Im Gespräch mit: Angy Eiter

Kletterausnahmetalent, Heimatfan und Nachwuchsförderin

Angy Eiter ist vierfache Weltmeisterin im Leadklettern und zählt zu den weltbesten Sport- Wettkampfkletterinnen aller Zeiten. Ihren letzten WM-Titel holte die Tirolerin 2012 in Paris. 2013 zog sie sich aus dem Wettkampfsport zurück. Ruhig ist es deswegen nicht geworden, sondern der 1,54 Meter große Kletterfloh brilliert jetzt in den schwierigsten Felskletterrouten. Angy sind bislang vier Routen im Schwierigkeitsgrad 9a und als erste Frau weltweit eine 9b gelungen. Neben ihren Felsprojekten kümmert sich Angy  mit viel Herzblut und gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard Ruech um den Kletternachwuchs, läuft beim Wings-for-live-Run für den guten Zweck mit, bohrt Routen ein und kommt ihren zahlreichen Partner- und Sponsorenverpflichtungen samt Projektarbeit nach. Der Terminkalender ist voll.

Aktiv in den Alpen hat die sympathische Profisportlerin zum Gespräch in Imst getroffen – ihrer erklärten Heimat, wo sie mit dem Klettern groß geworden ist, weil genau genommen kommt sie aus dem Pitztal. Sie hat uns verraten, was für sie Heimat bedeutet, wo sie am liebsten entspannt und neue Kraft tankt. Und wir haben gefragt wie für sie ein perfektes Imst-Wochenende aussehen würde, nur für den Fall, sollte sich mal eine größere Lücke im Terminkalender eröffnen. 

Angy, was bedeutet für dich Heimat?
Für mich ist Heimat ein Gefühl, ein Erlebnis, das die Sinne stimuliert. Es ist eine Verbundenheit, die sich über Jahre entwickelt hat und viel tiefer geht als dass man es mit nur einem Begriff beschreiben könnte. Ich reise sehr gerne, aber nach einer gewissen Zeit spüre ich immer diesen Drang, wieder nach Hause zu fahren, dann durchströmt mich ein Gefühl von Geborgenheit. Und diese Geborgenheit finde ich in Imst. 

Gibt es einen Ort in deiner Heimat, den du besonders schätzt?
Mein Lieblingsplatz, wo ich mich erholen kann, ist die Muttekopfhütte – das ist für mich mein Ort der Entspannung. 

Mal angenommen du hättest ein ganzes Wochenende in Imst zur freien Verfügung. Wie würde dein perfektes Wochenende aussehen?
Am ersten Tag ginge es dann ganz klar zu meinem Lieblingsplatz, der Muttekopfhütte. Ich würde  mit der Bahn bis aufs Alpjoch (Bergstation/Anmerk. d. Redaktion) fahren und über den Drischlsteig gemütlich in 30 Minuten abwärts zur Muttekopfhütte laufen und auf der Hüttenterrasse ausgiebig die Idylle und das Panorama und die eine oder andere Erfrischung aus der Hüttenküche genießen. Danach würde ich zur Latschenhütte weiter absteigen und über den Jägersteig zur UAlm (Untermarkter Alm/Anmerk. d. Redaktion) wandern, die sich auf der Höhe der Mittelstation und damit am Startplatz für den Alpine Coaster befindet – dieses Abenteuer lasse ich mir selten entgehen!  Abends würde ich eine Schlenderrunde durch die hübsche Fußgängerzone von Imst vorschlagen. Hier kann man sich in Ruhe aussuchen, wonach einem kulinarisch der Sinn steht. Und am nächsten Tag würde ich dann natürlich zum Klettern gehen. An heißen Tagen zieht es mich gelegentlich ins Kletter- und Bouldergebiet „Reithle“. Das liegt tief im Wald, ist herrlich ruhig und idyllisch und dank der vielen Bäume angenehm kühl. Im Frühjahr oder Herbst würde ich zum Genussklettern die Rote Wand in Karres ansteuern, oder noch einmal der Muttekopfhütte mit ihren vielen schönen Klettersektoren einen Besuch abstatten. Imst bietet eine unglaubliche Fülle an Klettergebieten in allen Schwierigkeiten. Das Schöne an meiner Heimat ist, dass man einfach in den Kletterführer schauen und nach Lust und Laune ein Gebiet für den Tag aussuchen kann. 

