Wie geht das denn nochmals mit dem Radfahren?

Bunny Hopp – Drop – Drift – Prime Line – Rasieren – Surfen – Manual – Wheelie – Nähmaschine – schwarz – grau – nice oder mint?

Ok, ich war in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr so oft auf dem Bike, aber bei der letzten Runde mit meinen Jungs habe ich wirklich nur die Hälfte verstanden. Der junge Belgier Rob Vanden Haesevelde und Style- Ikone Simon Gegenheimer, beide Profis des UCI Mountainbike Racingteam, erklären uns das kleine Vokabular der Biker-Szene und zudem die dazu passenden Grundlagen in Sachen Fahrtechnik.

#1 Bunny Hop
Dieser Trick stammt an sich vom BMX ab und diente dazu, andere, nachfolgende Tricks in der Luft zu machen. Mit dem Mountainbike oder Cyclocrosser lassen sich jedoch damit auch super Hindernisse überwinden. Beim Bunny Hop zieht der Fahrer den Lenker nach oben, sodass er kurz auf dem Hinterrad ist. Dann springt er mit aller Kraft nach oben, wobei er sobald das Vorderrad ausreichend weit oben ist, dieses wieder nach unten drückt. Hierdurch wird die vertikale Aufwärtsbewegung des Hinterrads eingeleitet. Klickpedale bringen mehr Stabilität, die Könner machen es jedoch auch ohne.

#2 Drop
Der Drop ist ein Sprung über eine Kante und einer der häufigsten Sprünge bei den Olympischen Cross-Country-Weltcups. Dieser Sprung benötigt kein echtes Abspringen des Fahrers. Man verlagert lediglich das Gewicht nach hinten, sodass auch nach der Absprungkante, Vorderrad und Hinterrad auf derselben Höhe bleiben und bereit für die Landung sind. Sozusagen ein kurzes 1,5 m langes Surfen (#4) über die Absprungkante hinaus.

#3 Double
Beim Double findet sich im Gegensatz zum Drop eine zu überwindende Fläche. Absprung und Landung bestehen also aus zwei einzelnen Teilen. Den Double findet man auch in den in vielen Großstädten ansässigen Pumptracks. Mit genügend Schwung kann das Wellental hier dann nicht mehr durchfahren, sondern direkt und auch schneller übersprungen werden.

#4 Surfen, Manual, Wheelie
Grundsätzlich geht es hierbei immer darum, das Vorderrad vom Boden weg zu bekommen. Entscheidend ist die Gewichtsverlagerung. Hebt man das Vorderrad durch Muskelkraft und angelegte Oberarme, wird es schnell wieder zu Boden sinken. Entscheidend ist, dass der gesamte Körperschwerpunkt möglichst in Richtung Hinterachse geht. Dabei kommt der Wheelie pedalierend eher vor der Eisdiele zum Einsatz. Beim Surfen – oder das etwas modernere Wort dafür: dem Manual – wird hingegen nicht getreten. Der Manuel gehört zu den fortgeschrittenen aber dennoch grundlegenden Techniken. Hindernisse wie Steine, Wurzeln, Schlammlöcher, Bäche, Pfützen oder auch ein kleiner Drop können damit sicher und stylisch überfahren werden.

#5 Drift
Beim Drift wird das Hinterrad durch Blockieren des Reifens in eine Richtungsänderung gedrängt. Der Drift dient dabei nicht nur, um Gummistriche auf den Asphalt zu bekommen, sondern kann speziell auf Schotter- oder Sandkurven bei hohen Geschwindigkeiten Kontrolle bringen. Gedriftet wird dabei eher am Kurveneingang. Ist die Ausfahrtsrichtung eingedreht, kann die Bremse wieder gelöst werden. Durch das Driften verändert man erstens die Fahrtrichtung positiv zum Kurvenausgang und zudem entlastet man das Vorderrad, sodass hier der Grip vollkommen für das Lenken und Eindrehen gegeben ist.

#6 Umsetzen
Das Umsetzen wird in engen, nahezu unfahrbaren Spitzkehren angewandt. Man fährt die Kurve so weit außen an als möglich und lenkt anschließend relativ spitz ein. Durch Blockieren des Vorderrades wird nun das Hinterrad angehoben. Dabei drückt man das Hinterrad durch eine Körperbewegung in Richtung Kurvenäußeres und verändert den Lenkwinkel zum Kurvenausgang. Eine Spitzkehre lässt sich bei den Profis mit einem Umsetzer des Hinterrades blitzschnell und eingeklickt durchfahren. Zum Einstieg können aber mehrere, kleine Umsetzer auch zum Erfolg führen.

#7 Das Vokabular der Bikerjugend
Prime Line: Schöne Fahrlinie, wird hauptsächlich bei Abfahrten benutzt
Rasieren: Abhängen seiner Gegner
Nähmaschine: Ein schnelles Pedalieren mit Trittfrequenzen von über 120
Grau: Zustand starker Erschöpfung
Schwarz: Zustand vollkommener Erschöpfung
Nice: Sehr schön
Mint: Sehr erfrischend (wird hauptsächlich bei neuen Erfahrungen angewandt)
Sheeeesh: Echt jetzt? Das ist kaum zu glauben
Ehrenmann/-frau: respektvolles Verhalten, zum Beispiel anderen Windschatten geben
Steezy: Besonders stylische Manöver
Ballern: Sehr hartes Trainieren
Factory: ein optisch abgestimmter, markenerzogener Gesamtauftritt
Cruisen: Möglichst cooles Herumfahren
Epic: In Erinnerung bleibend
Sick: Ausruf für ein mutiges, aber gutes Manöver
Flexen: Positives Aufzeigen seines Könnens
Segmente jagen: Schnelles Trainieren, um möglichst viele Strava KOM (King of Mountain) zu erlangen
Send it/Full send: Vollgas

Rob Vanden Haesevelde

Young Gun     |     BEL     |     3. November 1996
1st UCI Strazilovo SRB
3rd UCI Sfendami GRE
4th UCI Marathon Worldcup HUN
Simon Gegenheimer

Sprinter     |     GER     |     17. Dezember 1988
Overall Worldcup Winner 2017
4x World Championship medalist
6x Worldcup Winner
4x German Champion

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