Was steckt eigentlich im Skisport?

Wir geben uns ja schon größte Mühe, den Wintersport so naturverträglich wie nur irgendwie möglich zu gestalten: Ökostrom treibt Liftanlagen an, Wasser- und Windkraft liefert Energie für die Elektromobilität, während die Bekleidung die wir tragen recycelt ist. Und selbst die ressourcenfressende Beschneiung der Skigebiete wird von Jahr zu Jahr optimiert. Zum Glück! Denn so können wir uns guten Gewissens auf die Ski stellen und ganz unbetrübt den Wintersport genießen. Oder etwa doch nicht? (Titelbild: © Jack Wolfskin)

Der Ski an sich, woraus besteht der eigentlich? Wie wird er produziert? Und vielleicht am wichtigsten: Wie nachhaltig und ökologisch ist die Herstellung und was geschieht mit den Brettern, wenn sie ausgedient haben? Mountain Wilderness Schweiz wollte diese Frage nicht länger offen stehen lassen und begab sich auf die nicht immer einfache Suche nach Antworten.

Sicher: Man könnte jetzt sagen, dass wir schon viel, vielleicht sogar schon genug für einen nachhaltigen Wintersport getan haben. Dass wir nicht noch jemanden brauchen, der eine verhältnismäßig kleine Natursünde aufdeckt und aufbauscht, während die wirklich großen Umweltprobleme des Skisports doch ohnehin nach und nach beseitig werden. In der Realität sieht die Sache allerdings anders aus: Die Herstellung der Wintersportgeräte ist energie- und ressourcenintensiv, die Anwendung gefährlicher Chemikalien Alltag. Mountain Wilderness Schweiz spricht ein bisher totgeschwiegenes Thema an, klärt auf, regt zum Umdenken an. Wohlwissend, dass sicher erst in vielen Jahren ändern wird, worüber wir uns heute Gedanken machen. Und damit dieser Wandel nicht unnötig lange dauert, bietet die Naturschutzorganisation gleich die richtigen Lösungsvorschläge!

© Earlybird Skis

Ihre Recherche-Ergebnisse veröffentlichten die Schweizer nun online und bieten damit einen tiefen Einblick, auch wenn viele der Hersteller sich auf Anfrage auffallend bedeckt hielten. Wir nehmen das Endergebnis der Recherche hier einmal vorweg: Die Herstellung eines konventionellen Skis wird mit 49.599 UBP (Umweltbelastungspunkten) angegeben. Die Öko-Variante kommt mit 26.337 UBP fast auf die Hälfte. Skiherstellung geht also sehr wohl ökologisch. Wie genau, dass erklärt Mountain Wilderness Schweiz im Detail. Hier einige Beispiele:

Der Kern: Noch immer besteht der Kern moderner Skimodelle oft aus Holz. Das klingt im ersten Moment ziemlich nachhaltig, nicht aber wenn Holzsorten wie Balsa, Karuba oder Paulownia zum Einsatz kommen. Vorteile dieser Hölzer sind beispielsweise Gewicht und Festigkeitswert. Aber auch die Nachteile liegen auf der Hand: Lange Transportwege und die oft nicht rückverfolgbare Quelle der edlen Hölzer. Hier haben bereits einige Hersteller reagiert und geben an, ausschließlich zertifizierte Hölzer zu verwenden. 

Ober- und Untergurt: Für gewöhnlich umgibt den Kern ein Mantel aus Glas- und Carbonfasern. Epoxidharze halten die synthetischen Materialien zusammen. Deren Verarbeitung, beispielsweiße das Schleifen der Ski, ist ohne Schutzmaßnahme mit einem nicht unerheblichen Gesundheitsrisiko verbunden. Außerdem lassen sich einmal verbundenen Materialien nicht recyclen. Mountain Wilderness Schweiz nimmt hier die Hersteller in die Pflicht: Arbeits- und Umweltschutzstandards in Ländern mit rechtlich schwachen Auflagen, sollten denen in EU-Ländern in nichts nachstehen. Den künstlichen Materialmix könne man außerdem mit Flachsfasern und Harzen auf Pflanzenölbasis ersetzen. 

Belag und Kanten: Diese Ski-Bestandteile bestehen aus nichtnachwachsenden Rohstoffen, die ressourcenaufwendig gewonnen und verarbeitet werden. Dabei könnte man hier gut rezyklierte Materialien verwenden, die Seitenwangen könnten sogar aus Holz hergestellt werden. Das hätte zwar insgesamt nur einen geringen Einfluss auf die Gesamtbilanz eines Öko-Skis, aber Stück für Stück würde der Skisport so grüner werden.

Es ist also möglich. Und es ist an der Zeit, sich Gedanken über unser Winterspielzeug zu machen. Mountain Wilderness Schweiz berichtet in der Broschüre über den Ist-Zustand und beleuchtet dabei auch einige sehr spannende Hintergründe. Warum zum Beispiel die Recyclingfähigkeit eines Skis heute noch überhaupt keinen ökologischen Vorteil bietet. Oder was Wintersport mit der Karibik, speziell mit den Cayman Islands zu tun haben kann. Und nicht zuletzt werden Leser mit Tipps für nachhaltigere Bergsportausrüstung, sowie für ein zukunftsorientiertes Kaufverhalten versorgt. 

Währenddessen reagieren natürlich auch die Hersteller: Scarpa produziert beispielsweise einen grünen Skischuh. Das Öl der Rizinuspflanze wird dabei zu Granulat verarbeitet, aus dem später Kunststoffteile entstehen können. HOLMENKOL, die älteste Skiwachsmarke der Welt, ist der weltweit erste ökozertifizierte Skiwachs-Lieferant. Die Bestandteile der konventionellen Wachse bauen sich leider nur extrem langsam ab, weswegen der internationale Skiverband FIS Fluorwachse ab der Saison 21/22 offiziell aus dem Wettkampfbetrieb verbannt. Außerhalb der FIS dürfen die Wachse aber weiterhin verkauft und genutzt werden – hier ist wieder der Kunde gefragt! 

© Jack Wolfskin

Auch Jack Wolfskin ist sich seiner Verantwortung bewusst: Mit hochtechnischen und umweltschonenden Neuentwicklungen revolutioniert der Ausstatter den nachhaltigen Wintersport in Sachen Bekleidung. Umweltfreundliche Färbeprozesse, ressourcenschonende Herstellung. Weniger Wasser, weniger Energie, weniger Chemikalien! Der ehemalige Weltklasse-Skifahrer Felix Neureuther gab der Kollektion nicht nur seinen Namen, er gab dem ökologischen Fortschritt ein Gesicht! Weil nachhaltiger Skisport im Detail anfängt. Hier und heute!

© Holmenkol

Die gesamte Recherche von Mountain Wilderness Schweiz, inklusive Hintergründe und Podcast zum Thema, findet ihr unter www.mountainwilderness.ch

Text: Benni Sauer

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