Mit dem E-Bike am Achensee

Auf der Suche nach der besten Aussicht

Die Sommersonne knallt an diesem Nachmittag zum ersten Mal wieder so richtig vom Himmel. „So wird sich der letzte Schnee nicht mehr lange halten können“, denke ich mir und genieße einen großen Schluck. Mit einem Radler in der Hand und den Füßen im frischen Wasser lasse ich diesen Moment erstmal wirken. 

Den Achensee hatte ich heute Vormittag schnell erreicht. Von München über den kleinen Achenpass – keine anderthalb Stunden hat das gedauert. Einmal angekommen, ließ ich mich vom Funkeln des Sees auch gleich verzaubern. Zwar wird es noch einige Wochen dauern, bis der See ganz gefüllt ist, dann aber ist er der größte Tirols. Auch deswegen schätzen Surfer und Segler das sogenannte Tiroler Meer – die günstigen Windverhältnisse tun ihr Übriges. Dabei kann man hier noch viel mehr als nur Surfen und edel residieren. Der Achensee entwickelt sich mehr und mehr zum Outdoor-Ziel für Bergsportler aller Art – auch für E-Biker!

Der Blick vom Feilkopf über Pertisau bis hinüber nach Maurach.

Einem Fjord ähnlich schlängelt sich der 133 Meter tiefe See durch die steile Bergwelt. Von Achenkirch kommend, fuhr ich an seinem Ostufer entlang, passierte Maurach, wo der See in den kräftigsten Farben schillert, und setzte meinen Weg in Richtung Pertisau fort. Dort tauschte ich meine vier Räder gegen zwei und ließ mich dank Akkuunterstützung gemütlich bis auf die Feilalm tragen. 500 Höhenmeter später: Von der sonnenüberfluteten Terrasse war zwar nur ein kleiner Teil des Sees zu sehen, doch der zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich. Ich musste einfach hinschauen! Das markante Rofangebirge, das kecke Ebner Joch, der wuchtige Dristenkopf ganz im Süden. Ihnen stahl der Achensee gekonnt die Show. 

Das änderte sich auch nicht auf dem Feilkopf, der mit 1562 eine wahrlich perfekte Aussichtskanzel darstellt. 630 Meter über dem See laden hier Bänke zum Verweilen ein und wie ich meine Blicke einmal vom knalligen Bunt im Tal abwenden konnte, erblickte ich sogleich einen Steinadler, der hoch über mir seine eleganten Kreise zog. Keine drei Stunden war ich in diesem Moment auf meiner Reise, aber dennoch schon vollkommen angekommen. Da wo ich sein wollte. Zwischen erfrischenden Seen, eindrucksvollen Bergen und inmitten einer intakten, lebendigen Alpennatur. Endlich durchatmen!

Traumhafte Nachmittagsabfahrten mit Panoramablick – am Achensee keine Seltenheit.

Einige verdöste Minuten, einige Adlerkreise und Luftschlösser später, versuchte ich mir vorzustellen, wie der Blick wohl vom weiter südlich gelegenen Zwölferkopf sein würde. Von dort, so malte ich mir aus, könnte man vielleicht noch weiter ins Fjord hineinblicken. Ein kurzer Blick auf die Uhr, die Kontrolle der Akkustandsanzeige und schon ging es rasant bergab und hinein ins kleine Dristenautal. 

Etwas mit der Akkuleistung haushalten musste ich an diesem angebrochenen Nachmittag dann aber doch noch: fast eintausend Höhenmeter hatte ich bereits zurückgelegt. Im dichten Wald, im kühlen Schatten der Bäume, fiel es aber ohnehin nicht schwer, mich nur auf die Einteilung meiner Kräfte zu konzentrieren. Wenigstens eine kleine Sporteinheit am Anreisetag – fast schon Pflichtprogramm!

Karibik-Flair inmitten der Alpen.

Meine mir ausgemalte Sicht auf den See eröffnete sich allerdings nicht, nein, sie wurde übertroffen. Oben am kleinen Zwölferkopf gab es zwar nur wenige Möglichkeiten zwischen den Fichten hindurch zu spicken, die aber hatten es in sich: Skandinavisches Flair, gepaart mit einer kräftigen Portion Südsee und einer Brise Mittelmeer. Einfach einmalig schön!

Wie wohl der Blick vom Bärenkopf 500 Meter über mir gewesen wäre? Wie wohl von der Seekaralm im Norden? Von der Kaiser-Maximilian-Rast, oder der Köglalm? Es gibt am Achensee fast schon zu viele Ziele, zu viele Perspektiven. So schwang ich mich wieder aufs Rad und fand fast schon ganz nebenbei eine sportliche Alternative: die anspruchsvollste Passage dieses Tages. Vorbei an wunderschön in der Nachmittagssonne gelegenen Rastbänken führte der Weg. Steinige Stufen und knifflige Wurzelpassagen wollten dabei überwunden werden. Unten angekommen fielen dann meine Füße ohne Umwege ins kristallklare Wasser des Achensees.

Der TIROLER STEINÖL Vitalberg: Museum, Panorama-Café und natürlich Bezugsmöglichkeit des einmaligen Naturprodukts.

Da sitze ich nun. Lasse Revue passieren was war. Genieße was ist. Freue mich auf den morgigen Tag, an dem ich mit einem eingefleischten Kletterer eine der mir gegenüberliegenden Bergspitzen erwandern und natürlich von dort, von hoch oben, wieder einen neue Perspektive auf den Achensee finden werde.

Autor: Benni Sauer

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