Tommy Delago im Interview

Wintersportpionier, Nitro-Mitgründer und Snowboard-Urgestein

Ende der Siebziger gab es für Tommy eigentlich nur einen Traum: Surfen! Mit Rollen auf dem Asphalt ging das schon, selbst in den Bayerischen Alpen – das Skateboard war schon erfunden. Doch Surfen? Die Erfüllung des Traumes blieb in weiter Ferne. 

Ein amerikanisches Skateboard-Magazin druckte zu dieser Zeit aber auch Bilder von den ersten Snowboarden der USA ab und Tommy wusste sofort: Das wird seine Art des Surfen! Ende der 80er kamen die ersten Nitro-Bretter auf den Markt. Und seitdem hat sich vieles getan!

Hallo Tommy! Für unsere Leser, die es nicht wissen: Was ist ein Splitboard und was kannst du uns zur Geschichte erzählen?
Unter einem Splitboard versteht man ein zweigeteiltes Snowboard, welches zum Aufstieg in zwei „Ski“ zerlegt und mit Fellen versehen wird und zur Abfahrt wieder zusammengesetzt werden kann. 

Die ersten Splitboards wurden in den späten 80er Jahren in Österreich und der Schweiz entwickelt. Ab Mitte der 90er wurde in den USA von der Firma Voilé ein Umbausatz angeboten. Ab Mitte der 2000er Jahre kamen dann speziell entwickelte Splitboard-Softbindungen auf den Markt und verhalfen dieser Variante des Snowboardens endgültig zum Durchbruch. 

Im Aufstieg Ski, bei der Abfahrt Board. Was bedeutet das für die Produktion? Was zeichnet ein gutes Splitboard heute aus?
Entwicklung und Abstimmung des Boards sind entscheidend. Härte und Vorspannung müssen einen möglichst gleichmäßigen Anpressdruck der Felle gewährleisten. Auch beim Traversieren in steilem oder schwierigem Gelände sollte der Kantengriff jederzeit gewährleistet sein. Dies ist wiederum eine Frage des Zusammenspiels von Taillierung und Boardflex.

Nicht nur das Board ist ein Spezielles. Auch Splitboard-Bindungen und sogar die Boots punkten mit speziellen Features. Was kannst du uns hierüber sagen?
Splitboard-Bindungen sind sehr multifunktional: Sie müssen alle notwendigen Eigenschaften wie Leichtgängigkeit und Steighilfen aufweisen. Sie muss aber auch einen Großteil der Stabilität beim Zusammenhalt der beiden Boardhälften liefern und gute Boardkontrolle vermitteln.

Ein guter Splitboarding-Boot muss ebenfalls die verschiedenen Anforderungen bei Aufstieg und Abfahrt erfüllen, sowie nötigenfalls Steigeisenfestigkeit bieten. Wir bei Nitro haben uns dieser Herausforderung gestellt und mit dem Modell Vertical einen Boot entwickelt, der im Markt sehr gut ankommt.

Tommy Delago
Ammergauer Alpen, Saison 1994-95

Der ganz große Snowboard-Boom scheint vorüber zu sein, oder? Kann das Splitboard jetzt, vielleicht gerade auch wegen der Pandemie einen neuen Anschub anregen?
Wie bei jedem „Boom“ ist auch beim Snowboarding jetzt mal die große Welle durchgelaufen. Für uns als Hersteller nicht unbedingt ein Problem, nachdem sich die Snowboarder heutzutage mehr mit ihrem Sport beschäftigen und der manchmal etwas ungesunde Modeffekt nicht mehr vorhanden ist. Die Möglichkeit, sich frei und unabhängig von Liften und Seilbahnen bewegen zu können, ist zur Zeit natürlich sehr reizvoll und macht Snowboarden planbarer. 

Ist das Splitboard dann vielleicht auch ein Schritt in Richtung eines jungen, hippen und nachhaltigen Wintertourismus?
Ich bin mir nicht sicher, ob „Hip“ hier der richtige Ausdruck ist, aber Splitboarding ist sicher ein Teil eines neues Selbstverständnisses der Snowboarder, für die der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen selbstverständlich und ein natürlicher Teil Ihrer Wintersportaktivität ist.

Wem rätst du zur Anschaffung eines Splitborads und wem eher nicht? Hast du außerdem Tipps für Splitboard-Einsteiger?
Wem es ausschließlich um den „Workout-Faktor“ geht, der sollte sich eher in Richtung Tourenski orientieren. Wer aber das unschlagbare Feeling einer Abfahrt mit dem Snowboard nicht missen will, der wählt auf alle Fälle das Splitboard. Bei der Anschaffung der Ausrüstung kann ich jedem nur raten, sich an ein Fachgeschäft zu wenden. Einschlägige Testveranstaltungen oder Spitboarding-Camps bieten zudem die Möglichkeit, mal reinzuschnuppern und Ausrüstung vor dem Kauf zu testen.

Interview: Benni Sauer

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