Wasser, Wein und eine Winzerin

Häufig wird Imst mit Transitverkehr verbunden – auf dem Weg in den Süden oder zurück in den Norden. Gestoppt wird maximal zum Tanken oder um ein „Bickerl“ zu kaufen. Aber sonst… Sonst sollte man unbedingt mal den Blinker setzen und verweilen. Denn Imst bietet weit mehr als nur eine Umgehungsstraße.

Imst ist Brunnenstadt, Klettermetropole, Wanderdestination, Weinanbaugebiet und Heimat sowohl von der ersten Tiroler Winzerin, Alexandra Flür als auch von der vierfachen Kletterweltmeisterin Angy Eiter. Und weil das noch nicht genug ist, kann die Bezirkshauptstadt samt ihren acht Gemeinden (Imsterberg, Karres, Karrösten, Mils, Nassereith, Roppen, Schönwies und Tarrenz) auf eine lange Geschichte zurückblicken: Im Mittelalter war Imst Bergbauzentrum, dessen Reichtum sich immer noch am höchsten Kirchturm Tirols eindrücklich widerspiegelt.

Brunnenstadt: Kommunikation, Kultur, Trinkwasserquellen
Dem japanischen Wasserforscher Dr. Masaru Emoto zufolge ist Wasser in der Lage Informationen zu speichern. Wasser reagiert – so die Ergebnisse des 2014 verstorbenen Parapsychologen, auf Musik und Worte und kann seiner Meinung nach Gefühle wahrnehmen. Wissenschaftlich nicht einwandfrei, aber dennoch ein schöner Ansatz…

Gleich 40 Brunnen gibt es in Imst, 20 davon in Ober- und Unterstadt. Die Trinkwasserquellen waren, was Emoto freuen würde, immer schon ein Ort der Kommunikation und Gemeinschaft. Man hat sich getroffen, Wasser abgefüllt und die neuesten Nachrichten ausgetauscht. Daneben zeugen die Brunnen mit ihren Heiligenstatuen von einer tiefen Gläubigkeit der Bevölkerung. Vom Hl. Christophorus über den Hl. Martin bis zum Petrusbrunnen. Jede Statue steht für ein bestimmtes Symbol, für Leben und Tod, für Hoffnung, Liebe und Weisheit. Viele der imposanten Statuen stammen aus dem 18. Jahrhundert. Liebevoll gepflegt, strahlen sie heute vor allem eine tiefe Ruhe und Kraft aus und vermitteln Interessierten kulturhistorische Geschichte. 

Gerade an heißen Tagen ist es eine schöne Idee von Brunnen zu Brunnen zu spazieren, dem plätschernden Wasser zu lauschen, seine Hände und Arme im Trog abzukühlen und vom frischen Quellwasser zu kosten. Und ganz im Sinne von Masaru Emoto, dem Wasserforscher, kann man dabei gute Gedanken pflegen, mit seinen Liebsten plauschen, lachen oder eine Melodie summen – das Wasser mag das, die Seele auch…

Wer mehr über die Geschichten, die Heiligenstatuen und deren Gedenktage erfahren möchte, meldet sich am besten im Tourismusbüro Imst zum Rundgang mit Verkostung an. Der Brunnenrundgang findet ganzjährig freitags von 16 bis 18 Uhr statt. Treffpunkt ist am Tourismusbüro in Imst. Kosten: 1 Euro pro Person. Mindestteilnehmerzahl: 2 Personen. Anmeldung erforderlich. 

Rosengartenschlucht: Zur Blauen Grotte ab Stadtmitte
Neben einer beträchtlichen Zahl an Brunnen, zeugen Salvesen-, Hachle- und Rosengartenschlucht, wie Wasser im Laufe von Jahrtausenden die Landschaft veränderten. Besonders beeindruckend ist die Rosengartenschlucht, deren Name von den vielen Alpenrosen in der Klamm rührt. Während der Blütezeit zwischen Ende Juni und Ende Juli tauchen sie die Schlucht in eine tiefrote Farbe. 

Auf 1,5 Kilometern Länge hat sich vor 20.000 Jahren der Schinderbach einen Weg durchs Gestein gegraben – als imposantes Zeichen der letzten Eiszeit, sozusagen. Wer dem Wasserweg aufwärts folgt, startet ganz bequem in der Stadtmitte, natürlich an einem Brunnen, dem Schutzengelbrunnen. Der Weg führt zunächst auf einer geteerten Straße bis zur ersten Brücke. Hier sollte man sich unbedingt  noch einmal Richtung Stadt umdrehen, denn so eröffnet sich ein großartiger Blick aufs Imster Bergl – ebenfalls ein Überbleibsel aus der letzten Eiszeit – samt Kalvarienberg und Laurentiuskapelle. Die Kapelle stammt nachweislich aus dem 5. Jahrhundert und zählt zu den ältesten Kapellen Tirols. Nach der Überquerung des Baches wird der Weg durch die Klamm steiler, die Wände kommen näher und das Wasser stürzt mit voller Wucht Richtung Tal. Im Herzen der Schlucht, dort wo die Felswände besonders eng zusammenstehen und man durch einen Felstunnel geduckt hindurch schleichen muss, zischt und rauscht und gurgelt und peitscht der Schinderbach, sodass man kaum sein eigenes Wort versteht. Was wohl Wasserforscher Emoto zu derlei aufgebrachtem Wasser gesagt hätte? Möglicherweise hätte der Japaner erzürnte Berggeister dafür verantwortlich gemacht … 

