Hinter der Linse: Robert Haasmann

Titelbild: Moschusochsen im Schneesturm, Norwegen.
NIKON D5   |   500.0 mm f4   |   500 mm   |   f5.6   |   1/800 sek   |   ISO 2.500

Der Bartgeier gehört mit zu den seltensten Greifvögeln Europas, lange Zeit galt er sogar als ausgestorben. Die letzte dokumentierte Tötung geschah 1914 im italienischen Aostatal, dann blieb der Bartgeier viele Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden.

Ein Bartgeier gleitet entlang einer Felswand im Wallis, Schweiz.
NIKON D5   |   500 mm f4   |   700 mm   |   f8   |   1/3.200 sek   |   ISO 800

Erst in den 80er Jahren startete man Projekte und versuchte mit Hilfe von gezielten Auswilderungen einen neuen Bestand aufzubauen, eine stabile Population zu sichern. Heute fangen diese Projekte langsam an zu greifen. Der Bartgeier kommt zurück. Immer wieder gibt es Sichtungen der majestätischen Tiere, deren Flügelspannweite bis zu drei Meter betragen kann. Trotzdem aber leben im gesamten Alpenbogen derzeit geschätzt nur etwas mehr als 200 dieser Tiere. Ein Bartgeier ist Robert Haasmann vor die Linse geflogen. Ebenso wie dem Fotografen ein wilder Bär vor die Kamera lief. Ihm hat ein verschmitztes Murmeltier entgegengegrinst. Moschusochsen trotzten vor seiner Kamera der eisigen Kälte des norwegischen Winters. Und ein zerzauster Steinbock mit abgebrochenem Horn schräg entgegengelugt.

Wie solche Bilder entstehen, was dahintersteckt und welche Motivation ihn antreibt, darüber haben wir uns mit dem Wildlife-Fotografen unterhalten.

Hallo Robert! Stell dich doch bitte erst einmal unseren Lesern vor. 
Ich bin 1982 in Salzburg am Rande der Alpen geboren und aufgewachsen. Nach der Matura habe ich einige Jahren in Wien gelebt, bevor es mich wieder zurück nach Salzburg gezogen hat. Ich war immer schon naturverbunden und es hat mich nach draußen gezogen. Entweder war ich am Berg unterwegs oder habe eine Runde mit dem Bike gedreht. Auch Tiere zu beobachten hat immer einen Reiz auf mich ausgeübt. Irgendwann wollte ich dann diese Momente festhalten und mit anderen teilen. Ab dann bin ich vermehrt mit der Kamera losgezogen und habe die Fotografie mehr und mehr in mein Leben eingebaut. Statt im Hörsaal auf der Uni zu sitzen, habe ich draußen nach Eisvogelbruthöhlen und Seeadlerhorsten gesucht, meine Reiseziele wurden nach fotografischen Kriterien ausgewählt. Ich habe die Naturfotografie einige Jahre intensiv als Hobby betrieben, bevor ich damit mein erstes Geld verdient habe. Irgendwann musste ich mich entscheiden und seit diesem Tag bin ich Vollzeit-Naturfotograf. Vor Beginn der Pandemie war ich durchschnittlich um die 280 Tage im Jahr unterwegs, das hat sich allerdings schlagartig geändert.

Professioneller Naturfotograf, das klingt wie ein Traum. Ist es das auch? Oder besteht der Job womöglich gar nicht nur aus eindrücklichen Naturmomenten und tagelangen Wanderungen in der Einsamkeit?

Für mich ist es absolut mein Traumberuf und ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen, den ich lieber machen würde. Ich sehe es auch gar nicht als Beruf im klassischen Sinn, Naturfotografie ist zu einem Teil meines Lebens geworden, das gehört einfach zu mir und das bin ich. Es heißt aber nicht, dass mein Job nur aus tollen Momenten draußen in der Natur besteht und ich von einem Land zum nächsten reise oder den ganzen Tag damit verbringe, wilde Tiere zu fotografieren. Wie in jedem Job steckt eine Menge an Büroarbeit dahinter. Bilder ausarbeiten, für Projekte recherchieren und sich vernetzen, Marketing, Aufträge ans Land ziehen, Artikel schreiben…. Es gibt außerdem derzeit eine große Fotoschwemme am Markt, sodass die Preise ständig am Sinken sind. Nur noch wenige Fotografen können ausschließlich durch den Verkauf von Naturfotos leben. 

Mittlerweile hast du sogar einige Preise abräumen können. Herzlichen Glückwunsch dafür! Welche Preise – und natürlich noch spannender mit welchen Bildern – hast du gewonnen? 

