Mountainbike-Weltcup in „THE LÄND“

Die schnellsten Biker kommen nach Aalen

Am 23. Juli wird die knapp 100.000 Einwohner starke württembergische Stadt Aalen Austragungsort eines UCI Mountainbike Weltcups sein. Wie es dazu kam? Wir haben mit dem Oberbürgermeister, dem Citymanagement aber auch den verantwortlichen Organisatoren und deutschen Topstars gesprochen.

Eines ist klar, es wird das sportliche Event- Highlight 2022 der schwäbischen Stadt Aalen. „Wir wollen Fahrradfahren in Aalen stärker machen. Der Weltcup ist ein großer medienstarker Baustein dafür. Mit der Anstellung der beiden Mountainbike-Manager im Rathaus zeigen wir, dass wir nachhaltig für die Region in diesem Bereich arbeiten wollen“, so Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting. Er konnte die beiden Weltcup-Profis Marion Fromberger und Simon Gegenheimer überzeugen, neben ihrem Job als Profimountainbiker auch noch das Amt im Rathaus anzunehmen. „Strukturen schaffen“ ist hier immer wieder das Schlagwort, welches wir von den beiden Mountainbikern hören. Ja und dann ist da noch die Frage, wie stemmt eine Stadt solch ein globales Projekt und Netzwerk – organisatorisch, in finanzieller aber auch in vertraglicher Hinsicht mit dem Weltradsportverband der UCI. Hier kommt Aalen wohl zugute, dass Steffen Thum als Organisator der Weltcups in Abu Dhabi und Paris gebürtiger Aalener ist. Thum sieht es als Auftrag, der Jugend Alternativen zur Playstation zu bieten und möchte Jung und Alt zeigen, dass das Fahrrad ein cooles Sportgerät, aber auch ein moderner und nachhaltiger Mobilitätsgegenstand sein kann.

Wir stellen die Protagonisten rund um den Weltcup vor und lassen diese zu Wort kommen:

Frederick Brütting
Oberbürgermeister der Stadt Aalen

Der „Captain“ der Stadt, erst seit 2021 im Amt und vom Naturell doch sehr weit entfernt von „langsam mal einarbeiten“. Bereits im ersten Amtsjahr will Frederick Brütting mit Aalen Großes bewegen – der Coup mit dem Mountainbike Weltcup zeigt dies eindrucksvoll. „Ich möchte die Sportstadt Aalen mit ihrer schönen Innenstadt und den attraktiven Geschäften, aber auch einer lebendigen Kneipenszene zeigen. Der Weltcup bietet eine Plattform, um dies auch überregional in Medien, wie der ARD oder ExtremeSports, zu tun. Es geht jedoch dabei nicht nur um Stadtmarketing über ein Wochenende hinweg. Durch unsere Mountainbike Manager bauen wir Vereins- und Trailstrukturen auf, die das Leben für die ganze Familie hier schöner machen werden und uns langfristig auch als Unternehmensstandort stärker positionieren. Der Mountainbike Weltcup in Aalen ist zudem kein Einjahres-Projekt, er soll vielmehr zum jährlichen, festen Bestandteil des Weltcupzirkus werden“, so der 38-Jährige. Er selbst, wie soll es auch anders sein, ist ebenfalls Biker und so sieht man den Oberbürgermeister auch mal in den Bikeshorts Schotterwege, aber auch die neusten Skill-Trails und Pumptracks testen. Mutig, aber nicht wagemutig, könnte man seine Fahrweise nennen, analog zur politischen Handlungsweise. Denn auch hier weiß Brütting stets auf die Absicherung seiner Stadt Rücksicht zu nehmen: „Wir haben mit der französischen Firma LTE und der Alpen Bike Academy erfahrene Partner, die einerseits das Weltniveau der Veranstaltung garantieren, zudem aber das finanzielle Risiko der Stadt deckeln. LTE mit Sitz in Paris ist Lizenzpartner gegenüber dem Weltradsportverband UCI, dies minimiert das finanzielle Risiko der Stadt auf die vertraglich zu- gesagten 90.000,-€. Das ist bei solch einem Großprojekt mit geplanten Kosten von über 400.000,-€ für unsere Stadt sehr wichtig. Ich bin froh, dass wir einen international vernetzten Partner an unserer Seite haben, der zudem mit dem Geschäftsführenden Gesellschafter Steffen Thum als Aalener die Stadt perfekt kennt“, so Brütting. Auch diese Konstellation zeigt einmal mehr, dass Aalen und MTB zusammenpassen. Dies bestätigen auch die Aalener Gemeinderätinnen und –räte mit einem einstimmigen Votum für den Weltcup!

