Hinter der Linse: Laura Oppelt

Stimmungsvolle, grandiose Fotografien ziehen uns unweigerlich in ihren Bann. Keine schnellen Schnappschüsse, sondern wirkliche Kunstwerke, Eyecatcher, entstanden in stundenlanger Outdoor-Arbeit und später am Computer. Oft stecken hinter den Bildern keine geschulten Profis. Es sind Hobbyfotografen, deren digitale Arena das soziale Netzwerk ist. Die besten Bilder verbreiten sich wie Lauffeuer und werden mehr und mehr gepusht. So schlägt der digitale Fototrend rasend schnell um sich. Aber wer steckt wirklich hinter den tollsten Bildern? Wer nimmt so viel Zeit und Mühe für ein einziges Bild auf sich? Wieder blicken wir hinter die Linse, stellen Fragen und zeigen die schönsten Werke.

Laura Oppelt

Laura, 19 Jahre jung, kommt ursprünglich aus Windach in Oberbayern. Nach ihrem Abitur 2017, ergriff sie die Chance und lebt seitdem als Au-Pair in Norwegen. Vier Jahre davor ging ihr Erspartes für die erste Spiegelreflexkamera drauf. Es folgten erste Foto-Versuche und mit den Jahren entwickelte sie ihren ganz eigenen Stil. Drei Jahre stetige Arbeit waren dafür nötig, aber fotografieren lernt man eben nicht von heute auf morgen! Dass man aber auch als Fotografin nie ausgelernt hat, zeigt sich in ihrer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Fotografisch wie technisch. Trotz aller technischen Neuerungen blieb Laura aber ihrem anfänglichen Grundsatz treu: Fotografieren um zu erleben. Momente festzuhalten und Erinnerungen zu bewahren. 

Hallo Laura. Wann hast du die Fotografin in dir entdeckt? Gibt es ein besonderes Schlüsselerlebnis?
Ja, das war im Dezember 2014, als meine Eltern mit mir zum Walchensee fuhren. Das war meine erste richtige Fototour abseits von Zuhause. Als ich dort in einer komplett neuen Gegend fotografierte, merkte ich, wie viel Freude mir das bereitete. Das war genau das, was ich von nun an machen wollte! Seitdem versuche ich mich kontinuierlich zu entwickeln und lerne stetig dazu. Fotografieren ist für mich ein schöner, spannender und nie enden wollender Prozess.

Das erklärt deine Motivation! Gibt es noch andere Gründe, die dich an der Fotografie fesseln?
Die größte Motivation ist einfach das Erleben von außergewöhnlichen Momenten und Situationen, die ich ohne das Fotografieren vielleicht nie gehabt hätte. Und auch wenn bei einer Tour mal kein gutes Bild gelingt, bin ich einfach froh und dankbar, draußen unterwegs gewesen zu sein. Da zählt das Erlebte für mich mehr als das finale Ergebnis in Form einer gelungenen Aufnahme. Die sozialen Netzwerke sehe ich dabei eher als Inspiration, denn als Motivation. Was meine Aufnahmen angeht, versuche ich gerade, einen eigenen Stil zu entwickeln und probiere vieles aus.

Erzähl doch ein wenig über deine bisherigen Höhepunkte.
Mein persönliches fotografisches Highlight war ein Sonnenuntergang auf einem einsamen Gipfel der Färöer Inseln. Ganz unerwartet kam alles zusammen und plötzlich war die Stimmung grandios!
Jedoch habe ich an fast alle Touren gute Erinnerungen und tue mich generell schwer, Lieblingsbilder auszuwählen. Denn jede Aufnahme hat seine eigene Geschichte und seinen eigenen Moment, der damit in Verbindung gebracht wird. Über die kleinen Erfolge bei Wettbewerben und speziell meine Kooperation mit The Heat Company bin ich auch sehr stolz und dankbar!

Fotografie in den Bergen ist nicht immer einfach. Was für einen Aufwand nimmst du in Kauf? Haben die Berge dir schon einmal Grenzen aufgezeigt? 
Der Aufwand ist ganz unterschiedlich und kommt vor allem auf das Wetter und die Zeit an. Manchmal bin ich nur zum Sonnenaufgang unterwegs. Das sind dann kürzere Touren – vielleicht drei Stunden im Aufstieg – da lässt sich auch das Wetter gut abschätzen. Wenn ich mir aber mal den  Luxus gönne in den Bergen zu übernachten, sind die Touren oft ein bisschen länger. Die Herausforderung liegt für mich darin, abseits des Trubels an Orte zu gelangen, wo ich die Natur und das Fotografieren voll und ganz genießen kann. An meine Grenzen kam ich schon einmal, als ich mit knapp 20 kg Equipment auf dem Rücken eine steile Felsstufe absteigen musste. Kurz bekam ich es mit der Angst zu tun, aber es ist alles gut gegangen.