Aber ganz so schlimm können die Geister nicht gestimmt sein, andernfalls hätten Sie am oberen Schluchtenende in Hoch-Imst nicht die „Blaue Grotte“ zugelassen. Denn genau genommen ist dieses einmalige blauschimmernde Wasserspiel von Menschenhand erschaffen worden. 

Bergbau, Bleiglanz und Vogelhandel
Schlüpft man am oberen Ende durch ein enges Felstor in die Blaue Grotte, umgibt einen sofort Ruhe, die nur vom gleichmäßigen Plätschern des Wassers sanft durchwoben wird. Weniger sanft und noch viel weniger ruhig hingegen war es hier in der Zeit des Bergbaus. Vor allem nach Blei wurde gesucht und das Gestein in Form von der Feuersetzmethode abgetragen. Bei dieser mühevollen und langwierigen Bergwerksarbeit entstand die Blaue Grotte. Seinen Höhepunkt hatte der Bergbau im 14. und 15. Jahrhundert. Imst war zu dieser Zeit reich – das Geld stammte aber nicht nur aus dem Bergbau, sondern auch aus dem Vogelhandel und deren Züchtung. Denn die Knappen nahmen in den Stollen Kanarienvögel mit, die immerzu sangen. Wenn die gelben Piepmätze das Singen aufhörten, waren die Bergmänner gewarnt und verließen samt ihren gefiederten Kumpel schnellstmöglich den Tunnel. Pfiffig, wie die Oberländer waren, machten sie aus der Not eine Tugend und zogen mit großen Vogelkäfigen in die Welt und verkauften die Singstars an andere Bergwerksleute. Bis nach Asien sollen die Imster gekommen sein und ein Spruch unter Vogelhändlern lautete: „Gelbe Vögel trage ich hinaus, goldene bringe ich nach Haus“. Womit das Geld gemeint war. In dieser Zeit entstand dann auch der höchste Kirchturm Tirols – als Zeichen des Wohlstandes und der Frömmigkeit.

Imst: Hütten-, Wander- und Kletterdrehkreuz
Drehkreuz Imst trifft die Vielfalt der Outdoormöglichkeiten wohl am besten, denn von Imst  aus kann man sternförmig in alle Himmelsrichtungen zu Wander- und Kletterzielen aufbrechen, die entweder gleich in der Stadt starten, oder die in kurzen Distanzen erreicht werden können, wie Pitztal, Ötztal oder der Arlberg. Bleibt man in Imst, führt ein Weg  in den Stadtteil Hoch-Imst, dem City-Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen, Klettersteige, Klettergebiete und Hüttentouren. Praktischerweise liegt hier auch die Talstation der Imster Bergbahnen, mit deren Hilfe man in gemütlichem Tempo ein paar Höhenmeter  gondelnd abkürzen kann. 

Eine schöne Hüttenrunde für alle, die lieber bergab, als bergauf unterwegs sind: Mit der Bergbahn bis zur Bergstation am Alpjoch schweben und über den aussichtsreichen Drischlsteig leicht bergab zur Muttekopfhütte wandern. Die Hüttenterrasse der „Mutte“ bietet einen grandiosen Blick ins Tal, drumherum bimmeln die Schafe mit ihren Glöckchen einen gleichmäßigen Kräuter-Jazz. Einige Murmeltiere pfeifen empört und die Dohlen keckern in der Luft.  Dazu ein frisch gemachter Kaspressknödel samt Kraut und Sauerrahm-Dip, wahrlich eine herrliche Idylle, die die Seele zum Schwingen bringt. So gestärkt geht es weiter talwärts Richtung Latschenhütte, liebevoll „Lahü“ genannt – ein weiteres Hüttenjuwel samt Terrasse und Kulinarik. Beseelt und gestärkt geht es über den wildromantischen Jägersteig in einer Dreiviertelstunde zur Untermarkteralm, die hier alle nur „U-Alm“ nennen. Und damit schließt sich der Hütten-Wanderkreis, den man bestenfalls im Sommer mit dem Freitags-„Grill-& Chill“-Event auf der U-Alm abschließt. Ein leckeres Steak auf dem Teller, dazu ein Glas Wein aus dem gutsortierten Hütten-Weinkeller und ein Liegestuhl mit Aussicht – mehr Urlaubsfeeling geht kaum. Außer vielleicht eine Fahrt mit dem Alpine Coaster, der längsten Alpen-Achterbahn der Welt. Allein oder zu zweit – egal. Der viel besungene Rückenwind bringt die Fahrer jeden Alters zum Juchzen, während die vierbeinigen Sommerfrischler am Bahnrand gemütlich ihre Kräuter weitermümmeln – sie kennen das Juchzen schon…

