Was wirklich wichtig ist

Glück ist das Einzige, das sich
verdoppelt, wenn man es teilt. 

Ein Bericht von Thomas Sonnenmoser.

Was die Chinesen schon vor langer Zeit wussten, ist in Kärnten aktueller denn je. Am Millstätter See, zwischen grünen Wiesen und bewaldeten Hügeln, lässt sich das Glück nämlich besonders gut teilen. Begleitet uns zu romantischen Örtchen und Aktivitäten, die gemeinsam noch mehr Freude bereiten. Kommt mit und verbringt Zeit. Zeit zu zweit.

Es geht kein Lüftchen. Die angenehm kühle Abendluft scheint über dem See zu stehen und lässt ihn wie einen riesigen Spiegel erscheinen. Schon beim Check-In im Hotel Villa Postillion präsentiert sich der See von seiner besonders schönen Seite. Das Hotel, direkt am See gelegen, ist unser Logenplatz für die kommenden Tage. Mit seinem direkten Zugang zum Wasser ist es der perfekte Ort für uns beide. Wir richten uns ein.

Die Müdigkeit der vergangenen Nacht, sie verschwindet schnell beim ersten Blick aus dem Fenster. Was für ein Morgen. Das Blau des Himmels spiegelt sich, wie das Weiß der Bergspitzen. Und als wir wenig später in den Zweier-Booten sitzen, sind unsere Wellen die einzigen, die das Spiegelbild zum Schaukeln bringen. Mit den rustikalen Holzschiffchen gleiten wir lautlos über die Wasseroberfläche. Das sanfte plätschern der Paddel. Ruhe. Nur wir beide. 

Bevor wir aber in See stechen durften, galt es eine kleine Einweisung zu absolvieren. Gottlieb Strobl, ein Millstätter Urgestein, gab außerdem hilfreiche Tipps zur richtigen Paddel-Technik. Was uns der gelernte Bootsbauer beibringt, hat Hand und Fuß. Er verleiht nicht nur Boote, sondern führt auch eine Pension und bietet unterschiedlichste Wassersportarten an. Und dann geht es auch schon los. Zum romantischen Buchtenwandern, entlang des Südufers. Als Gentleman übernehme ich zunächst das Rudern, aber auch meine Bootsfrau möchte in den Genuss des Paddelns kommen. Aber die meiste Zeit lassen wir uns einfach treiben. Genießen die Stille, verstehen uns, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Wir erkunden die vielen Buchten und träumen zeitverloren vor uns hin.

Das naturbelassene Südufer des Sees hat uns verzaubert. Als wir nach einer guten Stunde wieder festen Boden unter unseren Füßen spüren, fühlen wir uns wie nach einer Reise in eine andere Welt. Ein grandioser Moment. Ein Gefühl, dass wir in den kommenden Tagen noch öfters spüren dürfen. Dem See aber für heute schon den Rücken kehren, das möchten wir auch nicht. Uns so schwingen wir uns auf E-Bikes und radeln los.

Ausgeliehen haben wir die Elektro-Esel in der Mountainbike-Station. Nur einen Steinwurf vom See entfernt verleiht, verkauft und berät Thomas Graf mit seinem Team. Dank ihm steht uns eine ganz besonders genussvolle Radtour bevor. 28 Kilometer, einmal rund um den See. Keine sonderlich lange Strecke, aber trotzdem eine Rundtour mit enormem Ausmaß. Wie von selbst rollen wir durch Wälder und über saftige Wiesen und gelangen so schon bald zur »Bank im See«. Wir steigen ab, balancieren barfuß über ein paar Steine, die im seichten Wasser liegen und nehmen Platz. Die halbrunde Form der Bank erinnert an eine Muschelhälfte. Ein perfekter Platz für ein gemeinsames Picknick. Währen unsere Zehen im kühlen Wasser plantschen, schweifen die Blicke über den ruhigen See und bleiben immer wieder in weiter Ferne, an den Gipfel der Hohen Tauern hängen. 

Der Weiterweg führt durch Döbriach, Dellach und Millstatt, von wo sich besonders gut die fast schon kitschig-romantischen Sonnenuntergänge beobachten lassen. Wir sind jedoch zur Mittagszeit in Döbriach und finden ein schnuckeliges Plätzchen im Romantikhotel Seefischer. Hier stärken wir uns, bevor wir die Seerunde ganz entspannt zu Ende rollen. Die Zeit zu zweit ging zu schnell vorüber? Beim Dösen am Seeufer die Zeit aus den Augen verloren? Kein Problem, denn dafür scheint der See geradezu gemacht zu sein! So wie die Radfähre für Radfahrer. Sie bringt Müde, Entspannte und all jene zurück zum Startpunkt, die ihre Uhr bewusst im Hotel liegen lassen haben. Und mal ehrlich: Lässt es sich wirklich romantischer in den Feierabend fahren, als über einen See, der glitzert wie tausend Sterne?

