Salewa setzt auf Hanf

Alter Rohstoff neu entdeckt!

Seit weit mehr als 10.000 Jahren nutzte die Menschheit die faserige Hanfpflanze. Erstmals in China und Persien wurden mit ihrer Hilfe Textilien und sogar Papier hergestellt. Jahrhunderte lang bestanden unsere Hosen, Segel, Seile und Bücher aus Hanf. Die Industrialisierung aber verdrängte das Naturprodukt, ließ all ihre Vorteile in Vergessenheit geraten. 1982 wurde sogar selbst der Anbau von speziell gezüchteten Nutzhanf-Sorten in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas verboten. Völlig zu Unrecht! Denn diese Züchtungen enthalten derart geringe Mengen THC, dass sie als Rauschmittel gänzlich ungeeignet sind, in der Industrie aber ein wertvollen Rohstoff darstellen. Ob als Seil, als Hausdämmung, oder sogar auf unserem Teller: Hanf kann unglaublich viel!

© Storyteller Labs

Doch was hat das ganze nun mit Bergsport zu tun?
Keine Angst: Die Zeiten in denen man mit alten, schweren Hanfseilen auf Berge stieg, die sind vorbei. Endgültig. Anderswo haben Hanfseile sicher noch eine Berechtigung – im Bergsport aber sind sie tabu. Der Südtiroler Bergsportausrüster Salewa aber nutzt das Naturprodukt trotzdem! Und schöpft dabei all seine Vorteile voll aus.

Angenehm weich und natürlich fühlt sich die Hose an. Diese ansprechende Haptik und der hohe Tragekomfort fallen mir als erstes auf. Ein kleiner Aufdruck verrät schließlich, warum das so ist. Alpine Hemp! Mehr als die Hälfte des Hybrid-Materials ist aus Hanf. Dadurch entsteht ein völlig neuartiger Material-Mix, mit hervorragenden Eigenschaften: Die Atmungsaktivität ist erstklassig. Die Oberfläche robust und abriebfest. Die Salewa 5 Pockets Alpine Hemp Hose ist sogar leicht dehnbar und macht dank ihrem Schnitt jede Bewegung mit. Wird sie nass, trocknet sie in Windeseile. Und an heißen Tagen, profitiere ich von einem angenehm kühlen Tragegefühl. 

Die Vorteile sind also spürbar. Aber auch wer tiefer in die Materie eintaucht, wird nicht enttäuscht, den Salewa springt keineswegs nur auf den grünen Zug auf, sondern macht Ernst! Der Nutzhanfanbau hat in den Alpen eine lange Tradition. Die Pflanze wächst schnell, ist anspruchslos und braucht nur wenig Wasser. Sie gedeiht selbst im Alpenklima so prächtig, das auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden verzichtet werden kann. Die Transportwege sind denkbar kurz, denn der Hanf wächst ja quasi vor der Haustür. Salewa bringt mit der Alpine Hemp Sommerkollektion also einen nachhaltigen Stein ins Rollen, regt sogar eine langfristige, lokale Kreislaufwirtschaft an.

Nun schon seit 2016 tüftelt man bei Salewa an der Umsetzung der Idee, mit der ganz nebenbei eine fast totgeglaubte Tradition der Alpen wiederaufsteht. Damit der Stein auch weiterhin rollt, reinvestiert Salewa 10% des Umsatzes der Alpine Hemp Kollektion in den lokalen Hanfanbau. Das alte Wissen wird reaktiviert und Kleidung wieder nachhaltig und umweltschonend produziert.

Übrigens: Das im Material-Mix enthaltene Polyester ist natürlich rezykliert. Nachhaltigkeit und Funktion werden damit überzeugend auf den Punkt gebracht. Heute will niemand mehr das Tragegefühl von Kunststoff auf der Haut spüren. Niemand will sich schädliche Chemikalien aussetzen, oder ein schlechtes Gewissen haben müssen, weil die Kleidung unter undurchsichtigen Umständen am anderen Ende der Welt produziert wurde. 

Christine Ladstaetter, Special Product and Innovation Managerin

„Die Wertschöpfungskette und das Potential für eine nachhaltige Faser mit geringer beziehungsweise ohne chemische Belastung waren uns wichtig. Außerdem die Aussicht, mit einer Faser arbeiten zu können, die in unseren Breitengraden wachsen kann.“ Das sagt Christine Ladstätter, Special Product & Innovation Managerin bei Salewa. Weiter spricht sie von den Zukunftsplänen, denn die Südtiroler haben viel vor mit der Cannabis-Pflanze. Noch kommt der Rohstoff nämlich aus China, dem Land, das die Hanfproduktion in vielen tausend Jahren perfektioniert hat.

„Um einen Anbau in den Alpen zu realisieren, sind wir im Gespräch mit den Landwirtschaftsreferenten in Südtirol und Tirol sowie dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut Laimburg. Zusätzlich interagieren wir mit Unternehmen und Instituten, die Interesse daran haben, Hanf als Pflanze und Rohstoffquelle zu nutzen und zu erforschen.“, so Ladstätter weiter. Dass das mehr als nur leere Worte sind, beweist Salewa mit Taten. Seit 2018 wächst das Alpine Hemp schon auf zwei Testfeldern in der Nähe von Bozen. Dort wird das Wachstum beobachtet, aber auch beispielsweise die Ernte in Praxisversuchen erprobt. Ein Vorhaben, das große Kreise zieht. Bauern in der Region sind interessiert, da Hanf eine ausgezeichnete Wechselfrucht ist und als Tiefwurzler die Böden regeneriert. Auch die Lebensmittel- und Bauindustrie steht in den Startlöchern. Die Pflanzen können fast vollständig verwertet werten. Von der Blüte bis zur Faser.

Letztendlich ist es aber der Kunde, der über den Erfolg des Projekts entscheidet. Denn könnten die Alpine Hemp Kleidungsstücke keine Vorteile gegenüber herkömmlichen Produkten bieten, wäre eine langfristige Umsetzung unmöglich. Glücklicherweise überzeugten mich die Produkte nicht nur schon beim ersten Anfassen, sondern auch bei Praxistests. „Die Hanffaser ist höchst atmungsaktiv und isolierend. Sie schützt vor Auskühlung und Überhitzung, fühlt sich durch die holzige „Bast“-Natur eher kühl an und wird deshalb vorwiegend bei milden bis warmen Temperaturen eingesetzt.“ Weiter verrät die Product & Innovation Managerin: „Im textilen Bereich wird aktuell viel in Research und Development investiert. Wir gehen davon aus, dass es in Zukunft sicherlich unterschiedlichste Hanf-Qualitäten geben wird, mit denen die Bekleidungsbranche teilweise Wolle, Baumwolle und Polyester ersetzt.“

Salewa schaut also optimistisch in die Zukunft des alpinen Hanfanbaus. Und wer eine der Hosen, Shirts oder Hemden getragen hat, der tut das sicherlich auch. Denn die Wiederentdeckung des Rohstoffes macht nicht nur Sinn, sondern passt zur Salewa-Philosophie wie die Faust aufs Auge: Pure Mountain – Engineered in the Dolomites!

Text: Benni Sauer

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