Komm, wir gehen überall hin!

Das Gut Berg Naturhotel in St. Johann im Pongau

Meine vier Kinder sind eigentlich gute Beifahrer und Beifahrerinnen. Und so verläuft die Fahrt ins Salzburger Land angenehm und ohne Komplikationen. Irgendwann aber wendet sich das Blatt. So wie es sich immer wendet. Nämlich dann, wenn die Vorfreude ins Unermessliche steigt und die Geduld in den Keller fällt. Glücklicherweise steuere ich gerade im richtigen Moment den Wagen von der Autobahn, hinein in die Berge, hinein in die Wälder. Entlang der plätschernden Flüsse und vorbei an Kühen, Schafen und Pferden. Der Wandel der Landschaft reicht den Kids aus, um zu erahnen, dass wir bald am Ziel sind und auch ich freue mich über die, laut Navi letzte Abzweigung. Sie führt uns über eine steile, bunt blühende Hangwiese. Etwas eng und kurvig, aber eben auch wunderschön, bis vor uns plötzlich das einmalig gelegene Gut Berg Naturhotel steht. Wir passieren noch einen großen Spielplatz. Ein uraltes Bauernhaus. Zwei Frauen, die uns auf prächtigen Pferden entgegenreiten und letztendlich schlängeln wir uns noch geschickt an einem tuckernden Traktor vorbei. Ich parke das Auto vor dem schönen Hotelgebäude, öffne die Türen, entlasse die Kinder in die duftende Bergwelt und orientiere mich. „Wo müssen wir hin?“ rede ich zu mir selbst. Aber da schnappt mich schon eine kleine Hand und zieht mich davon. „Komm einfach Papa. Wir gehen überall hin!“
Titelbild: © Elisabeth Fotografie

Drinnen werden wir herzlich von Familie Gschwandl empfangen. Die Hausherrin selbst erklärt uns alles Wichtige und aus irgendeinem Grund lauschen meine Kinder ihr so gespannt, als würde sie ein Märchen erzählen. Unser Appartement liegt tatsächlich nicht im luxuriösen 4-Sterne-superior-Gebäude, sondern in dem alten Bauernhaus nebenan. Es bietet uns mehr als genug Platz, eine Terrasse mit tollem Ausblick und ist gemauert aus Wänden, die so dick sind, das selbst ich mich strecken muss, um die Fenster zu öffnen. Es ist ein altes, aber wunderschönes Haus. Das Beste ist aber, dass man auf dem Weg zum Frühstück, zum Abendessen und eigentlich auf dem Weg überall hin, am Pferdestall vorbeikommt. Der Stall liegt quasi genau gegenüber, ist mit prächtigem Spalierobst bewachsen und macht aus dem Naturhotel Gut Berg erst das, was es eigentlich ist: Ein Hof mit Herz und Seele!

Der nächste Morgen beginnt, wie der Abend zuvor endete. Lecker und mit vollen Tellern. Im lichtdurchfluteten Panoramarestaurant, wo wir uns gestern noch das tolle Rind aus der Region haben schmecken lassen, flanieren nun die Kids durchs Frühstücksbuffet, ein klein wenig so wie gestern: überall hin! Erst viel später, als wirklich alle satt sind, starten wir in einen aufregenden Tag. Zuerst beschließen wir gemeinsam mit Steffi den Hof zu erkunden. Für Steffi, der sympathischen jungen Mutter, die einzig und allein dafür hier angestellt ist, ist das der Traumberuf. Den ganzen Tag auf der Weide, auf der Wiese, am Berg und auf dem Hof – mit neugierigen Kindern und ganz vielen Tieren. Man muss nicht zweimal hinsehen, um zu erkennen, wie viel Spaß ihr das macht. Und auch wenn die Eltern der anderen Kinder sich derweil lieber aufs E-Bike schwingen und Erwachsenensachen machen: Ich freue mich endlich so wertvolle Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, dass ich mich auch zur Hoferkundungstour einschreibe.

Drei Stunden später. Unsere Füße sind dreckig, die Haare zerzaust und die Augen leuchtend. Wir haben Löwenzahn für die Hasen gesammelt. Die Pferde gestriegelt. Nach den etwas störrischen Schafen auf der steilen Wiese hinterm Hof gerufen, solange, bis sie sich doch noch von uns Füttern lassen haben. Und wir haben die Ponys gefüttert, die den ganzen Tag über einen wunderbaren Ausblick ins Salzachtal genießen. Danke Steffi! 