Steinböcke beim spielerischen Kräftemessen im Nationalpark Hohe Tauern, Österreich.
NIKON D800   |   300.0 mm f2.8   |   300 mm   |   f4   |   1/640 sek   |   ISO 800

Es ist natürlich toll, wenn eines meiner Bilder bei einem renommierten Wettbewerb ausgezeichnet wird und es bedeutet immer auch etwas Aufmerksamkeit für die eigene Arbeit. Ganz besonders gefreut habe ich mich über meine erste Auszeichnung bei einem internationalen Wettbewerb. Eines meiner Bilder wurde damals, vor bald 10 Jahren, bei einem großen und bekannten Naturfoto-Wettbewerb in Deutschland ausgezeichnet. Auf einmal war eines meiner Bilder in den Reihen mit Fotografen, deren Arbeit ich bis dahin bewundert habe.

Eines der Bilder, das bei Wettbewerben sehr erfolgreich war, ist ein etwas außergewöhnliches Foto eines kleinen Murmeltiers. Es schaut neugierig aus einer Menge großer Murmeltiere genau in meine Linse. Dadurch, dass ich den großen Murmeltieren den Kopf abgeschnitten habe, erhält das Bild eine nicht ganz alltägliche Wirkung.

Tierfotografie ist doch ein recht spezielles Feld der Fotografie. Was reizt dich?
Ich beobachte einfach gerne Tiere in der Natur, das ist ein starker Antrieb bei mir. Es braucht in vielen Fällen ein großes Wissen über das Tier und vor allem über das Verhalten eines Tieres, um an gute Fotos zu kommen. Und man muss viel Ausdauer mitbringen, denn oft machen die Tiere halt nicht das, was man gerne möchte. Tage, an denen kein Foto entsteht, gehören einfach dazu und sind Teil des Ganzen. Dann freu ich mich aber immer noch über die Zeit draußen in der Natur, irgendwas gibt’s immer zum Beobachten. Besonders wichtig ist mir auch, dass mein Einfluss auf das Tier so klein wie möglich bleibt. Ich möchte weitestgehend natürliches Verhalten zeigen und es nicht stören. Ein Foto kann gar nicht so gut sein, dass es einen Schaden für das Tier oder die Umwelt rechtfertigen würde.

Braunbär beim Lachsfang im Katmai Nationalpark, Alaska.
NIKON D5   |   200-500 mm f5.6   |   480 mm   |   f5.6   |   1/1.600 sek   |   ISO 500

Gab es dabei auch besondere Schlüsselmomente?
Ich habe das große Glück eine Vielzahl an für mich genialen Momenten erleben zu dürfen. Zu Beginn waren es die Begegnungen mit der Tierwelt in den heimischen Bergen. Eine Gams mit Kitz oder Steinböcke bei den Rangordnungskämpfen, das hat mich ebenso begeistert wie der Eisvogel in der Au neben meinem Wohnort in Salzburg. Später ist dann das Reisen dazugekommen. Da ist mir mein erster Wolf, dem ich an einem Fluss im Katmai Nationalpark in Alaska begegnet bin, in Erinnerung. Abends hat er immer noch versucht Lachse zu fangen, während ich vor meinem Zelt eine Packung Trekking Nahrung aß und ihn beobachtete. Oder meine erste Begegnung mit einem Bären am Yukon in Kanada. Damals hatte ich noch gar keine Ahnung im Umgang mit Bären und war dementsprechend aufgeregt. Diese Begegnung mit dem Bären war sehr prägend für meine Arbeit. Ich bin seitdem noch öfters zu den Bären in Alaska und Kanada zurückgekehrt und habe sie fotografiert.

Seeadler in einem norwegischen Fjord.
NIKON D850   |   200-500 mm f5.6   |   260 mm   |   f5.6   |   1/6.400 sek   |   ISO 1.250

Was sind die Schattenseiten der Wildlife-Fotografie? 
Die Fotografie hat sich in den letzten Jahren durch Instagram, Facebook und andere Plattformen sehr verändert. Sie ist teilweise zu einem Massenprodukt geworden und ich habe oft den Eindruck, dass Natur nur noch konsumiert wird. Als sehr bedenklich sehe ich diese Entwicklung dort, wo sie auf Kosten der Natur oder von Tieren stattfindet. Wenn sensible Vegetation einfach achtlos niedergetrampelt wird, weil immer mehr Leute zu einem Fotospot pilgern, der bekannt wurde. Wenn Fotografen beispielsweise wilde Hamster mit giftigen Beeren füttern, weil es halt am Foto gut ausschaut oder Tiere bei der Aufzucht ihrer Jungen so weit gestört werden, dass diese das Nest aufgeben, dann steuern wir in die komplett falsche Richtung. Oft bekommen diese Fotos online dann auch noch großen Zuspruch und ziehen weitere Nachahmer an.

