maloja: Das Chiemgauer Kultlabel im Portrait

Für die Firmengründer Peter Räuber und Klaus Haas ist Maloja der Inbegriff für etwas Gutes und Schönes. Maloja ist weit mehr als nur der Markenname eines bayerischen Sports- und Streetwear-Labels. Es ist Ausdruck für Authentizität und Naturverbundenheit sowie ein Synonym für die Freiheit, den eigenen Weg zu gehen. 

Klaus Haas & Peter Räuber

Peter Räuber, der kreative Kopf
Peter Räuber – ein Mountainbiker der ersten Stunde, der zuweilen in einer Biker-WG in Torbole am Nordufer des Gardasees wohnte und sich dort als einer der ersten Bike-Guides der schnellwachsenden Mountainbike-Community verschrieb.  Seine Begeisterung fürs Bergradeln blieb nicht lange unentdeckt: Sunshine Products holten sich den Bayer ins Team und ließen ihn Mountainbike-Kollektionen entwickeln. Danach zog es Räuber in den Vertrieb zu Windsurfing Chiemsee. Sein jetziger Firmenpartner Klaus Haas war dort Räubers Kunde. Die beiden kamen ins Gespräch. Räuber speicherte seine Nummer unter »Klaus Future« ins Handy, arbeitete später noch drei Jahre für Matador, während die Idee Bikebekleidung zu entwerfen, die sowohl funktional als auch stylisch ist, weiter reifte. Irgendwann wählte der Chiemgauer die Zukunftsnummer und erörterte Haas seine Idee. Er wollte ihn als Berater – und führt nunmehr seit 15 Jahren mit ihm gemeinsam das Unternehmen Maloja.

Klaus »Future« Haas, der Kaufmann 
Klaus Haas, der Unternehmensberater und Anzugtyp lernte Peter Räuber während dessen Vertriebszeit kennen. Haas orderte bei ihm für ein Hotel mit Surfstation in der Dominikanischen Republik. Die beiden waren sich sympathisch. Als Räuber eines Tages Haas anrief, lud er ihn und seine Frau zu sich nach Hause ein. Räuber erklärte seine Idee, wollte den Kaufmann als Berater gewinnen, Haas gab ihm dafür eine Absage, um gleich hinterher zuschieben, dass er gerne als gleichberechtigter Partner in die noch nicht gegründete Firma einsteigen möchte. Und das in einer Zeit, die für die Sportbranche eher schwierig war und jeder von Neugründungen abriet. Der Unternehmensberater war von der Idee überzeugt und befand, dass es genau die richtige Zeit ist, um eine neue Marke auf den Markt zu bringen und diese zu etablieren. Er sollte Recht behalten.

Maloja – Markenname und Synonym für etwas Schönes und Gutes
Einige Jahre vor der Firmengründung verbrachte Peter Räuber eine coole Zeit mit Freunden in St. Moritz. Snowboarden, entspannen, das Leben genießen. Immer im Hinterkopf: ein Foto von einem Snowboarder im Schnee, darunter stand schlicht »Location: Maloja«. Dort wollte er hin, überzeugte seine Kumpels und sie fuhren in das Passdörfchen, nicht weit von St. Moritz entfernt. Vor Ort war dann zwar viel Schnee, aber anstatt eines Skigebietes nur ein kleiner Tellerlift, der offensichtlich nicht lief. Aber die Boarder hatten Glück: Der »Liftler« wurde auf die Jungs aufmerksam und schmiß den Motor an – Räuber und seine Bande erlebten einen legendären Tag im Schnee. Die intensiven Erlebnisse dieser Stunden prägten den späteren Unternehmer so sehr, dass fortan Maloja als Synonym für etwas Schönes und Gutes, für Glück und eine gute Zeit stand. Sogar leckeres Essen und hübsche Mädchen wurden »Maloja« genannt. Letztlich hat sich aus diesem Tag, wenn man so will, die Firmenphilosophie abgeleitet. Maloja geht seinen eigenen Weg, ist authentisch, gemeinschaftlich, respektvoll und setzt alles mit möglichst einfachen Mitteln um. Genau wie der Tag im Schnee am kleinen Dorflift von Maloja.

100 Händler auf einen Streich – Maloja kommt an
Das erste Firmenoffice zur Firmengründung 2004 bestand aus einem Raum im privaten E-Werk »SternStrom« in Bad Endorf. Für die Anfangsbelegschaft ausreichend: Die beiden Firmengründer plus Niculin, der unbedingt dort ein Praktikum absolvieren wollte und Peter schon kannte, plus eine freiberufliche Designerin – fertig war Maloja. Die erste Kollektion stand und wurde auf Anhieb von 100 Händlern geordert – ein echter Coups. Der erste Sporthändler, der Maloja ins Sortiment aufnahm, war übrigens Bader in Obermaiselstein. Danach ging alles ganz schnell, Maloja nahm Fahrt auf und das Ein-Raum-Office wurde zu eng. Niculin ist übrigens immer noch bei Maloja und kümmert sich um die Entwicklung der Kollektion. Philipp, der 2005 für die Kundenbetreuung als erster Festangestellter dazukam, ist mittlerweile im Designteam. 