Zum Mittag beschließen wir, die Seilbahn zu nutzen, unter der wir den Löwenzahn gesammelt haben. So schweben wir schon wenig später über das Hotel, zum Geisterberg hinauf, wo wir unser Mittagessen allerdings erst verdienen müssen. Von der Bergstation geht es von einem Spielgerät zum nächsten. Von Schaukel zu Rutsche. Von Kletterwand zu Balancier-Parkour. Und so vergehen die 250 Höhenmeter im Nu. Oben angekommen, da lassen wir uns die knusprigen Pommes schmecken, da sehen wir uns an der Aussicht satt, da erkunden wir die Hölzernen Spielplätze, die Bachläufe und Plantschbecken, den See und das Reich der lustigen Geister, die hier oben ihr humorvolles Unwesen treiben. Der Geisterberg ist ein wunderbarer Kinderberg. Hier hat man mit relativ wenig Aufwand ein wunderbares, naturbelassenes Kinderparadies geschaffen. Nicht anders als unten am Gut Berg Hotel. 

Den Abend verbringen wir wieder auf dem Hof. Auf dem Tennisplatz, im Pferdestall oder auf dem Trampolin. Meine Tochter hat es ganz offensichtlich ernst gemeint, als sie gestern sagte, sie wolle überall hin. Aber irgendwann sind auch die letzten Kraftreserven aufgebraucht. Und so liegen wir auf dem noch immer warmen Asphalt und beobachten, wie sich zuerst auf dem nahen Heukareck, später auf allen umliegenden Gipfeln, kleine Lichter entzünden. Bald brennen auf allen Bergen große und kleine Feuer und das ganze Tal sinkt in eine mystische, wunderschön stille Stimmung. Ich bin überglücklich meinen Kindern endlich zeigen zu können, was die Sonnwendfeuer sind, von denen ich immer redete. Lange liegen wir so da. Bis die ersten Augen zufallen.

Es scheint meinen Kindern nichts auszumachen, draußen auf dem Asphalt einzuschlafen und drinnen im weichen, warmen Bett wieder aufzuwachen. Als sei nichts gewesen schlendern sie einmal mehr durchs Frühstücksbuffet, tischen kräftig auf, nicht etwa, weil ich gesagt habe, dass heute Wandertag ist, sondern einfach nur, weil alles so lecker ist. Wieder warte ich kaffeeschlürfend bis die Kinderteller leer sind und wir uns – natürlich am Pferdestall vorbei – zum Auto bewegen. Als Ziel haben wir uns von Gschwandls das Großarltal empfehlen lassen: Das Tal der Almen. Und so stehen wir bereits nach wenigen Kurven am Taleingang, zwischen grünen Wiesen und kühlen Wäldern. Zwischen urigen Höfen, kleinen Sträßchen und dem Geklingel der Kuhglocken, die von irgendwo zu uns herauf schallen. 

Das kleine Heftchen, in dem alle Almen des Großarltales aufgelistet sind, habe ich zwar schon feinsäuberlich im Auto verstaut, doch trotzdem erwische ich mich dabei, im Panorama nach weiteren Zielen zu suchen. Drüben die Alpentaverne. Hier die Bichalm. Und ganz hinten, dort ist irgendwo die Filzmoosalm. Die Reitalm. Die Saukaralm. Die Hirschgrubenalm. Während meine Kinder schon wieder Löwenzahn pflücken, versuche ich schon ein Wanderziel für den nächsten Aufenthalt auszumachen. Wäre heute nicht schon unsere Abreise geplant: Morgen wäre sicher wieder Wandertag!

Als wir nach einer gemütlichen Stunde an der Heugathalm ankommen, kühlen wir uns zuerst am Brunnen ab. Dann dauert es nur Sekunden, bis die Kinder sich in alle Himmelsrichtungen zerstreuen. Zu den Pferden. An die Schaukel. Zu den Hasen, oder den Katzen. In den Stall, oder zur Rutsche, nahe des kleinen Plantsch-, genaugenommen dem Kneippbecken. Die Heugathalm macht dem Namen des Großarltales alle Ehre, so wie es jede einzelne der Almen tut. Urig. Naturbelassen und ruhig. Herrlich zu erwandern, ein Paradies für Kinder und einfach so gemütlich, dass man hier verweilen muss. Die neue Käserei hinter der Alm macht nebenbei deutlich, dass man hier auch gut essen kann, und so lassen wir uns schon bald einige deftige Jausenplatten schmecken. Belegt mit dem, was das Tal hergibt. Etwas süßes als Dessert und letzten Endes lässt es sich die Wirtin Elisabeth nicht nehmen, selbst für etwas musikalische Untermalung zu sorgen. Mit der Gitarre in der Hand, so singt sie von der Heimat. Von Liebe, blauen Himmeln und hohen Bergen. Die Kinder kuscheln vermutlich derweil mit den noch winzigen Kaninchen. Oder sie füttern im Stall die jungen Kälber. Oder sie genießen das kalte Brunnenwasser. Sicher sind sie hier irgendwo. Hier überall. Ich allerdings sitze in diesem Moment einfach nur am dicken Holztisch und glaube, dass die Welt noch in Ordnung ist. 

Text: Benni Sauer

www.gut-berg.com

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