Hinter der Linse: Willi Roth

Eine Kamera gehört bei den meisten von uns schon zur Grundausrüstung für eine schöne Bergtour. Unterwegs bleiben tolle Erinnerungen hängen. Vielleicht nimmt der ein oder andere auch noch ein Steinchen vom Gipfel mit nach Hause. Ein kleines Andenken als Souvenir. Aber was, wenn es ein Bild ist? Ein Foto, geschossen ganz spontan und ohne große Vorbereitung? Und was, wenn sich dieses Foto im Internet verbreitet und es dort fast eine halbe Million Menschen zu sehen bekommen? Genau so erging es Willi Roth. Ein Bild, nur ein Klick und er stand mit beiden Beinen fest in der digitalen Foto-Szene. Wie er dazu kam, was in antreibt und vieles mehr, haben wir ihn dieses Mal bei „Hinter der Linse“ gefragt.

Willi Roth

Wilhelm Roth, der am liebsten einfach nur Willi genannt wird, wurde 1986 in Siebenbürgen, im Herzen Rumäniens geboren. Im Alter von vier Jahren zog seine Familie mit ihm nach Deutschland und seit 15 Jahren ist Kaufbeuren im Allgäu sein Zuhause.
Eigentlich Maschinenbautechniker in einer Metallgießerei, entdeckte er vor einigen Jahren die Leidenschaft Berge zu besteigen und zu fotografieren. Als es ihn erst einmal gepackt hat, ließ es ihn nicht mehr los und so wurde beim Klettern und Biwakieren immer häufiger das Draußen zu seinem Zuhause.

Häufig nachts und am liebsten im Winter unterwegs, findet er dabei seine ganz eigenen Abenteuer. Auf Tour, so sagt er, will er die Dinge eben anders machen. Etwas besonderes erleben und sein eigenes Ding durchziehen.

Hallo Willi! Erzähl uns doch von deinen bisher tollsten Foto-Momenten.
Besondere Momente, die mich berührt und begeistert haben, gab es ganz viele. Ganz besonders jedoch war Anfang des Jahres eine Nacht-Ski-Tour auf den Tegelberg mit grandiosen Bildern. Als ich diese dann veröffentlicht habe, gab es für mich einen echten WOW-Moment. Ich kleiner Fisch hatte mit meinen Bildern über 450.000 Menschen erreicht und das war für mich ein Zeichen auf dem richtigen Weg zu sein, um Menschen mit meinem Tun zu begeistern.

Ein toller Erfolg! Ist es auch das, was dich antreibt?

Meine eigentliche Motivation ist viel mehr die Sucht und das Finden von Momenten puren Glücks dort oben und draußen. Wenn dabei auch noch coole Bilder entstehen, ist es natürlich total genial und man hat schöne Souvenirs zum mit nach Hause nehmen. Ich habe keine Lust irgendwelchen Zahlen, Instagram-Fotospots, Trends oder sonst etwas hinterher zu jagen. Ich möchte gern für mich etwas Besonderes erleben, es festhalten und mit anderen Menschen teilen.

Diese Einstellung hat dich weit gebracht!
Du hast es sogar ins Fernsehen geschafft?
Ja genau. Das war sozusagen mein größter Erfolg bisher. Ich war bei „Wir in Bayern“ im Bayrischen Rundfunk zu Gast. Das war ein abgefahrenes Erlebnis und ich empfand es auch als eine Ehre, dass sie genau mich eingeladen hatten.
Aber auch das „Springfoto“ vom Aggenstein auf dem Felsen und das, wo ich am verschneiten Tegelberg auf dem Grat stehe, sind für mich große Erfolge. Das Foto vom Aggenstein hat es sogar zum Titelbild eines Magazins geschafft.

Wenn der Winter erst einmal Einzug in den Bergen gehalten hat, ist für viele die Bergsaison vorüber. Du fängst dann erst richtig an. Das muss doch ein unglaublicher Aufwand sein, oder stößt du auf Grenzen?

Der größte Aufwand ist es meistens einfach nur viel mehr Gepäck dabei zu haben. Gerade eben im Winter genug warme Sachen und oft auch ein Zelt. Die Kamera Ausrüstung kommt dann noch on Top. Da komm ich schon öfter mal auf bis zu 25 Kg Gepäck. Meine Grenzen versuche ich dabei fast jedes Mal aufs Neue zu erkunden. Im Winter ist meine Grenze der Moment, wenn bei der Kälte die Feinmotoring meiner Hände flöten geht. Denn um die Kamera zu bedienen, muss ich die Handschuhe manchmal ausziehen. Es ist also auch eine Frage wie weit man seine Komfortzone verlassen mag und wie Leidensfähig man ist.

