Wie aus dem Bilderbuch

Im Kufsteinerland, zwischen Wildem und Zahmen Kaiser

Drei Tage im Kufsteinerland. Auf Ski, zu Fuß, hier beim Rodeln, dort beim Langlaufen. Ganz entspannt und voll auf Zack. Lecker, spannend, interessant, nachhaltig und sicher. Die Region am Kaisergebirge kann nicht nur viel, sie ist viel! (Titelbild: © Alex Gretter)

Von Deutschland aus reisen wir ganz umweltbewusst und einfach mit dem Zug an. Das Kufsteinerland ist das Tor zu den Alpen und selbst mit dem Bayern-Ticket gut erreichbar. Im Gepäck: Nicht viel, denn die Ausrüstung, das Equipment für die unterschiedlichsten Aktivitäten, leihen wir ohnehin vor Ort. Also unkompliziert und leicht, erstmal einchecken im ARTE Hotel, mitten in Kufstein. Das Haus steht für Kunst und Lifestyle, sowie legeres Wohnen auf Vier-Sterne-Niveau. Ansprechende Architektur, klare Formensprache, viel Licht. Urban und trendig richten wir uns also ein. Viel Zeit bleibt uns aber nicht, denn als erstes wollen wir die Festungsstadt genauer kennenlernen und machen uns mit einem Stadtführer auf die engen Wege der Altstadt. 

Kufstein lernen wir dabei von den unterschiedlichsten Seiten kennen. Historisch spannend, mit einer beeindruckenden Geschichte. Aber auch kulturell und architektonisch vielfältig. Zu guter Letzt sogar noch musikalisch, als wir der berühmten Heldenorgel der Festung Kufstein lauschen. 1931 als tönendes Denkmal errichtet, erinnert die größte Freiluftorgel der Welt eindrucksvoll an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

© Peter von Felbert

Doch genug der Theorie, der Vergangenheit. Ein Imbiss in der Festungswirtschaft stärkt uns, holt uns ins Hier und Jetzt zurück, bevor wir ins benachbarte Thiersee fahren. Das Hochtal bei Kufstein mit dem gleichnamigen See liegt westlich der Stadt, hinter den nördlichen Ausläufern des Pendling verborgen. Beim Sporthaler in Hinterthiersee leihen wir uns die passende Langlaufausrüstung, um gemeinsam mit Langlaufguide Sepp Grasshofer die neue Loipe von Landl hinüber ins deutsche Bayrischzell anzutesten. Die Route führt vom Parkplatz über den Ursprungspass, entlang der Thierseer Ache, durch einen idyllischen Mischwald bis nach Bayrischzell. Bilderbuchstimmung auf voller Länge! Auf dem Rückweg bestaunen wir noch die Liebhaberskigebiete in Hinterthiersee und Mitterland, wo vor allem eines möglich ist: Der perfekte Winter-Familienurlaub!

Dann wird das Kufsteinerland erstmals so richtig lecker: Im Alpengasthof Schneeberg. Er liegt direkt am kleinen, familienfreundlichen und leistbaren Skigebiet in Hinterthiersee. Seit Generationen schon ist das Haus ein Begriff für Genießer, mit einer Mischung aus Tiroler Tradition, Herzlichkeit und höchstem Qualitätsbewusstsein. Vorwiegend Erzeugnisse aus der eigenen, landwirtschaftlichen Produktion, vom Bauern aus der Umgebung und von Biobauern aus Österreich kommen hier in die Küche. Und sollte einmal ein Produkt über die Landesgrenzen hinweg importiert werden müssen, so werden auch dann an bestimmten Prinzipien festgehalten. Fairtrade!

© VANMEY PHOTOGRAPHY

Zurück im ARTE Hotel fallen wir müde in die Betten. Satt und glücklich. Auch aber mit einem erwähnenswerten Muskelkater, denn die Sporteinheit auf der Loipe ließ Muskeln spürbar werden, deren Existenz wir zuvor noch angezweifelt hätten. Wirklich lange aber war die Nacht nicht, als wir uns wieder am Frühstücksbuffet treffen. Macht aber auch nichts. Draußen wird schon bald die Sonne über dem bewaldeten Winterkopf hervorblitzen, alles mit Farbe und gleißendem Licht überschütten. Also wird schnell gefrühstückt, ins südlich gelegene Söll hinübergefahren und da, wo gestern noch die schmalen Langlauflatten waren, schnallen wir uns jetzt schnittige Alpinski unter die Füße. Auf geht´s, auf die SkiWelt Tour! Von Söll nach Going. Von Going nach Westendorf. Und immer so weiter. Die SkiWelt Tour, stolz auch die längste Skirunde der Welt genannt, kann man im Uhrzeigersinn (grüne Markierung) und gegen den Uhrzeigersinn (orange Markierung) fahren. Mit 21 Talabfahrten bietet die Rundtour so viele wie kein anderes Skigebiet. Außerdem können Skifahrer ihre Routenplanung täglich so wählen, dass sie keinen Lift und keine Piste doppelt fahren – außer natürlich man möchte es!

