Outdoor-History: HAGLÖFS

Schweden. Land der Weite. Der endlosen, rauen Natur. Der von Wind und Wetter geprägten Landschaft und Menschen. Damals wie heute, sind große Teile dieser Region von Landwirtschaft geprägt. Harte Arbeit. Weite Entfernungen, die zurückgelegt, über die Mensch und Material transportiert werden müssen. 1886 wird Wiktor Haglöfs in diese Welt geboren. Sein Geburtsort liegt mitten in Schweden, etwa 200 Kilometer nordwestlich von Stockholm, zwischen Flüssen, Seen und Wäldern. 

Land- und Forstarbeiter wurden hier benötigt. Starke Männer, für schwere Arbeit. Wiktors Geist war aber nicht der eines muskelbepackten Kraftprotzes. Er war eher der Erfinder. Der Tüftler. Und so fertigte er im Alter von 28 Jahren eine lederne Tasche an. Ein Rucksack, mit zwei dünnen Riemen, zwei Außentaschen, noch dazu wasserdicht. Das war vielleicht keine Weltneuheit. Es war aber das, was die Leute in Torsång brauchten und so schnitt Haglöfs seine Tasche eigenhändig aus dem Leder und ließ die Teile im Nebenhaus von Maria, der Nachbarin, zusammennähen. 

Aus der nachbarschaftlichen Zusammenarbeit wurde eine langjährige Geschäftsbeziehung. 1919, nur fünf Jahre nach dem von Haglöf gesetzten Grundstein, wurde die kleine Bauernhütte zu klein. Wiktor baute vorausschauend eine Werkstatt, schnitt dort mit einem kleinen Team die Tücher und das Leder, fuhr alle sieben Tage zu Maria und lieferte die Einzelteile ab. Auch Maria war bald ausgelastet und stellte vier Näherinnen ein. 

Das Geschäft lief gut. Die Nachfrage stieg. Jahr für Jahr steigerte Haglöfs seine Verkaufszahlen. 16 Jahre nach der neuerbauten Werkstatt platzte diese aus allen Nähten und Wiktor Haglöfs löste dieses Problem gewohnt konsequent: Keine einhundert Meter von der alten Werkstatt entfernt, erbaute er eine Fabrik und stellte 20 Arbeiter, darunter seinen Sohn Rolf, ein.  Jedoch wuchsen nicht nur die Mitarbeiterzahlen – auch die Produktpalette wurde erweitert. Die unterschiedlichsten Rucksackmodelle entstanden. Gamaschen. Sogar Kleidung und Schuhe. Der Haglöfs-Stein war endgültig ins Rollen geraten.

Auch die Zielgruppen wandelten sich. Plötzlich waren es nichtmehr nur Forst- und Landarbeiter, sondern Abenteurer, Reisende und Wanderer. 

1945 stieß Hans, Rolfs Bruder zu den beiden Geschäftsmännern und treibt die Idee Haglöfs weiter voran. 1948 tüftelt er während einer Frankreichreise ein völlig neues Rucksackkonzept aus, das weltweit eine große Fangemeinde fand: Der Trapper! Es war übrigens auch gerade dieser Zeit zu verdanken – die Pfadfinder-Bewegung kam auf – dass Hans an einem Zelt tüftelte. Mit Hilfe der Scouts gelang Haglöfs ein für damalige Verhältnisse ungemein leichtes Zelt zu entwickeln. 1955 schließlich übergab Wiktor das Geschäft endgültig in die talentierten Hände seiner Söhne.

Der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte Haglöfs trat 1980 ein. Zwar hatten die Haglöfs-Brüder die Firma schon fünf Jahre zuvor verkauft, doch der Spirit, die Philosophie wurde nichtsdestotrotz weitergetragen. 1980 kam Mats Hedblom ins Team und führte die Firma dank seines modernen Zeitgeistes in eine neue Ära. 1985 kamen die Climber Rucksäcke auf den Markt. Erstmals ging Haglöfs ganz konkret auf eine bestimmte Zielgruppe zu und sprach sie mit den richtigen Produkten direkt an. Die Climber Rucksäcke waren für einen regelrechten Hardcore-Einsatz am Berg geschaffen und zeigten der ganzen Welt, was hinter den Schweden steckt.

