Outdoor-History: LEKI

Wer meint, ein Stock sei einfach nur ein Stock und man könne damit nun mal das Rad nicht neu erfinden, sollte sich die folgenden Seiten genau ansehen. Mit schwäbischem Erfindergeist tüftelt man nämlich schon seit 1948 an nichts anderem als dem besten Produkt der Welt – und das sehr erfolgreich!

Dettingen unter Teck, am Rande der schwäbischen Alb. Nur drei Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges eröffnet Karl Lenhart hier einen kleinen Holzverarbeitungsbetrieb. Schriftzüge für die unterschiedlichsten Gewerbebetriebe werden hergestellt. Das Geschäft läuft gut. Vor allem Handwerksbetriebe, Bäckereien und Metzgereien gehören zu Lenharts zuverlässigen Abnehmern. 

Der Geschäftsführer ist aber nicht nur leidenschaftlicher Tüftler und Bastler, sondern hegt auch eine große Liebe zum Wintersport. Der Skifahrer muss sich aber immer wieder mit minderwertigem und nicht ausgereiftem Equipment auseinandersetzen. Das ist natürlich für einen geschickten Schwaben kein tragbarer Zustand, zumal in seiner Werkstatt, die den Namen „Karl Lenhart Plastik und Metall“ trägt, alle nötigen Maschinen, Werkzeuge und Materialen zu finden sind, um dem Problem ein Ende zu setzen. Gesagt, getan: Erste Experimente, modifizierte Stockgriffe, verbesserte Schneeteller. Die einzigartige Geschichte der Firma LEKI legt anfangs einen recht unscheinbaren Start hin. Erst in den 60ern gehen die ersten Stock-Modelle in Serie. Dabei hilft Karl Lenhart nicht nur die Liebe zum Wintersport, sondern auch ein augenscheinlich unerschöpflicher Erfindergeist, gepaart mit seinen im Flugzeugbau gesammelten Erfahrungen mit der Verarbeitung von Aluminium und Composite-Werkstoffen. In den 70ern fertigte Lenhart schließlich die ersten Stöcke im nahegelegenen Kirchheim unter Teck. Auch ändert er den Firmennamen. Aus seinem Nachnamen Lenhart und dem neuen Stammsitz der Firma Kirchheim, entwirft der Firmengründer die Marke LEKI.

Von Anfang an spielte LEKI eine global führende Rolle: 1960 verwendet LEKI weltweit erstmalig Glasfaser-Materialien für die Skistockproduktion. 1962 kam die „LEKIFIX“ Befestigungshülse für Skiteller – Karl Lenharts Innovation ist selbst heute noch weltweit an jedem Skistock angebracht! Nur ein Jahr später gehen die ersten Stöcke aus hochfestem Aluminium über die Theke. Schon damals war LEKI der weltweit einzige Hersteller, der seine Schäfte in Eigenproduktion selbst härtet. Und das ist er bis heute geblieben – denn nur so kann ein gleichbleibend hoher Qualitätsstandard garantiert werden.

Was folgt ist die steile Erfolgsgeschichte eines traditionellen Familienunternehmens. Langlaufstöcke ergänzen schon früh das Produktportfolio. Und schnell holen die sommerlichen Verkaufszahlen jene der einstigen winterlichen Hauptsaison ein: Trekkingstöcke sind schon in den 1970ern ein Verkaufsschlager, woran natürlich wieder Karl Lenharts Innovationen beteiligt sind. Nachdem der Schwabe mit dem LEKI Classic Verstellsystem ein ausgeklügeltes Spreizsystem entwickelte, wird der Grundstein für die Ära des LEKI „Makalu“ gelegt – der weltweit erste verstellbare Trekkingstock!

Klaus Lenhart, Karls jüngstem Sohn, der schon in jungen Jahren in die Leitung des Betriebes integriert ist und seit 1984 die alleinige Geschäftsführung übernimmt, treibt das Geschäft weiter erfolgreich an. Mit seinem Knowhow, Erfindergeist und fortschrittlichem Denken, macht er aus Leki erst das was es heute ist.

Nur ein Jahr später bringt Lenhart sein Produkt einen Schritt weiter in Richtung des besten Produktes der Welt: Die neue LEKI Flexspitze verlängert die Lebensdauer enorm. Kein Wunder, dass die Hartmetallspitze noch heute zum Standard gehört – fast 50 Jahre nach ihrer Erfindung. 