Nach dem gemütlichen Vortag, steht heute etwas mehr Bewegung auf dem Plan. Eine Wanderung auf dem »Weg der Liebe« erwartet uns. Dabei wird uns Bergwanderführer Rudolf Eggarter, der nebenbei auch geführte Lama-Touren anbietet, gemeinsam mit seinem treuen Vierbeiner begleiten. Mit ihm besteigen wir den Taxibus und fahren hinauf zur Schwaigerhütte. Von dort an ist unsere Wadenmuskulatur gefragt. Bei immer noch schönstem Wetter steigen wir auf Richtung Millstätter Hütte, die auf knapp 1900 Metern hoch über dem See thront. Unser Weg führt über üppig blühende Grasmatten. Kräuterduft steigt in unsere Nasen. Hier oben an der Alexanderhütte wartet auch schon die erste Station des Liebesweges auf uns: Die »Wall of Love«. Von hier aus führt unser Weg vorbei an insgesamt sieben Plätzen und Büchern. Nach gut drei Stunden erreichen wir das Granattor auf über 2000 Metern, die letzte Station des Weges. Das wuchtige Bauwerk ist gespickt mit rubinroten Steinen, die verspielt und verträumt das Licht brechen. Leider nicht heute, denn mittlerweile stehen wir in einer dicken Nebelsuppe, die alles um uns verschluckt. Unter dem Tor aber schlummern tief im Berg die größten Granatvorkommen Europas. Der Edelstein ist der Grund, warum der Millstätter See auch als das Juwel Kärntens bekannt ist. Auch kein Zufall ist es, dass der Granat schon seit der Antike sehr begehrt ist. Von ganz allein soll er aus seinem Inneren hell aufleuchten können. Seine Kraft soll Herzen stärken und nicht zuletzt das Liebesleben beflügeln. 

Leider hat uns das Wetter am Granattor einen Streich gespielt und die Sicht war gleich null. Aber so sieht es dort bei schönem Wetter aus.
© Granattor-MTG © Franz Gerdl

Doch auch ohne glitzernde Steine, oder gerade wegen der fehlenden Aussicht, ist Genuss vorprogrammiert, denn vom Granattor aus muss man nicht den Rückweg einschlagen. Der Weiterweg zur Lammersdorfer Hütte ist reizvoll und wird mit leckerem Kaiserschmarrn belohnt. Der Regen, gegen den wir auf dem Weg ankämpfen mussten, ist nach einem warmen Tee auch schnell vergessen. Vielleicht lag es aber auch an dem Rum, der den Tee zu dem machte, was er war, dass unsere Aufwärmphase etwas länger dauerte als geplant. Aber trotz Verzögerungen und schlechter Sicht, bekamen wir, was wir wollten: Viel Zeit zu zweit.

Nach den Strapazen der Vormittages, freuen wir uns jetzt auf einen entspannten Abend. Nicht im Hotel oder einem Restaurant. Etwas ganz Besonderes soll unseren letzten Tagesteil versüßen. Genau hierfür gibt es die sieben »Biwak unter den Sternen«. Exklusive Rückzugsorte, Oasen der Ruhe und Entspannung. Umgeben von nichts als Natur, ziehen wir in das Biwak »Quelle«, oberhalb von Millstatt. Eine kleine Schublade am Eingang des kleinen Giebelbaus nimmt uns geschickt das Handy ab. Große Dachfenster öffnen den Blick auf den Abendhimmel, wo wir schon bald den Sternen zuschauen dürfen. Die kleinen Ein-Zimmer-Häuschen sind spartanisch eingerichtet. Sie bieten keine Duschen, nur eine kleine Waschmöglichkeit. Außerdem ein Bett, einen Tisch und kuschelige Lammfelle. Mehr brauchen wir nicht, denn wir haben ja uns. Und so genießen wir den abendlichen Blick auf den See. Unsere Zweisamkeit. Und das gute Gefühl zu wissen, wie wenig es eigentlich braucht, um glücklich zu sein.

Der Millstätter See ist ein Paradies. Für Paare, für Verliebte und für alle, die Freude am Teilen haben. Ein Ort um sich fallen zu lassen, wo die Zeit verfliegt. Wo man loslässt worauf man verzichten kann und sich besinnt, auf das was wirklich wichtig ist: Die Liebe, das Glück und das Leben und dass das alles doch eigentlich nur einen Sinn hat: Geteilt zu werden.

Nähere Infos rund um den Millstätter See gibt es unter
www.millstaettersee.com

Kommentar verfassen