Kleine Helfer für Stargazer

Der Wetterbericht hat keine Bewölkung vorhergesagt, aber es sind trotzdem keine Sterne zu sehen? Du wolltest ein bestimmtes Sternbild beobachten, kannst es aber am Nachthimmel nicht finden? Du tappst im Dunklen, deine Fotos werden nicht wie du dir es vorstellst und die kalten Temperaturen geben dir den Rest? Ganz egal ob optische Beobachtung oder Astrofotografie: Die kalten Nächte erfordern immer gute Vorbereitung, abgestimmtes Equipment und manchmal einfach auch die richtigenkleinen Helferlein im richtigen Moment.
Text: Benni Sauer

Fernglas

Ein einfaches Fernglas zum Sternegucken? Braucht man dazu nicht ein Teleskop? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Schon kleine Ferngläser gehören häufig zur Grundausstattung eingefleischter Astrofreunde. Sie eigenen sich ganz besonders dazu, das zu tun, was man doch eigentlich am meisten möchte: Den Sternenhimmel genießen! Mit einem Fernglas fällt es nämlich besonders einfach den Himmel gut kennenzulernen. Das sorgt für ein besonderes Feeling bei der Beobachtung. Am besten für Einsteiger sind Ferngläser mit einer achtfachen Vergrößerung geeignet. Stärkere Vergrößerungen sind aufgrund des menschlichen Zitterns nicht immer vorteilhaft. Ein Objektivdurchmesser von 40 mm oder mehr sammelt genügend Licht, um selbst für uns eigentlich unsichtbare Sterne sichtbar werden zu lassen. Gute Ferngläser haben zwar oft auch einen höheren Anschaffungspreis, meist aber werden sie zum lebenslangen, treuen Begleiter und punkten durch besonders plastische Abbildungsleistung sowie enorme Detailerkennung.


Stellarium

Es ist stockfinster und du hast keine Ahnung welche Sterne sich da gerade über dir befinden? Keine Sorge, so hat wohl jeder einmal angefangen. Die gute Nachricht: Die Lösung befindet sich ab sofort in deiner Hosentasche! Die Stellarium App kostet nur ein paar Euro, ist aber ausgesprochen umfassend, einfach zu bedienen und bietet darüber hinaus noch viele nützliche Features! Einmal installiert, zeigt das Handydisplay ganz einfach den dahinterliegenden Sternenhimmel mitsamt Beschriftung, Sternzeichen und allen weiteren nötigen Informationen – in Echtzeit! Die Nutzung der App macht sogar Spaß und man lernt mit ihr immer besser den Nachthimmel kennen. Mit einem Fingerwisch kann man die Zeit vor und zurückspulen, so kann sichtbar gemacht werden, wann welche Sternbilder aufgehen und wie die Planeten und unser Mond wandern. Alles auf die Sekunde genau berechnet. Darüber hinaus kann man sich einfach über aktuelle Beobachtungs-Highlights wie Sternschnuppennächte informieren. Es gibt viele ähnliche Apps. Stellarium aber erlaubt ein gigantisches Zoomlevel, was besonders Astrofotografen freuen dürfte.

Im AppStore für iOS:
https://apps.apple.com/de/app/stellarium-plus-sternenkarte/id1458716890

Im PlayStore für Android:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.noctuasoftware.stellarium_free&hl=de&gl=US


Wetterbericht

Heute kann es regnen, stürmen oder schneien. Ja und auch die Temperatur ist im normalen Wetterbericht schon inbegriffen. Stargazer brauchen aber noch mehr Informationen, denn auch ein augenscheinlich wolkenloser Himmel, ist kein Garant für ein gutes „Seeing“. Die Bedienoberfläche der Clear Outside App bündelt dabei alle wichtige Daten: Sonnenauf- und Untergang. Mondphasen, aber auch natürlich Bewölkung unterschiedlicher Höhenlagen, Nebelbildung, Wind und Luftfeuchtigkeit werden zuverlässig vorhergesagt. Ganz besonders weil die App alle 60 Minuten aktualisiert wird, ist dieser nützliche Helfer kaum mehr wegzudenken. Nette Spielerei: Auch die (sichtbaren) Überflüge der Internationalen Raumstation ISS werden angezeigt!