25 Kilogramm sind viel. Erzähl uns doch etwas über deine Ausrüstung.
Neben den Kameras von Panasonic und Fujifilm, ist mein wichtigster Ausrüstungsgegenstand ein Kocher für meine Weißwurst und ein Bier als Belohnung auf dem Gipfel. So viel Spaß und Luxus muss sein. Natürlich kommen da noch einige Weitwinkel- und Teleobjektive oben drauf.
Im Winter braucht man aber noch mehr:
Steigeisen, Schneeschuhe oder seit 2017 auch Tourenski. Eispickel, die richtigen Klamotten und ein gutes Ultralight-Zelt sind mindestens genauso wichtig, wie der richtige Schlafsack und eine erstklassige Isomatte.

Schnee, Berggipfel und Sternenhimmel haben es dir anscheinend angetan. Aber wie sieht für dich das perfekte Foto aus?
Für mich ist das A und O der Bildaufbau. Ein gutes Bild muss rund sein, muss einen Verlauf haben, damit das Auge wandern kann. Man muss sich darin verlieren können und gebannt sein. Ein Bild sollte auch Emotionen wecken können und Tiefgang haben und dem Betrachter das erlebte Gefühl vermitteln können.
Was für mich ein totales NoGo ist, sind Fotomontage und Fakebilder, die man als echte und natürliche Fotos verkauft und die Menschen damit verarscht. Ich möchte mit meinen Bildern für Echtheit, Natürlichkeit und Authentizität stehen und niemanden hinters Licht führen.

Wie genau entstehen deine Bilder?
Sehr oft entstehen meine Bilder einfach aus dem Moment heraus, ohne viel zu recherchieren. Höchstens wann und wo die Sonne auf und untergeht. Sehr hilfreich sind aber dennoch Webcams, die aktuelle Bilder aus den Bergen liefern, um besser abzuschätzen, wann es sich lohnt loszuziehen und wann nicht. Mit steigender Erfahrung mach ich mir dann auch oft mehr Kopf über den einen oder anderen Shoot. Klar lasse ich mich auch manchmal gerne durch andere inspirieren, aber grundsätzlich mach ich einfach mein eigenes Ding.

Wohin führt dein Weg als Fotograf?
Hast du besondere Ziele im Blick?
Zukunftspläne gibt es nicht wirklich. Ich mache einen Schritt nach dem anderen wie bisher und schaue was noch alles auf mich zukommt. Das Letzte Jahr war so Ereignisreich, dass ich denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich ziehe einfach weiterhin mein Ding durch und schmücke mein Leben weiter mit Momenten des Glücks aus den Bergen. Ein kleines Projekt für den kommenden Winter hab ich dennoch. Zwei, drei Wochen nur mit Zelt und weitestgehend autark, weit oben in den Bergen zu leben. Tagsüber Ski fahren und abends Fotos machen. Und versuchen nicht zu erfrieren…

Welche Tipps hast du für Foto-Anfänger? Möchtest du uns etwas mit auf den Weg geben?
Ehrlichkeit und Respekt der Natur und den Menschen gegenüber ist, finde ich, ein guter Leitsatz in jeglicher Lebenslage. Nicht nur in der Fotografie. Das Glück, der Erfolg oder was auch immer man sich erwünscht, kommt dann meistens ganz von alleine. Grundsätze wie Bildaufbau und Goldener Schnitt wirken oft Wunder. Bilder in RAW aufzunehmen und sich mit der Bildbearbeitung anzufreunden ist wichtig. Etwas Glück für gutes Licht gehört aber natürlich auch mit dazu.
Und das wichtigste ist, das ein oder andere einfach nur genießen!

Ein paar kurze Fragen.

Über oder unter der Waldgrenze? Im Wald ist Platz fürs Wild, nicht fürs Zelt.

Sonnenaufgang auf dem Gipfel oder ausschlafen? Sonnaufgang, aber halbwegs am Gipfel ausschlafen.

Sportliche Hochtour oder gemütliche Hüttenwanderung? Keins von beidem, aber trotzdem sportlich mit viel Gepäck.

Ultraleichte Ausrüstung oder klassisch und schwer? Ein Mix aus beidem.

Das Allgäu ist für dich ___ und ___? Das Allgäu ist für mich der größte und schönste Outdoorspielplatz.

Lieblings-Fotospot? Ja, Tegelberg und Aggenstein.

Improvisation oder alles durchgeplant? Die Mischung machts.

Mountainbike oder Tourenski? Ganz klar, Tourenski.

Weitwinkel oder Tele? Meist Weitwinkel.

Mehr von Willi im Internet unter:
www.williroth.de
www.instagram.com/willi_roth
www.facebook.com/Willi.Roth.Foto

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