Wer beim Wandern lieber über die lange Distanz gehen will, der findet beispielsweise im Starkenberger Panoramaweg 52 Kilometer Wanderstrecke, aufgeteilt auf vier bis sieben Etappen. Lediglich eine Etappe ist als schwer eingestuft. Alle weiteren Abschnitte sind mittel bis leicht und auch mit sportlichen und wandererfahrenen Kindern gut machbar. Alle Informationen zum Weitwanderweg sowie Übernachtungsmöglichkeiten und Shuttleservices gibt es unter:
www.starkenberger-panoramaweg.com 

Imst: Klettereldorado und Climbers Paradise
Ein ganz eigenes Kapitel in Imst muss dem Klettern geschrieben werden: 680 Sportkletterrouten, 46 alpine Mehrseillängentouren, 12 Klettergärten, 4 Klettersteige und 4 Kletteranlagen sprechen eine deutliche Sprache und schreien förmlich danach, kletternd erobert zu werden. Von gemütlichen Einsteigerrouten in Tarrenz über fantastische Wandklettereien an der Roten Wand in Karres bis hin zu harten Sportkletterrouten am Götterwandl, zu dem die Crème de la Crème des Klettersports regelmäßig pilgert und sich die Finger lang zieht. Von Imst aus wurde auch die Online-Plattform „Climbers Paradise“ initiiert, samt strengen Qualitätskriterien was Sicherheit und Infrastruktur betrifft. 

Imst bietet Kletterern das ganze Jahr perfekte Möglichkeiten den vertikalen Sport auszuüben – vielleicht eine Erklärung weswegen in Imst mit Angy Eiter, Bettina Schöpf und Katharina Posch gleich drei der weltbesten Wettkampfkletterinnen leben und trainieren. Alle Klettergebiete im Überblick unter: www.climbers-paradise.com 

Alexandra Flür‘s Weinwelt: Die Tiroler Winzerin
Glaube versetzt zuweilen Berge, eine die immer an sich und den Weinbau in Tirol geglaubt hat, ist Alexandra Flür. Die gelernte Friseurin ist mittlerweile Vollblut-Winzerin und Sommelier, wobei die zuletzt genannte Ausbildung hat sie nur absolviert, damit sie den Skeptikern gleich eine Fachausbildung zu Beginn der Weinverkostung auftischen kann. Sonst, so die pfiffige Blondine, hätte es immer eine Stunde extra gedauert, alle von ihrem Wissen zu überzeugen. Ihre Haarfarbe, so Flür weiter, hatte ihr zu Beginn des Weinbauprojektes in die Karten gespielt. Sprich: Sie konnte einfach machen, weil ohnehin alle dachten: Was will eine blonde Friseurin im Weinbau, in Tirol? Die Antwort liefert die Winzerin im Glas: Erstklassige Weine, vor allem Weißweine wie Chardonnay, Müller-Thurgau und Solaris. Alexandra Flür hat nicht nur ihre Familie vom Weinbau überzeugt, sondern ihre Heimatgemeinde Tarrenz im Gurgltal zur Wiege des Nordtiroler Weinbaus gemacht. Belächelten  die Südtiroler Weinbauern zu Beginn das Projekt und offerierten ihr gerne ihr Wissen über Weinbau und das Winzergeschäft, besuchen Sie mittlerweile voller Respekt das Weingut Flür in Tarrenz und fragen ihrerseits nach. Aber Alexandra verrät nichts, wie sie lachend erklärt. Zum Weingut Flür gehört ein Hektar Weinberg mit 4200 Weinstöcken  in Tarrenz. Einen weiteren Hektar mit 5000 Weinstöcken hat die Familie dazugekauft, weil sich die Qualität der Weine samt ihrer interessanten Charakteristik schnell herumgesprochen hat und die  erlesenen Tropfen zuweilen schneller ausverkauft sind, als die Winzerin keltern kann. 

Weinverkostungen bietet Alexandra Flür ab 2 Personen an.
Voranmeldung telefonisch oder per E-Mail erforderlich:

www.weingut-fluer.at 

Weitere Informationen sowie eine Übersicht der Übernachtungsmöglichkeiten findet man auf der Homepage von Imst Tourismus unter:
www.imst.at
info@imst.at
Tel.: +43(0)5412 69100

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