CAMPING: Im Alpensommer auf Touren?

Dieser Artikel ist Teil 2 unseres THEMEN-SPEZIAL: CAMPING der Sommerausgabe 2021.

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Camping in Ausnahmezeiten

Eigentlich war es schön. Und so einfach. Standen zwei oder drei freie Tage an, vielleicht ein verlängertes Wochenende, oder sogar der ganze Jahresurlaub, so hat man das Zelt in den Kofferraum geworfen, den Wohnwagen angekuppelt, oder den Caravan startklar gemacht. Meist war dann in Windeseile alles gepackt. Manchmal hat man sogar erst auf der Autobahn das Ziel auserkoren, sich einfach mit dem Handy am Campingplatz angemeldet. Keep it simple! So war das Campingleben. Seit letztem Sommer aber sieht die Sache dagegen etwas anders aus. 

Neues Leben: Die Camping-Kultur blüht wieder auf!
Wer zum Camping will, der muss besonders in der Ferienzeit gut vorbereitet, oder eben sehr flexibel sein. Im besten Falle ist man beides! Das zeigte eindrücklich die vergangene Campingsaison 2020: Während Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen mancherorts lange Zwangspausen einlegen mussten, waren Campingplätze gefragter denn je! Das lag einerseits daran, das Camping schon relativ früh wieder möglich war, andrerseits aber auch daran, dass Camper sich in ihren eigenen vier Wänden viel eher wieder sicher fühlten. Und wenn es nur hauchdünne Zeltwände sind: Ein Campingurlaub kann ohne große Aufwände coronakonform umgesetzt werden. Vor Ort ist dann ohnehin meistens alles wie gewohnt – salopp gesagt kümmert sich sowieso jeder um seinen eigenen Kram, kocht sein eigenes Süppchen, schläft in seinen eigenen vier Wänden… Sieht man von der fehlenden, für Camper eigentlich wichtigen Spontanität ab, so steht uns also einmal mehr ein Rekord-Camping-Sommer bevor. 

Trotzdem geht es natürlich nicht ohne gewisse Spielregeln. Damit der womöglich einzige umsetzbare Urlaub des Jahres nicht ins Wasser fällt, folgt hier ein Leitfaden, um die Chancen auf einen erfolgreichen Campingurlaub im deutschsprachigen Alpenraum wenigstens so hoch wie möglich zu halten. 

Tipp 1: Meide Ländergrenzen! 
Südtirol ist wunderschön, ja. Gardasee, Wallis, Hohe Tauern. Die Sehnsuchtsziele liegen meistens weit weg, und sind wir mal ehrlich: Genau das macht doch aus ihnen was sie sind! Dabei ist es aber gleich aus vielerlei Gründen sinnvoll, über diesen eigenen Schatten zu springen. Grund 1: Die momentane Lage ist undurchsichtig und, noch wichtiger, unvorhersehbar! Niemand weiß, ob beispielsweise der Campingtrip durch die Dolomiten für deutsche Touristen möglich sein wird, ob man danach in Quarantäne muss, oder sonstige Hürden den Urlaub unmöglich werden lassen. Grund 2: Weniger Fahrtzeit bedeutet auch mehr Urlaubszeit! Wer bisher einen ganzen Tag für Anfahrt und gleich einen zweiten Tag für die Abfahrt eingeplant hat, der wird es zu schätzen wissen, schon am Mittag des ersten Urlaubstages den Grill anzuwerfen und in der Sonne ein kühles Getränk genießen zu können. Grund 3: Neues kennenlernen! Klingt einfach – ist es auch. Oft streben wir nämlich einfach nur zu schnell unserem Traumziel entgegen. Bei der Anfahrt lassen wir dann oft wunderschöne Regionen links und rechts liegen. Wer von Deutschland bisher immer den Fernpass anpeilte, sollte mal auch ein Blick in das Naturjuwel Ammergauer Alpen werfen. Österreicher, die sonst schnell über den Brenner fahren, finden im Gschnitz- und Valsertal tolle Ziele. Die Alpen sind so vielfältig, auch neben den Prestige-Regionen!

Tipp 2: Sei flexibel!
Flexibilität? Das ist doch eine Tugend des kampierenden Volkes! Richtig, aber Flexibilität hat im letzten Jahr eine ganz neue Bedeutung bekommen. Zwar hat die Tourismusbranche 2020 insgesamt Einbußen von teils mehr als 40%, die Übernachtungen auf Campingplätzen sanken dagegen aber nur um 5% – und das nach den Camping-Rekordjahren von 2018 und 2019. 