Hier gibt es viele Beispiele, die ich selbst erlebt habe und die ich aufzählen könnte. Das Foto muss schnell entstehen und man nimmt sich nicht mehr die Zeit dafür, das Verhalten und die Lebensweise des Tieres zu lernen oder seinen Impact kritisch zu hinterfragen. Hauptsache man selbst hat ein tolles Foto, ohne dabei an die Auswirkungen für die Natur oder das Tier zu denken.

Als persönlichen Tiefpunkt könnte man dann am ehesten die Tatsache bezeichnen, dass ich selbst Teil dieses „Problems“ bin. Mit jedem Foto, dass ich zeige, motiviere ich Nachahmer. Hier ein besseres Bewusstsein zu schaffen ist mir ein großes Anliegen. Für mich sollte Naturfotografie dazu beitragen, die Menschen für den Schutz von Natur zu sensibilisieren. Standorte, von denen ein Foto aufgenommen wurde, teile ich nur noch von den bekannten Plätzen, die man sowieso kennt. Gerade bei meinen Workshops habe ich da auch die Möglichkeit, um im persönlichen Gespräch zu sensibilisieren. 

Eisstrukturen vor Norwegens Nationalberg.
NIKON D850   |   16-35 mm f4   |   16 mm   |   f14   |   1,3 sek   |   ISO 64

In welchem deiner Fotos steckt wohl die meiste Arbeit?
Das waren ganz klar die Weitwinkelaufnahmen der Bären in Slowenien. Ziel war es, die Bären in ihrem Lebensraum zu zeigen. Man sollte auf den ersten Blick sehen, dass der Bär in einem mitteleuropäischen Mischwald zuhause ist und nicht irgendwo in den Weiten Kanadas. Bis hier die ersten brauchbaren Fotos entstanden sind, hat es lange gedauert. Umgesetzt habe ich das mit DSLR-Weitwinkel Fotofallen. 

Mein erstes Setup wurde aber auch gleich einmal von einem Bären zerlegt: Der Bär hat über 300 Selfies von sich gemacht, wie er mein Setup von Kamera, Infrarotauslöser und mehreren Blitzen abbaut. Die zerstörte Kamera habe ich dann gut 70 Meter neben dem ursprünglichen Platz gefunden. Einzig die Speicherkarte ist noch heil geblieben.

Alpenglühen auf den Bergen der Hohen Tauern, Österreich
NIKON D5   |   18-35 mm f3.5-4.5   |   20 mm   |   f13   |   1,3 sek   |   ISO 100

Das muss ein herber Rückschlag gewesen sein!
Ja, daraufhin bin ich vorsichtiger geworden und habe alles besser gesichert. Die ersten Ergebnisse haben trotzdem auf sich warten lassen und die Lernkurve war steil. Man glaubt gar nicht was da alles schief gehen kann. Ein Sturm kann Äste und Gräser so stark bewegen, dass diese den Auslöser irritieren und die Kamera so lange Fotos macht bis entweder der Akku leer ist oder die Speicherkarte voll. Das Gras um die Kamera wächst so hoch, dass es den Blick versperrt, eine Maus kann ein Kabel durchbeißen oder man hat einen Bärenhintern im Bild, weil dieser von der falschen Richtung durch das Setup läuft… Ich glaube im ersten Jahr ist kein einziges Bild entstanden, mit dem ich richtig zufrieden war. Später hatte ich dann drei Setups an unterschiedlichen Orten im Einsatz. Bei denen musste ich alle 1-2 Wochen die Akkus wechseln, die Speicherkarten auslesen und kontrollieren, ob noch alles steht und funktioniert. Wenn ich eine Foto-Idee in einem Jahr nicht umsetzen konnte, habe ich es im nächsten Jahr weiter versucht. So sind dann über die Jahre Fotos wie der Bär im Bärlauchwald oder der Bär über den Wäldern mit Blick auf ein Dorf entstanden.

