Hinter der Linse: Roman Königshofer

Klick, klick. Berge und Meer. Sommer und Winter. Tag und Nacht. Mit der Maus navigiere ich durch die Galerie, ohne den berühmten roten Faden zu finden. Nepal und dann wieder Italien. Ein Portrait, eine Landschaftsaufnahme, ein Auto. 

Dann stellt sich aber ein Gefühl ein. Mehr eine Stimmung, die sich wie ein unsichtbarer Nebel über die Bilder legt. Ich beginne nach der Wurzel dieser Gestimmtheit zu suchen, in den Farben und Motiven. Finden werde ich sie letztendlich aber in den Momenten. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, als der Auslöser betätigt wurde. Ein Surfer, als wäre er zu Eis erstarrt. Braune, lange Haare, die hinter der dicken Kapuze hervorblitzen, während die ersten Sonnenstrahlen die Pupillen zum Leuchten bringen. Und ein tief eingeschneiter Berggipfel. So hoch, dass er die dicken Wolken durchdringt und weit oben im Himmel leuchtet.

Es sind die Momente, dich mich fesseln, die aber auch Fragen stellen.
Ob es kalt war? Wer ist die Frau, mit den leuchtenden Augen?
Wie sich der Moment wohl angefühlt hat? Klick, klick.

Die Antworten auf diese Fragen kennt Roman Königshofer. Der gebürtige Österreicher weiß um die Wirkung seiner Bilder. Weil er schon als junger Sportler viel fotografierte und nicht zuletzt auch durch seine berufliche Laufbahn. Mit ihm möchte ich mich über seine Arbeit unterhalten.

Mehr von Roman im Internet unter: www.romankoenigshofer.com
www.instagram.com/rawmeyn  |  www.facebook.com/romankoenigshofer

Hallo Roman. Stell dich doch bitte erst einmal kurz vor.
Ich bin 36 Jahre alt, komme ursprünglich aus der Steiermark, wohne jetzt aber in Innsbruck und arbeite heute hauptsächlich als Fotograf. Beruf und Hobby haben sich bei mir aber immer schon überschnitten. Mit 13 Jahren fing ich an zu Skate- und Snowboarden. Dadurch entstand damals schon die Motivation, Tricks meiner Freunde per Foto und Video festzuhalten. Als ich mir dann mit 19 Jahren das Kreuzband riss, kippte ich so richtig in die Foto- und Videobranche hinein. Ich produzierte mit Freunden unsere eigenen Projekte. Nach dem Abitur wollte ich dann etwas Kreatives studieren. So kam ich nach Graz und studierte Design.

Ein perfekter Powdertag in den Kitzbuehler Alpen. Never ending treeruns…

Sony A7RIII, FE 24-70 mm F2.8 GM
ISO 200, 1/1.600 sec, f4.5, Brennweite 64 mm

Du bist also in gewisser Weise deinem Talent gefolgt. Wie ging es weiter?
Über die verschiedensten Wege, dem Grafikdesign, Webdesign und der Fotografie, kam ich zum Motiondesign und dem Film. Damit verdiente ich mir in den ersten Jahren auch mein Geld und konnte den Job auch gut mit dem Reisen verbinden. Da waren zum Beispiel Sport Events wie die Surf World League für RedBull.TV, aber auch eigene Dokumentationen. Die Fotografie schwang als Hobby immer mit.

Ich hatte lange Zeit kein Smartphone und entdeckte somit auch Instagram erst spät. Als ich aber anfing, meine Fotos dort zu zeigen, nahm alles seinen Lauf. Der Account wurde größer und man wurde auf mich aufmerksam. Dadurch bekam ich auch bald die ersten fotografischen Job-Anfragen. 

Croda da Lago in den Dolomiten bei Cortina d’Ampezz im Herbst.

Sony A7RII, FE 24-70 mm F2.8 GM
ISO 100, 1/160 sec, F8, Brennweite 47 mm

Deinen Bildern nach zu urteilen scheinst du viel unterwegs zu sein! Ist es das, was dich antreibt?
Ich bin leidenschaftlicher Surfer und als Österreicher muss man dann reisen! So verschlug es mich zuerst nach Europa an die Atlantikküste. Es folgten Reisen nach Mittelamerika, Marokko und auch Indonesien, um Wellen zu finden. Mit dabei ist natürlich immer meine Kamera und ich wachse von Tag zu Tag mehr mit meinen Aufgaben.

Mit dem Aufkommen von Instagram und meinem Account dort, wurde mir natürlich auch einiges ermöglicht. Letztendlich treibt mich aber die pure Motivation und Leidenschaft an. Wenn man ein Thema hat, wofür man brennt, fällt es mir leicht dranzubleiben und sich darin weiter zu entwickeln.

