Outdoor-History: Salewa

Es ist der 8. Juli 1935, an dem Josef Liebhard in München eine Tochtergesellschaft gründet. Als Direktor soll er die Münchner Sattler- und Tapezierer-Einkaufsgenossenschaft auf Sattler- und Lederwaren spezialisieren. Das Geschäft läuft an, doch schon die Währungsreform von 1948 stellt für die Gesellschaft einen Neuanfang dar. Die Firma produziert in diesen Jahren hauptsächlich Fototaschen für Agfa. Rücksäcke, Motorradtaschen und Fußbälle werden zusätzlich in das Portfolio aufgenommen. Ende der 40er stellen Skistöcke schließlich das wichtigste Verkaufsprodukt dar – damals noch aus Haselnussholz.

1955 weht ein frischer Wind durch die Firma. Die Andenexpedition von Hermann Huber wird unterstützt und der einzigartige Anden-Rucksack entwickelt. Huber, der an der Entwicklung des Rucksackmodells beteiligt war, schickt in den Folgejahren gleich eine ganze Reihe an Weltneuheiten in die Produktion. Das vollverstellbare Classic-Leichtsteigeisen setzt neue Standards. Mit der Erfindung der Rohreisschraube macht Huber aus dem Sattler- und Lederwarengeschäft das, was es heute ist. Aus den Anfangssilben wird SALEWA – Vorreiter in puncto Innovation beim Bergsport. 

Ende der 70er wird das Logo, ein Adler, der symbolhaft für die Qualität und Leistung der Produkte stehen soll, eingeführt. Wenig später kommen die Produkte auf Expeditionen von Bergsteigerlegende Reinhold Messner und dem Vater des Rotpunktkletterns Kurt Albert zum Einsatz. 

1990 übernimmt Heiner Oberrauch und seine Oberalp Gruppe SALEWA. Der Hauptsitz wird von München nach Bozen, ins Herz der Dolomiten verlegt. „Half weight – double resistance“ war schließlich der Ansporn für einen weiteren Meilenstein, dem Helium-Helm, der 1994 den Markt eroberte. Dieses Motto wurde daraufhin zum Forschungsziel erklärt. Der SUB 33, ein 33 Gramm leichter Karabiner und die Ultra Jacke (350g) folgen. In Finale Ligure, an der italienischen Mittelmeerküste, wird 2002 dann das erste Einzelhandelsgeschäft eröffnet. Frankreich und Spanien folgen. 2005 steigt SALEWA in den Geschäftsbereich Footwear ein. Der Alpin- und Outdoorsportanbieter ist zu dieser Zeit auf allen europäischen Märkten vertreten. 2007 erobert SALEWA sogar den nordamerikanischen Markt und eröffnet eine Niederlassung in Boulder, Colorado. In Korea werden mehr als 40 SALEWA-Shops eröffnet, in Polen wird eine Tochtergesellschaft gegründet. 

2011 wird der neue Hauptsitz eröffnet. Schon der futuristische Glasbau erinnert an ein Bergmassiv, er vereint eine Kletterhalle auf Weltklasse-Niveau, Zentrallager und Büroräume, einen Shop und produziert mehr Energie als verbraucht wird. Schnell erreicht SALEWA eine weltweit führende Stellung im Alpinsport, ist in 30 Ländern und 2.500 Stores vertreten. Heute steht SALEWA dabei aber nicht nur für die kompromisslos gute Qualität der Produkte, sondern auch für Nachhaltigkeit und echte Innovationen. Während der Coronakrise stellt sich das Familienunternehmen gegen „Fast Fashion“ und bewegt zum Umdenken. Der Südtiroler Ausrüster erreicht damit, dass Kunden wieder den Wert der Kleidung zu schätzen wissen. Darüber hinaus macht SALEWA klar, dass echte Innovationen eben nicht jedes Jahr neu in den Regalen zu finden sein können. Innovation braucht Zeit. Marginale Änderungen eines Produktes als innovative Neuheit zu präsentieren lehnt SALEWA ab. Das Familienunternehmen verarbeitet deswegen erfolgreich Wolle aus Tirol, re- und upcycelt die unterschiedlichsten Materialien, wird in naher Zukunft auch wieder auf nachwachsende Rohstoffe wie Hanf setzen und mit der Zeit sicher auch weitere technische Neuheiten liefern. Der Hanf soll, wie schon Tirolwool, aus der Region kommen, im besten Falle sogar von Südtiroler Bergbauern. Diese Verbundenheit mit den Dolomiten, die Verantwortung und die Vision finden sich in allen Produkten wieder.

Pure Mountain.
Engineered in the heart of the Dolomites.

Text: Benni Sauer

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