Berninagruppe und Persgletscher bei Vollmond, Schweiz.
NIKON D850   |   14 mm f1.8   |   14 mm   |   f2.5   |   10 sek   |   ISO 200

Woher genau kommt denn das große Interesse an den Bären Mitteleuropas und was hat sich daraus entwickelt?
Zusammen mit 2 Foto-Kollegen bin ich 2015 nach Südslowenien gefahren, um Bären zu fotografieren. Wir haben von dieser Möglichkeit gehört und sind ohne große Erwartungen hingefahren. Als wir dann dort im Wald in einem Versteck saßen, ist plötzlich ein Bär vorbeispaziert. Wir waren vollkommen begeistert. Dort leben keine 150 Kilometer Luftlinie von Österreich entfernt ein paar Hundert Bären, der Wald sieht aus wie zuhause und das nächste Dorf ist gleich nebenan. Wenn es bei uns ein Bär über die Grenze schafft, dann herrscht beinahe Ausnahmezustand, aber dort scheint das niemanden zu interessieren. Das hat uns fasziniert und dem wollten wir auf den Grund gehen. Daraus ist das Bärenprojekt und schlussendlich auch das Buch entstanden. Über vier Jahre haben wir an dem Projekt gearbeitet und wollten sowohl einen Einblick in das Leben der Bären im dichtbesiedelten Mitteleuropa geben als auch die Koexistenz zwischen Großraubtier und Mensch in den Mittelpunkt rücken.

Neben den Alpen findet man auch viele Bilder von dir, die in Skandinavien, Alaska oder Island geschossen wurden. Wonach wählst du deine Ziele aus und gibt es eine Wunsch-Foto-Reise, die du noch nicht angetreten hast?

Wenn in den letzten Jahren nicht Neuseeland dazugekommen wäre, könnte man wohl sagen, dass ich meine Reiseziele daran auswähle, wie weit nördlich sie sind. Seit meiner ersten Reise nach Skandinavien vor 16 Jahren zieht es mich einfach immer wieder in den Norden unseres Planeten. Die raue und wilde Landschaft, weit weg von der Zivilisation fasziniert mich ebenso wie die teils noch intakte Tierwelt. Ich bin auch nicht der Typ, der so viele Länder oder Orte wie möglich abhaken muss, sondern ich komme gerne an Orte zurück, um tiefer einzutauchen oder sie beispielsweise bei einer anderen Jahreszeit kennenzulernen.

Ziele für eine Wunsch-Foto-Reise gibt’s trotzdem viele. Ganz oben auf der Liste steht definitiv die Hocharktis. 

Eishöhle unterm Morteratschgletscher, Schweiz.
NIKON D850   |   14 mm f1.8   |   14 mm   |   f16   |   1,6 sek   |   ISO 64

Man kann ja auch mit dir persönlich auf eine Fotoreise gehen. Wie genau sieht das aus?
Ich habe vor über zehn Jahren zusammen mit einem Kollegen die Naturfotowerkstatt gegründet. Mittlerweile sind wir ein Reisebüro und bieten Fotoreisen und Fotoworkshops mit dem Schwerpunkt Naturfotografie an. In einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten geht’s zu spannenden Plätzen wie beispielsweise nach Island, zur Nordlichtjagd auf die Lofoten oder in die malerische Toskana. Die Fotoreisen dauern meist eine Woche und ich bringe die Teilnehmer zu vorher von mir fein säuberlich ausgewählten Plätzen, die perfekt zum Fotografieren sind. Wenn jemand Tipps beim Finden des Bildausschnitts oder Hilfe mit der Technik braucht, dann stehe ich mit Rat zur Seite und manchmal wollen die Leute auch nur mir etwas über die Schulter schauen, um so einen Einblick in meine Arbeitsweise zu bekommen. An einem regnerischen Nachmittag oder am Abend in der Unterkunft, beschäftigen wir uns dann mit der Bildbearbeitung und besprechen einige Fotos in Feedbackrunden. 

Für viele Teilnehmer ist der Grund für die Fotoreise auch einfach der, dass sie sich so einmal eine Woche nur auf das Fotografieren konzentrieren können. Wenn man mit nicht fotografierenden Partnern unterwegs ist, bleibt da oft nicht ausreichend Zeit fürs Hobby.

Mir selbst machen die Fotoreisen und Fotoworkshops viel Spaß. Ich komme dadurch mit so vielen interessanten Leuten in Kontakt und lerne selbst auch viel dabei. Das ist ein schöner Aspekt meiner Arbeit.

Abendstimmung im Nationalpark Hohe Tauern, Österreich.
NIKON D850   |   16-35 mm f4   |   16 mm   |   f11   |   1/2 sek   |   ISO 64

Kannst du uns einen Einblick in deine Ausrüstung geben? Was muss wann in den Rucksack?
Ui, da hat sich über die Jahre viel angesammelt… Ich fotografiere hauptsächlich mit Kameras und Objektiven von Nikon. Die D5 und die D850 sind meine beiden Hauptkameras. Bei der D5 kann ich sehr hohe ISO Werte verwenden und der Autofokus ist extrem schnell und treffsicher, deshalb setze ich sie hauptsächlich in der Tierfotografie ein. Die D850 ist meine Allroundkamera für Landschafts- und Reisefotografie. 