In den frühen Neunzigern breitete sich Haglöfs in den unterschiedlichsten Outdoorsegmenten aus. Trekking, Wintersport, Expeditionsbergsteigen. Überall fanden die hochwertigen Produkte und cleveren Innovationen ihre Einsatzzwecke. 1995 ein weiterer Meilenstein: Der To-Go Wanderstiefel. Zusammen mit Orthopäden wurde ein Schuh entwickelt, der sich den unterschiedlichsten Fußformen anpasst. Ein Schuh für alle! 

2002 wurde das neue Design Office in der Nähe von Stockholm eröffnet. Ziel war es, auch weiterhin den unterschiedlichsten Ansprüchen der Outdoor-Profis gerecht zu werden. Ganz gleich ob Schlafsack, Jacke, Rucksack oder Schuh: Haglöfs entwickelt hochwertige Outdoorprodukte für Outsiders by Nature. Bei Haglöfs denkt man Dinge anderes, überschreitet Grenzen, wagt den Blick über den Tellerrand und lebt außerhalb der Komfortzone. So motiviert Haglöfs die Menschen dazu selbst hinaus zu gehen und die Natur mit all ihren Wunder zu erleben.

Mit hohlen Phrasen wie „green“ oder „eco-friendly“ wird aber bei den Schweden trotzdem nicht um sich geworfen, denn Nachhaltigkeit ist bei Haglöfs selbstverständlich und Teil aller Entscheidungen und Prozesse im Unternehmen. Die Firma versucht daher sehr viel spezifischer zu kommunizieren: Statt von „eco-friendly“ spricht man zum Beispiel „enthält recycelte Materialien“. Das ist ehrlich, direkt und transparent. 

Die Philosophie Wiktor Haglöfs lebt derweil weiter. Nach wie vor ist Haglöfs als eine Performance-Outdoormarke bekannt und konnte durch seine Technologien und hochwertigen Produkte zahlreiche Outdoorsportler auf der ganzen Welt überzeugen. Mitte der neunziger Jahre war das Haglöfs Spitz Jacket Deutschlands meistverkaufte Dreilagenjacke. Ein Erfolg, an dem direkt angeknüpft wurde. Mit der L.I.M Kollektion werden Lightweight-Trekker angesprochen. Jedes Gramm zählt, denn weniger ist mehr: Mehr Ausdauer, mehr Platz für andere Dinge und mehr Freude in den kommenden Abenteuern. Deshalb sind die Produkte der L.I.M Kollektion von Haglöfs so leicht wie möglich, ohne Kompromisse in Funktion und Performance einzugehen. Dieses Jahr räumten die Schweden sogar einen der begehrten ISPO-Awards ab: Mit der Nordic Expedition Down Jacket, einer wasserdichten Expeditionsjacke, die selbst den widrigsten Umständen standhält. Ultrawarm und ultraleicht. Das nur 850 Gramm leichte Wunderwerk hält den Träger dank Gänsedaunen sowie einer mit Graphen infundierten Polyesterisolation und dem atmungsaktivem Außenmaterial selbst unter nassen Bedingungen 10.000 Minuten lang warm (nach IDFB 18-A Testmethode). Ganz offensichtlich gelang Haglöfs damit der nächste Meilenstein. Die Jacke wird ab Dezember 2021 verfügbar sein. 

Mit der Nordic Expedition, geht Haglöfs den Weg, den Wiktor schon vor über einhundert Jahren eröffnet hat. Haglöfs blieb und bleibt den Werten von damals treu und strebt, damals wie heute, dem besten Produkt für jedes Outdoor-Abenteuer entgegen. Übrigens: Die 1919 von Wiktor Haglöfs gebaute Werkstatt steht noch heute und ist noch immer Teil der schwedischen Outdoor-Pioniere.

Text: Benni Sauer

Kommentar verfassen