Schneeschuhe

Auf großem Fuß unterwegs

Schneeschuhe – bei uns inzwischen fast ausschließlich als Wintersportausrüstung bekannt – in ihnen steckt ursprünglich viel mehr. Sicherten sie gerade in besonders schneereichen Gegenden oft das Überleben. Denn ein Schneeschuh verteilt das Gewicht seines Trägers gleichmäßig über eine deutlich größere Fläche als die unserer Fußsohlen. Damit sorgen sie für eine effizientere Fortbewegung. Diese Hilfsmittel sparten von jeher dem Träger immense Kräfte im ohnehin meist schon harten Winter, da man mit ihnen weniger tief im Schnee einsinkt. 

Wann genau es die erste Art Schneeschuhe gab, ist nicht bekannt. Auch ist nicht sicher, in welcher Region diese unverzichtbaren Hilfsmittel zuerst konstruiert wurden. Sicher ist aber, dass die ursprünglichen Schneeschuhe länger waren. Die längsten finden sich bei einem nordamerikanischen Indianerstamm und messen immerhin bis zu über zwei Metern. Und natürlich waren sie immer aus Natur- beziehungsweise Tierprodukten gefertigt. Verschiedenste indigene Stämme hatten unterschiedlichste Arten an Schneeschuhen in Form und Material. Oft wurden besonders biegsame Äste, zum Beispiel aus Birke oder Weiß-Esche, verwendet. Auch Leder, je nach Region von Rindern oder Rentieren, fand Verwendung und wurde in den aus Ästen geformten Rahmen gespannt. Meist mit Lederriemen, manchmal auch mit Schnallen waren sie am Fuß befestigt. 

Heute bestehen sie aus Aluminium und Kunststoff, das spart Gewicht und macht sie trotzdem sehr robust. Hier unterscheidet man mittlerweile zwischen klassischen und alpinen Schneeschuhen. Während die klassischen für einfacheres Gelände und Tiefschnee bestens geeignet sind, finden die alpinen Schneeschuhe in steileren, vereisten Hängen ihr Einsatzgebiet. Die alpinen Schneeschuhe bestehen aus Hartplastik, sie haben auf ihrer Unterseite harscheisenartige Schienen und je nach Modell verschieden groß ausgeprägte Frontzacken. Das Hartplastik, das verwendet wird, ist bis -40 °C kältefest. Da sie nun »neu« entdeckt wurden, haben Schneeschuhe inzwischen auch unterschiedliche Bindungssysteme, die optimal an den Fuß angepasst werden können. Genauso wie bei einer Skitourenbindung sind sie mit einer Steighilfe ausgestattet. Durch diese wird die Ferse angehoben, was vor allem im steileren Gelände das Gehen enorm erleichtert. Seit 2006 finden sogar jährlich Schneeschuh-Weltmeisterschaften statt. Zuletzt gewann der Amerikaner Joseph Gray bei den Herren und die Niederländerin Ragna Debats bei den Damen. 

Schneeschuhgehen – eine entschleunigte, sehr beliebte Variante zum Skitourensport. Mit ihnen taucht man nochmal völlig anders in die Winterwunderwelten ein. Leise und bedacht kann man das Naturschauspiel um einen herum viel deutlicher wahrnehmen. Den Skitourengängern und Langläufern zum Ärgernis, spuren viele Schneeschuhgeher nicht selbst, sondern benutzen gelassen die Skitourenspuren. Schneeschuhe aber hinterlassen mitunter Schäden auf Loipen und Tourenspuren, deshalb ist Rücksichtnahme angesagt, will doch jeder, egal ob Ski- oder Schneeschuhgeher im Grunde dasselbe: ein friedliches Wintererlebnis in der Natur genießen. Der eine eben rasanter und der andere etwas entspannter. Wem das Spuren zu anstrengend ist, für den gibt es auch eigens angelegte Panoramawege, diese sind aber dann auch meist gänzlich ohne Schneeschuhe, dafür in festen Winterstiefeln, ebenfalls gut zu gehen. 

