Outdoor-History: MAMMUT

Dintikon im Schweizer Kanton Aargau. Kaspar Tanner, ein talentierter Handwerker, lässt sich hier 1862 nieder – die Geburtsstunde von Mammut und der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Tanner war zuvor viel in Deutschland unterwegs, arbeitete nach seiner dreijährigen Lehre hier und dort, verdiente sein Geld als Seiler. 

Weit entfernt von Dintikon sind die Berge, erst recht die, auf denen ein Seil Verwendung finden könnte. Doch Tanners Seile dienten zu Beginn auch einem ganz anderen Zweck: In der von Landwirtschaft geprägten Region waren gute Seile gefragt – mal mehr, mal weniger. Drum bemühte sich Tanner um ein weiteres Standbein: Seile für Segel- und Bergsport!

Im Anschluss an Kaspar Tanner übernahm sein Sohn Oscar das Geschäft. Die ganze Zeit über blieb die Seilerei in Familienbesitz. 1924 wird sie dann zur Seilwarenfabrik AG Lenzburg. Bis 1943, als erstmals ein Mammut auf der Bildfläche erscheint. Stärke und Kraft soll das Urzeittier verkörpern und wozu würde das besser passen als zu einem Seil?

Wie innovativ bei MAMMUT gearbeitet wird, ist seitdem regelmäßig und ganz hervorragend sichtbar. 1952 beispielsweise, als das MAMMUT Argenta Gletscherseil auf den Markt kommt. Es ist das erste aus Nylongarn gedrehte Seil und ein Meilenstein der alpinen Sicherheit. 

Schon lange zuvor kam ein gigantischer Stein ins Rollen: Der Alpinismus! Mont Blanc, Großglockner, Zugspitze, auch selbst das Matterhorn, alle wurden bereits bestiegen, meistens aber mehr aus wissenschaftlichen Gründen als aus sportlichem Ehrgeiz. Die Menschheit stieß aber immer häufiger in die Natur hervor. Gute Seile, auch Schuhe, Schlafsäcke und Rucksäcke wurden immer gefragter.

Bereits 1855 wurde zum Beispiel in Norwegen die Firma Fuglesangs Sønner gegründet. In die Schlafsack-Produktion steigen die Norweger im Jahre 1890 ein, später wird die Firma in Ajungilak A /S umbenannt. Für MAMMUT-Freunde ein bekannter Name: 2001 wird Ajungilak in die MAMMUT Sports Group integriert.

Ähnlich geht es gleich einer ganzen Reihe erfahrener Mitspieler: Der Schweizer Schuhprofi Raichle hatte bereits mehr als einhundert Jahre Erfahrung, was ihn für MAMMUT interessant machte. 2003 übernimmt die Sports Group Raichle, seit 2009 werden Raichle Schuhe unter dem Namen MAMMUT verkauft. Und auch der schweizerische Rucksackspezialist Fürst wird übernommen. Das zottelige Eiszeittier steht schon bald für ein breites Spektrum und wird weltweiter Premium-Komplettanbieter. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Wie wir wissen zertifiziert die internationale Bergsteigerorganisation UIAA seit jeher Seile. Der Alpinismus wird so sicherer, das Equipment übersichtlich klassifiziert. Ein Seil ist seitdem nicht mehr einfach nur irgendein Strick, sondern ein, auf technisch höchstem Niveau auf die jeweilige Unternehmung angepasster Ausrüstungsgegenstand. 1964 zertifizierte die UIAA zum aller ersten Mal ein Seil und mal wieder war es MAMMUT der es liefern durfte. Das MAMMUT Dynamic war somit das erste dynamische Seil mit UIAA Zertifikat. 

Erstaunlicherweise wird nur vier Jahre später, also bereits im Jahr 1968, das erste Lawinenverschüttetensuchgerät im Hause MAMMUT entwickelt. Auftraggeber war die Schweizer Armee. Sie wollte mit den kleinen Helfern die Überlebenschancen von Lawinenopfern entscheidend verbessern – mit Erfolg! Das Barryvox VS 68 wird in den darauffolgenden Jahren mehr als 100.000 mal produziert.

In den 70er-Jahren wurde die Produktentwicklung weiter vorangetrieben. Ergebnis waren einmal mehr bahnbrechende Innovationen. 1978 präsentierte Mammut die Altitude Jacken und Hosen, gefertigt aus dem zur damaligen Zeit brandneuen GORE-TEX®-Material. Bis heute steht MAMMUT für kompromisslose Bekleidung, die selbst bei widrigsten Umständen einen hohen Tragekomfort und Wetterschutz bietet. Gerade letzteres ist ein wichtiger Sicherheitsaspekt und von größter Bedeutung!

