Im Gespräch mit… Patrick Lange

Als doppelter Ironman Weltmeister wird er in der Bestenliste deutscher Triathleten auf der Ironman-Distanz geführt. Patrick Lange, 33 Jahre alt und in Hessen geboren, lebt der Profitriathlet heute in Österreich. Wir haben uns mit ihm unterhalten – über seine früheren sportlichen Aktivitäten, Höhen, Tiefen und im Sommer besonders wichtig: Sonnenschutz!

© Isaak Papadopoulos EvenTrade

Hallo Patrick. Mit 14 Jahren gewannst du die U15 MTB Meisterschaft. Was faszinierte dich am MTB und sitzt du heute, wo du in Salzburg wohnst, noch immer hin und wieder im Mountainbikesattel?
Ich bin in einer wäldlichen Gegend groß geworden und war schon immer gerne in der Natur. Ich mag am Mountainbikefahren die Geschwindigkeit und dass man häufig auf Wegen fährt, auf denen man keinen anderen Radfahrer antrifft. Auch hier in Salzburg sitze ich regelmäßig auf dem Mountainbike, gerade in der Off-Season. 

Nach einigen erfolgreichen Jahren auf dem Mountainbike kam dann der Wechsel zum Triathlon. Ein krasser Cut, oder?
Mein Trainer fürs Fahrradfahren war ein mehrfacher Ironman Hawaii Finisher und passionierter Triathlet. Er hat mich gefragt, ob ich denn nicht auch mal mit ihm mit zum Schwimmen kommen möchte. So wurde mir der Weg in den Triathlon geebnet. 

Dann kam der Traum vom Ironman. Du sagst, du musstest lernen, dass nicht nur körperliche Leistungsdaten zählen. Was meinst du damit?
Ich trainiere schon seit ich 11 Jahre alt bin, auch in den Jahren davor war ich immer sportlich unterwegs. Doch um ein solches Lebensziel wie einen Sieg auf Hawaii erreichen zu können braucht es mehr als das bloße physische Training: Dinge wie eine strukturierte Planung, Durchhaltevermögen und ein Umfeld, das einen uneingeschränkt bei seinen Zielen unterstützt. 

2017 dann der Erfolg: Platz 1 auf Hawaii, mit Streckenrekord 8:01:40. 2018 warst du sogar der erste Athlet, der auf Hawaii die 8 Stunden knackte: sagenhafter Streckenrekord von 7:52:39. Für uns „Nicht-Triathleten“: Wie kommt eine so unglaubliche Zeit zustande? Und welche äußeren Einflüsse haben da mitgespielt?
Im Jahr 2018 haben einfach unheimlich viele Dinge gepasst. Hawaii zählt unter anderem aufgrund der Wetterverhältnisse zu den schwersten Rennen der Welt. So auch im Jahr 2018. Selbst für mich als Athlet, der gut mit Hitze umgehen kann, waren die Bedingungen in diesem Jahr ganz besonders anspruchsvoll. Denn weniger Wind bedeutet gleichzeitig mehr Hitze und weniger Abkühlung, was sich vor allem auf der Laufstrecke deutlich bemerkbar machte. Ich habe an diesem Tag ein klares Ziel vor Augen gehabt, war bestmöglich vorbereitet und habe einfach alles gegeben. 

Acht Stunden körperliche Schwerstarbeit. Was passiert die Zeit über im Kopf?
Ganz ehrlich? Das ist von Rennen zu Rennen unterschiedlich. Tatsache ist aber, dass da jeder für sich eine Strategie erarbeiten sollte, die für ihn funktioniert. Ich persönlich lenke mich auch im Rennen gerne mal ab und lenke meinen Fokus auf sportunspezifische Themen. Allerdings nur für wenige Minuten, um dann wieder mit voller Energie und Fokus ins Renngeschehen zurück zu kehren.

Wie ernährst du dich? Und welche Vorteile siehst du speziell in der vegetarischen Ernährung?
Ich ernähre mich bereits seit etlichen Jahren vegetarisch, einfach weil es mir gut bekommt. Ich habe das Gefühl, besser zu regenerieren und mir liegt eine Mahlzeit mit Fleisch einfach deutlich schwerer im Magen als das bei einer pflanzlichen Mahlzeit der Fall ist. 

Das vergangene Jahr war kein sehr erfolgreiches. Wie kam es dazu? Und wie gehst du damit um?
Ich habe wie jeder Leistungssportler schon Niederlagen einfahren müssen, diese im Jahr 2019 saß aber besonders tief, da ich aufgrund eines viralen Infekts kampf- und kraftlos beim Rad fahren aufgeben musste. Ich bin mir aber sicher: Ich gehe stärker aus der Situation hervor als ich hinein gegangen bin und das Feuer in mir brennt stärker als je zuvor.

Umso wichtiger wäre es, dieses Jahr richtig durchzustarten, oder? Aber ist das derzeit überhaupt möglich? Wie trainierst Du in Zeiten der Corona-Krise? 
Absolut richtig und das trifft genau meine Einstellung! Ich hatte mich in diesem Jahr bereits sehr auf die ersten Wettkämpfe gefreut. Ich fühle mich wirklich richtig fit und das hätte ich auch gerne gezeigt. Allerdings denke ich, dass wir uns aktuell schlichtweg mit wichtigeren Themen konfrontiert sehen. Der sportliche Wettkampf rückt damit derzeit in den Hintergrund und das ist auch richtig so. 

Welche Auswirkungen wird die Coronakrise auf den Sport haben? Siehst du Probleme? Oder vielleicht auch Vorteile – etwas Gutes darin?
Das ist momentan schwer abzuschätzen. Genau wie im Sport wird es auch in der Zeit der Pandemie darum gehen, den Fokus auf das Wesentliche zu behalten und das ist zur Zeit ganz klar wie wir als Gesellschaft gemeinsam durch diese Krise gehen werden. 

Für Profi-Bergsportler, Bergführer und alle, die gerne in den Alpen unterwegs sind, ist Sonnenschutz und Hautkrebs ein großes Thema. Wie wird das in deinem Sport gehandhabt? Wie schützt du dich effizient?
Sonnenschutz spielt gerade im Triathlon eine sehr große Rolle. Es gibt kaum Sportler, die sich über so lange Zeiträume draußen aufhalten wie wir Triathleten. Und dann auch noch in unterschiedlichen Elementen und speziell im Trainingslager und bei Wettkämpfen in verschiedenen Klimazonen. Egal ob im Training oder im Wettkampf, für mich ist es essentiell wichtig einen Sonnenschutz zu verwenden auf den ich mich verlassen kann. 

Für die meisten unserer Leser ist Sport ein guter Ausgleich. Vermutlich brauchst du eher einen Ausgleich vom Sport. Wie sieht dein Leben neben dem Sport aus? 
Das stimmt absolut, für mich ist es eher so, dass ich neben dem Sport einen Ausgleich benötige. Das Training für eine Langdistanz ist allerdings extrem zeitaufwändig, viel Zeit für andere Hobbies bleibt da nicht mehr. Ich kann am besten abschalten, wenn ich Zeit mit Freunden verbringe. Wenn es der Trainingsplan zulässt, gehe ich auch gerne mal auf einen Kaffee in der Stadt. Und ansonsten genieße ich auch gerne etwas freie Zeit Zuhause mit meiner Frau Julia.

Vielen Dank und alles Gute für die neue Saison!

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