Winterwonderland Zillertaler Alpen. Pick your line…

Sony A7RIII, FE 70-200 mm F4 G OSS
ISO 100, 1/1.250 sec, F5.5, Brennweite 175 mm

Hauptsächlich die Berge scheinen es dir angetan zu haben. Was findest du in den Bergen?
Ja, die Berge sind vor meiner Haustüre. Aber das ist natürlich nicht alles. Da oben hat man einfach noch seine Ruhe und es ist jedes Mal wieder schön auf dem Berg zu sein. Bei jedem Wetter! Der Berg gibt dir so viel, zeigt dir aber auch immer wieder deine Grenzen. Wenn man dann mal echt aus der Komfortzone austritt, sich eine Weile nicht in hundertprozentiger Sicherheit bewegt, lernt man extrem viel über sich selbst. Solche Touren sind die besten. Im warmen Zuhause darüber zu sprechen und sich die Fotos anzusehen, ist immer wieder ein schönes Gefühl. Beim Surfen ist es übrigens ähnlich! 

Vor den Vajolet-Türme in der Rosengartengruppe. Ein Traum fuer Kletterer.

Sony A7RII, FE 16-35 mm F4 ZA OSS
ISO 200, 1/100 sec, F8, Brennweite 16 mm

Erzähl uns doch etwas mehr über das Filmen. Zum Beispiel das Mammut Eiger Projekt. Was genau war dort deine Aufgabe dabei?
Wie gesagt komme ich vom Filmen. Das war neben dem Sport mein größtes Hobby als Teenager. Mit dem Filmen kann man super Geschichten erzählen und Emotionen einfangen. Die Kombination mit Musik macht es letztendlich auch so spannend. So kann man dem Ganzen eine x-beliebige Dynamik verpassen. Das Mammut Projekt war einfach ein Job. Ich machte gemeinsam mit einem Kollegen die Organisation, Produktion und Post-Produktion des Filmchens. Ein Riesenspaß mit guten Freunden würde ich im Nachhinein sagen. Ich persönlich filmte einige Szenen, hatte die Postproduktion (Schnitt, Grafik, Animation) als Aufgabe.

Wenn im Winter alles passt. Hier ging es vom Hintertuxer Gletscher runter zum Schlegeis Stausee. 

Sony A7RII, FE 70-200 mm F4 G OSS
ISO 200, 1/2.000 sec, F6, Brennweite 162 mm

Je nachdem, ob du fotografierst oder filmst, wirst du sehr unterschiedliche Ausrüstung dabeihaben. Kannst du uns einen kurzen Einblick in dein Equipment geben?
So unterschiedlich ist die heute eigentlich nicht mehr. Ich bin derzeit auf Sony unterwegs. Fotografiere mit der A7RIII und filme kleine Projekte auch damit. Mit dabei sind Optiken von 16mm bis 400mm. Sollte ich für größere Produktionen bessere Videokameras brauchen, werden diese gemietet. Das geht zum Glück sehr unkompliziert.

Surfen im 5 Grad kalten Wasser. Moeglich auf den Lofoten in Norwegen. 

Sony RX100 IV, 24-70 mm F1.8-2.8
ISO 500, 1/1.600 sec, F5, Brennweite 23 mm

Wie fotografierst du genau? Nimmst du einfach alles mit, was du auf einer Bergtour erlebst? Oder steckst du dir genaue Ziele, die du abhakst? Wie organisierst du deine Arbeit?
Das kommt ganz darauf an, ob ich privat oder für einen Job/Projekt in die Berge gehe. Wenn ich privat unterwegs bin, fotografiere ich nicht so viel. Da muss schon die Stimmung und die Bedingungen passen. Dabei habe ich mein Equipment aber fast immer!
Beruflich am Berg habe ich natürlich eine Liste im Kopf (oder im Handy) was ich alles brauche, welche Bereiche ich mit Fotos/Videos abdecken muss, um die Geschichte gut und vollständig erzählen zu können. 

Sonnenausfgang auf der Hochgrubbachspitze in Suedtirol. Endlich warme Sonnenstrahlen im Gesicht.

A7RII, FE 55 mm F1.8 ZA
ISO 100, 1/1.250 sec, F3.5, Brennweite 55 mm

Und was bedeutet für dich die digitale Nachbearbeitung?
Ohne geht’s nur extrem selten, würde ich sagen. Wer heute RAW-Dateien fotografiert, muss nacharbeiten! Es ist Teil des Ganzen und der Fotograf verpasst damit den Fotos auch seinen eigenen Look, seinen Fingerabdruck, wenn man es so nennen will.
Natürlich kann das auch ausgelagert werden. Aber auch hier kommt es wieder auf den Job/Projekt an. Das ist immer alles sehr individuell.