Die Mountainbike-Manager:
Marion Fromberger & Simon Gegenheimer

„Wie cool ist das denn bitte? – Wir fahren vor meiner Haustüre, direkt an meinen Bars vorbei ein Weltcuprennen“, so der amtierende Weltmeister Simon Gegenheimer. Er selbst hat mit dem Weltcup als Veranstaltung nichts zu tun, ist aber in diverser Hinsicht Nutznießer dieser Situation. „Klar habe ich Heimvorteil bei diesem Rennen und ich bin mir sicher, wir werden eine grandiose Stimmung am Streckenrand vorfinden. Ich sehe aber auch die Vorteile für Marion und mich in unserer Funktion als Mountainbike Manager der Stadt. Wir werden den Kids und den Eltern zeigen, welch faszinierender Sport Mountainbiken ist. Vereinsstrukturen zu bilden ist eine unserer Aufgaben als Mountainbike Manager, nun werden diese geschaffenen Strukturen aber sowas von befeuert. Ich bin mir sicher, die neuen Radabteilungen bekommen damit bereits im Jahr-1 großen Zulauf“, so der amtierende Mountainbike Weltmeister im Sprint. Sein weibliches Pendant klingt keineswegs weniger enthusiastisch, als wir sie zum Thema Deutschland Weltcup in Aalen befragten: „Ich will Aalen damit langfristig etwas bringen. Mountainbiken ist keine Freak- & Funsportart für ein paar wenige, verrückte Männer. Mountainbiken ist, wenn es gut gemacht ist, nachhaltig, im Einklang mit der Natur und zudem für Jedermann und jede Frau, ganz egal welchen Alters, geeignet. Wir können nicht von den Jüngsten erwarten, dass sie auf unsere Natur Rücksicht nehmen, wenn wir sie gleichzeitig aus dem Wald verbannen. Und zudem kann man nicht verlangen, dass ein Teenager seine Spielekonsole beiseite legt, wenn die Alternative ein langweiliges Spaziergänglein ist. Wir brauchen Action – aber bitte nachhaltig. Mit Rücksicht auf die Natur angelegte Trails, mit dem Aufbau von Mountainbike Schulungszentren, langfristig sogar einem Biker-Campus, so können wir die nächste Generation hierfür sensibilisieren“, so Fromberger, welche mit ihren 21 Jahren selbst noch nicht gerade zur alten Generation zu zählen ist und dennoch zukunftsweisend Richtung aufzeigt.

Das Netzwerk dahinter:
Steffen Thum

„Es ist eine große Aufgabe einen Weltcup nach Aalen zu holen. Genau darum finde ich sie spannend“, so Steffen Thum, der selbst als zweifacher UCI Gesamtweltcupsieger im Marathon nicht ganz ohne mountainbikespezifisches Fachwissen ist. Des Weiteren ist seine Pariser Firma LTE auch für die Events in Dubai, Abu Dhabi und Paris zuständig. „Aalen muss sich keineswegs verstecken vor diesen Namen. Meine Intention ist es, bei jedem Event zu zeigen, was das jeweilige Land, was genau diese Stadt, kann. In Aalen haben wir kein Louvre, keinen Eiffelturm und auch den Strand sucht man vergebens. Doch wir haben wunderbare Menschen hier und einen motivierten, einheitlich auftretenden und aktiven Einzelhandel. Wir werden der Welt zeigen, wie schön diese engen Gassen sein können und versuchen ein Erlebnis zu schaffen, welches jedem Besucher in emotionaler Erinnerung bleibt“, so der gebürtige Aalener über seine Heimatstadt. Die größte Herausforderung sieht Thum im Portfolio der Finanzierung. „Die Events in den Großstädten liegen bei uns meist im 7-stelligen Budgetrahmen. In Aalen brauchen wir diese Summe meiner Ansicht nach nicht. Ich hoffe, dass Aalen mit schwäbischer Tugend spart, zusammenhält und dann meistern wir das gemeinsam getreu dem Motto: ‚Schaffa, schaffa, Häusle baua‘. Zudem soll der Aalener Weltcup auch aus Aalen stammen. Wir werden nicht ganz ohne internationale Sponsoren auskommen, aber ich möchte, dass wir auch die regionalen Unternehmen präsent zeigen. Integration in Nachhaltiges ist da das Schlagwort“, so Thum, der hier zum Beispiel auf die Weiternutzung der Hindernisse und den langfristigen Aufbau eines Biker-Campus verweist.