Wer aber lieber querfeldein unterwegs ist sollte dabei mehrere Dinge unbedingt beachten:
In allererster Linie gilt es den Lawinenlagebericht der jeweiligen Region zu checken, um der größten Gefahr von vornherein aus dem Weg zu gehen. Dabei steht Vernunft immer vor dem Erlebnis, denn man gefährdet unter Umständen nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der Bergretter, die dann ausrücken müssen. Und nicht nur auf sich selbst und andere Tourengänger sollte man aufpassen und Rücksicht nehmen, sondern vor allem auch auf die dort lebenden Tiere. Vielerorts gibt es daher im Winter, oft von Oktober bis Anfang Mai, Wildschutzgebiete. Es ist absolut untersagt sich in den ausgeschriebenen Gebieten, die durch große Schilder markiert sind und oft auch in Wanderkarten gekennzeichnet werden, aufzuhalten. Ein jeder, der schon mal eine Tour mit Schneeschuhen gemacht hat, kann sich wohl sehr gut vorstellen, wieviel Kraft ein Tier im Winter, wo Nahrungssuche schwerfällt, aufbringen muss, um vor einem Schneeschuh- oder Tourengänger flüchten zu müssen. So sollten wir den Tieren ihre Ruhe gönnen und die gesperrten Gebiete erst im Sommer wieder zum Wandern aufsuchen. 

Das Schneeschuhwandern ist für jede Altersgruppe ideal, es kann individuell nach Können und Vermögen leicht oder schwer gestaltet werden. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten in unserer Region. Von einfachen Touren für Anfänger oder Sportler, die es lieber gemütlich angehen lassen, bis hin zu anspruchsvollen Touren auf hohe Gipfel. 

Gemütliche Touren mit einer dennoch belohnenden Aussicht sind zum Beispiel die auf den Schönkahler im Tannheimer Tal oder auf die Reuterwanne bei Jungholz. Wer unter anderem den Zugspitzblick vom Schönkahler aus genießen möchte, der startet in Schattwald. Der Weg ist sehr abwechslungsreich, kreuzt man zu Beginn noch einen Wirtschaftsweg, geht es bald über flache, weite Wiesen und kurze Waldstücke. Sobald man auf freien Flächen läuft, hat man den Einstein immer fest an seiner Seite. Es besteht die Möglichkeit, den kreuzlosen Pirschling auf dem Weg zum Gipfel des Schönkahlers noch mitzunehmen oder zu umgehen. Von dort ist es auch nicht mehr weit zum Gipfelkreuz und einer faszinierend schönen Aussicht. Da diese Tour allerdings nicht gerade als Geheimtipp gilt, wird man selten alleine seine Brotzeit am Kreuz zu sich nehmen. 

Gleiches gilt auch für die Reuterwanne. Denn trotz ihrer geringen Höhe von 1542 Meter genießt man weite wundervolle Ausblicke in die Allgäuer Alpen des Tannheimer Tals. Hier kommt man als Schneeschuhgeher sogar selten einem Skitourengänger in die Quere. Denn obwohl der Berg als sehr lawinensicher gilt, zeigt sich die doch recht flache bis mäßig steile Abfahrt den meisten Skitourengängern als zu wenig lukrativ.