In welche Richtung der Trend geht, ist also absehbar. Jetzt gilt es darauf zu reagieren und frühzeitig einen Platz zu reservieren. Campingplatzbetreiber nehmen gerne schon früh die Reservierungen entgegen, sollte ein Aufenthalt trotzdem nicht umsetzbar sein, kann sie fast immer kostenfrei storniert werden. Ist der Campingplatz schon ausgebucht? Oder hat sich spontan die Möglichkeit für einen Kurzurlaub ergeben? Dann hilft nur maximale Flexibilität! Dann wird es eben der Campingplatz nebenan. Oder der 100, 200 Kilometer weiter. Warum nicht Campingplatz-Hopping betreiben? Von A nach B pendeln und überall den letzten verfügbaren Platz – wenn auch nur für eine Nacht – abgreifen? Am Ende zählt das Erlebnis. Und das wird so manchmal sogar noch eindrücklicher.

Tipp 3: Meide Hotspots!
Letzten Sommer hätte ich gerne noch einige Tage mit der Familie am Bodensee verbracht. Doch für unser großes Wohnmobil ließ sich selbst Wochen im Voraus kein Platz mehr finden. Letztendlich konnten wir unseren Campingtrip doch noch realisieren, wobei uns ein ganz einfacher Blick auf die Landkarte half. Je weiter wir uns vom Bodensee nach Norden entfernten, desto eher waren freie Plätze verfügbar – noch dazu meistens weit günstiger als an den Seeplätzen im Süden. 

Diese Erfahrung machten wir im Pandemie-Sommer gleich mehrfach und jedes Mal waren wir froh, nicht auf überfüllten, teuren Stellplätzen unseren Urlaub zu verbringen, sondern ruhig und entspannt, in der Natur, irgendwo im nirgendwo. Die (Vor-)Alpen sind schön – überall! Nie waren wir enttäuscht, nur weil vielleicht kein glitzernder See, oder keine dolomitenartigen Felstürme von unserer Wohnwagentür aus zu sehen waren. Camping bedeutet doch ohnehin auch, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Mit dem klarkommen, was da ist. Es so zu nehmen, wie es ist. Und so entstanden immer wieder tolle Erlebnisse und manchmal tatsächlich auch ungeahnte Überraschungen. Wir fanden Geheimtipps, zu denen wir selbst auch nach der Pandemie gerne wieder zurückkehren werden. Entzerrung ist schon lange ein Begriff im Alpenraum – werden wir Teil davon!

Tipp 4: Alternatives Camping!
Hierzu sei zunächst einmal gesagt, dass die Coronapandemie ernst zu nehmen ist und man sich unbedingt die gültigen Regeln und Verhaltenshinweise zu Herzen nehmen sollte. Hier sollen auch keine Schlupflöcher oder Hintertürchen präsentiert werden. Doch es gibt in der Tat eine große Campinggemeinschaft, die stark zusammenhält. Da passierte es schon mal, dass man beim Abendessen auf dem Fahrersitz gerade den Rostbraten vom Pappteller genoss, als es an der Scheibe klopfte. Der nette Herr wünschte uns einen guten Appetit und bot uns kurzerhand an, die Nacht kostenfrei auf seinem Privatgrund verbringen zu dürfen. Die Campingplätze waren derzeit geschlossen, die nächtliche Ausgangssperre noch nicht in Kraft getreten. Why not?

Mittlerweile ist die Szene gut vernetzt. Der Stellplatzführer Landvergnügen bietet mittlerweile deutschlandweit eine Vielzahl wunderschöner Outdoor-Übernachtungslösungen – vorzugsweise natürlich auf dem Land. Solche Plattformen, Apps und Konzepte schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. „Der Weg ist das Ziel“ ist deren Slogan und genau so funktioniert die Sache auch. Private Anbieter ermöglichen Übernachtungen im Garten, auf dem Hof, an der Streuobstwiese, bieten Stellplätze für Campingbusse und Wohnmobile. Sicher, ganz ohne Kontakte, ganz bestimmt nicht überlaufen und unschlagbar günstig. Was vor Corona noch „Couchsurfing“ war, ist heute, Landvergnügen, Campspace, hinterland.camp und, und, und.

Derartige Campingkonzepte gibt es mittlerweile viele, genau wie deren Nutzer. Mitmachen ist einfach, als Camper, aber auch als Anbieter. Camper sind eben immer bereit für neue Abenteuer, neue Erfahrungen und auch für eine neue Herangehensweisen. Immer aber auch mit Vernunft, Vorsicht und der nötigen Sicherheit! Der Campingsommer 2021 kann also kommen. Und das wird er. Egal wie!

Text: Benni Sauer

3 Gedanken zu “CAMPING: Im Alpensommer auf Touren?

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