Headquarter: Bach 1 – Das Label made in Bavaria wird größer  
2008, die Belegschaft war inzwischen auf sieben Personen angewachsen, platzte auch die mittlerweile bezogene Dachgeschoss-Wohnung aus allen Nähten. Räuber und Haas machten sich auf die Suche nach einem passenden neuen Arbeitsumfeld. Ihnen wird eine große Scheune auf einem außerhalb von Rimsting gelegenen Bauernhof angeboten. Nach einigem Hin und Her wurde man sich handelseinig und die Scheune ganz auf die Wünsche der beiden Chiemgauer umgebaut, oder besser gesagt ausgehöhlt, damit von außen betrachtet der bayerische Charme eines großen Stadels erhalten bleibt. Das Interieur spiegelt die Firma perfekt wider: Kein Chrom, dafür viel Holz, gemütliche Sofas, die Schreibtische wurden aus dem alten Scheunenboden gezimmert, weitere Möbel und Sitzgelegenheiten vor allem aus zweiter Hand gekauft, getreu dem Motto: Eigene Wege gehen, mit einfachen Mitteln und möglichst nachhaltig. Klassische Büroräume gibt es keine, auch nicht für die Chefs – nur Arbeitsnischen. Ins Auge stechen drei Esstische, die jeden Mittag von der Crew zum gemeinsamen Essen genutzt werden. Köchin Valli kümmert sich ums leibliche Wohl von Montag bis Freitag. Die gemeinsame Mittagspause mit einem warmen Essen ist fester Bestandteil des Arbeitstags. Das Mittagessen geht, nebenbei erwähnt, komplett auf Firmenkosten. 

10-jähriges Firmenjubiläum: Von Maloja zu Maloja 
Als Maloja 2009 sein neues Headquarter mit der hübschen Adresse »Bach 1« bezog, waren sie zu siebt. Mittlerweile ist die Crew auf rund 40 Personen herangewachsen. Fluktuation gibt es so gut wie keine, das Betriebsklima ist spürbar ausgeglichen und sehr kreativ. Genauso wie die 10-Jahresfeier von Maloja 2014: Die gesamte Belegschaft fuhr ins kleine Passdorf im Engadin, übernachteten dort, um in vier Tagen mit dem Mountainbike zurück ins Headquarter nach Rimsting zu fahren. Von Maloja zu Maloja.


Die Maloja-DNA: Funktion meets Style – jedes Jahr neu interpretiert
Peter Räuber´s Traum von funktioneller Bikewear bzw. Sportswear, die auch noch stylisch aussieht, ist seit nunmehr 15 Jahren Realität. Nur der Traum im Sommer zu arbeiten, um im Winter Snowboarden zu können, der ging nicht ganz auf … Der Ruf nach einer Winterkollektion wurde schnell laut. 2007/08 gingen die ersten Maloja-Winter-Outfits über die Ladentheke. Seither überrascht das Chiemgauer Label jedes Jahr mit einer komplett neuen Sommer- und Winterkollektion – von der alpenländisch inspirierten »HiSociety-« bis zur Ethno-Kollektion »Pachamama«. Im Jahr 2019 dreht sich alles um Sagen und Mythen aus dem Alpenraum und die »wilden Fräulein«, auf Rätoromanisch »Dialas« genannt, wie die Kollektion. Jede Saison wird von Null angefangen, das Zeitgeschehen betrachtet und mit Entwürfen verwoben, getreu der Firmenphilosophie »eigene Wege gehen«. 

Maloja Flagship Stores wie das Berghisle in Oberstdorf 
Von den anfänglichen 100 Händlern gibt es die meisten noch, weitere gut 800 Sportläden weltweit sind dazugekommen und werden durch sogenannte Flagship Stores noch zusätzlich ergänzt. Hier gibt es Maloja-Bekleidung so weit das Auge reicht: für Mountainbiker, Rennradfahrer, Kletterer, Läufer, Snowboarder, Freerider, Skitourengeher, Langläufer oder ganz einfach Streetwear-Fans, die gerne sportlich und stylisch gekleidet unterwegs sind. Flagship Stores gibt es in München, Oberstdorf,
Wiesbaden, Aschau, Innsbruck, Seoul und demnächst auch in Freiburg. Wo ein solcher Flagship Store entsteht, wird nicht vom Reißbrett aus geplant, sondern es ist ein Prozess, in dem auch die Location eine große Rolle spielt. Beim »Berghisle« von Petra Haberstock in Oberstdorf passt diese perfekt zu Maloja: Ein altes Gebäude mit viel Holz und noch mehr Geschichte. 


Funktion im Fokus: Maloja wird offizieller Ausstatter 
Die Firmengründer und passionierten Sportler, die auch mal ihre Langlaufski im Office wachsen, legten von Beginn an ihren Fokus auf eine gesunde Mischung von Funktion und Design. Entsprechend war es wiederum ein Meilenstein in der Firmengeschichte als Maloja 2012 Textilausstatter der Deutschen Nationalmannschaft Skibergsteigen wurde – der Formel 1 unter den Skibergsteigern, wie es Peter Räuber einmal ausdrückte. Denn wie im Motorsport zählt auch hier jedes Gramm am Körper, am Ski und am Schuh. Maloja entwickelt zusammen mit den Athleten wie Toni Palzer und Stefan Knopf die Outfits auf deren Bedürfnisse abgestimmt weiter, und genau wie in der Formel 1 kommen diese Entwicklungen, Finessen und Details den Produkten in den Shops ebenfalls zugute. Seit dem Winter 2018/19 stattet Maloja nun auch das U.S. Biathlon Team aus. Deren Cheftrainer seit dieser Saison übrigens der Allgäuer Michi Greis ist. Der ehemalige Spitzensportler und Olympiasieger freut sich riesig über die Zusammenarbeit. Es bleibt spannend welche Synergien und Impulse sich daraus ergeben und in die kommenden Kollektionen einfließen. Aber angefangen hat im Bereich Sponsoring wie auch in den Kollektionen alles im Bike-Segment: Aus einem Irschenberger Radsportverein wurden die Maloja Pushbikers, ein UCI Bahn- und Straßenrennrad-Team, das weltweit Rennen bestreitet, samt eigener Nachwuchsförderung.

Text: Susa Schreiner

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