Ich dreh am Rad!

Mit dem E-Bike durch die Kitzbüheler Alpen.

Es gibt Alpenregionen, die sind einfach wie geschaffen für bestimmte Sportarten. Skifahrer finden ihr
Mekka auf den Gletschern der Schweiz. In den Ötztaler Alpen trifft sich die Hochtourengemeinde. Kletterer pilgern in die Dolomiten. Und Biker? Biker radeln natürlich in den Kitzbüheler Alpen!

40.000 Höhenmeter. Mehr als 1.000 Kilometer Radwege, von denen 800 Kilometer MTB-Routen und Trails sind. Wer sich zum Biken für die Kitzbüheler Alpen entscheidet, hat allen Grund dazu. Von Anfang Mai bis Ende Oktober geht hier die Bikesaison und oft sogar noch darüber hinaus. Seit vier Jahren hat der Bike-Hotspot nun aber auch noch ein ganz besonderes Extraschmankerl: Den KAT Bike – einmal quer durch die Kitzbüheler Alpen. 

Kurt Tropper, der Mann hinter dem KAT Bike, sitzt schon startbereit auf dem Sattel, als ich noch schnell meinen frisch geladenen Akku in den Fahrradrahmen klicke. Sicher, die drei oder vier Etappen des KAT Bikes können nach Belieben variiert werden. Insgesamt 130, oder 180 Kilometer? 2.800 oder stramme 6.200 Höhenmeter? So viel wie möglich möchte ich sehen, drum entscheide ich mich auf der dritten Etappe der Ferntour für akkuunterstützte 50 Kilometer und 1600 Höhenmeter. Eine gewaltige Strecke für ungeübte Biker wie mich und schon der erste Anstieg bringt mich ordentlich ins Schwitzen. Trotz E-Bike, denn es gilt Strom zu sparen. Kurt dagegen scheint im Takt seines Ruhepuls zu fahren, erklärt mir dabei lässig, wie der KAT Bike zustande kam, was ihn ausmacht und wie gut der Gepäcktransport funktioniert. Wer den KAT Bike bucht, kann nämlich tagsüber mit einem kleinen Rucksack biken, während im nächsten Hotel schon die Reisetasche wartet. Humorvoll vergehen so die ersten 700 Höhenmeter und das obwohl Kurt ganz offensichtlich lieber ein Wort zu wenig als zu viel verliert. 

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Anstatt vom KAT Bike zu schwärmen, hat sich Kurt offensichtlich vorgenommen, ihn mir ganz einfach von seiner schönsten Seite zu präsentieren. Und so kurbeln wir wortlos die letzten Meter zur Wiegalm hinauf, die genau auf dem Sattel zwischen Gaisberg und Gampenkogel liegt. Hier öffnet sich der Blick und erst jetzt merke ich, wie weit hinauf wir uns in den letzten 60 Minuten geschraubt haben. Weit und offen liegen die Kitzbüheler Alpen vor uns. Wie schön es hier ist! Während einer kühlen Erfrischung geht der Blick weit hinab bis nach Aschau. Dahinter erhebt sich der Hahnenkamm, selbst von hier oben noch zweihundert Meter über uns hinaus. Dort hinten, in weiter Ferne, ist auch der höchste Punkt unserer heutigen Nachmittagsetappe zu sehen. Nach dem frühmorgendlichen, schattigen Start in Brixen im Thale genießen wir aber zunächst noch ein wenig die Sonne und den Weitblick hier oben, bis wir eine dünne Jacke überziehen, uns wieder auf die Sättel schwingen und bergabrauschen. Bis zu diesem Moment war für mich ein Mountainbike mehr Mittel zum Zweck. Lange Zustiege über Asphaltstraßen habe ich auf zwei Rädern abgekürzt, ebene Talhatscher bei den letzten Frühlingsskitouren angenehm minimiert. Heute aber finde ich etwas ganz Neues auf dem Rad. Die sportliche Herausforderung, der schnelle Wandel der Aussicht, gewürzt mit der Action der Abfahrt, wird mich das Mountainbiken schon auf dem ersten Trail packen. Und der wartet sogleich hinter der Hütte: Der Wiegalm Trail. Kurze steinige Passagen wechseln hier mit bewurzelten Erdpfaden, für meinen ersten Trail gerade im richtigen Schwierigkeitsgrad. Auf 1.600 Metern sammle ich so meine Trailerfahrung und stehe nur einige Minuten später im Tal. Auch Kurt Tropper genoss den Geschwindigkeitsrausch und während wir am Ufer der Aschauer Ache verschnaufen, planen wir unseren Weiterweg. 

