Tragende Teile!

Gregorys neuer Baltoro Trekking Rucksack

Die ausgeklügelten Profilsohlen meiner Winterschuhe greifen wunderbar auf den leicht überzuckerten Felsen. Unter der funktionellen Hardshell-Jacke können mir selbst die dicksten Schneeflocken nichts anhaben. Und auf meinem Rücken trage ich einen ultraleichten Daunenschlafsack mitsamt dem nötigen High-End-Equipment für die kommenden zwei Tage. Die Outdoor-Ausrüstung, mit welcher wir heutzutage in die Natur aufbrechen, ist meist topmodern und technisch auf höchstem Niveau. Das gilt auch für den Rucksack, dem tragenden Teil meines Kurztrekkings durch die Allgäuer Alpen.

Rucksack-Profi entwickelt Erfolgsmodell weiter
1977 gründete Wayne Gregory in den USA seine Rucksack-Firma. Das Erfolgsrezept: die Erfindung neuer Tragesysteme, die mit dem Körper statt gegen ihn arbeiten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Zwar sind gegenwertig Themen wie Nachhaltigkeit und Recycling wichtiger denn je, der Grundgedanken von Wayne Gregory ist aber bis heute der selbe: Richtig gute Rücksäcke trägt man nicht, man zieht sie an!

Dafür arbeiten die Entwickler in Salt Lake City mit Hochtouren an neuen Designmöglichkeiten, innovativen Tragesystemen und an einer möglichst nachhaltigen Produktion kommender Rucksack-Serien. Nicht zuletzt werden die in echter Handarbeit erstellen Prototypen von Wanderfreunden, Bergführern und Profis direkt hinter der Firmenzentrale erprobt. Die kleine, aber feine Gregory-Familie, hat es so, auf eine sympathisch persönliche Art geschafft, weltweit zu einem der führenden Rucksack-Produzenten zu werden. Im asiatischen und US-amerikanischen Raum genießen Gregory-Produkte bereits Kultstatus. In Deutschland und Europa ist man mit erstaunlich großen Schritten auf dem Weg dorthin. 

Und so verwundert es nicht, dass General Manager von Gregory Europe, Lars Föll, es sich nicht hat nehmen lassen und mich auf meinem Weg durch das Kleinwalsertal begleitet. Auf unseren Rücken liegt der neue Baltoro, den wir im Tal noch ordentlich schwer beladen haben. Zugegeben: Wir haben die Rucksäcke mit voller Absicht mit gefüllten Getränkeflaschen und anderen schweren Gegenständen bis ans Limit beladen. Aber so ein Test ist nun mal kein Zuckerschlecken!

Die Gregory-Familie und ihre Art zu arbeiten
Auf dem Weg zur Schwarzwasserhütte spuren wir im frisch gefallenen Schnee, während Lars Föll von seinen Erlebnissen in Salt Lake City erzählt. „Das sind Menschen wie du und ich. Die wollen raus in die Natur und dabei natürlich den perfekten Rucksack tragen.“ Weiter erzählt er zum Beispiel von drei Mexikanerinnen, die seit der Gründung vor 44 Jahren für die Produktion der Prototypen verantwortlich sind. Sie haben alle bisherigen Umzüge des Firmensitzes mitgemacht und gehören ebenso zur Familie, wie die Testpersonen in den Bergen, die Büroangestellten, einer überdurchschnittlichen Anzahl an Vierbeinern die regelmäßig in der Zentrale zu Besuch sind, und natürlich er selbst. Schnell wird klar, dass bei Gregory jeder Mitarbeiter, ganz egal in welcher Position, mit Herzblut bei der Sache, sowie Feuer und Flamme für die Produkte ist. 

Salt Lake City liegt auf ungefähr 1300 Metern. Umgeben ist die Stadt, neben dem Großen Salzsee natürlich, von der Wasatchkette im Osten und dem Oquirrh-Gebirge im Westen. Mächtige Bergketten, die weit über 3000 Meter hinaufziehen, sind das Testgelände, in dem erst kürzlich der noch junge neue Baltoro auf Herz und Nieren geprüft wurde.

Ein Amerikaner im deutsch-österreichischen Grenzgebiet
Die Schwarzwasserhütte auf 1620 Metern ist so gesehen nur ein kleiner Abstecher in eine weiters nicht nennenswerte Höhenlage. Doch ist diese Wanderung genau die richtige Unternehmung, um sich mit dem Rucksack bekannt zu machen. Beim ersten Schultern fallen sofort die ergonomisch geformten und wunderbar weich gepolsterten Tragegurte auf. Sie sind mit dem flexiblen Rückensystem Freefloat A3 verbunden, das neue Maßstäbe setzen und die bestmögliche Kombination von Belüftung und Tragekomfort bieten soll. Die Rückenlänge ist individuell und stufenlos justierbar, während ein freistehendes Rückenpaneel, ähnlich wie bei Tagesrucksäcken, für eine optimale Durchlüftung sorgt. 