Kamera

Vermutlich sind die Kameras, mit denen die Könner Milchstraße & Co. festhalten unbezahlbares Profiequipment, oder? Auch hier lautet die Antwort wieder: Nein! Zumindest nicht zwangsläufig. Eine unter Astrofotografen noch immer sehr begehrte Kamera ist die Canon EOS 600D. Gebraucht ist sie momentan für etwa 200€ zu haben (ohne Objektiv). Mit ihr lassen sich schon wirklich gute Ergebnisse erzielen, wobei das klappbare Display oft sehr hilfreich ist. Wer geschickte Hände hat und es sich zutraut, kann den Infrarot-Sperrfilter selbst ausbauen und dann sogar auch die rot leuchtenden Deep-Sky-Nebel fotografieren. Bei den Objektiven hat man oft die Qual der Wahl. Grundsätzlich gilt aber: Je lichtstärker desto besser! Eine Blende von 2.8 abwärts ist ausreichend. Für Milchstraße und Sternschnuppen eigenen sich Weitwinkel zwischen 10 und 35 Millimetern. Einzelne Objekte, wie zum Beispiel unsere Nachbargalaxie Andromeda, machen dagegen erst ab etwa 135mm und aufwärts richtig Spaß.


Star Tracker

Die Erde dreht sich und die Sterne scheinen, ähnlich wie Sonne und Mond, auf und unter zu gehen. Das ist zwar ein eindrückliches Schauspiel, kann aber zum Problem werden, wenn zum Beispiel Fotografen längere Belichtungszeiten erzielen möchten, ohne dass dabei die Sterne zu Strichspuren verschwimmen. Auch Teleskope werden auf sogenannten Nachführungen montiert. Sie wirken quasi der Erdrotation entgegen und halten anvisierte Ziele genau an Ort und Stelle – zumindest im Bezug auf Kamerasensor und Okular. Günstige Modelle gibt es sogar mit Aufziehmotor, was bei leichten Kameras und Weitwinkelobjektiven gut funktioniert. Wird aber mit größeren Brennweiten fotografiert, was auch meist mit einer Zunahme des Gesamtgewichts einhergeht, müssen stärkere Motoren die Erdrotation ausgleichen. Ein guter Kompromiss für die meisten, ist der Star Adventurer von Sky-Watcher, der immer noch leicht und portabel ist, aber auch mit Objektiv-Brennweiten um die 250 mm klarkommt.


Heizmanschette

Jeder kennt es: Wer im Winter mit der kalten Kamera in der Hand von draußen in die warme Hütte kommt, wird kein scharfes Foto schießen können. Brillenträger können ein Lied davon singen. Wenn die Gläser, ganz gleich ob Brille oder Objektiv, in kaltem Zustand warmer Luft ausgesetzt werden, beschlagen sie. Dieser Effekt funktioniert leider auch umgekehrt. Eine Kamera aus dem Kofferraum, kann unterm Sternenhimmel schnell beschlagen. Manchmal macht sich der Taubeschlag aber auch erst nach längerer Zeit bemerkbar. Eine Heizmanschette, die um das Objektiv geklettet wird, schafft hier Abhilfe. Wichtig ist nur, die Manschette gleich von Anfang an anzubringen und nicht erst, wenn das Objektiv beschlagen ist. Übrigens: Profis vermeiden das Öffnen der Kamera (Objektivwechsel, Batterie- oder Speicherkartentausch), solange sie nicht die Umgebungstemperatur zumindest nahezu angenommen hat.


Kamerafilter

Die Enttäuschung ist groß, wenn man endlich das ganze Equipment zusammengetragen hat, das Setup steht, aber das Bild auf der Kamera nicht den Vorstellungen entspricht. Meistens ist die Schuldige schnell ausgemacht: Die Lichtverschmutzung. Wir leben fast alle in außerordentlich lichtverschmutzten Regionen – der Nachthimmel ist nicht mehr dunkel und über größeren Städten ist schon von weiter Ferne eine Lichtglocke zu sehen. Gewisse Filter schaffen hier Abhilfe. Sie wirken zwar nicht unbedingt Wunder, der richtige Filter aber blockt einen großen Teil der Lichtverschmutzung, also die Emissionslinien von Nieder- und Hochdrucklampen Das Thema ist sehr komplex und eine fachmännische Beratung und genaue Anpassung der Filter an das Equipment (und die Lichtverschmutzung) ist ausgesprochen hilfreich.

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