Der ist allerdings schnell festgelegt, denn Tropper schlägt ein zünftiges Mittagessen auf der Ochsalm vor. Ich bejahe sofort, nicht nur weil mittlerweile mein Magen knurrt, sondern auch weil ich weiß, dass hinter der Ochsalm der nächste Trail auf uns wartet. Also rauf auf den Sattel und reintreten in die Pedale. Dank Elektromotor vergehen die 500 Höhenmeter wie im Fluge und wir können dabei schon fast zusehen, wie der Talgrund hinter uns in der Tiefe verschwindet. Eine leckere Forelle und zwei Radler später, schiebt mich der Akku die letzten 200 Höhenmeter des Tages hinauf. Mit maximaler Motorunterstützung ist das nun wirklich keine Meisterleistung mehr. Kurt dagegen nutzt augenscheinlich die Chance, um eingeheimste Kalorien quasi direkt vor Ort wieder zu verbrennen. Immer wieder schiele ich auf seinen Akkustand, der selbst jetzt nach 1600 Höhenmetern kaum Saft verloren hat.

Sanft rollen wir daraufhin schon wieder bergab, vorbei an der Ehrenbachhöhe und der Bergstation der Hahnenkammbahn. 2019 neueröffnet wartet hier der Hahnenkamm Trail auf uns. Etwas anspruchsvoller als der Wiegalm Trail soll er sein, aber immer noch im Schwierigkeitsgrad S1 – also leicht. Anfangs sausen wir noch über die saftigen Almwiesen, bis uns der Wald verschluckt. Vorsichtig durch die Kehren zuckelnd, fühle ich mich schon bald zwischen den Baumstämmen richtig wohl und nutze die natürlichen Gegebenheiten des Trails, um so richtig in Schwung zu kommen. Was für ein Spaß! Als Traileinsteiger genieße ich die Abfahrt in vollen Zügen, doch der Übermut wird schnell bestraft: Einige Wuzeln, versteckt hinter einer Geländekuppe, werfen mich fast vom Trail. Konzentration und eine gesunde Einschätzung des eigenen Könnens ist bei der Abfahrt absolute Voraussetzung! Wer sich das nicht zutraut, findet aber auch immer eine einfachere Umfahrung. Der KAT Bike ist ja schließlich für alle da!

Im Wald des Hahnenkammtrails aber kann ich nicht einfach nur den Berghang hinabrauschen. Immer wieder bleibe ich stehen, verstaue mein Rad schnell hinter den Bäumen und zücke die Kamera. Denn der Trail macht nicht nur Spaß, sondern bietet eine Vielzahl gutmütiger Fotospots. Zwischen hellgrünen Farnen und den alten Fichtenstämmen des Waldes ist letztendlich fast nur ein gutes Timing von Nöten und schon ist ein actiongeladenes Erinnerungsfoto im Kasten. Wer hier nicht genug bekommt, einen Fotospot verpasst hat, oder einfach noch eine Trainingseinheit braucht, der steigt am Ende des Trails einfach in die Hahnenkammbahn und wiederholt die MTB-Gaudi.

