Im Gespräch mit Christian Fritz

Die Familie Fritz aus Warth: bergverbunden, sommers wie winters naturverliebt, gastfreundlich und in vielerlei Hinsicht am Berg aktiv. Wir haben uns mit Christian Fitz unterhalten, Bergführer in zweiter Generation, Klettersteigerbauer und sogar Weltmeister!

Hallo Christian! Du warst schon fast überall auf der Welt unterwegs. Was gefällt dir aber in Warth-Schröcken besonders gut?
In unserer Region kann man einfach alles unternehmen. Ganz egal wann man hier ist, es gibt immer etwas zu tun: Wandern, Klettern, Mountainbiken, Skifahren und Canyoning. Ich kann ja fast tun was ich will! Das ist mir viel wert und auch ein Grund, warum wir schon so lange und gerne hier leben. In der Übergangszeit vor dem Winter, kann man sich manchmal sogar entscheiden, ob man heute lieber im Frühwinter oder im Spätsommer unterwegs sein will. Die Warther Bergwelt ist für uns mehr als nur ein von der Natur gegebenes Geschenk. Sie ist Betätigungsfeld, Energiespender, Ideengeber, Seelenstreichler, macht uns zutiefst zufrieden und gibt uns unglaublich viel Besinnung. 

Aber auch über die Grenzen Vorarlbergs, Österreichs und Europas warst du schon aktiv. Gib uns doch mal einen Einblick in dein Tourenbuch.
Dieses Buch ist tatsächlich ziemlich lang. In einem kurzen Querschnitt müssten aber zum Beispiel meine Erstbefahrungen in Südamerika enthalten sein. Auch eine Abfahrt vom 6190 Meter hohen Denali in Alaska, einem der Seven Summits, gehört dazu. Er zählt als kältester Berg der Erde. Die Abfahrt ist unglaublich lange und unsere gewählte Route nur selten befahrbar. Wir hatten Glück! 

Zuhause in Warth steht auch das charmante Alpin*** Hotel garni – geführt von der Familie Fritz.
Ganz genau. Warth-Schröcken ist zu jeder Jahreszeit eine ausgesprochen beliebte Ausflugsregion und als Bergführerfamilie können wir hier besonders gut auf die Wünsche unserer Gäste eingehen. Schon mein Vater Gebhard Fritz ist seit 1979 Bergführer, mein Bruder Mathias seit 2017. Bergfreunde sind bei uns natürlich häufig zu Gast, denn wir können sie bezüglich der Tourenplanung bestens beraten und hin und wieder führen wir auch unsere Gäste. Dann können wir das tun, was wir am liebsten machen: Das hiesige Lebensgefühl vermitteln!

Das klingt verlockend! Nochmal zurück zur Übergangsjahreszeit: Viele Gäste kennen den Karhorn Klettersteig zwischen Warth und Schröcken. Ist dieser auch noch so spät im Jahr machbar?
Grundsätzlich ja! Solange es trocken ist und kein Schnee liegt, ist der Klettersteig gut machbar. Frost, kurze Tage und natürlich Schnee, lassen die Schwierigkeiten aber sprunghaft ansteigen, besonders für Anfänger. Dann sollte man schon genau wissen was man tut! Aber selbst im Winter ist der Klettersteig eine spannende Unternehmung. Gute Skitourengeher können das erste Drittel des Steiges aufsteigen und durch ein lohnendes Couloir wieder abfahren. Am besten ist man aber natürlich beraten, wenn man hierzu einen lokalen Bergführer einklinkt. Ein weiter Aufstieg am Steig ist übrigens im Winter meist nicht lohnenswert und endete auch schon mit schweren Unfällen. 

Die Familie Fritz hat nun ja auch einen besonderen Draht zu diesem Klettersteig.
In der Tat! Mein Vater hat als Bürgermeister diese Idee eingefädelt und 2001 verwirklicht. Es sollte einer der ersten Klettersteige in Vorarlberg werden und mittlerweile erfreut er sich einer großen Beliebtheit. Wir haben sogar noch einen zweiten Teil hinzugefügt und erst letztes Jahr wurde der Normal versichert. Jetzt ist es einer der schönsten Klettersteige der Region! Es gibt unterschiedliche Wege auf den Gipfel, so dass jeder die für sich passende Route auswählen kann.

Als Bergführer führst du auch die Alpinschule Widderstein. Was die Namensgebung betrifft, gibt es auch hier eine gewisse Verbundenheit?
Der Widderstein steht nicht nur einfach vor unserem Haus. Ich kann ihn von fast überall sehen! Es gibt an seinen Wänden viele schöne und moderate Klettertouren und demnach bin ich da auch häufig zu finden. Der Ostgrat ist besonders reizend. Er führt stark ausgesetzt anderthalb Kilometer durch hochalpines Gelände. Zwischendrin muss auch mehrfach abgeseilt werden, Haken aber gibt es keine. Die Abseilstellen müssen selbst eingerichtet werden. Die Tour hat tatsächlich Westalpencharakter und erreicht den vierten Schwierigkeitsgrad. Ein tolles Abenteuer! Manchmal auch im Winter, wenn die Verhältnisse passen, führe ich meine Gäste auf den Widderstein. Bei optimalen Bedingungen kann dann vom Gipfel aus abgefahren werden. Keine einfache Unternehmung, wobei auch manchmal Rat und Tat eines örtlichen Bergführers entscheidend sein kann.

Daran besteht kein Zweifel. Deine gute Leistung als Bergführer konntest du ja auch schon früher einmal unter Beweis stellen, oder?
Ja, ich bin einstiger Bergführer-Weltmeister. Bei diesen internationalen Wettkämpfen treten Bergführer aus aller Welt und in den unterschiedlichen Disziplinen gegeneinander an. Ich war zu dieser Zeit gut trainiert und gewann das Skirennen. Das ist ein schöner Titel, sagt aber eigentlich nicht besonders viel über die vielen Fähigkeiten, die ein guter Bergführer mitbringen muss, aus.

Im Winter bist du auch bei der Lawinensicherung aktiv?
Richtig. Unsere Aufgabe ist es größtenteils, die Skigebiete zu sichern. Dafür fliegen wir in der Früh mit dem Helikopter hinauf, schaffen uns einen Überblick und schmeißen, ganz salopp gesagt, ein bisschen Dynamit raus. Manchmal, wenn die Verhältnisse extremer sind, müssen wir auch Straßenabschnitte sichern. Das kommt aber eher selten vor. Für diesen Job musste ich einige Ausbildungen und Sprengkurse absolvieren und mir ein großes Wissen über Schnee- und Lawinenkunde aneignen. Dann aber ist es ein Job, der nicht nur cool klingt, sondern auch cool ist! 

Vielen Dank für das Interview. Alles Gute für die kommende Wintersaison!

Text: Benni Sauer

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