Hat man das Tragesystem passgenau eingestellt (Frauen- und Männermodelle werden übrigens jeweils schon in drei unterschiedlichen Größen angeboten), schließt man die Hüftgurte: Dicke, wieder einmal weich gepolsterte Flügel, mit jeweils links und rechts einer geräumigen Zipper-Tasche, sowie einem leichtläufigen, dank Umlenkschnallen mühelos nach vorne hin fixierbarem Zurr-System. Zwei große Seitentaschen am Hauptfach, ebenfalls mit Reißverschlüssen versehen, fallen ebenso positiv auf, wie der große Rundum-Zipper, mit dem der gesamte Inhalt des Rucksacks mühelos mit einem Griff erreichbar ist. Beachtet man bei all diesen Features, dem integrierten Regenschutz und einigen weiteren Taschen und Zugriffsmöglichkeiten das Gewicht von 2,2 Kilogramm, erscheint mir der Baltoro sogar fast schon als Fliegengewicht unter den Lasteseln. 

Materialkunde und Hintergrundwissen in der Hüttenstube
Längst haben wir uns in der Schwarzwasserhütte aufgewärmt und gestärkt, da findet Lars Föll noch immer Gesprächssoff, interessante Fakten und wissenswertes über den neuen Baltoro. So hat man beispielsweise den Carbon-Footprint bei der Produktion der neuen Serie um 31% reduzieren können. Das geschieht etwa durch die Verwendung rezyklierter Rohstoffe, geht aber noch viel weiter. Ein konkretes Beispiel: Das Projekt, bei dem ein Wellpapperohr eliminiert wurde, das zum Schutz der 3D-Schultergurt-Form während des Transports genutzt wurde. Um dieses Rohr zu ersetzen, entwickelte Gregory ein spezielles biologisch abbaubares Luftkissen. Diese Umstellung spart ungefähr 3,5 Tonnen neuer Wellpappe, die sonst auf dem Müll landen würden. Außerdem hat man in den 44 Jahren der Firmengeschichte viel darüber gelernt, wie man Produkte so konstruiert, dass sie ein Leben lang halten. 

Sollte wider Erwarten dennoch einmal etwas in die Brüche gehen, werden Gregory-Produkte so konzipiert, dass sie auch leicht und effizient zu reparieren sind. Den Rest erledigt die lebenslange Garantie, welche Gregory auf alle Rucksäcke gibt. Insgesamt ist man bei Gregory nämlich davon überzeugt, dass die Verlängerung der Produktlebensdauer ein sehr sinnvoller Weg ist, um die Gesamt-Ökobilanz eines Produkts zu verbessern.

Cleverer Rucksack für ein breites Aktivitäten-Spektrum
Am nächsten Morgen liegt der Neuschnee knöcheltief. Wir machen uns auf den Weiterweg und ich kenne den Baltoro nun fast schon in und auswendig. Der ausgeklügelte Öffnungsmechanismus des Hauptfaches gefällt mir dabei besonders gut: Durch eine kleine zusätzliche Schlaufe mit Kordelstopper, kann die große Öffnung sogar einhändig und absolut mühelos geöffnet und verschlossen werden. Das ist vielleicht kein großes Ding, lässt den Baltoro aber schon bald zu meinem neuen Lieblingsrucksack dieser Größenklasse werden. 

Noch dazu finde ich selbst nach tagelangem Gebrauch noch immer kleine Gimmicks, auf die ich nicht mehr verzichten möchte. Dazu gehört zum Beispiel die seitlich angebrachte Flaschenhalterung, die ganz einfach erreichbar ist – natürlich ohne den Rucksack abzusetzen. Dazu gehört auch eine geräumige, verstärkte Stretchvordertasche für einen schnellen Zugriff unterwegs. Alles was schnell verstaut oder griffbereit sein muss, findet hier seinen Platz. Und selbst die ganz kleinen Details freuen mich ungemein. Eines davon ist sogar so klein, dass mir es der General Manager direkt vor die Nase heben muss: Die Sonnenbrillenhalterung am Schultergurt für schnelle, sichere und kratzfreie Aufbewahrung der (Sonnen-)Brille. Kleines Teil mit großer Wirkung!

Die Regenhülle wurde übrigens im neuen Modell an eine taktisch vorteilhaftere Position verlegt und ist nun immer zugänglich, ohne zuvor erst freigeräumt werden zu müssen. Dazu kommen Befestigungsschlaufen, Kompressions-Riemen und Schnallen an allen nur erdenklichen Positionen. Was für ein durchdachter Alleskönner!

Während wir durch den Schnee des Kleinwalsertals unserem nächsten Ziel entgegenwandern, spüre ich schließlich auch, was mir Lars Völl am Vortag schon versucht hat zu erklären. Ich habe nicht das Gefühl den Rucksack zu tragen, sondern viel mehr mittlerweile eins mit ihm geworden zu sein. Der neue Baltoro hat mich überzeugt, ist zu meinem Freund auf zukünftigen Trekking- und Wandertouren geworden. Er wird mich begleiten an langen Wochenenden, auf mehrtägigen Trips durch die Berge und wer weiß noch wohin. Eine Freundschaft, die sich im wahrsten Sinne des Wortes gut anfühlt!

Autor: Benni Sauer

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