Unterwegs am Fern(s)pass

Hans-Martin Haller per Bike in der Ferienregion Imst

Die Tourismusregion Imst beschreitet neue Wege, unterbreitet den interessierten Urlaubern innovative Konzepte und Strategien. Ein wichtiges Zugpferd dabei ist das Biken. Familien, Mountainbiker und E-Biker erwartet in der Ferienregion Imst ein breites Angebot von leichten Radwandertouren auf dem Innradweg oder auf der Via Claudia Augusta bis zu anspruchsvollen Touren zu Almen in der Region. Dank der großen Auswahl verschiedener Routen genießen selbst ambitionierte Biker einen abwechslungsreichen Bike-Urlaub in der Ferienregion Imst. Zahlreiche Unterkünfte haben sich ganz auf die Bedürfnisse von Bikern sowie Fahrradreisenden eingestellt und ihr Angebot darauf ausgerichtet.

Wir von AKTIV in den ALPEN waren in der Fernpass-Region mit dem Mountainbike für euch unterwegs. Zunächst einmal wirkt das Stichwort „Fernpass“ abschreckend, verbinden sich mit dem Pass, der von nördlicher Seite die Stadt Füssen und die Region Reutte mit Imst respektive Innsbruck und Brenner verbindet, doch mehr oder weniger abschreckende Meldungen zu Stau, Autoschlangen und unaufhörlichem Verkehr. Dies ist eine Realität, zu der wir alle beitragen, auch die Radtouristen. Aber es ist auch nur eine Seite der Medaille. Die „glänzende“ Seite jener befindet sich nämlich – und das war eine erstaunliche Erkenntnis unseres zweitätigen Aufenthalts in der Fern(s)passregion – nur einen Steinwurf abseits der Straße, nächstgelegen zur Passhöhe erleben wir Natur pur.

Einsame Wanderwege, glasklare Seen und Mountainbikestrecken vom Feinsten wechseln sich da ab. Rings um den Fernpass bietet sich für fast jeden Radsportler ein interessantes, variantenreiches Revier an. Da ist zunächst die Via Claudia Augusta, die uralte Römerstraße, einst gebaut von Aquilea in der Poebene durch das Etsch und Inntal über den Fernpass nach Augsburg. Heute ein Radfernweg über die Alpen. Ein Fernweg auf gut ausgebauten und gut ausgeschilderten Forst- und Radwegen vom Alpennordrand in Etappen verlaufend. Eine Alpenquerung, die viel und gerne benutzt wird von Radlern mit Trekkingbike oder E-Bike, von Familien und Gruppen, stellt sie doch die leichteste Alpenquerung dar. Die Via Claudia Augusta macht es möglich, individuell die Alpen von Nord nach Süd zu durchqueren.

Eine geschichtsmächtige, 2000 Jahre alte Route, entlang derer unzählige historische Stätten, Burgen, Ruinen, Städte auf europäische Geschichte verweisen. Am Fernpass sind noch die eingefrästen Spurrillen der Karren im Felsweg sichtbar. Die Passage auf der Südseite des Passes, – entstanden durch einen Felssturz- zwischen Passhöhe und Fernsteinblick ist ein Nadelöhr. Nirgendwo sonst auf der Alpenquerung tauchen die Radler so tief ein in alpines Gelände. Zwar nur für einige hundert Meter, aber eng, atemberaubend, steil und hochalpin an den Fels getackert, windet sich der Weg auf der alten Römertrasse an der Hangkante entlang. Für Mountainbiker ein Highlight, für Normalradler eher eine Schiebestrecke. Und in Kenntnis der Schwierigkeiten reihen sich gar manche Radler in den Autowurm auf der Passtraße ein. 

Das wäre natürlich nichts für unsere Gruppe von passionierten Bikern. Der ehemalige MTB-Profi Guido Thaler führt uns über die schönsten Trails der Fernpass-Region, und davon gibt es einige. Denn: wer im Nahbereich eine Tages- oder Wochenendtour für sein MTB und seine Freunde sucht, findet am Fernpass viele Möglichkeiten. Eintauchen in die Welt der Wälder und Almen, der klaren Gebirgsbäche und der kernigen Aufstiege und flowigen Downhills. Das alles kann man zwischen Marienbergjoch und Fernpass oder Dirstentrittkreuz und Fernpass als ausgewiesener Hardcore-Biker auch in einem Tag. Wir haben da die Light-Variante genutzt und uns zwei Tage Biken pur gegönnt. Vorbei an zahlreichen, einsamen Almen und oftmals – mit dem Kenner der Region – abwegige Trails nach unten pilotiert. Diese Wege sind nicht ausgezeichnet, bewusst verzichten die Verantwortlichen auf die Anlage von Downhill-Trails und die damit verbundenen Kunstbauten und Eingriffe in die Natur á la North-Shore oder ähnlichem. Nebenbei bemerkt: finden wir gut.

Langzeiturlaubern, egal mit welchem Fahrradtyp unterwegs, gehen auch nach mehreren Tagen die Ideen nicht aus. Radwege in den Ebenen des Inn- und Gurgltal wechseln sich ab mit Trassen zu den vielen Almen und Berghöfen, ergänzt durch hochalpine Trails. In aller Regel nur erreichbar durch eigene Anstrengung. Eine Anstrengung, für die sich jeder selbst bei einer kräftigen Jause auf den sensationellen, bewirtschafteten Almen belohnen kann.

Fazit am Ende zweier unvergesslicher Tage: Die Ferienregion Imst speziell rund um den Fernpass ist ein absolutes Bikerevier, gut erreichbar und mit einer Vielschichtigkeit, so dass jeder Radler entsprechend seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten eine Auszeit genießen kann, ganz nach eigenem Gusto. Wir kommen ganz sicher wieder.

Text: Hans-Martin Haller
Bilder: Hans-Martin Haller / IMST Tourismus

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