Gibt es außer dem Klettern noch eine Sportart, die dich interessiert?
Das Klettern ist im Leben von meinem Mann und mir momentan so fest verankert, dass hier für eine weitere Sportart, um diese intensiver auszuüben, keine Zeit vorhanden ist. Aber was ich für mich entdeckt habe ist das E-Biken. Ich bin keine leidenschaftliche Bikerin, aber bei langen Zustiegen in Verbindung mit schwerem Gepäck ist das E-Bike eine tolle Möglichkeit, das Ganze etwas gemütlicher zu gestalten. 

Hat dich also gar nicht der Yogavirus infiziert?
Yoga in dem Sinn nicht. Ich habe meine eigenen Entspannungstechniken. Meine Tage sind oft sehr stressig und ich brauche meine Ruhe und dann genieße ich meine Entspannungseinheiten.

Du betreibst mit deinem Mann eine Kletterschule. Wer kann sich hier anmelden? 
Ich bin in erster Linie für den Kletternachwuchs da – wenn man so will bin ich das Auffangbecken für alle, die (noch) nicht im Kader sind. Sprich: Ich bilde die jungen Kletterer aus, damit sie die Chance haben den Sprung in den Kader zu schaffen. Dieses Jahr musste ich allerdings meine Nachwuchsarbeit stark reduzieren, weil ich anderweitige Projekte mit meinen Partnern umsetzen muss. Eine Tatsache, die mich sehr schmerzt, weil ich grundsätzlich die Nachwuchsarbeit sehr schätze und als sehr wichtig ansehe. Ich arbeite aber auch gerne mit Klettereinsteigern, oder für Privatcoachings, aber meistens fehlt mir dazu schlichtweg die Zeit. 

Hat die von dir bereits angesprochene Jugendarbeit mit deinem eigenen Werdegang zu tun? Willst Du da etwas zurückgeben?
Für mich ist es wichtig, jungen Athleten, die ein Potenzial haben, zu fördern. Das Trainerbecken ist begrenzt, die Vereinstrainer werden immer weniger, und dann wird es schwierig, ein gutes Nachwuchsprogramm aufrechterhalten zu können. Insofern liegt mir sehr viel daran, junge Athleten voranzutreiben, dass sie den Sprung in den Kader schaffen, denn da werden sie dann optimal betreut. 

Und wie bist du eigentlich zum Klettern gekommen?
Durch die Sport-Hauptschule Imst und dann per Zufall. Eine meiner damaligen Lehrerinnen meinte, dass das Klettern etwas für mich sein könnte. Ich habe es ausprobiert und bin dabei geblieben. Das gute daran war, dass es damals schon mit der Kletterhalle in Imst gute Trainingsmöglichkeiten gab.

Sport-Hauptschule heißt: Du bist immer schon sehr sportlich gewesen?
Ich habe nie einen anderen Leistungssport betrieben wie Leichtathletik oder Turnen, wenn du das meinst. Meine Sportlichkeit hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben, indem er mich von Kindheit an mit in die Berge zum Wandern und Bergsteigen genommen hat. Dadurch bin ich zum Bergsport als Sport gekommen. Und als ich dann mit dem Klettern angefangen habe, ist mein Vater durch mich zum Klettern gekommen. 

Sind dann Vater und Tochter ab und an gemeinsam beim Klettern?
Eher weniger. Mein Papa hat, als ich mit dem Wettkampfklettern begonnen habe, den Sicherungspart übernommen. Das hat er für mich, für mein Training getan. Und heutzutage nehme ich ihn mit. Dann sage ich, komm Papa, wir fahren zusammen wo hin. Er reist sehr gerne, und auf diese Weise möchte ich ihm etwas zurückgeben. Papa geht dann Wandern und mein Mann und ich gehen  klettern – so haben wir alle was davon und freuen uns. 

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