbst ist ein attraktives und einfaches Einsteigerobjekt, da er sehr hell ist. Ist man dann sicher im Scharfstellen bei Nacht und kennt die Stärken und Schwächen seines Equipments, dann kann man sich langsam an dunklere Motive wagen. 

In deinem Blog und Buch geht es auch oft um längere Reisen – sogar mit Camper! Warum ist Camping und Astrofotografie so gut zu vereinen, welche Vorteile ziehst du daraus?
Meine ersten Camping-Erfahrungen als Fotograf machte ich Ende 2015 – damals noch mit einem geliehenen Bulli. Wenn ich meinen heutigen Campingbus mit den früheren Reisen mit PKW und Hotel vergleiche, weiß ich gar nicht mehr, wie ich so lang ohne einen Camper leben konnte! Als Astrofotograf kann ich an vielen Spots direkt nach einer langen Fotosession in (m)einem bequemen Bett übernachten. Und nicht nur das, ich kann mich vor allem auch in kürzester Zeit wieder aufwärmen, mir etwas zu essen kochen oder anderen menschlichen Bedürfnissen nachgehen. Während der manchmal nicht vermeidbaren Wartezeiten oder Schlechtwetterphasen kann ich die Zeit perfekt für die Bildbearbeitung, dem Schreiben oder andere Arbeiten an meinem Laptop nutzen. Die Stromversorgung für die zahlreichen elektronischen Geräte, die ein Fotograf so dabeihat, ist dabei auch gesichert. Einer der größten Vorteile ist aber definitiv die Flexibilität, je nach Wetter, Lust und Laune das nächste Ziel auszusuchen – oder auch mal kurzfristig zu „flüchten“. 

Dieses Bild zeigt den Kometen Neowise sowie leuchtende Nachtwolken am
Horizont und entstand bei Mondschein in der Nähe meines Wohnorts Braunschweig.
Sony A7III   |   50 mm   |   f2   |   5 sek   |   ISO 1.600

Ferne Länder mit absoluter Dunkelheit sind ja schön und gut. Du berichtest aber auch von Nordlichtern hier in Deutschland! Was kannst du uns hierüber sagen und hast du sie schon ablichten können?
Ja, besonders starke Polarlichter können durchaus auch in Deutschland oder sogar bis in die Alpen zu sehen sein. Wobei „sehen“ hier meist eher im Sinne der fotografischen Sichtbarkeit zu verstehen ist – für das menschliche Auge sind sie in der Regel nicht sichtbar. Ich selbst habe 2015 und 2016 Polarlicht in (Nord-)Deutschland fotografieren können. Aktuell sind solche Vorkommen statistisch gesehen eher unwahrscheinlich, da wir uns im Minimum eines sogenannten Sonnenfleckenzyklus befinden. Dieser hat Einfluss auf die Häufigkeit und Intensität der Polarlichtvorkommen. 2003 – zum Höhepunkt eines solchen Zyklus – gab es beispielsweise einen extrem starken sogenannten geomagnetischen Sturm, der Polarlicht bis zur Alpensüdseite, der türkischen Riviera und Teneriffa sichtbar machte. 

Vielen Dank und clear skies! 

Zehn kurze Fragen:

Hast du ein Lieblingssternbild?
Fotografisch ist definitiv die Region um Antares im Sternbild Skorpion am reizvollsten! 

Von wo aus genießt du den Sternenhimmel am liebsten? Im Bett liegend aus dem Dachfenster meines Campers, während draußen die Kamera ihre Arbeit verrichtet.

Welches Buch liest du gerade?
Momentan leider keines, da ich nicht zum Lesen komme.

Was ist für dich das größte Geheimnis des Universums? Ob es außerirdisches, intelligentes Leben gibt. Wobei, wollen wir das wirklich wissen?

Fotografierst du mit üblichen Linsen-Objektiven oder mit speziellen Spiegelteleskopen? Ich fotografiere ausschließlich mit normalen, möglichst lichtstarken Fotoobjektiven – sowohl im Weitwinkel- als auch Telebereich.

Warum? Ich mag die Faszination, was man mit einfachen Mitteln sichtbar machen kann. 

Astrofotografie ist für dich vor allem… Faszination und Leidenschaft.

Welchen Ausrüstungsgegenstand legst du dir als nächstes zu? Aktuell bin ich eigentlich wunschlos glücklich – ich sollte mich vielleicht eher etwas reduzieren.

Und welche Anschaffung hat sich dagegen nicht gelohnt? Mit der unter Astrofotografen beliebten Sony A7s wurde ich leider nie richtig warm. Sie macht jetzt einen anderen Fotografen glücklich. 

Gehst du manchmal auch tagsüber ganz normal in die Berge? Ja, sehr gern sogar – ich liebe die Berge! Die Fotospots für die Nacht müssen ja schließlich auch gefunden werden!

Mehr von Katja im Internet unter:
www.nacht-lichter.de
www.facebook.com/katjaseidelnachtlichter
www.instagram.com/nacht_lichter

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