Weniger neu – mehr Wert

Der Bergsteiger-Ausrüster Salewa denkt um und stellt sich damit auch gegen „Fast Fashion“.

Eine Verdopplung der weltweiten Bekleidungsproduktion innerhalb 14 Jahren. Ein Kleidungsstück wird heute nur noch halb so lange getragen wie vor 20 Jahren. Vier neue Kollektionen – im Jahr! Kaum ein Markt wird so überschwemmt wie der der Textilbranche. Platz für Recycling? Platz für Qualität? Oder gar für Innovation? Fehlanzeige!

Ja, kaum jemand wird in der aktuellen Situation nicht zum Umdenken gezwungen. Doch es gibt mehr zu tun, als nur das Abrutschen der eigenen Zahlen zu verhindern. Es gilt in die Zukunft zu blicken, die Chance zu ergreifen und vorrausschauend das Beste für uns alle zu tun!

Stefan Rainer, General Manager SALEWA

Salewa geht hier einen vorbildlichen Weg. Denn das managementgeführte Familienunternehmen überträgt kurzerhand 75% der aktuellen Sommerkollektion auf das kommende Jahr. So wird dem zunehmenden Abverkaufstrend entschieden entgegengetreten – aber auf lange Sicht vielleicht noch wichtiger: Die Südtiroler zielen mit dieser Entscheidung darauf ab, ihren Produkten wieder den angemessenen Wert zurückzugeben. Denn erst wenn wir unsere Kleidung wieder wirklich schätzen, wird sich die Bekleidungsbranche spürbar ändern. 

Zudem soll in Zukunft eine deutlichere Unterscheidung zwischen wirklich neuen Innovationen und Neuheiten lediglich auf SKU-Basis erreicht werden. SKU steht für Stock Keeping Unit, also eine individuelle Registriernummer die einem Produkt zugewiesen wird. Kunden werden sich dann daran gewöhnen müssen, nicht mehr jährlich neue Produkte in den Regalen zu finden. Dafür aber werden auch nicht mehr marginale Änderungen als Neuheit verkauft. Optimierte Produktqualität anstatt -quantität. Und mehr Zeit für echte Innovation! Unterm Strich also genau das, was sich die Kindschaft ohnehin wünscht.

Progressive Bergsportler stellen dabei natürlich weiterhin und wie gewohnt für Salewa die Zielgruppe dar. Der Fokus dabei wird im Sommer 21 auf das Alpinklettern gelegt. Hier wird es konkret eine neue Kollektion für Kletterer geben, die sich indoor auf Outdoor-Abenteuer vorbereiten.

Stefan Rainer, General Manager SALEWA, wünscht sich, andere Unternehmen mit dieser strategischen Entscheidung zu inspirieren: „Produkte länger haltbar machen, wirklich nachhaltige Produkte entwickeln und sich die notwendige Zeit für echte Innovationen nehmen. In Summe ein Mehrwert für die Konsumenten, unser Handelspartner und natürlich für uns als Spezialisten.“

Salewa wird sich mit dieser Taktik letztendlich nicht nur selbst einen Gefallen tun, sondern auch uns allen. Denn das Fast-Fashion-System läuft schon lange nicht mehr rund. Und das spüren auch die Konsumenten, die Salewas neue Strategie ganz bestimmt begrüßen werden.

Text: Benni Sauer

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