1978 dann eine echte Sensation: Peter Habeler und Reinhold Messner besteigen im Alpinstil den höchsten Berg der Erde. Während die beiden Extrembergsteiger sogar auf die Verwendung von künstlichem Sauerstoff verzichteten, galten die Stöcke aus dem Ländle für Habeler und Messner wohl als unverzichtbar. Spätestens seit jenem Jahr spielt LEKI als Global Player die erfolgreiche Rolle des Weltmarktführers. 

Sich auf den wohlverdienten Lorbeeren auszuruhen war aber für Lenhart schon damals keine Option. Die Erfindungen gehen weiter und reichen von flexiblen Schneetellern für bessere Anpassung an die Hangbedingung, über Anti-Shock-Systeme, bis hin zu optimierten Griffen, um das Schwungverhalten zu verbessern und das Handgelenk zu entlasten. 

Seit 1996 erlauben die Turbo Disc Griffe erstmals das variable Verstellen der Schlaufe, während sie gleichzeitig aber auch eine Fixierung zulassen. Die passenden Handschuhe, die unkompliziert und schnell eine Klick-Verbindung zum Griff schaffen, lassen nicht lange auf sich warten.  

Im Jahr 2000 wird die neue Produktionsstätte im tschechischen Tachov eingeweiht – es entsteht die weltgrößte, modernste Skistockfertigung. Bei der Auswahl des Standortes war es dem schwäbischen Unternehmen wichtig, auf eine langfristige Produktion in Europa zu setzen und immer schnell vor Ort sein zu können. Bis heute erreicht LEKI aus dem Herzen Europas Freizeitsportler und Profis in der ganzen Welt. Ins Athleten-Team des Stock-Profis gehören seitdem Laufsportgrößen wie Pau Capell, Luis Alberto Hernando und Xavier Thévenard aber natürlich auch die Wintersportlegenden Felix Neureuther und Mikaela Shiffrin sowie eine Vielzahl ambitionierter Bergführerinnen und Bergführer, die tagein tagaus mit LEKI Stöcken am Berg sind. 

2012 verstarb der frühere Firmenchef Klaus Lenhart, der auch begeisterter Profi-Motorkunstflieger (fünffacher Deutscher Meister) war, an den Folgen eines schweren Unfalls. Ein Ende des Innovationsgeistes war aber selbst in derart schwierigen Zeiten nicht in Sicht. Nach dem Flugzeugabsturz übernahm Klaus Lenharts Ehefrau Waltraud die Geschäftsführung. Heute führen Martin Rominger und Matthias Hatt das Unternehmen. 

Produktmanager Christian Nordhaus verrät, wie damals wie heute bei LEKI gearbeitet wird: „Wir bekommen viel Input und Feedback von unseren Athleten und überlegen dann, wie wir das technisch umsetzen können.“ Dann werden mehrere Varianten ausprobiert, bis sich eine als die beste herauskristallisiert. Bis ein Produkt oder eine neue Entwicklung fertig sei, dauere es gut zwei Jahre, also verhältnismäßig lange: „Da steckt einfach ganz viel Leidenschaft mit drin.“

60 Mitarbeiter in der Zentrale in Kirchheim unter Teck sowie 230 Mitarbeiter im tschechischen Tachov, dem europäischen Produktionsstandort, stehen heute hinter dem Familienunternehmen. Überall in der Firma LEKI findet man dabei übrigens geschlossene Produktionskreisläufe, was eine besonders nachhaltige Fertigung ermöglicht. Eventuell beim Schleifen und Fräsen anfallende Restmaterialien werden restlos wiederaufgearbeitet und finden erneute Verwendung. Eine sehr hohe Fertigungstiefe stellt sicher, dass das Unternehmen autark und nicht von Zulieferern abhängig ist. Übrigens: Der Grundsatz von Firmengründer Karl Lenhart gilt also noch immer. Das Streben nach dem weltbesten Produkt bringt von sich aus schon eine sehr große Nachhaltigkeit mit sich. „Die größte Nachhaltigkeit ist bei uns, Produkte auf den Markt zu bringen, die eine sehr hohe Lebensdauer haben“, erklärt Geschäftsführer Matthias Hatt. „Dadurch bieten wir den meisten Mehrwert.“

Autor: Benni Sauer

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