Mit welcher Ausrüstung fotografierst du in den Bergen?
Ich fotografiere mit einer Canon 6D und in den meisten Fällen mit dem 16-35 mm f/4 Canon Weitwinkel. Ergänzend dazu habe ich ein 24-105mm Allround-Zoom und seit neuestem für meine Nachtaufnahmen ein 20mm f/1.4 von Sigma. Dieses Setup zusammen wiegt schon etwa drei Kilogramm, dazu noch Stativ und Zubehör. Alles in allem ist das nicht gerade das, was man unter Leichtgewicht versteht. Daher versuche ich, das Gewicht beim Camping-Equipment so gering wie möglich zu halten. Zum Beispiel mit einem ultraleichten Schlafsack von Mountain Hardwear.

Viele deiner Bilder haben einen ähnlichen Look. Wie schafft man das? 
Und wie viel Nachbearbeitung steckt in deinen Bildern?
Oft arbeite ich mit der klassischen Gestaltung aus Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Ich setze auch gerne Personen mit ins Bild, um eine Verbindung zum Betrachter herzustellen. Bei der Nachbearbeitung geht es mir schlicht darum, das Bild aufzuwerten und evtl. das rauszuholen, was ich vor Ort empfunden habe, was auf dem Bild aber nicht ganz zur Geltung kommt. Fotografie ist Kunst und daher subjektiv, ohne klare Regeln. Ich für meinen Teil versuche, das Bild nah an der Realität zu halten, von aufwendigen Composings bin ich nicht so begeistert.  Generell bevorzuge ich einen eher düsteren, entsättigten Bildstil. Ich liebe die Mystik dramatischer Bilder. Letztendlich bestimmt aber die Natur, mit welchen Stimmungen man vor Ort arbeitet.


Wie bereitest du dich auf Foto-Touren vor?
Da ich mir wahnsinnig gerne Wanderkarten ansehe oder in Bergführern blättere, kommen viele Tourenziele auf diese Weise zusammen. Manchmal habe ich schon eine bestimmte Idee im Kopf, wenn ich zu einer Location wandere, aber oft entscheidet sich erst vor Ort, was genau ich fotografiere. Insgesamt versuche ich, einen Mix aus schon bekannten, oft gezeigten „Klassikern“ und neuen, unbekannten Spots zu schaffen.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Stehen größere Projekte auf dem Plan?
Wenn ich wieder zurück in Deutschland bin, werde ich eine Ausbildung als Werbefotografin beginnen. Ob danach noch ein Studium folgt, wird sich zeigen. Generell wäre es ein absoluter Traum, irgendwann nur von der Fotografie leben zu können. Feste Pläne verfolge ich allerdings nicht, das lasse ich spontan angehen. Reisen wie z.B. nach Kanada, Neuseeland oder Südamerika wären absolute Traumprojekte. Vielleicht lässt sich das eine oder andere ja innerhalb der nächsten 10 Jahre realisieren…


Wie bist du da hingekommen wo du  jetzt bist? Hast du Tipps für anstrebende Fotografen?
Spaß an der Sache ist das A und O. Auch wenn ich es selbst nur zu gut kenne, absolut frustriert zu sein, wenn etwas nicht funktioniert wie gewünscht. Nehmt die reinen Ergebnisse nicht zu wichtig. Genießt auch die Momente unterwegs und seid dankbar dafür, diese erleben zu können. Geduld und Leidenschaft zahlen sich aus, dann geht es schrittweise voran.

Zehn kurze Fragen.

Bergsee oder Gipfelkreuz? Bergsee!

Mountainbike oder Tourenski?Weder noch.

Hüttenübernachtung oder Zeltnacht?Bei gutem Wetter immer mit Zelt!

Frühaufsteher oder lieber den Sonnenuntergang fotografieren?Frühaufsteher!

Weitwinkel oder Tele?Weitwinkel

Steinbock oder Edelweiß?Steinböcke habe ich noch nie gesehen, daher das.

Improvisation oder alles durchgeplant? Improvisation

Landkarte und GPS-Gerät oder frei Schnauze ins Gelände?Von allem etwas, aber Wanderkarte ist ein Muss.

Weitwandern oder lieber hoch hinaus? Weitwandern mit Abstechern nach oben.

Lieblingsberg/Lieblings-Fotospot?Herzogstand

Mehr von Laura im Internet unter:
www.laura-oppelt-photography.de
www.facebook.com/lauraoppeltphotography
www.instagram.com/oppdager

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