Hütten-Wirrwarr

Titelbild: © DAV | Hauke Bendt

Eingeschränkte Übernachtungsmöglichkeiten seit Anfang Juni wieder möglich

Das ganze Frühjahr strahlte schon die Sonne über den Alpen. Fast überall schmolzen die Schneefelder, Hüttenwanderungen und Bergtouren sind längst wieder möglich. Und trotzdem: Einsam waren sie in den letzten Monaten, die Berggipfel, auf die wir so gerne gestiegen wären. Die Corona-Pandemie, genauer gesagt die daraus resultierenden Ausgangsbeschränkungen, ließen einen Aufenthalt in den Bergen schnell unmöglich werden. Und jetzt, wo langsam die Hütte wieder öffnen, parallel dazu auch noch die Regulierungen gelockert werden, da herrscht großes Chaos. Wo darf ich hin? Welche Regeln gelten? Und öffnen überhaupt alle Hütten?

Die höhergelegenen Hütten haben derzeit ohnehin noch geschlossen. Hier wird hinter verschlossenen Türen mit Hochdruck an Lösungen gearbeitet. Denn die Hygienevorgaben, die im Tal ohne größeren Aufwand umgesetzt werden können, stellen für viele Wirte ein Ding der Unmöglichkeit dar. 1,5 Meter Abstand im Matratzenlager? Strenge Auflagen in den Sanitärräumen? Wie genau solche Regeln eingehalten werden sollen, ist noch nicht überall abschließend geklärt. Feststeht aber, dass Übernachtungen nur mit vorheriger Reservierung möglich sind und zusätzlich auch ein eigener Schlafsack, Bettlaken und Kissenbezug mitgebracht werden müssen. Es erklärt sich von selbst, dass eine tägliche Reinigung der gesamten Bettwäsche für eine Berghütte nicht zu stemmen ist. Übrigens: Ein Hüttenschlafsack reicht diesen Sommer wohl nicht aus. Es muss schon ein richtiger, wärmender Schlafsack sein, denn die Hütten dürfen keine Decken ausgeben und müssen noch dazu aufgrund des Infektionsschutzes die ganze Nacht über die Fenster geöffnet lassen. 

Niedriggelegene Hütte durften jedoch schon in den letzten Tagen schrittweise öffnen. Auch wenn oft noch keine Übernachtungen möglich waren, wurden die Gäste provisorisch auf den Terrassen verköstigt und auch die Brotzeit-to-go ist derzeit ein gern angenommenes Hintertürchen, welches den Wirten wenigstens etwas Geld in die Kassen bringt. Andere Schutzmöglichkeiten könnten dagegen schon bald ein großes Loch in die Hüttenkasse reißen: Viele Hütten können nur noch die Hälfte der Schlafplätze anbieten, manche sogar noch weniger. Die Kenzenhütte im Naturschutzgebiet der Ammergauer Alpen beispielsweise, verfügt momentan sogar über gar keine Übernachtungsmöglichkeit. Das läge hauptsächlich daran, dass eine Übernachtung mit den momentanen Regulierungen schlicht nicht wirtschaftlich sei. Glücklicherweise aber besuchen viele Tagesgäste die schöne Hütte, die am einfachsten mit den kleinen Kenzenbussen zu erreichen ist. Diese Busse dürfen wie gewohnt fahren und Gäste in das Kenzengebiet transportieren. Einzige Auflage: Ein Mundschutz muss getragen werden. Dass jetzt, wo die Regulierungen gelockert werden, die Menschen erst recht in die Natur wollen, spürt man übrigens auch auf der Kenzenhütte deutlich: Schon früh morgens waren am vergangenen Pfingstwochenende die Parkplätze im Tal überfüllt. Klares Statement der Wirtinnen: „Solche Wochenenden kennen wir eher aus den Hochsommermonaten. Mehr geht einfach nicht!“

Verhaltensregeln Corona auf Hütten, Fotoshooting Priener Hütte © DAV | Hauke Bendt

Kein Wunder also, dass der DAV gerade jetzt darum bittet, auch weniger frequentierte Gebiete zu besuchen. Doch bei all dem Chaos es fällt selbst dem Deutschen Alpenverein schwer, einen Überblick zu behalten. Im Zweifelsfall rät dieser, sich einfach selbst bei der jeweiligen Hütte schlau zu machen, denn die Situation ist von Land zu Land, von Haus zu Haus unterschiedlich. Nicht jede Berghütte verfügt über eine geräumige Außenterrasse. Nicht jedes Haus kann die nötigen Maßnahmen gleich gut umsetzen. Manche Bergbahnen stehen noch immer still, andere Fahren bereits unter bestimmten Auflagen, wie beispielsweise die Tegelberg-. Breitenberg- und Buchenbergbahnen, in der Hotspot-Region Füssen. 

Übrigens: Wer dem Hütten-Wirrwarr entfliehen möchte und sich kurzerhand mit dem Schlafsack auf eigene Faust ein ruhiges Plätzchen in der Natur sucht, der sei gewarnt! Wildcampen ist in den Bayrischen Alpen grundsätzlich ein sehr heißes Eisen, in Naturschutzgebieten in jedem Fall verboten und im allgemeinen meist nur Bergsteigern in einer gewissen alpinen Zwangslage gestattet. Mit einer vermehrten Kontrolle der einschlägig bekannten Hotspots ist also zu rechnen.

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