Für die Tierfotografie setze ich meist das Nikon AF-S 500/4 Teleobjektiv ein. Das ist in Bezug auf die Abbildungsqualität top, sehr schnell und kann gut mit einem 1,4-fach Telekonverter kombiniert werden. Ich merke aber auch wie ich mich in letzter Zeit immer öfter für das Nikon AF-S 200-500/5,6 entscheide. Das ist deutlich leichter und am Berg oder auf Reisen ist das natürlich ein großer Vorteil.

Ein stabiles Stativ darf bei mir auch nie fehlen und bei der Landschaftsfotografie setze ich meist auch Filter, wie einen Polfilter oder Graufilter, ein. Und natürlich wird das alles noch von einer Unmenge an Kleinzeug und Spielereien ergänzt. 

Zukünftig möchte ich bei meiner Ausrüstung aber weiter Gewicht einsparen, das macht mich einfach flexibler bei der Arbeit. Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan und meine nächste Kamera wird wohl eine spiegellose Systemkamera werden und keine Spiegelreflexkamera mehr. Auch die dazugehörigen Objektive sind da um einiges leichter.

Neugieriges Murmeltier, Österreich.
NIKON D800   |   16-35 mm f4   |   16 mm   |   f8   |   1/400 sek   |   ISO 400

Was kannst du unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Ich glaub das Wichtigste ist einfach so viel draußen sein wie möglich. Wer Freude an der Natur hat und Ausdauer mitbringt, der wird auch zu guten Ergebnissen kommen. Um bei der Tierfotografie nicht nur zu Glückstreffern zu kommen, ist es wichtig, viel über das Verhalten des Tieres zu wissen. Vielleicht kennt man ja einen Jäger oder Förster, der einen mitnimmt oder Tipps gibt, der örtliche Fotoclub kann ebenfalls eine gute Anlaufstelle sein, ansonsten kann man sich auch in vieles einlesen. 

Gute Landschaftsfotos leben oft durch eine spezielle Lichtstimmung. Ich fotografiere da besonders gern zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Wolkenlosen, blauen Himmel im kontrastreichen Mittagslicht meide ich. Außerdem gibt es mittlerweile unzählige APPs und andere kleine Helferlein, die schon zuhause am Computer bei der Planung helfen. 

Gibt es momentan auch wieder große Projekte, an denen du arbeitest?
Die Pandemie hat da einiges über den Haufen geworfen. Plötzlich war es nicht mehr möglich wie gewohnt zu Reisen und da musste ich meine Arbeit natürlich anpassen und auch Projekte in Neuseeland und Skandinavien auf Eis legen. Ich war dafür im letzten Jahr recht intensiv in der Schweiz unterwegs, habe dort viel Zeit verbracht und viel fotografiert. Dabei habe ich eine tolle Natur und einige recht wilde Plätze kennengelernt und in den letzten Jahren sind hier auch wieder Großraubtiere wie Wolf und Luchs heimisch geworden. Da werde ich dranbleiben und habe auch schon eine konkrete Vorstellung wie ich das in ein schönes Projekt fasse. 

Lieben Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei deinen zukünftigen Projekten!

ZEHN KURZE FRAGEN:

1. Hast du einen Lieblings-Fotospot?
Da gibt’s wirklich zu viele…

2. Und ein Lieblings-Fototier?
Bären!

3. Welchen Gipfel hast du zuletzt bestiegen?
Nur kleinere Trainingsberge in der Nähe.

4. Zu welcher Jahreszeit fotografierst du am liebsten?
Winter, knapp gefolgt von dem Herbst

5. Welches Buch hast du als letztes gelesen? 
10xDNA von Frank Thelen

6. Welches Tier möchtest du unbedingt noch vor die Linse bekommen?
Einen Bären bei mir zuhause in den Salzburger Bergen.

7. Deine nächste Fotoreise geht wohin?
Hängt vom Verlauf der Pandemie ab. Wahrscheinlich nach Norwegen.

8. Tierfotografie bedeutet für dich…
Freude und Verantwortung.

9. Welche Workshops gibst du am liebsten?
Auf den Lofoten-Workshop freue ich mich jedes Jahr am meisten.

10. Wenn du gerade nicht fotografierst, findet man dich…
… beim Bilder bearbeiten oder Location scouten.

Interview: Benni Sauer

Mehr von Robert im Internet unter:
www.roberthaasmann.com
instagram.com/roberthaasmann
facebook.com/Robert.Haasmann.Photography

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