1984. Die erste Softshell-Hose kommt in die Geschäfte und erfreut sich außerordentlicher Beliebtheit. Die neuen, schnell trocknenden, winddichten und atmungsaktiven Hosen werden nur zu gerne gegen ihre schweren und unpraktischen Vorgänger eingetauscht. Wieder einmal gelingt MAMMUT ein Meilenstein. Heute ist das Softshell-Material nicht mehr aus dem Alpinismus wegzudenken. Vom Schuh bis zum Stirnband lässt es sich wunderbar in jedes erdenkliche Bekleidungsstück einarbeiten und garantiert einen bis dato nie erreichten Tragekomfort! Im gleichen Jahr kommt eine breite Kletterkollektion heraus. Gurte, Karabiner, Bekleidung – alles aus einer Hand.

So sieht MAMMUTS Weg ins Hier und Jetzt aus. Heute kann man unschwer erkennen, dass MAMMUT zwar vieles erreicht hat, was anderen Herstellern nicht gelang, doch man sieht auch, dass die Schweizer noch lange nicht am Ziel sind. Wie erst kürzlich auf der ISPO 2021: Climbax nennt sich das kleine Trackingsystem, der erste seiner Art überhaupt. 

Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit gelang es den Schweizern erstmals, mit Hilfe zweier Armbänder und einer Smartphone-App, die Kletteraktivität aufzuzeichnen. Ganz ähnlich, wie es bei Läufern oder Radfahrern schon lange üblich ist. Ganz einfach ist es seitdem, seine Daten zu erfassen, auszuwerten und mit denen anderer Kletterer zu vergleichen. Wie viele Meter wurden geklettert? Wie viele Züge gemacht? All das wird aufgezeichnet.

„Beim Klettern gab es bisher keine Möglichkeit, die eigene Aktivität objektiv aufzuzeichnen“, erklärt Stefan Hauser, Senior Project Manager Climbax bei Mammut, die Grundidee der Innovation. „Dank Mammut Climbax können wir zum ersten Mal sagen, wie viele Klettermeter und Kletterzüge man während einer Session absolviert hat oder wie viel Zeit man aktiv in Bewegung war.“ Und die Idee kommt an: Der goldene ISPO Award geht an den Climbax und unterstreicht, dass ein traditionsbewusstes Unternehmen sehr wohl auch mit der Zeit gehen kann!

Das ist übrigens eine Tatsache, die sich MAMMUT zu Recht auf ihre Fahnen schreibt. Heute stellen wir nicht nur ganz andere Anforderungen an das Equipment, sondern stehen auch vor ganz anderen Aufgaben als noch vor 159 Jahren. Ganz oben auf der Liste des Produzenten steht deswegen die Nachhaltigkeit. Zum Schutz der Umwelt wird bei MAMMUT alles für saubere Herstellungsverfahren mit minimalen Emissionen getan. Um den Ausstoß schädlicher Substanzen in die Umwelt zu vermeiden, stellt MAMMUT sicher, dass sie gar nicht erst in die Lieferketten des Unternehmens gelangen.

Ähnlich sieht die Sache beim Tierwohl aus, ganz besonders natürlich bei der Daune, aber auch bei Leder und Wolle. Zur Gewährleistung des Tierwohls ist MAMMUT bestrebt, Rohstoffe tierischen Ursprungs ausschließlich aus Quellen zu beziehen, die eine verantwortungsvolle und artgerechte Tierhaltung nachweisen können.

Nachhaltigkeit beginnt bei der Produktion, sie geht aber noch viel weiter: Als die Firma 2019 ihren CO2-Fußabdruck von 2018 berechnete, wurde schnell klar, dass etwas unternommen werden musste. Dabei rückte vor allem der Gletscherrückgang in den Fokus, der letztendlich auch der Initiative ihren Namen gab: Together for Glaciers! Dabei werden beispielsweise ausgediente Kletterseile gesammelt, aus denen T-Shirts und andere Bekleidung hergestellt werden kann.

Als Unterzeichner der UN Fashion Industry Charter for Climate Action verpflichtete sich MAMMUT, den CO2-Ausstoss bis 2030 um 30% zu reduzieren. Bis 2050 soll sogar ganz klimaneutral produziert werden. So arbeitet man daran, die Gletscher der Alpen noch möglichst lange zu erhalten. MAMMUT will also einmal mehr motivieren. Jeden von uns. Nicht als Kunden oder Verbraucher, sondern als Teil der Lösung!

Autor: Benni Sauer

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