Wir dagegen rollen durch die schöne Kitzbüheler Innenstadt, dem Römerweg entlang, bis nach Oberndorf, wo wir schon im Penzinghof empfangen werden. Kurt hat mir auf den letzten Metern nicht nur die alternativen KAT Bike-Möglichkeiten erklärt, sondern auch von seiner zweiten großen Leidenschaft, dem Kochen erzählt. Der Biker, Touristiker und Hobbykoch ging deswegen schon vor zwölf Jahren einen großen Schritt und gründete die KochArt-Betriebe. Eine Vereinigung von mittlerweile 22 Betrieben der Kitzbüheler Alpen, die sich gemeinsam für Regionalität und Nachhaltigkeit in der Gastronomie, dem Tourismus und der Landwirtschaft stark machen. Und einer dieser Betriebe ist der Penzinghof. Familie Linder empfängt hier gerne die Radler vom KAT Bike und punktet neben großzügigen Zimmern und Wellnessangeboten eben auch mit feinster Kulinarik. Hier finden Produkte vom eigenen Bauernhof, aber auch Rind, Fisch und selbstgebackenes Brot aus der Region Verwendung. Dazu passt eigentlich immer ein Schnaps’l aus der hauseigenen Brennerei. 

Die KochtArt-Betriebe säumen fast schon unseren Weg. Bereits die mittags passierte Angerer Alm gehört dem Verbund an. Gerald Weiss kocht dort auf 1295 Metern auf Spitzenniveau – mit Spitzenaussicht. Sommelière Annemarie Foidl kümmert sich dagegen um den Weinkeller, der, für eine Berghütte durchaus üblich, tief im Fels liegt. Zwischen den bröckeligen Wänden liegen hier Schätze, die sonst kaum auf einer Weinkarte zu finden sind. Und auch am Mittag des nächsten Tages erreichen wir die Post in St. Johann. Max und Sigrid Blumschein haben für ihre erstklassige Kulinarik, für die Küchenchef Benjamin Leitner verantwortlich ist, die erste Gault-Millau-Haube St. Johanns gewonnen. Hier merke ich, dass der KAT Bike nicht nur über die Berge, sondern auch durch den Magen geht!

Einmal noch dürfen wir uns hier auf die E-Bikes setzen. In der zweiten Tageshälfte wollen wir die letzten Höhenmeter des KAT Bikes überwinden und pedalieren 750 schöne Höhenmeter bergauf. Bei den Kalkalmen angekommen, öffnet sich der Wald und gibt die Aussicht auf den für mich bisher schönsten Wegabschnitt frei. Sanfte Almwiesen, dicht bewachsen, mit den Loferer Steinbergen im Hintergrund. Wunderschön ist es hier oben, wie verzaubert und wohlwissend, dass ich den KAT Bike bald beenden werde, genieße ich die fast schon ebene Überquerung des Kalksteinberges sehr. Am späten Nachmittag, als die Sonne schon niedrig steht, überströmt ein liebliches Licht diese alpinen Wiesen, bringt jeden Baum, jeden Felsen, ja jeden Grashalm zum Leuchten. Der Bikeführer der Kitzbüheler Alpen „BIKE2020“ hat keineswegs zu viel versprochen, als er über diese letzte Etappe berichtet: „Grashügel, Pferde, Rinder und Schafe – wären die Wasservorräte unzureichend gefüllt, könnte man im Anflug leichter Dehydration rund um die Kalkalmen schemenhaft Hobbits durchs Auenland streifen sehen.“

Mit diesem Satz im Ohr, rolle ich entspannt hinunter nach Fieberbrunn. Hinter mir liegt eine grandiose Mountainbike-Tour, eine neue Erfahrung und eine Fülle verschiedenster Eindrücke. Sobald sich meine müden Beine erholt haben, so nehme ich mir vor, will ich wieder aufs Mountainbike. 

Wohin? Natürlich! In die Kitzbüheler Alpen!

Text und Bilder: Benni Sauer

Buchung und Information:
Kitzbüheler Alpen Marketing GmbH
Tel.: +43(0)57507 8500
info@kat-bike.at
www.kitzbueheler-alpen.com
www.kochart.tirol 

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