Wer es ein wenig anspruchsvoller möchte, der kann vom Tannheimer Tal aus auf den Bschießer. Idealerweise parkt man auf dem Parkplatz der Wannenjochbahn. Wer sich den Aufstieg ein wenig verkürzen will, nutzt die Wannenjochbahn und macht dabei gleich ein paar Höhenmeter gut. Andernfalls wandert man auf dem gleichen Weg wie auch im Sommer, stetig leicht ansteigend bergan. Zunächst vom Parkplatz aus über eine kleine Brücke und dann der Forststraße folgend geht es immer neben dem Bach entlang. Dort, wo der Bach endet, steht man vor einer weiten Fläche, von der aus man sein Ziel schon im Blick hat. Direkt vor einem befindet sich der große Bschießer, und links daneben sieht man den Grat, der zum von hier aus verdeckten Gipfel des Ponten führt. Ebenfalls schon sichtbar ist die eingeschneite Stuibenalpe, genau zu dieser führt der Weg. An der Alpe angekommen geht es nach wie vor geradeaus, bis das Gelände steiler wird und man den vorerst letzten Anstieg in einigen Serpentinen bis oben auf den Grat nimmt. Von dort gelangt man bald auf den Gipfel des Bschießers. Der Weg bergab verläuft genauso. Wer allerdings von der Wannenjochbahn aus startet, hat bei guter Schneelage die Möglichkeit, direkt vom Wannenjoch den Grat bis zum Iseler zu gehen und von dort zum Bschießer aufzusteigen. Diese Variante ist allerdings an Kilometern dann deutlich länger, trotz der Ersparnis der Höhenmeter mit der Bahn. 

Ebenfalls ein wenig anspruchsvoller ist die Tour auf den Branderschrofen. Das Auto wird am Parkplatz der Tegelbergbahn in Schwangau abgestellt. Zunächst führt der Weg ziemlich steil genau neben der Sommerrodelbahn bergauf und verläuft sich dann im Wald, bis man zur Rohrkopfhütte gelangt. Ab hier geht es am Rand der Skipiste steil bergan. Nach einem kleinen Zwischenplateau, bei dem man die Möglichkeit hätte, dem Latschenschrofen einen Besuch abzustatten, geht es noch ein Stück weiter bergan, bis man an der Bergstation rauskommt. Links um die Ecke liegt auch schon das Tegelberghaus. Auch das könnte Ziel der Tour sein, wer aber sein Gipfelerlebnis braucht, lässt die Hütte zunächst links liegen. Weiter geht’s auf schmalem Weg, dann über eine breite Wiesenfläche, bevor der steilere, im Sommer schrofige und mit Drahtseilen gesicherte Steig zum Gipfelkreuz des Branderschrofen aufwartet. Von dort oben hat man eine herrliche Aussicht über die Allgäuer Seenplatte, die Ammergauer und Allgäuer Alpen. Auf demselben Weg retour lohnt sich nun eine Einkehr, um einige der Leckereien der Hütte zu genießen. Wer mag, kann sich den langen Abstieg sparen und sich die Talfahrt mit der Tegelbergbahn gönnen. Besonders schön ist diese Tour auch, wenn man sehr zeitig los geht, lange bevor die Bahn in Betrieb ist. Oftmals besteht hier oben die Gelegenheit, in den Genuss des Wetterphänomens Obheiter zu kommen. Wenn man selbst nicht nur sprichwörtlich über den Wolken ist, sondern wirklich über diesen steht, dann ist es ob(en) heiter, mit strahlendem Sonnenschein, während im Tal die graue Wolkendecke hängt. 

Tipps gibt es in unserer Region unzählige, viel zu viele, um sie alle zu erwähnen. Immer zu beachten gilt, vor allem wer diesen Sport neu für sich entdeckt hat, dass klein angefangen wird. Sich bei Länge und Höhenmetern nicht zu überschätzen, um diesen Sport auch wirklich genießen zu können. Ebenfalls noch wichtiger als im Sommer sind Wechselklamotten. Nach einem anstrengenden Aufstieg sind sie unverzichtbar. Diejenigen, die sich an schwierigere Touren jenseits der Baumgrenzen herantrauen, brauchen wie Skitourengänger auch die entsprechende Lawinenausrüstung. Sprich Schaufel, Sonde und LVS-Gerät. Dort sollte man auch nicht alleine unterwegs sein. Wer die Ratschläge befolgt und sich gut vorbereitet, wird auf Schneeschuhen eine wunderschöne Winterlandschafte genießen. 

Text und Bilder: Chrissie Gleich

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