Mitten in der Ueberschreitung des Obergabelhorns in der Schweiz. Eine Traum Hochtour!

Sony A7RII, FE 16-35 mm F.28 GM
ISO 100, 1/1.250 sec, F6.3, Brennweite 21 mm

Neben der Landschafts- bzw. Bergfotografie findet man in deinem Portfolio auch einige Portraits und Produktaufnahmen.
Ja, wenn ich mit Freunden draußen unterwegs bin, mach ich sehr gerne spontane Portraits. So kommen oft die authentischsten Bilder zustande. Das macht einfach Spaß! Klar gehören Portraits und natürlich auch Produktaufnahmen zu meinem Job. Produkte zu shooten und dabei die Umgebung, für welche sie vorgesehen sind zu integrieren, hat für mich einen besonderen Reiz. 

Sonnenuntergang auf der Lamsenspitze im Karwendel. 

Sony A7RIII, FE 24-70 mm F2.8 GM
ISO 320, 1/250 sec, F3.5, Brennweite 31 mm

Was waren bisher deine größten Erfolge? Gab es einen ganz bestimmten „Durchbruch“?
Ehrlich gesagt: Nein! Ich bin mitten drin! 

Und stehen in Zukunft schon Projekte an? Hast du besondere Wünsche oder Ziele?
Ich bin eigentlich ein ziemlich bodenständiger Mensch. Im November werde ich zum ersten Mal Vater. Das wird ein paar Dinge verändern. Darauf freue ich mich! Ich werde weniger reisen, und habe meine Reisen auch dieses Jahr schon stark eingeschränkt. Zuhause gibt’s ja auch ohne Ende Plätze zu entdecken.

Ich habe viele Ziele. An oberster Stelle steht aber die Gesundheit. Ich bin so froh nun wieder halbwegs fit zu sein, denn in den letzten Monaten verfolgte mich eine Pechsträhne. Unter anderem habe ich mir auch die Schulter ausgekugelt. Mittlerweile darf ich aber endlich wieder klettern. Projekte und Berge gibt es genug! Ich würde auch gern noch in die Westalpen reisen, zum Bergsteigen, bevor der Winter da ist…

Sonnenaufgang im Karwendel. Im Tal unterm Nebel ist es noch eher dunkel um die Uhrzeit…

A7RII, FE 24-70 mm F2.8 GM
ISO 200, 1/400 sec, F4, Brennweite 44 mm

Was kannst du unseren Hobbyfotografie-Lesern mit auf den Weg geben?
Es ist eigentlich nicht so schwer „coole“ Outdoor-Fotos zu machen. Wichtig ist es, dass man sich hinaus in die Natur begibt. Wenn man dort dann noch zur richtigen Zeit ist, ist es eh fast schon erledigt. Das sind zwei einfache Zutaten, die aber doch oft viel von einem verlangen. Zum Beispiel, um einen Sonnenaufgang am Berg zu erleben und zu fotografieren. Dafür muss man Kompromisse eingehen und ein wenig arbeiten. Wenn man dann dort ist, schafft auch der Automatik Modus jeder Kamera ein ganz nettes Bild.

MontePelmo (3168 m) gehört zu den höchsten Gipfeln der Dolomiten. 

A7RII, FE 70-200 mm F4 G OSS
ISO 320, 1/200 sec, F6.3, Brennweite 186 mm

Zehn kurze Fragen:

Berge oder Meer? Beides, sorry!
Sonnenauf- oder Untergang? Aufgang ist oft spannender.
Dein Lieblingsfotoland? Nepal.
Winter auf Ski oder lieber Sommer auf dem Surfbrett? Winter am Surfbrett ist top!
Hast du ein selbstgemachtes Lieblingsfoto? Nein, kein bestimmtes, nur einige Favoriten.
Dein bisher höchster Berg? Lobuche East in Nepal (6119m)
Und der schönste? Vllt. das Zinalrothorn?
Lieblingsobjektiv? 70-200mm
Tirol ist für dich: sportlich und mit hoher Lebensqualität!
Welches Buch liegt auf deinem Nachttisch? Eine kurze Geschichte der Menschheit. -Harari

Abendessen wir gekocht bevor es in den Schlafsack geht. Mitten in den Julischen Alpen. 

Sony A7RIII, FE 16-35 mm F2.8 GM
ISO 320, 1/200 sec, F3.5, Brennweite 19 mm

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