Aalen City Aktiv: In Person von Citymanager Reinhard Skusa und der stellvertretenden Citymanagerin Myriam Henninger

Der Innenstadtverein Aalen City aktiv (ACA) nimmt den Weltcup im Juli als Anlass, um zahlreiche Aktionen im Jahr 2022 unter das Motto „Fahrrad“ zu stellen. Das Lieblingssportgerät der Deutschen wird somit auch schon beim Verkaufsoffenen Sonntag im Mai oder bei Frühlingsveranstaltungen eine große Rolle spielen. Auch das Highlight im Sommer, die Aktion „Aalen City blüht“, wird passend zum Weltcup Fahrradthemen präsentieren. „Für uns ist dieser Weltcup eine Sensation“, freut sich Citymanager Reinhard Skusa. „Im gleichen Atemzug genannt zu werden, wie die Städte Dubai oder Paris ist natürlich der Hammer“, führt er weiter aus. Aalen ist seit Jahren Sportstadt und hat viele sehr erfolgreiche Sportler und sportbegeisterte Bürgerinnen und Bürger. Das Eventwochenende sorgt aber nicht nur für Begeisterung in der Region, tausende Zuschauer aus ganz Deutschland werden erwartet. Für die Aalener Innenstadt ein unglaublicher Gewinn. „Unsere Innenstadt hat so vieles zu bieten, neben vielfältiger Gastronomie und zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten punktet Aalen mit seinen kleinen Gassen und der attraktiven Altstadt. Die Besucherinnen und Besucher können sich auf tolle Tage in unserer schönen Stadt freuen“, betont Reinhard Skusa.

Die Sommeraktion „Aalen City blüht“, die alle zwei Jahre von der Stadt Aalen und dem Innenstadtverein Aalen City aktiv veranstaltet wird, bietet für den Weltcup einen ganz besonderen Rahmen. Ab dem 1. Juli werden verschiedene Plätze in der Innenstadt von Gärtnerbetrieben aus Aalen mit vielen Blumen und aufwendigen Arrangements passend zu Fahrradthemen dekoriert. Acht Wochen lang schmücken diese Aufbauten die Innenstadt und laden die Besucher zu einem Rundgang ein. „Als wir das Fahrradthema unseren Gärtnerbetrieben vorgestellt haben, sind sofort die Ideen gesprudelt. Das zeigt, wie viel Potenzial darin steckt“, sagt die stellvertretende Citymanagerin Myriam Henninger. Die Sommeraktion findet seit über 20 Jahren statt und ist eine der beliebtesten Aktionen in Aalen, da sie für alle Altersgruppen ansprechend ist. „Der Mountainbike-Weltcup wird in der diesjährigen Gestaltung der Plätze eine zentrale Rolle spielen. Wir werden aber auch spezielle Highlights für Kinder und Jugendliche einbauen und aufzeigen, was Aalen in Sachen Radsport alles zu bieten hat“, sagt Henninger. 

Abstimmungen laufen nun mit den Gärtnerbetrieben. Sicher ist jedoch schon, dass die Streckenführung des Weltcups an dem einen oder anderen Platz direkt vorbeiführen wird. Für die Themen Mountainbike und Fahrrad gibt es in Aalen eine breite Zielgruppe, da sind sich alle Akteure sicher. „Der Radsport liegt voll im Trend und wir möchten die Potenziale voll ausschöpfen und mit diesem Event auch zeigen“, so Skusa.

Kommentar verfassen