Eines der größten und modernsten Skigebiete Österreichs, das ist die SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental. Mit 288 Pistenkilometern, 90 Seilbahnen und neun direkten Einstiegsorten. Dabei finden wirklich alle viel Spaß auf den Pisten, ganz egal ob Anfänger, Familie, Genuss- oder Profiskifahrer. Da ist es schon ein Erlebnis von Tal zu Tal zu schwingen, immer wieder neue Panoramaausblicke und leckere Schmankerl auf den Hütten zu genießen.

© Tirol Werbung | Oliver Soulas

Einmal mehr machen wir uns auf den Weg nach Thiersee. Es ist schon stockfinster, als wir mit dem einfachen Aufstieg zur Kala-Alm beginnen. Durch die eiskalte Nacht, durch die wunderschön verschneite Gebirgswelt, gewinnen wir sanft an Höhe und können schon bald die ersten Blicke hinab auf die warm leuchtenden Talorte erhaschen. Keine Stunde später erreichen wir die Kala-Alm. Am Westhang des Pendling wartet die urige Hütte auf beinahe 1400 Metern. Bereits in dritter Generation bewirten Renate und Domitius Mairhofer mit ihrer Tochter Stefanie hier heroben mit großer Leidenschaft ihre Gäste. Deftige Hüttenkost, verschiedenste vegetarische und saisonale Schmankerl und natürlich immer nur Fleisch, das aus der Dorfmetzgerei aus Thiersee bezogen wird. Regionalität! Regionalität, Nachhaltigkeit und gelebtes Bewusstsein für die Natur. Das idyllische Plätzchen hier oben lädt so zum Verweilen, aber auch zu einem kleinen Spaziergängen unter dem klaren Nachthimmel. Wer für einige Meter Richtung Osten geht, wird sogar mit einem beeindruckenden Bilderbuch-Blick ins Inntal und auf den dahinter aufragenden Kaisergebirge belohnt.

Wir aber trinken unsere Heißgetränke aus und setzen uns auf die Rodel. Ob Einzel- oder Doppelsitzer, die Naturrodelbahn startet direkt vor der Türe der Kala-Alm, ist auch in den Waldabschnitten schneesicher, bestens präpariert und gut ausgeleuchtet. Der Gaudi steht also nichts mehr im Wege und nach dreieinhalb Kilometern erreichen wir durchgeschüttelt, schneebestäubt und lachend wieder den Talboden. Ein Bilderbuchtag des Kufsteiner Winters geht nun endgültig zu Ende. Denken wir…

© Sportalpen Marketing

Langlaufen, Skifahren, Rodeln. Langsam machen sich die langen Tage bemerkbar. Auch der gestrige, späte Besuch des Stollen 1930 hätte uns heute eigentlich erst etwas langsamer aus den Federn kommen lassen sollen. Die renommierte Ginbar liegt zwar mitten in Kufstein, ist aber dennoch gut versteckt. Hat man die Schwelle der Bar aber erst einmal überschritten, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus: lässig-stilvolle Einrichtung, Musik aus den 1930ern, Cocktails, die schon vor fast einem Jahrhundert beliebt waren und Gin soweit das Auge reicht. Die Gin Gallery, mit über 850 verschiedenen Sorten, steht sogar als eine der weltgrößten Sammlung im Guinness-Buch der Rekorde!

Doch Ausschlafen ist heute nicht drin. Schon um 6 Uhr in der Früh sind wir mit Harald Löffel, unserem Wanderguide verabredet. Er führt uns wenig später durch die klirrende Kälte, hinein ins Kaisertal, wo uns der leuchtende Vollmond den Weg weist. Einmal im Monat, also immer, wenn der Erdtrabant voll beleuchtet am Himmel steht, führt Harald Frühaufsteher in das Tal, das 2016 sogar vom ORF zum schönsten Platz Österreichs gekürt wurde. Noch ist davon aber nicht viel zu sehen und wir lassen noch eine ganze Weile den Schnee unter unseren Füßen knarzen. Dabei steigen wir die rund 300 Stufen des Kaiseraufstiegs hinauf und überbrücken insgesamt mehr als 600 Höhenmeter. Der letzte Kraftakt unseres Ausfluges ins Kufsteinerland hat es noch einmal in sich. Fast schon unsere letzten Kräfte mobilisieren wir, als am Horizont erstmals ein warmer Streif entdeckt wird. Schnell wird er heller und auch wir nehmen die Füße in die Hand, um rechtzeitig an der Alm zu sein. Es soll eine Punktlandung werden. Ein leckeres Frühstück, die warmen Sonennstrahlen im Gesicht und ein überwältigendes, orangeglühendes Winterpanorama. Wie aus dem Bilderbuch!

Text: Benni Sauer | Matthias Albrecht

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